Anleitung zum Entlieben

22.02.2006 um 22:29 Uhr

Curd Rcoks Bedürfmisse

von: Lapared

Serh schöm. Wemm Lchem zun Goudaschädel fährt, rat nal ,wem ich damm an Wochememde besuche, hömhömhöm... , .

22.02.2006 um 22:25 Uhr

Interpersonelle Bedürfnisse

von: Lapared

Ich weiß, ich habe oft aufs Zugfahren geschimpft. Weil ich die Pünktlichkeit, die Voraussetzung ist, um daran teilzunehmen, als extrem widernatürlich empfinde. Wegen der Kegelvereine. Wegen der Eierbrote. Und weil es immer noch Menschen gibt, die tatsächlich glauben, nur weil zwei Sitze nebeneinander sind, wäre es auch akzeptabel, dass zwei Menschen darauf nebeneinander sitzen. Ich würde nie auf die Idee kommen, Doppelsitze wirklich als Sitzgelegenheit für zwei Personen zu missdeuten. Ich sehe darin grundsätzlich eine Sitzgelegenheit für eine Person mit Gepäck, der Wahlmöglichkeit zwischen Fenster und Gang und ihrem natürlichen interpersonellen Distanzbedürfnis (so nennen Psychologen den Mindestabstand, den eine Person von anderen gewahrt wissen möchte, weil sie sie sonst erdrosseln müsste), einem Distanzbedürfnis, das zwar individuell und kulturell verschieden sein mag, meiner Meinung nach aber immer, immer! mindestens einen Bundesbahnsitz beträgt. Ich sehe, das wollte ich damit eigentlich nur sagen, Zugfahren also grundsätzlich mit Skepsis.

Und doch werde ich am Wochenende 11 Stunden lang in der Bahn sitzen und von hier nach Amsterdam und 12 Stunden später wieder zurück fahren. Und das alles nur, weil ich so riesige Füße habe. Riesige 54 Quadratmeter groß, genau wie meine Wohnung. Und gleichzeitig auch ein mindestens ebenso riesiges Bedürfnis, den alten „Goudaschädel“ zu sehen. Ein interpersonelles Nähebedürfnis quasi. Ist es nicht schön...

22.02.2006 um 00:18 Uhr

Meine Wohnung, meine Füße

von: Lapared

Meine Schwester musste es sich wieder mal anhören. „Wir haben uns drei Wochen nicht gesehen“, heule ich, „und statt zu jubeln, und schon mal die guten Schlüpfer zu sortieren, hab ich Angst, dass ich wieder einen dieser Erstickungsanfälle bekomme, wenn er hier ist, scheiße, und das soll Liebe sein?!“ - Meine Schwester stets geduldig: „Ich gebe zu, das ist, na ja, außergewöhnlich. Andererseits… Statt, dass er Dich besucht, wärest Du gerne bereit, nach einer nicht gerade entspannten 70-Stunden Woche samstags um fünf Uhr aufzustehen und den ersten Flieger nach Amsterdam zu nehmen um das Wochendende dort mit ihm zu verbringen. Und dafür ganz nebenbei mal eben 300 Euro hinzublättern, was eine Menge Geld ist für eine Frau, die sich vier Tage lang dafür in den Arsch beißt, dass sie sich einen ERES-Bikini spendiert hat. Und das soll NICHT Liebe sein?“ – „Na ja, vielleicht reise ich einfach gern?!“ – „Du hasst Reisen, Du hast Flugangst!“ - „Aber das ist doch nicht normal, wenn man seinen Freund nicht in seiner Wohnung will!“ – „Hm. Wann geht das denn immer los mit dem Ersticken?“ – „Also, solange wir im Bett sind, ist es okay. Im Bett kommt mir eine gewisse räumliche Nähe noch einigermaßen normal vor, wie sollte das sonst gehen, nicht wahr, auch rein anatomisch, da müssten die Männer ja sonst meterlange…“ – „Schon gut, schon gut, das müssen wir uns jetzt nicht ausmalen!“ – „Und wo sollten sie nach dem Sex damit hin, aufrollen wie Feuerwehrschläuche und neben sich her rollen, das wäre…“ – „STOP! Ich hab´s begriffen, das männliche Glied ist nicht für Frauen, die räumliche Nähe scheuen, konzipiert, also wann kommen Deine Erstickungsanfälle?“ – „Eigentlich in dem Moment, wo wir das Bett verlassen, sobald wir uns von der Horizontalen in die Vertikale begeben, quasi!“ – „Dann müsst ihr entweder das ganze Wochenende im Bett bleiben oder auf dem Bauch durch die Wohnung robben!“ – „Hah.“ – „Oder Euch einfach woanders treffen.“ – „Aber das ist doch total bescheuert, was bin ich denn für eine Feundin, wenn ich …was ist denn da los, erstichst Du nebenbei einen Praktikanten, woher kommt der Lärm?“ – „Das bin ich! Ich schreie! Ich ertrage es nicht mehr, ich kann es nicht mehr hören!!! Du hast nicht gern jemanden in Deiner Wohnung, SO WHAT?! Es ist wirklich nicht die größte Wohnung! Dann trefft ihr Euch eben woanders! Wenn das alles ist… Andere müssen sich mit Schweißfüßen arrangieren oder damit, dass ihr Partner morgens BAP hört, also bitte!“ – „Sag das mal Dick!“ – „Das würde ich, aber das ist nicht mein Job, DU musst ihm das sagen!“ – „Hab ich doch! Vesucht zumindest…“ – „Und? Geht das in seinen Goudaschädel nicht rein oder was?“ – „Es ist schon ein ziemlich alter Gouda, und ein verdammt harter, weißt Du… da kriegt man so leicht nichts mehr rein, was nicht in seine Vorstellung passt, schon gar nicht in seine Vorstellung von einer glücklichen Beziehung.“ - „Dann soll er seine Vorstellung vögeln und nicht Dich! Dein Käse ist auch nicht mehr der jüngste, ich weiß noch… Du wolltest schon mit sechs zu Hause ausziehen und ein Haus für Dich allein! Weil Dir - bei aller Liebe - der tägliche Kontakt mit unseren Eltern und meiner Wenigkeit ein wenig übertrieben vorkam. Aus so einem alten Stinker kann man nicht von heute auf morgen einen Streichkäse machen!“ - „Stinker, verstehe. Es ist nicht okay, dass ich ihn nicht hier haben will. Also doch.“ – „Weißt Du was?! Nicht Dick hat das Problem damit, DU hast es. Solange DU dieses Wohnungsding nicht akzeptierst, wird er es auch nicht.“ – „Hm. Und nu?“ – „Stell Dir vor, die Wohnung… oder besser die Zimmer der Wohnung… die wären Deine Füße.“ – „Verstehe.“ – „Die Wohnung ist ein Teil von Dir! Sag Dick, er soll gefälligst von Deinen Füßen gehen, schaffst Du das?!“ - „Das krieg ich hin.“ – „Na also.“

Ich wünschte wirklich, meine Schwester würde mit Dick reden. Sie reden und streiten und verhandeln… und ich geh einfach nur mit ihm ins Bett, höm.