Anleitung zum Entlieben

13.03.2006 um 23:41 Uhr

Fortsetzung

von: Lapared

„Sehr gut“, sagt Maggie Thatcher (kleiner Scherz!), sagt natürlich meine Schwester (die übrigens nichts mit Maggie Thatcher gemeinsam hat), „sehr gut, endlich! Bei manchen Männern helfen keine Argumente, nur rohes, unzensiertes Temperament, ha-har!“ (nein, NICHTS!) Ich bin zu müde. „Lass mal stecken, Häschen… den Jubelperser… der Zwergenaufstand ist schon längst wieder beendet!“ – „Wieso das denn?“ – „Kennst mich doch, ich bin nicht von dieser biosafttrinkenden, duzaffinen „lass es raus“-Fraktion, ich finde, jeder verdient einen Orden, der seine in der Regel beleidigend unoriginellen Gefühlsregungen für sich behält.“ – „Schwachsinn! Aber ich verstehe, dass Du nicht stolz darauf bist, die Beherrschung zu verlieren.“ – „Meine Stimme hat gequiekt!“ – „Was war eigentlich so schlimm?“ – „Ich hatte keine Lust zu telefonieren. Ich hab keine Lust zu telefonieren, hab ich ihm also gesimst, und noch so ein bisschen Süßholz drum rum, damit er sich nicht gleich wieder Sorgen macht!“ – „Hat er dann aber doch getan!“ – „SMSSE im Stundentakt... Und das Handy konnte ich nicht ausstellen, weil es mich weckt - der andere Wecker ist kaputt!“ – „Vom Mir kapurtt gepupst!“ – „Wissen wir, Curdchen!“ – „Und dann, irgendwann nachts um zwei die Super-SMS: Alle Welt darf wissen, wie es Dir geht. Nur ich nicht!“ – „Warum sagt er nicht, worum es wirklich geht: darum, wie´s ihm geht?!“ – „Pass auf, es ging noch weiter... Wenn Du nicht mit mir sprichst, lese ich Dein Blog!“ – „Trinkt er?“ – „Ich fürchte, nicht. Das ist sein Normalzustand.“ – „Und weiter?“ – „Morgens habe ich ihm geschrieben, dass ich super pissed bin, und dass er ein paar Tage weder anrufen noch simsen soll.“ – „Und?“ – „Zwanzig Sekunden später ging das Telefon!“- „Du bist natürlich nicht dran gegangen!?“ – „Und danach das Handy!“ – „Das Du sofort ausgeschaltet hast?!“ – „Und wieder das Telefon!“ – „Und dann?“ – „Dann hab ich ihn angebrüllt!“ – „Hu-hu, da hat er sich aber erschrocken!“ – „Im Ernst, ich war total hilflos. Wie schafft dieser Mann es, mir aus 600 Kilometern Entfernung die Luft abzudrücken?“ – „Weil Du ihn lässt!“– „Ach so, es ist also meine Schuld! Weil ich ihn lasse...“ – „Käse, jetzt werd nicht theatralisch.“ – „Und Vergewaltigungen gibt es auch nicht, nur Frauen, die nicht deutlich nein sagen?!“ – „Trinkst Du?“ – „Natürlich! Oder denkst Du, das ertrage ich nüchtern?“ - „Pass auf, ich sag Dir was Du tust. Morgen kaufst Du Dir einen neuen Wecker, und dann schaltest Du nachts das Handy aus. Ich wette, in zwei, drei Wochen ist der Spuk vorbei!“ – „Wie vorbei?“ - „Er wird Dir nicht mehr simsen!“ – „Gar nicht mehr?“ Meine Schwester seufzt. „Weiß Du was? Du verdienst es nicht besser...“ Aber optisch hat sie nicht die geringste Ähnlichkeit mit Maggie, optisch sieht sie aus wie Bambi.

Ich war danach immer noch sehr wütend. Wecker kaufen?! Ich will keine praktischen Lösungen, es geht ums Prinzip!

Bis mir klar wurde, dass es noch gar nicht lange her ist, dass ich selbst mich ähnlich dämlich verhalten habe. Man kriegt eben doch alles zurück...

13.03.2006 um 18:44 Uhr

NEIN

von: Lapared

Vielleicht ist es nur der Lernstolz einer Dreijährigen, vielleicht ist es ein Reifezeugnis meiner Persönlichkeitsentwicklung vom theoretischen Arschloch zum praktizierenden. Es fühlt sich jedenfalls an, als hätte ich ein neues Zauberwort entdeckt, dass ich nun immerzu aussprechen muss: Nein. Nein, nein, nein, nein, NEIN! (Schreiben macht auch Spaß.) Ich sage es zu dem pickeligen Punk aus gutem Hause, der jeden Morgen zusätzlich zu Papis Monatscheck mein Kleingeld will und sich gleichzeitig einen abgrinst über den Idiotenmarsch des Ameisenvolks in die Büros. Ich sage es zu Babsi, die Montagmorgens fragt, ob wir schon Motive für die am Freitagabend gebriefte Kampagne haben. Ich sage es zum Juniorschleimer, der fragt, ob er mit mir mal seine Mappe durchgehen darf. Ich sage es zu mir selbst, wenn ich mich wie der Oberdoofmannslemming in die Geburtstagsfalle stürzen will. Und am druckvollsten sage ich es zu Dick, wenn er mir wieder mal in rührendster Säuglingsmanier stündlich mitteilt, dass er nicht schlafen kann. Nur weil ich am Abend keine Lust gehabt habe zu telefonieren. (Dafür hatte ich ihm aber eine sehr nette SMS geschrieben!)

Heute Morgen habe ich es nicht nur gesagt, ich hab es geschrien. Ich war selbst erschrocken, denn seit meinem ambitionierten aber talentfreien Vorsprechen für die Antigone in der Mittelstufen-Theater-AG habe ich meine eigene Stimme nicht mehr so laut gehört. Sie quietschte dann auch wie ein rostiger Wasserhahn, da muss Rosi mal mit ihrem Ölfläschchen ran. Oder das Quietschen war tempobedingt, es war nämlich Neunzehn nach Sieben, mitten im morgentlichen Countdown - kein guter Zeitpunkt, um auf meine Lust zu bestehen, auch nicht am Telefonieren. Oder hab ich Curds Mäuschen zertrampelt?

Aber… abgesehen von den paar Quietschern klingt meine Stimme in Fett gar nicht so schlecht.

(Fortsetzung folgt)