Anleitung zum Entlieben

20.02.2006 um 23:57 Uhr

Radios

von: Lapared

In meinem Alter hat man in der Regel nicht mehr allzu oft den Wunsch, Mutti wäre dabei. Falls doch, ist man entweder männlich und ödipal oder einfach chronisch pleite. Beides trifft auf mich nicht zu. Und da bei mir die Zeit, in der ich meine Mutter in meiner Nähe wünschte, mit dem Tag endete, als ich in der Lage war, sprachliche Äußerungen zu entschlüsseln, also schon etwa mit drei, hätte ich es eigentlich für unmöglich gehalten, jemals in die Zeit vor diesem Punkt zurück zu fallen.

So geschehen gestern in der Sauna. Ich hatte mich seit Ewigkeiten darauf gefreut. Mein Körper lechzte geradezu nach ein paar Minuten der Wärme und der Stille, mein stressgepeinigter, überlasteter Organismus sehnte sich nach der Reduktion auf nichts als die primitive Funktion der Wasserausscheidung. Mit einem tiefen innerlichen Seufzer legte ich mich also auf meinem Handtuch zurück und schloss die Augen.

Als mit einem Ruck die Tür aufging… und vier gut gelaunte Damen einer ethnischen Minderheit sich der Saunagemeinschaft hinzugesellten, die offenbar beschlossen hatten, die Jahrhunderte ihrer kulturellen Unterdrückung und des in ihrer Heimat teilweise bis heute geltenden öffentlichen Redeverbots für Frauen während eines einzigen Saunagangs zu kompensieren. Ich dachte, es bläst mir die Ohren weg.

Aber man möchte ja tolerant sein. Und um Himmels Willen nicht unentspannt wirken, schon gar nicht in der Sauna. Oder deutsch, indem man die temperamentvollen Damen auf die fünfzehn ordnungsgemäß und eigentlich unübersehbar angebrachten Schilder mit „Bitte Ruhe!“ hinweist. Still lag ich da und litt tolerant, entspannt und weltmännisch vor mich hin. Und wünschte, meine Mama wäre da.

Mama hätte nicht lange gefackelt. Mama hätte sich keine drei Sekunden nach dem Erscheinen der vier Radios kurz zur Seite gewandt und gesagt: „Entschuldigen Sie, meine Damen, lassen Sie sich von all den alten, schrumpeligen Gurken hier nicht täuschen, dies ist eine Sauna, kein Gemüsebazar, könnten Sie sich bitte draußen unterhalten?“ und dann hätte sie sich wieder umgedreht und fortgefahren, Gynäkologen-Witze zu erzählen, das tut sie nämlich immer, wenn sie in Gesellschaft ist, egal ob beim Yoga-Kurs, in der Supermarktschlange oder auf einer Beerdigung.

Aber die Radios wären still gewesen.

20.02.2006 um 15:51 Uhr

Curd Rock- der ultinative jeamstyp

von: Lapared

Guck, Curd Rock würde famtastisch aussehm in eim Jeams. Ich weiß gemau, wie mam eim Jeams trägt.. ,… mit lässigen Blick umd im Schritt umbedimgt locker… Jeams dürfme nie zu emg seim. Ich fhür es mal vor.. ,

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Umd GAMZ WIHCTIG: dem Daunem inmer im die Gurtelshclaufe…

20.02.2006 um 08:52 Uhr

Gesternmorgen am Telefon...

von: Lapared

„Und, was machst Du heute?“ fragt Dick. „Ich müsste arbeiten… aber mir ist so kalt, die Füße, ich glaub, ich geh erst mal ein, zwei Stündchen in die Sauna.“ Schweigen. „Hallo?“ – „Na dann, viel Spaß!“ – „Danke!“ Schweigen. „Stimmt was nicht?“ – „Ich denke, Du gehst nicht gern in die Sauna. Mit mir wolltest Du jedenfalls nicht.“ Das kann ich auch: Schweigen. „Warum wolltest Du mit mir nicht in die Sauna?“ – „Dick, ich… ich hatte an dem Tag einfach keine Lust.“ – „Aber Du hast gesagt, Du gehst nicht gern, nie!“ Da ham wir den Salat, denke ich. Man soll nicht lügen, wenn man ein schwaches Gedächtnis hat - hab ich das wirklich gesagt? Die Wahrheit ist: Ab und zu gehe ich gern in die Sauna, aber dann gehe ich lieber allein, allein kann ich mich besser entspannen und dazu ist die doch da,und ich kann so lange drin bleiben, wie ich will, ich schwitze nämlich nicht wie normale Menschen schon nach 10 Minuten, ich brauche mindestens 25 und dazu drei Aufgüsse, ich bin eben langsam, in allem, dafür mache ich zwischen den einzelnen Gängen keine Pause, ich dusche kalt, flaniere einmal pfeifend durchs Freiluftgehege und dann gehe ich gleich wieder rein, abwechselnd in die Dampfsauna und in die Normale, und das ist natürlich ganz schrecklich ungesund, aber mir gefällt es so. So. Außerdem: Der einzige Ort, wo ich es einigermaßen unterhaltsam finde, meinen Freund schwitzen zu sehen, ist auf mir – aber nicht zwischen dicken, nackten Menschen eingepfercht auf einer Naturholzbank. Und da die Wahrheit bekanntlich immer das Beste ist, sage ich: „Dick, Schatz, es ist so… Heute ist Frauentag! Ich gehe nur nicht gern in die gemischte Sauna, aber das müssten wir wohl, wenn wir zusammen gehen, hm?!“ Bequemer und für alle Seiten angenehmer ist eben manchmal eine kleine Lüge. Prompt findet Dick seine gute Laune wieder: „Du meinst, ich würde auffliegen am Frauentag, Du willst sagen, mein Schwanz wäre selbst im gedämpften Licht der Sauna nicht zu übersehen? Das ist so lieb von Dir!“ – „Na siehste, ich bin eine nette Freundin!“ – „Nein, Du bist ein Arschloch, Sonntag ist kein Frauentag, Frauentage sind montags oder dienstags aber niemals sonntags, aber es ist okay, Du bist mein Arschloch.“ – „Seufz…“ – „Du bist doch mein Arschloch?“ – „Ja, Schatz, ich bin Dein Arschloch, wessen denn sonst…“

Er hat es wirklich, wirklich nicht leicht mit mir. Und ja, es stimmt, was dem aufmerksamen Leser jetzt vielleicht durch den Kopf gehen mag: Mit 119 bin ich in die Sauna gegangen. Aber dessen Arschloch war ich ja auch nicht, so weit habe ich es bei ihm nie gebracht…