Anleitung zum Entlieben

12.01.2006 um 23:28 Uhr

Wie man´s macht...

von: Lapared

Hatte ich erwähnt, dass 119 und ich neuerdings so quasi Nachbarn sind? Tagsüber jedenfalls, denn meine jetzige Wirkungstätte liegt Luftlinie ungefähr 3 cm von seiner entfernt. Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste, deshalb gehe ich mittags nicht raus, sondern esse am Schreibtisch Schnittchen und hüte den labilen Seelenfrieden. Aber wie man´s macht...

Ich beiße also in meine morgens eilig zusammengeworfene Vollkornbrot-Gouda-Komposition, lobe mich noch, dass es in Umsetzung einer der Vorsätze dieses Jahres kein fieses Weißmehlbrötchen mit Scheiblette oder der Pastadreck vom Italo-Take-away ist – und zack! ein Knirschen…Blombe raus. Und halber Zahn, mindestens.

Ich warte noch besonnen die Mittagspause ab und dann los. O-beinig wie ein Schimpanse – die andere Baustelle gibt´s ja auch noch – watschel ich zum Zahnarzt. „Na, Holger“, sag ich als ich nach zwei Stunden dran bin, „na, Holger“ (wir Duzen uns, seit ihm mal der Bohrer abgerutscht ist, und ich unter Schmerzen „uuu ahhlooo!“ gebrüllt hab - bei dem uuu ist es geblieben), „na Holger, wie waren die Feiertage?“ – „Sehr gut“, sagt er, „und Ihr wart auf Rügen, hab ich gehört, Dein Freund war ja gestern da!“… Kabummm… Kabummm… ich höre meinen Herzschlag. Holgers reizende Assistentin hat unterdessen mit dem Ausstopfen meines Mundes begonnen. „Ahh??“, sage ich nur. Mit Tampons in den Backen hätte mehr sowieso keinen Informationszuwachs gebracht. Richtig, den Zahnarzt hatte ich ja von ihm… Ihr wart auf Rügen, IHR… das ging ja schnell. Und wieder eine Dame mit Auto, offenbar. „Ist es so schlimm?“ fragt Holger, und wischt mir mit seiner gelben Gummipranke väterlich irgendwas Nasses von der Wange, „brauchst Du ´ne Spritze?“ – „Aber dalli“, sage ich.

Hätte ich mal lieber ganz normal Mittag mit Pastadreck gemacht.