Anleitung zum Entlieben

27.10.2005 um 19:04 Uhr

1000 x hoem

von: Lapared

Amsterdam! Kein WLAN, aber wozu gibt es Internetcafes. Was bisher geschah...

(Gestern im Zug, noch fuenf... - keine ue-Puenktchen in Holland- noch fuenfeinhalb Stunden bis Amsterdam)

Endlich. Ich dachte schon, es kommt nie mehr. Ich dachte schon, ich koennte mir den kleinen Ausflug ins Tulpenland im Grunde sparen. Ich dachte schon, das wird sowieso nichts mit Dick (mal unter uns, welche wirklich verliebte Frau trifft sich, bevor sie zum Auserwaehlten faehrt, schon mal mit Moeglichkeit B, bzw.  - im konkreten Falle - Moeglichkeit P fuer Paul!?) Aber jetzt, wo ich im Zug sitze, ist es ploetzlich da: Ich bin aufgeregt, ungeduldig, ich freue mich auf Dick. Ich kann es kaum erwarten, den kleinen Tulpenmann wiederzusehen. Na endlich!

Und was Paul angeht... Ich weiss auch nicht, warum ich ihn unbedingt gestern noch treffen musste, unbedingt noch vor Amsterdam. War es wirklich so, wie ich geschrieben habe, wollte ich einfach den Druck aus der Dicksache nehmen? Oder weigere ich mich einfach, schon wieder alle Eier in einen Korb zu legen? Will ich lieber noch Ersatzeierkoerbchen zu Hause stehen haben und nur mit halber Ladung zu Dick fahren? Die Vorteile muss man nicht erklaeren, so Eierchen sind ja sehr zerbrechlich. Aber... kann man sich mit halb gefuelltem Koerbchen verlieben? Oder anders gefragt: Kann man mit halbem Einsatz den Jackpot knacken? Die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr hoch.

Aber wie auch immer... Gerade kommt es mir so vor, als haette ich schnell noch umgepackt. Gerade scheint es mir als haette ich alle Eierchen vollzaehlig im Korb.

 

(Gestern im Zug, noch 97 Minuten bis Amsterdam)

Ein nicht angenommener Anruf (guess who), eine SMS von Paul. Meine Eierchen bleiben geschlossen im Holland-Korb.

 

(Gestern im Zug, noch 12 Minuten bis Amsterdam)

Hoffentlich sieht er gut aus. Ich gebe es ungern zu, aber manchmal koennen Kleinigkeiten wie z.B. ein Rueckenwindbedingter Mirielle Mathieu Pony... oder eine mit einem enggezogenen Guertel auf Taille getragene Worker-Jeans... oder Frottee-Socken, die aus Bommel-Schuhen quellen (sie muessen nicht mal weiss sein) in mir selbst halbwegs vertrauten Menschen gegenueber einen Moment des Befremdens hervorrufen, von dem ich mich danach nie wieder vollstaendig erhole. Selbst wenn ich diesen Moment ueberwinde, bleibt er doch stets abrufbar in meinen Archiven gespeichert und wird, wenn die Sache neu zur Verhandlung kommt, wieder ans Licht gezehrt. Es ist abscheulich, ich weiss, und ich will das gar nicht. Aber ich kann nichts dagegen tun.

Hoffentlich hat er keinen Rueckenwind.

 

(Heute, jetzt) 

Er hatte keinen Rueckenwind. Im Gegenteil, er lief ueber alle Ohren strahlende neben dem einfahrende Zug her, und er hatte sowas von Gegenwind. Sowas von keinen Pony. Ich sah ihn und ich dachte - sorry, das ist jetzt nicht sehr originell - vielleicht ist es das, vielleicht bin ich jetzt wirklich angekommen, vielleicht wird alles gut.

Seit dem sind fast 24 Stunden vergangen. Und eine Menge hat sich geaendert. Mindestens 1,5 bis 2 der obigen 3 "vielleichts" wuerde ich tendentiell gefuehlmaessig streichen. Oder um es etwas klassischer zu formulieren: Ich bin verliebt (lautes, dreifaches Tae-tae!)

Und wie unter diesen Umstaenden fast unvermeidlich: Es war ein "wunderbarer Tag" (dass ich diese Wendung noch mal benutze!). Wir sind - auf Hollandraedern!!! - durch Amsterdam gekurvt, waren Einkaufen, in Ausstellungen und Coffee-Shops (hoem)... und ich blicke optimistisch voraus auf einen Abend in der Eishalle - und eine "wunderbare Nacht" (dass ich vor allem diese Wendung noch mal benutze!) Nee, das Leben kann so schoen sein... 1000 x hoem.

(Uebrigens Curd: Er gruesst. Er hat auch schon jede Menge erlebt. Wenn wir zurueck sind, laedt er zum Dia-Abend...)