Anleitung zum Entlieben

11.09.2005 um 23:59 Uhr

Du mich auch

von: Lapared

Eben habe ich das Handy wieder angeschaltet. Mit zusammengekniffenen Augen. 12 Nachrichten? 15? 20? Ich war auf alles gefasst. Nur darauf nicht: keine. Halleluja! Er begreift schnell, der kleine Tulpenmann. Zur Belohnung habe ich ihn angerufen.

Ich: Ich rufe nur an, um Dir zu sagen, wie froh ich bin, dass Du nicht angerufen hast.
Er: Sehr gut, das hat mich nämlich große Anstrengung gekostet.
Ich: Ich weiß das zu schätzen. Ich wollte Dich eigentlich zum Mond schießen, aber wie Du siehst, habe ich es mir anders überlegt
Er: Ich bin auch kein Freund von Fernreisen. Siehst Du, wir haben ähnliche Interessen! Also bist Du mit Venedig einverstanden?
Ich: Ich lege jetzt wieder auf.
Er: Du machst mich sehr glücklich.
Ich lege auf, ich schließe die Augen, ich atme aus.
Ich: DU… MICH… AUCH!

Ist es das? Sind das die Möglichkeiten, zwischen denen man sich (bestenfalls!) entscheiden darf: verhungern oder verschlungen werden? Gibt es denn nichts dazwischen?

11.09.2005 um 13:03 Uhr

Piep Piep! Piep Piep! Piep Piep! Piep Piep! ... (hier würde ich gerne - als verdeutlichende Übertreibung - ein Unendlich-Zeichen setzen, finde auf meiner Tastatur aber keine entsprechende Taste)

von: Lapared

Es macht mich wahnsinnig. 9.17 Piep Piep! (um mir mitzuteilen, dass er noch im Bett liegt und an mich denkt. – Und ich liege im Bett und habe bis zum Piepen geschlafen.) 9.36 Piep Piep! (um mir mitzuteilen, dass ich in seiner Phantasie mit ihm im Bett liege. - Welch enormer gedanklicher Schritt.) 9.49 Piep Piep! (um mir mitzuteilen, dass ich in seiner Phantasie mit ihm schlafe! – Schade, ich dachte ich würde vielleicht anfangen, eine Obstschale zu töpfern.) 9.57 Piep Piep! (um mir mitzuteilen, dass er gekommen ist. – Na fein. Wie war ich?)

Und so geht das seit Tagen. Am Anfang habe ich ihm nach solchen Attacken ein wohlwollendes „:-)“ gesimst. Immerhin hatte der Holländer – nein, nennen wir ihn in diesem intimen Zusammenhang doch ruhig ein wenig persönlicher beim Vornamen – immerhin hatte Dick vor mir onaniert, und ich wollte im Hinblick auf zukünftig nicht ganz auszuschließende Möglichkeiten keine bleibenden Schäden anrichten. Man weiß, wie sensibel diese Dicks manchmal sind. Also „:-)“.

Aber dann stand ich gerade mal unter der Dusche, mit nichts als dem Rauschen des warmen Wassers in den Ohren, somit taub für Piep Piep und nicht zur Stelle um „:-)“ zu simsen. Und so nahm die Geschichte einen ganz neuen Verlauf. Also, 9.57 Piep Piep! (um mir mitzuteilen, dass er gekommen ist. – Und körperpflegebedingt kein „:-)“.)

10.02 Piep Piep! („Böse?“ – Keineswegs. Ich dusche noch.) 10.04 Piep Piep! („Sorry, you are in my mind.“ – Yes, and still unter der Dusche.) 10.07 Piep Piep! („Allways! Every minute of the day!“ – Duschen ist eine herrliche Sache und so eine Haarkur muss nun mal 10 Minuten einwirken.) 10.09 Piep Piep! („Sorry, that was a mistake, I know.“ – Die Beine müsste ich mir auch mal wieder rasieren.) 10.12 Piep Piep! („I´m so sorry, please call me!“ – Erst das eine...) 10.14 Piep Piep! („I´m going mad, can I call you?“ - Dann das andere...) 10.15 Ring Ring! (Und die Achseln...)

Kurzum, als ich nach einer viertel Stunde aus der Dusche kam, hatte ich sieben postejakulative Nachrichten auf dem Handy, sechs gesimste und eine verbale – und was soll ich sagen... Ich finde das nicht schön. Ich weiß, es ist rührend, aber für mich ist das nun mal entschieden zu viel.

Heute habe ich das Handy ausgeschaltet.

11.09.2005 um 00:51 Uhr

Immer noch da

von: Lapared

Guten Abend. Ich hoffe, es geht Ihnen gut. Ich finde es sehr freundlich, dass Sie an Curd Rocks Geschichte Anteil nehmen. Mein Name ist Hope und ich versuche, Teil von ihr zu werden.

Wie gesagt, ich weiß, wie meine Chancen stehen. Curd Rock ist nicht gerade über mich hergefallen, als ich zu Gast auf seiner Couch war. Und nach drei Tagen war er meiner derart überdrüssig, dass er hinter seinem dicken Couchkissen geweint hat. So verzweifelt war er. Weil er andererseits nämlich auch jemand ist, der niemandem wehtun kann. Und da wusste er gar nicht, was er tun soll. Er sehnte mich fort, aber mich wegschicken, dazu war er nicht im Stande. Armes Curd Röckchen. Ich, stets klug, habe dann von selbst die Couch geräumt. Bin den Flur runter ins Schlafzimmer gezogen, wo zufällig vor kurzem ein Bett frei geworden ist. Da liege ich nun und übe mich in stiller Zurückhaltung (abgesehen von den Signalen, die meine überaktiven Denkknubbel ständig unkontrolliert an ihn aussenden - Gedanken lassen sich nicht zurückhalten). Mehr kann ich nicht tun. Geduld ist die entschiedenste Form des Kämpfens. Aber ob das am Ende reichen wird?
Tja, ich glaube schon. Ich glaube, ich habe eine Chance. Andernfalls hieße ich nicht Hope sondern Doubt. Doubt, welch selten beschissener Name.