Anleitung zum Entlieben

24.11.2005 um 22:47 Uhr

Heiße Luft, wohin?

von: Lapared

Und auch das ist typisch: Nach spätestens zwei, drei Stunden ist der Anfall seinerseits vorbei, er selbst vergisst, wovon er eben noch besessen war, und macht fröhlich pfeifend andere Pläne. Und ich?

Wenn ich dann bis an die Zähne vorbereitet, mit der perfekten, kleinen (in der Sache klaren, im Ton liebevollen) Rede endlich bei Dick anrufe, sagt er schon nach dem ersten einführende Satz: Du hast Recht, Pip, kein Problem, ich war ein Idiot, wir müssen nicht darüber reden.

Super. Ich sacke zusammen wie eine inkontinente Schwimmhilfe. Mein aufgeblasener gelber Entenhals erschlafft.

Aber ich bin ja so lernfähig: In Zukunft also keine Reden mehr planen, sondern einfach still ein bisschen Zeit verstreichen lassen. Und wenn überhaupt groß Gedanken machen, dann höchstens mal darüber, wo Lernfähigkeit aufhört… und Selbstverleugnung anfängt.

Bin ich wirklich der Typ, der langfristig aufs Impulsive steht?

24.11.2005 um 18:17 Uhr

Herz gegen Gans

von: Lapared

Das war klar. Das war SO klar.

Natürlich hält sich Dick wegen Weihnachten dran. Wie alles, was man ihm verweigert, will er ausgerechnet das so ungeduldig und unbedingt, dass er dafür anderes, was er schon hat, aufs Spiel setzt.

Aber was ist schon mein Herz verglichen mit der gefüllten Gans meiner Mutter!?

24.11.2005 um 14:37 Uhr

Familienpolitik

von: Lapared

Seit 25 Jahren verfolge ich, was mein Liebesleben angeht, eine ganz klare Haltung. Zumindest meinen Eltern gegenüber.

Nachdem mich Justus B. und Matthias K. - zwei frühpubertierende Schulkameraden - damals eines unseligen Samstagnachmittags uneingeladen zuhause besucht hatten, was meinen Vater noch Tage später zu lustigen Neckereien verlockte („Na, für wen hat unser junges Fräuleinchen sich denn so chic gemacht?“), und meiner Mutter am Ende jedes ihrer zahllosen bündnisschmiedenden Telefonate mit Genossinnen und Genossen als putziges Privat-Geplänkel diente („...hör ma, unsere L. hat jetzt zwei kleine Verehrer - schreist Dich weg!!!“), war meine offizielle und inoffizielle Stellungnahme zu diesem Thema die Folgende:

„Lieber Papa, liebe Mama... Meinen Ehemann lernt Ihr auf meiner Hochzeit kennen. Alles davor geht Euch einen Scheißdreck an!“

Und genaus so bin ich die letzten 25 Jahre auch verfahren. Nie, ich wiederhole NIE, habe ich ein männliches Wesen mit nach Haus gebracht (ein weibliches sicherheitshalber auch nicht, Eltern kommen ja leicht auf Ideen). Und wenn jemand fragte, ob es da jemanden gäbe, antwortete ich an auskunftsfreudigen Tagen „Niemand, den ich heiraten werde!“ und in weniger gesprächigen Phasen mit bezauberndem Lächeln... gar nicht.
25 Jahre lang hat das wunderbar funktioniert.

Und nun kommt Dick plötzlich daher und will Weihnachten mit zu meiner Familie.

„Dick“, sage ich, „ich weiß nicht, ich bin nicht so der „Vater der Braut“-Typ, können wir uns den Firlefanz nicht sparen? Heiligabend fahre ich zu meinen Eltern, beschenke sie großzügig mit meiner stumm lächelnden Anwesenheit und verzehre 2 Kilo Rotkohl mit brauner Soße und Apfelkompott. Aber danach komme ich gern und pupse in Deinen Armen gen Neujahr, okay?!

Natürlich war er verletzt. Natürlich. Aber 25 Jahre kompromisslose Familienpolitik deshalb gleich in den Wind schreiben? Einknicken und das dann womöglich noch als „Endlich erwachsen werden“ bezeichnen? Nee! Definitiv, unwiderruflich: nee.

Sorry.

24.11.2005 um 11:21 Uhr

Schade

von: Lapared

Gestern Abend haben sie gefragt, ob ich nicht bis Weihnachten bleiben kann. Nee, sag ich, bin schon wo anders gebucht. Schade, haben sie gesagt.

Schade? Hm. Schade... Über die eventuellen Implikationen dieses Wörtchens werde ich vielleicht noch mal in Ruhe nachdenken müssen. Aber was soll ich sagen... instinktiv wird mir der ganze Kackverein erheblich sympathischer. Höm.