Anleitung zum Entlieben

31.12.2005 um 20:41 Uhr

Der doofe Sven

von: Lapared

Als Kind hatte ich mal einen Goldfisch. Sven. Sven und ich standen uns nie wirklich nah, wahrscheinlich weil Sven kein Dackel war, und einen Dackel hatte ich mir eigentlich gewünscht. Sven war so doof. Richtig doof. Eine Zeit lang habe ich mich bemüht, ihm etwas beizubringen. Nichts Großartiges, ich hab nicht verlangt, dass er Klavier spielt oder so. Aber Sven blieb doof. Wenn ich aus der Schule kam und an seine Scheibe klopfte, zeigte er keinerlei Gesten des Erkennens, kein Blick, kein Schwanzwedeln und erst recht kein dreifacher Lutz, was eigentlich meine erzieherische Vision gewesen war, als ich mit Svens Unterricht begann. Aber bei aller seiner Doofheit konnte Sven etwas, das ich bis heute nicht hinkriege. Er konnte aufhören, wenn er satt war. Egal wie viel Futter man ihm ins Glas streute, Sven wusste, wann es genug war. Und hörte auf.

Bei mir war der Zeitpunkt eigentlich gestern Morgen erreicht. Gestern Morgen, als ich mir plötzlich wünschte, D. würde sich die Zähne putzen, bevor er so fröhlich drauf los vögelt. Und seine Zahnbürste läge noch in Amsterdam, von da müsse er sie erst holen. Und käme dabei in einen kleinen Stau. So drei bis dreißig Kilometerchen.

Da wusste ich, dass ich satt war. Dass es nach fünf Tagen, die wir ununterbrochen zusammen waren, für mich an der Zeit war, die Rückreise anzutreten. Und erstmal wieder ein bisschen allein vor mich hinzupuschern. Aber dann dachte ich: Einen Tag vor Sylvester fahren und ihn allein sitzen lassen? Wo er sich so darauf gefreut hat? LPunkt, das kannste nicht machen...

Dummer Fehler. Saudummer Fehler. Aber wenigstens hab ich jetzt einen Vorsatz fürs neue Jahr: Hör auf, wenn Du satt bist... Do it like Sven.

Einen netten Rutsch und ähnlich anspruchsvolle Vorsätze fürs neue Jahr wünschen

L. & C.R.

30.12.2005 um 21:54 Uhr

Hotel New York

von: Lapared

Ich komme mir vor wie 16. Nicht wie ICH mit 16, Gott bewahre. Da war ich schon genauso neurotisch und zwanghaft wie heute - und dazu noch in der Pupertät. Ich komme mir vor wie das romantische Klischee einer 16-Jährigen, süß (ich ertappe mich beim unmotivierten Lächeln), dünn (ja, Glück verschlägt mir den Appetit), langhaarig (mit Mittelscheitel!!!)… und permanent bekifft. Mädels, wir sind in Amsterdam.

Aber jetzt nicht mehr. Zum Jahreswechsel haben wir uns in Rotterdam einquartiert. Rotterdam scheint mir irgendwie „solider“ als Amsterdam. Weniger Kunst, weniger Schein, die Menschen sind nicht so schön, sie arbeiten hart. Wir wohnen im Hotel New York mitten im Hafen. Ein sehr altes Hotel, früher legten hier die Schiffe ab, die Linie Rotterdam – New York, mit der Tausende europäische Emigranten aufbrachen in die neue Welt. Ihr Hab und Gut in ein paar Koffern, in den Herzen Hoffnung und in den Augen Tränen. Hier, auf dem Platz vor unserem Fenster, standen sie und nahmen Abschied, umarmten ihre Eltern, Geschwister, Freunde, ihre Geliebten... und ihnen war klar, dass sie sie niemals wieder sehen. Sie drückten sie an sich, lauschten ein letztes Mal dem Schlagen ihrer Herzen, zogen ihren Geruch in sich auf... und dann ließen sie sie los. Sie ließen sie los. Sie ließen los. Got it?

Morgen feiere ich hier mit D. Sylvester. Ich hoffe, ich schaffe es auch.

29.12.2005 um 18:38 Uhr

Quelle-Kataloge

von: Lapared

Ich beschaeftige mich gerne selbst. Schon im Laufstall konnte ich mich stundenlang der Aufgabe hingeben, Quelle-Kataloge zu zerreissen. Seite fuer Seite. Fuer Aussenstehende macht das vielleicht keinen Sinn (obwohl... was sonst kann man mit Quelle-Katalogen machen?), aber innerhalb meines System ist es funktional. D., sag ich deshalb, D., lass mich taeglich meinen Quelle-Katalog zerreissen, ansonsten kannst Du mit mir machen, was Du willst. Er versteht das. Es funktioniert. Unglaublich, es funktioniert! Ich weiss nicht, wann ich mich das letzte Mal so wohl gefuehlt habe. Und ich finde es richtig und wichtig, ihm das auch zu sagen.

Ich: Ich weiss nicht, wann ich mich das letzte Mal so wohl gefuehlt habe. Ich glaub als Kind bei meiner Oma.

D.: Das ist toll (schnauf). Das groesste Kompliment, das mir eine Frau je im Bett gemacht hat (schnauf).

Ich: Oma war fantastisch. Der einzige Mensch, bei dem ich mich sicher gefuehlt hab.

D.: Na dann (schnauf)... ist es mir eine Ehre.

Ich: Darueber hinaus siehst Du besser aus als meine Oma.

D.: Danke Schatz, Du siehst auch besser aus (schnauf)... als meine Oma (schnauf  schnauf).

Ich: Und Deine Zaehne stehen nicht neben dem Bett.

D.: Stimmt, beim Ficken lasse ich sie gerne drin (schnauf schnauf schnauf).

Ich: Das ist sehr sexy!

D.: Ja? Du bist auch sehr sexy (schwer schnauf).

Ich: Hoem...

D.: Hoem...

...

...

Tja, so nett kann ich sein. Man muss mich nur in Ruhe meine Quelle-Kataloge zerreissen lassen.

 

28.12.2005 um 17:49 Uhr

Ferien

von: Lapared

Nach den Ferien war ich in meiner Schulklasse immer erstmal ein kleine Sensation. Weil ich so braun war, jedes Mal nach den Ferien war ich tief braun. Im Winter nur bis zum Kinn, was aber nicht auffiel, weil es die Zeit der "Rollis" war (die aus Polyester, die man unter der Bluse trug, wenn man etwas Chic hatte), und der Sternzeichenanhaenger, die man an kurzen Silberkettchen ueber den Rollikragen raus baumeln liess. Im Sommer war ich von oben bis unten braun, "schwarz wie ein Neger" wie man damals leichthin sagte, denn der Begriff der political correctness war damals noch nicht sehr populaer, ebenso wenig wie Sonnenstudios. An der ganzen Schule gab es ausser mir hoechstens sechs oder sieben Kinder, die nach den Ferien so braun waren, meine Schwester schon mitgezaehlt. Eine kleine priviligierte Elite, noch heute mit einem fuenf mal hoeheren Hautkrebsrisiko ausgestattet und damals mit Eltern, die mit ihnen in den grossen Ferien ins ferne Italien fuhren und nicht wie das gemein Volk um die Ecke nach Holland oder Daenemark. Oder an den Baggersee.

Vielleicht hat es deshalb so lange gedauert, bis ich Holland als Reiseland fuer mich entdeckt habe. Weil es aus jener Zeit dieses 2. Klasse-Ferien-Stigma hat, ohne Braunwerden. "Da ist es doch genauso beschissen wie hier", kreischte meine Mutter immer, wenn Papa, voller Sorge wegen des stets ein bisschen zu grossen Fusses, auf dem wir lebten, den Vorschlag vorzubringen wagte, man koenne dieses Jahr doch einfach mal an die Nordsee fahren. Sie hatte ja keine Ahnung.

Ich jedenfalls verbringe zurzeit die besten Ferien, die ich jemals hatte. Das Quartier ist von ausgesuchter Einfachheit, wunderschoen ausgesucht, ein kleines altes Haus, in dem es morgens nach Holz und warmer Milch durftet. Der Service... liebevoll. Behutsam, leise, die Ungeduld der 1000 SMS ist jetzt, wo ich hier bin, wie verpufft. D. ist die Ruhe in Person und laesst mich. Ich, Putzteufel, Kontrollfreak, Kalorienzaehler... aus irgeneinem Grund habe ich bei D. Urlaub von mir selbst. Und ich versichere, nichts, nichts auf der Welt koennte erholsamer sein. Auch, wenn ich dabei kein Stueck braun werde.

Besuchen Sie Holland!

27.12.2005 um 18:57 Uhr

Ort und Raum

von: Lapared

Man kennt das ja. Man sitzt so in Aegypten, relaxt, wie es sich fuer einen 5-Sterne-Pauschal-Touristen, der im Herzen eigentlich ein total verrueckter Globetrotter ist, gehoert, in einer dieser urigen Kaschemmen, einem echten Geheimtipp, in dem nur Einheimische verkehren (und die paar anderen aus dem Ausflugsbus), und raucht eine Wasserpfeife. Laessig, unaufgeregt, als waere man mit der Wasserpfeife auf die Welt gekommen. Und man denkt so super Sache, koennte man doch eigentlich auch mal zu Hause machen. Und ein paar Tage spaeter sitzt man in Wuppertal mit der aegyptischen Pfeife auf der Ikeacouch, oder in Kiel oder Hoexter, und irgendwie schmeckt das Teil ploetzlich ganz anders. Irgendwie... irgendwie... scheisse. Tschuess Wasserpfeife, wofuer gibt's ebay.

Was ich sagen will...  Manches fuehlt sich nur gut an, wenn man es da laesst, wo es hingehoert. Aus der Umgebung heraus genommen, wirkt es irgendwie... falsch. Und eine Zeit lang dachte ich, es laege vielleicht daran, dass ich von meinem huebschen kleinen Hollaender immer so hingerissen bin, wenn wir uns in Holland sehen. Und Atemnot bekomme, sobald er daheim auf meiner Couch sitzt. Fast waere ich deshalb gar nicht mehr zu ihm gefahren. Und dann war es genau so, wie ich gehofft, aber als unerschuetterlicher Optimist natuerlich nicht eine Sekunde geglaubt habe. Kaum war ich da... PLING! Und das Laempchen strahlte wieder. Hoem.

Richtig! Genau das frage ich mich auch! Ist DAS Liebe? Schliesslich geht's hier nicht um ein Souvenier sondern einen Mann und darum, ob er der Richtige ist. Wieder mal Zeit fuer den grossen alten Pruefstein meines kleinen wirren Herzens, Zeit fuer die gute alte Frage: Wie war es eigentlich bei 119?

Wie war es mit ihm  in meiner Wohnung, bekam ich bei 119 auch Atemnot? Nein. Definitiv nein. 10 Sekunden kann ich die Luft schon anhalten. Viel laenger war er ja nie da. Und manchmal, wenn er so mit verschraenkten Armen auf meiner Couch sass, die huebschen Schuehchen schon wieder geschnuert und innerlich fingertrommelnd die postkoitale Hoeflichkeitsfrist abwartend... und wenn diese Frist dann manchmal laenger dauerte als ich gewohnt war - weil der Film noch lief oder weil er sich womoeglich wirklich mal zwei Minuten vergass und entspannte - dann habe ich mich zuweilen dabei ertappt, dass ich zwar wuenschte, er wuerde noch bleiben wollen, wegen der erfreulichen Implikationen, die das haette, und doch gleichzeitig kaum erwarten konnte, dass er den Flieger macht, wegen meiner Couch, die ich nun mal lieber fuer mich hab. In seinem Falle also auch.

Was ist das nur mit mir und meiner Wohnung? Warum reicht die Luft da nicht fuer zwei? Ist die Wohnung zu klein? Oder bin ich es? Oder kann ein Zuhause, wenn man dort lange genug allein fuer sich war, irgendwann so vollgepropft sein mit eigenen Gewohnheiten, Geschichten, Gedanken, dass ein anderer Mensch darin zwangslaeufig ein Fremdkoerper ist? Der egal, wo er hintritt und wie vorsichtig er sich bewegt, aneckt? Und dass man mit ihm an einen neuen Ort gehen muss, um Raum fuer Naehe zu finden?

Oder luegt sich L. mal wieder einen in die Tasche?

(Sorry, ich sitze in einer oeffentlichen Bibliothek. In einem Land ohne sz und ohne Umlaute.)

26.12.2005 um 17:18 Uhr

Pling!!!

von: Lapared

Es leuchtet wieder...

25.12.2005 um 14:25 Uhr

Die Erde meiner Omma

von: Lapared

Hab ich´s gesagt, oder hab ich´s gesagt? Die Angorapätschchen (ist überhaupt jedem bekannt, was das ist? Flauschige Bettsöckchen aus reiner Angorawolle) waren der Hit. Sie wurden noch in der selben Nacht eingeweiht. Von mir, hmpf. Meine Meinung: nach Geschlechtsverkehr die zweiteffektivste Methode, im Bett warme Füße zu bekommen. Die wissen ja alle nicht, was gut ist. Der Kalender mit den "herrlichen" Nordseefotografien hängt auch schon auf dem Gästeklo. Aber die beiden Bücher über Balkon- und Gartenpflanzen waren dafür wirklich  Volltreffer. Meine Mutter tigert seit acht Uhr durchs Haus und stellt ihre Pflanzen entsprechend den Empfehlungen um. Sie hat etwa vier- bis fünfhundert. Kein Scheiß, mein Elternhaus ist ein Gewächshaus. Und zu jeder Pflanze gibt´s eine Geschichte. Der Kaktus zum Beispiel, der vor mir auf dem Tisch steht, ist noch von ihrer Mutter ("Omma"), hat sie gerade erzählt, und er steht immer noch in Ommas Erde, und Omma ist jetzt auch schon fünfzehn Jahre tot. Er blüht.

Etwas ungewöhnlich dieses Jahr... die neuen Hygienestandarts. Meine Mutter, Einser-Hauswirtschaftsabitur und mein Rollenmodell in punkto Sauberkeit, hat nach 40 Jahren Zusammenleben beschlossen, dass Papa jetzt mal dran ist mit Putzen. Papa hat das sofort eingesehen, er spült und saugt und wischt und pflegt dabei jene gewisse Großzügigkeit und typisch männliche Konzentration aufs Wesentliche. Wohl auch, weil er auf einem Auge blind ist und auf dem anderen nur noch fünfzehn Prozent Sehkraft hat. An manchen Tagen sind es auch dreißig, wenn es um Kunst und Malerei oder das größte Kotelett geht auch schon mal sechzig, er gönnt sich den Luxus, nur noch sehen zu wollen, was er sehen will. Jedenfalls empfahl es sich, vor dem großen Festtagsmenü die Bestecke unauffällig von den Rückständen der letzten zwanzig Menüs zu befreien und die Bäder heimlich zu schrubben, damit hier niemand krank wird. Meiner Mutter fällt es nicht auf, auch ihre Augen haben nachgelassen, und für eine Brille ist sie nun mal zu eitel. Ich mache mir ein wenig Sorgen.

Leider war meine Schwester nicht da. Sie ist doch gerade mit dem Mann ihres Herzens ins eigene Nestchen gezogen. Daran wird gerade noch tüchtig gebaut, die Handwerker haben schon zum zweiten mal das Parkett falsch verlegt, und gestern Abend haben meine Schwester und ihr Freund ein bisschen zusammen geputzt (sie also auch) und Pfannkuchen auf Umzugskartons gegessen, ich fand die Vorstellung sehr romantisch. Aber so romantisch klang meine Schwester gar nicht, später am Telefon.

Ja, und heute Abend geht´s dann weiter nach Holland. Flackern? Das woll´n wir doch mal sehen.

Seit Donnerstag hat das "I love you"-Bombardement deutlich abgenommen - das war auch höchste Eisenbahn. Nach dem Gau mit der Hose habe ich gedacht, jetzt muss Schluss sein mit der Fresserei. Ich dachte, Lchen, die Methode hat schon in den 80ern nicht funktioniert, als du sie entwickelt und erstmals konsequent eingesetzt hast, um in deinem beengenden 300 Quadratmeter-Zuhause ein bisschen Masse zwischen dich und die drei anderen Menschen zu bringen, mit denen du es teilen musstest. Ich dachte, L-Punkt, du bist jetzt groß, vielleicht solltest du es mal mit einer etwas erwachseneren Technik versuchen. Vielleicht mit einem expliziteren Hinweis darauf, dass da jemand deine geheiligten Grenzen verletzt. Dass er durch deine Beete trampelt und dabei die kleinen Setzlinge zertritt. Ich hab also ganz erwachsen angerufen und ihm gesagt, dass die Flamme flackert (aus saisonalem Anlass habe ich die Adapterlämpchenmetapher gegen die Kerzenmetapher getauscht). Ich habe ihm gesagt, dass das Flämmchen ausgehen wird, wenn er es erstickt. Dass er bitte damit aufhören soll. Dass das SMS-Gepiepe mitten in der Nacht, die Anrufe und das Reden von Haus und Hund und Kindern einfach ein bisschen viel ist für eine Nähe-Debütantin wie mich.

Seit dem ist es still geworden. Und das Lichtlein hat sich ein bisschen stabilisiert. Bald wissen wir mehr.

24.12.2005 um 14:25 Uhr

Total abgefahren

von: Lapared

Ich hab ihn noch gesehen. Als meine S-Bahn auf dem gegenüberliegenden Gleis ankam hab ich noch gesehen. Nur gekriegt habe ich ihn nicht mehr. Meinen Zug.

Also fahre ich mit dem Auto, was ich eigentlich ohnehin vorhatte, aber dann dachte ich, Lchen, Dein Schädel dröhnt, das eine Auge funktioniert nicht richtig, beehre mal lieber die Deutsche Bahn. Und dann fährt das Scheißteil ohne mich. Obwohl ich fast pünktlich war.

Und da ich bekanntermaßen gar nicht Auto fahren kann, und meine unversehrte Ankunft am gewünschten Ziel immer einem außerordentlichen Glücksfall gleicht, möchte ich es lieber vorher tun...

L. wünscht

FROHE WEIHNACHTEN

Curd Rock aucgh, höm, höm!

23.12.2005 um 23:39 Uhr

Das große Weihnachts-Special "Familie"

von: Lapared

Weihnachtszeit, Familienzeit. Ich besuche wie gesagt meine Eltern. Ein hübscher Anlass, mal darüber nachzudenken, ob ich das nicht auch später mal will: mit meinen Kindern an der Weihnachtstafel sitzen, bei Gans und Kerzenschein, und in ihrem Lächeln die Anstrengung lesen, die es sie kostet, mir keinen Brokkoli zwischen die Augen zu rammen, dafür, dass ich vor 30 Jahren ihre erste gemalte Schnecke für eine Bratpfanne gehalten und damit den Grundstein ihrer heutigen Beziehungsunfähigkeit gelegt habe.

Im Ernst. Dick zum Beispiel will ja Haus und Hund und Kinder. Ein Haus ist eine feine Sache, mit dem entsprechenden Personal (sorry, ich bin Jungfrau, ich will es sauber, aber mit Aszendent Faultier, ich kann keine 200 qm putzen). Hund? Die Fürsorge für ein Lebewesen, das sich öffentlich paart und sich nicht die Zähne putzt lehne ich grundsätzlich ab. Für treue Blicke habe ich Curd. Sein IQ ist in etwa der einer Töhle, aber er riecht nicht aus dem Mund, haart nicht, im Flieger brauche ich keine Genehmigung für ihn, und sollte er je auf die Idee kommen, einen meiner Schuhe zu zerbeißen, schmeiße ich ihn einfach weg. Tja und Kinder...? Ich bin jedenfalls nicht der Typ, der in Kinderwagen guckt. Wenn ich mit Menschen unter 120 cm zu tun habe, gehe ich nicht mal in die Knie. Ich schaue grinsend auf sie runter und sag „Tach, Wurm!“ Würde ich jemals ein Kind haben wollen, dann höchstens so eins wie Baby Maya von dem knackigen Bestatter Ned aus „Six Feet Under“. Eins, das mit großen Augen schweigend der Welt zuschaut und manchmal leise lächelt wie ein alter Buddha, vermutlich weil es kackt. Aber ich, ich bekäme bestimmt so ein krähendes kleines Arschloch mit allen möglichen Allergien und Integrationsproblemen schon auf der Säuglingsstation. Egal wie lange ich meinen Uterus pränatal mit Mozart oder Walgesang beschalle. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Also werde ich, wenn ich so alt bin wie meine Eltern, wohl am Heiligabend alleine sein. Halleluja.

So, und jetzt muss ich noch die 300 Geschenke einpacken, die ich für die beiden gekauft habe, und ich bin ziemlich zuversichtlich, dass dieses Jahr der eine oder andere Treffer dabei ist, z.B. die reinen Angorapätschchen für meinen Pa, weil er doch immer so kalte Füße hat. Die werden der Renner.
Irgendwie denke ich immer, wer weiß, wie lange sie noch leben, wer weiß, wie viele Weihnachten wir noch zusammen haben, wie oft ich mich noch darüber aufregen kann, dass mein Mutter schmatzt wie ein Elch und mein Vater beim Auspacken das Tesa abknibbelt, damit man das Geschenkpapier nächstes Jahr noch mal verwenden kann. Ich kann mir ein Weihnachten ohne sie nicht vorstellen.

Das ist eben das Verlockende an Kindern... dass sie einem trotz aller verkannter Frühwerke und pädagogischer Untaten später noch Angorapätschchen schenken. Der Traum der bedingungslosen, ewigen Liebe, mit so einem krähenden kleinen Arsch würde er wahr.

23.12.2005 um 00:41 Uhr

So wird ein Schuh draus

von: Lapared

Im Leben einer Frau gibt es zwei große Niederlagen. Die eine: unerwiderte Liebe. Damit habe ich bekanntlich kein Problem. Die andere: halbnackt in der Umkleidekabine stehen und die Verkäuferin bitten müssen, die Hose eine Größe größer zu bringen. Damit auch nicht. Ich musste heute darum bitten, mir die Hose zwei Größen größer zu holen.
Aber was soll´s, die nächsten Tage gibt´s ja nicht viel. Leichtes Weihnachtsgeflügel, ein wenig Gebäck… da ist das flugs wieder runter.

Überhaupt Umkleidekabinen. Ich verstehe das nicht. Da investieren Unternehmen Millionen, ums uns nahe zu bringen, dass einzig ihre Konfektionswaren uns glücklich und schön machen werden, und wenn wir dann im Laden stehen, wenn sie uns fast haben, ein paar Millimeter vorm Ziel... da reichts nicht mehr für ´ne anständige Glühbirne. Da ist es nicht möglich, die Umkleidekabinen mit Licht auszustatten, in dem wir einen Rest Gesichtsfarbe haben und nicht jede Delle am Hintern sehen. Dämlich.

Übrigens war die Hose zwei Größen größer nicht mehr da. Stattdessen besitze ich nun ein weiteres Paar Stiefelchen. Meine Schuhgröße war immer noch die alte.

22.12.2005 um 00:17 Uhr

Unvergessliche Momente

von: Lapared

Ich weiß noch, als 119 mir am Telefon sagte, dass er mich nicht liebt. Er hatte gerade Geburtstag gehabt und von mir ein Geschenk bekommen, für dessen Gegenwert ich zehn russische KGB-Pensionäre hätte beauftragen können, ihn zu bearbeiten, bis ihm bei meinem Anblick Englein aus dem Hintern fliegen. Das wäre effektiver gewesen.

Mein Geschenk hingegen war manipulationstechnisch ein Flopp. Statt rektaler Engelchen ein telefonisches „Ich liebe Dich nicht“. Ich denke, man könnte auch sagen: ein Superflopp. Und ein Moment, den ich nie vergessen werde.

Ich neige nicht zu körperlichen Reaktionen. Meine Katastrophen finden in eng umgrenzten Regionen des zentralen Nervensystems statt, meine vegetativen Körperfunktionen bleiben davon unbeeindruckt. Keine Schweißausbrüche, keine Ohnmacht, kein Schwindel. Und auf den Magen schlägt mir prinzipiell gar nichts, essen könnte ich immer.

Aber bei diesen vier Worten blieb mir die Luft weg. Ich fühlte mich wie unter Wasser, ich konnte seine Stimme kaum noch hören, plötzlich gab es kein Oben und kein Unten mehr. Als er aufgelegt hatte, wurde mir schwarz, und dann musste ich kotzen.

Warum mir das jetzt wieder einfällt? Naja, wegen des Flackerns halt. Bei dem Gedanken, dass ich Dick womöglich irgendwann dasselbe antun muss, zerreißt es mir das Herz. Ich könnte das nicht, nie. Niemals brächte ich das über mich. Am Telefon wäre es sicher leichter.

Aber vielleicht mache ich mir schon wieder viel zu viele Sorgen. Bevor ich damals mit Curd Rock nach Amsterdam fuhr, war da genau dasselbe Flackern. Noch viel, viel flackeriger sogar. Und als er dann am Bahnhof stand… Pling! Das schönste, hellste Strahlen.

21.12.2005 um 01:10 Uhr

Mal was richtig Luschiges

von: Lapared

Ich weiß, ich sollte jetzt nicht mehr so ein großes Fass aufmachen. Es ist spät, ich bin chronisch übermüdet, und der Tag war nicht gerade ein Spaziergang. Babsi hat meine Headlines heute vor versammelter Mannschaft „auf Juniortexter-Niveau“ genannt, und ich daraufhin ihn „auf Juniorarschloch-Niveau“, allerdings nur im kleinen Kreis, nur vor mir selbst heulend auf dem Klo.

Ich sollte es für heute dabei belassen und einfach ins Bett gehen. Aber es macht mich ganz irre... mein Lämpchen flackert.

Ich habe doch diesen DSL-Anschluss. Und da gibt´s dieses Teil, Adapter heißt das, glaube ich, irgendwo zwischen Rechner, Telefonbuchse und Steckdose. Auf dem Adapter ist ein Lämpchen. Wenn keine Verbindung da ist, ist es aus, wenn die Verbindung aufgebaut wird oder wackelig ist, flackert es, und wenn eine Verbindung da ist, strahlt es. Ich dann auch.

Und was ich sagen will... bezogen auf meine Verbindung zu Dick habe ich momentan das Gefühl, dass das Lämpchen flackert. Eine Zeit lang hat es so hübsch gestrahlt, aber jetzt flackert es, und ich weiß, dafür gibt es viele Gründe, und einer ist gewiss, dass ich keine Erfahrung darin habe, geliebt zu werden, weil das schon in der Vergangenheit eine totsichere Methode war, mich in die Flucht zu schlagen (ich geb´s ja zu, ich hab einen an der Waffel), aber diesmal möchte ich wirklich bleiben, ich möchte bleiben... Ich würde so gerne bleiben. Ich knie vor dem Lämpchen und bettel es an „komm, komm doch, du schaffst es, leuchte, leuchte, leuchte du Sau.“
Dass er aber auch immer schon von Haus und Hund und Heiraten reden muss...

Und ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll. Muss ich ihm das sagen? Muss ich sofort Schluss machen, weil ein anständiges deutsches Lämpchen gefälligst an oder aus zu sein hat aber nicht flackert?!

Vielleicht fahr ich einfach mal hin zwischen den Jahren, so wie´s auch geplant war, und guck, was passiert. Vielleicht stabilisiert sich das Leuchten ja wieder. Vielleicht liegts ja auch nur daran, dass ich mich gerade grundsätzlich ziemlich wackelig fühle. Daran, dass die ganz große Lampe wackelt, weil der Generator einfach nicht mehr richtig kann.

Ich denke, so geht´s wahrscheinlich Vielen gerade. Es ist die Zeit. Das Jahr geht zuende und man hat das Gefühl, die Batterien sind leer, stimmt´s? Es war ein anstrengendes Jahr.

(Super, ich bin vielleicht ´ne Lusche, andere gebären Kinder oder ruinieren Konzerne... ICH hab doch das halbe Jahr nur im Freibad rum gelegen. Das kommt alles nur wegen Babsi...)

20.12.2005 um 00:23 Uhr

Reality Bites

von: Lapared

Zum heutigen Tag nur das...

Jetzt ist es amtlich. Björn IST Babsi. Als ich ihm heute meine Headlines vorgelegt habe, hat er eine nach der anderen abgeschossen und: dabei lustvoll eine der kleinen Bastelscheren aus dem Atelier traktiert, schnipp... schnapp… schnipp… schnapp... Noch Fragen?

Morgen früh habe ich wieder eine Abstimmung mit ihm. Ich hab beschlossen, die Sache endlich offen anszusprechen. Wie sind doch erwachsen. Ich werde ihm eine neue Barbie mit zum Meeting bringen. Mit schönen langen blonden Haaren. Ich denke, damit dürfte die Sache erledigt sein.

Ach ja, Curd hatte heute Geburtstag... Und ich hab gemerkt, dass ich unbedingt und sofort runter muss... runter von diesem „was war letztes Jahr um diese Zeit“-Tripp. Bei der ich Curdchen vorschiebe, um meine sentimentalen Rückblicke auf eine unglückliche Liebe zu zelebrieren. Trotzdem, Happy Birthday, Kleiner!

Und ein Letztes: Zur Entspannung und um mich ein bisschen auf die Tage im Familienkreis einzustimmen, habe ich mir eben „Das Schwiegermonster“ angesehen. Mit Jennifer Lopez und Jane Fonda. Einen Satz daraus möchte ich unbedingt zitieren, für ihn hat sich der ansonsten überflüssige Film wirklich gelohnt und ich werde ihn anbringen, sobald sich eine auch nur halbwegs passende Gelegenheit bietet:

„Viola, ich glaube, Sie haben meine Vagina ausgekugelt!“

Einmal im Leben so eine Dialogzeile schreiben...

19.12.2005 um 15:22 Uhr

All meim Fruemde kommen zu Party!!!

von: Lapared

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19.12.2005 um 14:21 Uhr

Balloms!!! !

von: Lapared

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19.12.2005 um 12:04 Uhr

Havvy Bhirtzday, Curd Rock! (II)

von: Lapared

Ich hab shcom wueder Gebutztag! Eim Phämonem! Höm-

Jedmenfalls hzeute mittem um Mittermacht, hat L. mich geweckt umd mir eim Lied gesumgen umd ein riesem Torte mit 1 schöm Kerzchem gegebem. Sie hat gesagt, vor 1 Jahr hätte sie vom 119 eim Päckchem bekommen. Sie hätte ihm versprechem müssne, es nicht vor Weihmachten zu öffnem. Aber dann hätte sie im dem Päckchem jemand weimen gehört (stimmt gar ncht!) umd rufem, nach Salamischmittchem, und da hätte sie das Päckchem an eim Seit e eim winzig bisschem aufgemacht… und damm wär ich sofort ganz schnell rausgeschlüpfft, kleime gutaussehemde Curd Rock.

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(Puh, das war eim ganz große Sause - ich hab bis ebem geshclafem.)

18.12.2005 um 22:26 Uhr

Babsi

von: Lapared

In der Agentur läuft es gerade wirklich nicht so besonders. Leser der ersten Stunde erinnnern sich vielleicht noch: Ich habe da vor einiger Zeit mal einen Job verkackt. Also nicht nur geglaubt, ich hätte ihn verkackt, was ich – seitdem! - auch oft tue, sondern wirklich hundertprozentig in beiderseitigem Einvernehmen verkackt. Es war nur ein kleiner Job, ein einziger Tag, jeder kann mal einen schlechten Tag haben, und ich habe mich entschuldigt. Berechnet habe ich natürlich auch nichts. Aber der CD, nennen wir ihn Björn, Chef-Texter Björn… er hasst mich seitdem. So sehr, dass ich mich manchmal frage, ob er das nicht schon vorher getan hat, und ob Björn nicht vielleicht in Wirklichkeit Babsi ist, deren Barbie ich im zweiten Schuljahr die Haare geschnitten habe, und die in den letzten 30 Jahren abgesehen von einem Penis nichts mehr erträumt hat, als diese Tat zu rächen. Ja, ich denke, so ist es. Babsi damals konnte auch nicht schreiben.

Aber die Werbewelt ist wie gesagt ist klein und die Fluktuation groß, und nun hat das Schicksal mir Babsi ein zweites Mal vor die Nase gespült.

Ich wusste ja, dass Babsi jetzt in meiner alten Agentur ist, aber normalerweise hätten wir keine Berührungspunkte gehabt. Doch dann wurden plötzlich wie man so sagt die „Etats umgeschichtet“ und „die Ressourcen neu verteilt“. Und saß ich eben noch in einer warmen Wanne des Wohlwollens, mit netten CDs, die selbst dann noch das Geniale in meinen Headlines gesucht hätten, wenn ich ihnen ausversehen meine Einkaufsliste vorgelegt hätte... bin ich nun also unter der kalt lächelnden Fuchtel von furios Babsi.

Kurzum, es läuft echt supa.

18.12.2005 um 16:47 Uhr

Curd muss ran

von: Lapared

Schon wieder ein Sonntag, den Curd Rock alleine verbringt. Und ich in der Agentur. Nächsten Sonntag machen wir es umgekehrt. Dämlicher als ich zur Zeit kann er sich gar nicht anstellen...

18.12.2005 um 00:29 Uhr

Gaza

von: Lapared

Ach... und um noch was von meiner eigenen grandiosen kleinen Tragödie zu berichten...

Heute trieb der Strudel der vorweihnachtlichen Geschenkesuche mich bis auf 150 Meter vor seine Haustür. Es gibt da einen kleinen Laden, und der ist nun mal der einzige, in dem es mein Parfum gibt. Dort wollte ich für D. eine Duftkerze kaufen, die wie mein Parfum riecht, und die es eben auch nur dort gibt. Damit er meinen Geruch um sich haben kann, wenn ich nicht da bin. Ich fand das eine verflucht romantische Idee und den Ausflug in den Gazastreifen wert.

Weniger romantisch war vielleicht, dass ich plötzlich schrecklich heulen musste und es nicht zu dem Laden geschafft habe...

Ein übermäßig ausgeprägter Hang zur Sentimentalität. Ein Erbfehler väterlicherseits. Meine Schwester hat ihn auch.

17.12.2005 um 23:42 Uhr

Damke Millilömen

von: Lapared

Milliömen Menshcme habem Curd Rock gersterm zum seim Gebutsztag gratruliert. Dashat mich seht gefreutz umd ich möchte mich bei alle vier bedamkem DAMKE