Anleitung zum Entlieben

22.05.2006 um 02:11 Uhr

Ganz neue Aussichten

von: Lapared

Letzten Mittwoch, am 17. Mai, kurz nachdem Curd seinen Bären gerettet hatte, war auch ich immer noch sehr mit meinem beschäftigt. Ich hatte angefangen, einen Eintrag zu schreiben, ich wollte davon erzählen, was ich mir in den Nächten davor noch so alles geleistet hatte…

Es wird wohl nicht von heute vergehen. Vierzehn Tage hab ich gewartet. Von dem Moment an, als er damals aufgelegt hatte, hab ich gedacht, gleich schellt´s. Gleich schellt´s und er sagt: „...ein Scherz. Ich bin natürlich nicht verheiratet. Aber ich dachte, im Vergleich dazu erscheint es Dir angenehmer, dass ich unangemeldet vor der Tür stehe.“ So wie in dem Witz, in dem die 15-jährige ihren Eltern in einem Brief mitteilt, dass sie auszieht, dass sie mit einem 40-jährigen Mann zusammenleben wird, dass sie ein Kind von ihm bekommt. Dass er schon drei Frauen und acht Kinder in einem anderen Land hat, aber dass sie das nicht stört, weil sie ihn über Alles liebt. Und im P.S. Sorry, das ist alles gelogen. Wahr ist aber: Ich bin hängen geblieben, und ich dachte, im Vergleich findet Ihr das sicher nicht ganz so schlimm.

Vierzehn Tage habe ich gewartet. Als mir klar wurde, dass es kein Scherz war, habe ich ihm gemailt, seitenlang, telefoniert, nächtelang, sogar gesimst, ich, zwei- und dreiteilig. Denn er hatte mich darum gebeten, immer wieder. Immer wieder. Er sagte, wir müssten reden, schreiben, dann würden wir wieder zueinanderfinden. Noch am 11. Mai. hatte er mir das geschrieben: „Mein Herz ist bei dir. Mein Herz war von anfang an bei dir. Ich liebe dich ich liebe dich ich liebe dich (…) Ich will dein Stimme hören ich will schon Tage dein stimme horen. Ich will dich anrufen, hab es schon oft versucht. Ich will mit dir in Kuchen sitzen. Ich liebe dich.“ Er meinte Küche, aber ich hätte mich auch mit ihm in Kuchen gesetzt. In Kuchen, in Brennesseln, in alles, sogar in ein Zelt mit Kriechtiergefahr. Ich habe geschrieben, komm, komm, sitz mit mir in der Küche, und bleib so lange Du willst. Lass uns reden und kochen und essen und gemeinsam das Geschirr spülen, 30 Jahre, Du spülst ich trockne ab.

Hier habe ich am Mittwoch aufgehört zu schreiben. Ich musste aufhören, weil es schellte. Es schellte.

Ich hatte eigentlich noch erzählen wollen, wie oft ich ich ihm zwischen dem 11. Mai und dem 17. Mai (eben diesem Mittwoch) geschrieben habe. Wie oft. Und immer wieder habe ich ihn gebeten, zu kommen. Und unter dem Deckmäntelchen der Verzweiflung angefangen zu drohen: Komm, wenn Du mich nicht verlieren willst. Bitte komm. Und als er nicht kam, hab ich ihm das geschrieben, ich weiß nicht, ob ich auch davon erzählt hätte, wenn es nicht vorher geschellt hätte und ich nicht mehr dazu gekommen wäre.

Am 14. Mai., nachts, als alle blauen Pullöverchen längst schliefen, habe ich also das geschrieben, das: Komm, komm wenigstens ein letztes Mal, ich möchte Dir in die Augen sehen und Lebewohl sagen, ich möchte Dich noch einmal umarmen, Dick, einmal noch, und dann Abschied nehmen, von unseren Träumen, den wunderschönen Plänen und unseren großen Problemen, die wir genauso hatten. Ja, auch ich kann ganz großes Gefühlskino. Alleine, nachts. Und später in dieser email, inzwischen war der 15. Mai., schrieb ich sogar DAS: … Ich verspreche Dir, ich mach keinen Stress, ich werde schrecklich lieb zu Dir sein, endlich, beim letzten Mal. Und am nächsten Morgen werden wir unsere Kleider anziehen und lächeln, wir werden uns die Hand geben und Auseinandergehen für den Rest unsres Lebens. Zwei demolierte Menschen, die sich lieben, aber eben nicht den Weg zu einander gefunden haben. Stilsicher auch in der Schmonzette. Und als die Dämmerung anbrach am 15 Mai., und die Umnachtung ihren Höhepunkt erreichte, DAS große Finale: Lass es nicht so enden, komm und verabschiede Dich ordentlich, Dick. Mach für die zwanghafte deutsche Jungfrau ein letztes Mal Ordnung. P.S. Und vor allem verabschiede Dich von Curd. Sacht nichts...

Zwölf Stunden später am Abend des 15. Mai habe ich ihn dann angerufen und es zurückgenommen. Habe gesagt, was ihm ohnehin klar gewesen sein muss, dass es nur ein Trick war. Dass ich dachte, wenn er erst einmal hier wäre, könnte er nie wieder zurück. Dass er mich nicht ansehen könnte, und sagen, dass er wirklich geht, dass er erleuchtet vom Glanz meiner Herrlichkeit erkennen würde, dass sein Arsch auf immer in meine Küche gehört. Wage es nicht zu kommen, um Dich zu verabschieden, hab ich abends am 15. Mai. zu ihm gesagt. Tu mir das bitte, bitte nicht an. Bitte nicht. Und dann, zack, habe ich letzte Karte gezogen. Auch ich wollte den Bären immernoch in die Wohnung schleifen. Komm jetzt oder komm nie, hab ich gesagt. Und vor allem: Komm nur, wenn Du kommst, um zu bleiben. Versprich mir das. Versprich, dass Du nur kommst, wenn Du kommst, um zu bleiben. Schlagerheldenhaft.

Und zwei Tag später, am 17. Mai. als ich hier gerade den letzten Schwank aus meiner Verzweiflungskiste zum Besten geben wollte, schellte es. Dick war gekommen.

Er sagte nichts. Er hat mich einfach nur in die Arme genommen und ich habe sein Hemd vollgeheult. „Hast Du wirklich geglaubt, das könnte ich?“ hat er gesagt und er hat mich gehalten, er hat mich so fest gehalten.

Wir sind dann ans Wasser gefahren. Er hat mich die Stufen zum großen Fluss runter getragen, getragen, den ramponierten Rest von mir, und ich hab mich festgehalten und als ich merkte, dass es ihm schwer wurde, Einszweiundsiebzig bleiben Einszweiundsiebzig, habe ich mich trotzdem weiter festgehalten und gelacht, tja, jetzt hast Du mich am Hals, hab ich gesagt, da haste den Salat.

Zwei Stunden haben wir dann im Sand an der warmen Mauer gesessen, in der Sonne, und haben nichts gesagt, uns nur festgehalten, jeder seinen Salat. Auf dem Weg dorthin - das klingt jetzt wie Groschenroman, welches Genre beherrsche ich Genie eigentlich nicht? – sind wir an der Stelle vorbeigekommen, an der ich vor nicht mal einem Jahr im Sommer noch mit 119 gewesen war, 119 und ich lagen, aber bitte ohne Körperkontakt, darauf stand er außerhalb des Geschlechtsakts nicht, in der Sonne, und haben jeder seine Zeitung gelesen. Und dann haben wir ein bisschen über die Sex and the City-Folge am Vorabend geredet und gelacht. Und schließlich fingen wir an über uns zu reden, und ich habe ihm trotz seiner Berührungsanimosität über die Stirn gestrichen und gesagt, dass wir nicht Carrie und Big sind, dass wir in der zweiten Staffel sind, und dass ihm klar sein muss, dass das die letzte sein wird, dass ich, falls sie zuende geht, endgültig aussteige, gehe, dass es keine sechs Staffeln geben wird für Lapared und 119. Dieselbe Karte, jetzt oder nie, damals hatte sie nicht gezogen.

Ich bin Hand in Hand mit Dick vorbeigegangen an dieser Stelle und ich habe lächelnd hingesehen, habe der alten Lapared mit der freien Hand zugewinkt und leise Tschüss gesagt, Tschüss, Du Verrückte, guck, so machen wir das jetzt. Ab jetzt sind wir glücklich.

Ich war im Himmel, ich lag eingekugelt in seinen Schoß, die Sonne wärmte mir den Rücken und seine Hände hielten mein Gesicht. Und ich dachte, das sind die glücklichsten Minuten deines Lebens. Ich dachte, dies ist einer der Momente, die du siehst, wenn der letzte Vorhang fällt und er wird Dich mit allem, allem versöhnen, allem, was war, allem, was vielleicht noch sein wird. Ich dachte auch, du musst gleich noch Brot kaufen und du musst den Zahnarzttermin morgen verschieben und du musst den Job nächste Woche absagen. Aber vor allem dachte ich, ker Laredchen, Du warst noch nie so glücklich. Ich war noch nie so glücklich.

Wir sind dann in den Sonnenuntergang spaziert, die Pferde hatten frei, Dick und Lapared sind tatsächlich in den Sonnengang spaziert. Eine langwierige Geschichte, denn alle fünfzehn Meter hielt Dick an und hat mich umarmt, Leute gingen vorbei, manche lächelten, andere, vor allem ältere Frauen, Frauen wie ich aber mit Hunden, guckten giftig. Tja, meine Damen, da stand es, das Glück, stand mitten auf dem an dieser Stelle nicht sehr breiten Gehweg und knutschte, Glück ist so ignorant. Ich dachte, da staunt Ihr, Ihr alten Schabracken, ich hab eine Gartenbank. Mit diesem Mann werde ich darauf sitzen. Händchenhaltend auf der Gartenbank. Und ich dachte noch mehr, ich dachte, beim nächsten Kuss-Stopp fragt er dich, beim nächsten Kuss-Stopp antworte ich: „Ja, mein Schatz, ja, hier auf der Stelle, und morgen backe ich Dir einen Käsekuchen mit Eisenpfeile und bringe ihn Dir in den Knast, wo Du wegen Polygamie einsitzt. Ja, dachte ich, für immer ja. Was auch nicht mehr ganz junge Schabracken so denken im Sonnenuntergang.

So. Und dann haben wir uns ganz oben auf die Aussichtsplattform gesetzt, und ich dachte, genau, so im Sitzen ist auch hübscher. Und wir schauten also in die Sonne und sie wurde immer kleiner und ich dachte plötzlich, warum sagt er eigentlich nichts. Und nur, um dem großen Versprechen rhetorisch ein bisschen Starthilfe zu geben, sagte ich mit geheucheltem Schmerz, denn alles in mir war Glück: „Schatz, das tust Du mir doch nie wieder an, oder, das muss ich nicht noch einmal durchmachen?

Er antwortete nicht. Guckte nur in die verschwindende Sonne. Ich suchte seine Augen, aber für ihn gab es nichts Fesselnderes als dieses seltene Naturschauspiel. „Du bist gekommen, um Dich zu verabschieden“, sagte ich. Und nachdem er nicht reagierte, fragte ich: „Dick, bist Du etwa gekommen, um Dich zu verabschieden?“ Erst da konnte er sich endlich von dem Sonnenuntergang losreißen, sah mich an, und sagte: „Ja.“

Freier Fall. Vom Himmel Luftlinie, wie sonst, in den schwärzesten Abgrund. Und wieder wollte ich es einfach nicht glauben, „Dick, das ist nicht wahr!“ hab ich gesagt, immer wieder, „Dick, das ist nicht wahr!“ Geglaubt habe ich ihm erst, als sein Handy klingelte. Er ging dran. Nach Stunden der Wortlosigkeit, die ich für stummes Glück gehalten hatte, Stunden, in denen er mich festhielt wie für immer, und die doch nichts anderes als ein romantisches, herrlich herzzerreißendes Loslassen für ihn gewesen waren, meldete er sich plötzlich mit so einer Energie. Meldete sich zurück in die Wirklichkeit. Seine Stimme war so zackig, so aufgeräumt, ein Kunde und das Leben geht schließlich weiter, er hat sogar gelacht. Ich sah ihn an und begriff, er war nach diesem „Ja“ wie befreit. Aufgewacht. Mir andererseits, seit Tagen grob mangelernährt, haute es nach diesem „Ja“ erstmal die Beine weg. Nacht.

Das ging vorbei. Aber einmal da unten, habe ich die Gelegenheit dann gleich ergriffen und ihn auf Knien angefleht. „Dick, sag, dass das nicht wahr ist, sag, dass das nicht wahr ist, sag, dass das nicht wahr ist!“ Und dabei hasse ich Redundanzen. Ich erinnerte ihn an sein Versprechen - als wenn sein Wort je etwas gegolten hätte. „Du wolltest nur kommen, wenn Du bleibst, Du hast es verspochen.“ Er antwortete nicht. „Du hast versprochen, auf keinen Fall zu kommen, wenn es ein Abschied ist! Du hast versprochen, mir das nicht anzutun!“ Er guckte in die Sonne, die jetzt endgültig weg war. „Dick, seit wann weißt Du es?“ – „Seit zwei Tagen.“

Ich musste dann mit ihm den ganzen Weg wieder zurückgehen, den Weg, auf dem wir eben noch Arm in Arm spaziert waren, verkehrsbehindernd geknutscht hatten, belächelt und beneidet wurden, ein kleiner hübscher blonder Mann kurz vorm Kniefall vor seiner großen nachblondierten Liebe, lucky lapared. Und nun auf dem Rückweg, kaum eine halbe Stunde später, hielt er mich fest, damit ich nicht kreislaufbedingt wegsacke und wieder vor ihm auf den Knien liege. Angeschmierte Lapared.

Ich bin noch so tief in die Knie gegangen. So tief. Aber erstmal versucht sie es, na klar, mit Reden. Warum Dick, warum? (Ein kleiner Service für alle, die das nicht die Bohne interessiert oder glauben, es schon wissen: bitte weiterlesen ab DANN HAT ER MICH NACH HAUSE GEFAHREN, circa hundert Absätze weiter unten.)

Weil ich zu viel bin. Und zu wenig gegeben habe. Weil ich immer zu tun hatte, nicht nur, wenn ich gearbeitet habe. Weil ich schreiben wollte, auch wenn ich bei ihm war, manchmal mehrere Stunden am Tag. Aber vor allem, weil er sich für mich verstellt hat, als er so tat, als ob es ihn das nicht stört. Weil er in Wahrheit keinesfalls leise und fürsorglich und der zauberhafte Dick im Hintergrund ist, sondern laut und ungeduldig und fordernd. Weil er im Mittelpunkt stehen will. Weil er nie mit weniger als allem zufrieden ist. Weil er sich für mich nur ständig beherrscht hat. Weil er nie er selbst war. Weil er mir nichts vom wahren Dick zeigen konnte, aus Angst mich zu verlieren. Weil er sein Haus für mich verlassen hat.

Verstehe.

So nannte er es immer wieder: „Ich hab mein Haus für Dich verlassen“. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass „sein Haus verlassen“ holländisches Psychodeutsch für, wie die Szene hierzulande sagt, „nicht bei sich sein“ ist. Und ich erfuhr: Er war zwei Tage zuvor bei einer Therapeutin gewesen und die hatte ihn darauf gebracht. Eine Psychologin hatte ihm zu der erlösenden Einsicht verholfen, dass er bei mir nicht in seinem Haus sein kann. Nie. Das kann er bei seiner Frau. Wie wahr. Deshalb ist sie seine Frau. Ach ja. Ich schließe meine Kollegen immer mehr ins Herz.

Er sagte, er hätte es Weihnachten schon gemerkt. Er hätte gespürt, wie wahnsinnig schön, aber wie unheimlich anstrengend es ist. Diese Ambivalenz habe er gefühlt, alles, alles tun zu wollen, und doch zunehmend genervt zu sein, weil er dabei nicht er selbst sein konnte. Er habe gespürt, dass er sich ständig beherrscht, und oft sei er aggressiv geworden, wenn ich nicht tat, was er eigentlich wollte, nicht weil ich es nicht tat, sondern weil er sich nicht mal traute, dafür einzutreten, weil ein Streit ein viel zu großes Risiko für ihn war, ein Streit, oh Gott, den verträgt ihre zart keimende Zuneigung vielleicht nicht, hat er sich gesagt, und statt zu fordern, hat er allenfalls gequängelt, dieses besonders schöne, scheinbar belastbare Momente abwartende, klug getarnt vorgetragene Quängeln war alles, was er sich traute, er, der normalerweise jetzt und sofort und laut auf seinen Wünschen besteht. Er wurde immer aggressiver, weil alles, ohne dass mir selbst das klar war, immer nur nach meiner Nase ging, doch er hat seine Wut darüber runter geschluckt, aus Angst mich zu verlieren, auch wenn sie ihm danach wieder und wieder hochkam und schließlich auch in irgendeiner Form bei mir zur Wiedervorlage landete. Wie oft habe ich sein „Dranhalten“ hier im Blog beklagt!

Und dann sagte er genau das, was ich selbst irgendwann einmal so ähnlich über 119 gesagt habe. Er sagte, manchmal hätte er gedacht, ich bin kaputt, ich brauche Pause, sie muss jetzt fahren! Und im selben Moment aber auch: um Himmels willen, hoffentlich will sie nicht fahren, dann liebt sie mich nicht, dann habe ich es nicht schön für sie gemacht, dann werde ich sie verlieren. Mit jedem Tag, den ich blieb und an dem ich mich wohler fühlte, war er schrecklich glücklich, aber gleichzeitig auch fürchterlich erschöpft, weil er sich so anstrengte. Er versuchte, mir alles zu geben, und das Schwierigste für ihn war, dass das, was ich wollte, einfach oft nichts wahr, nichts! Dass ich einfach nur dasitzen wollte, nur da und zuhause sein in seinem gut riechenden Haus, einschlafen und aufwachen neben „meinem Mann“, schreiben und dabei seine Geräusche hören, wenn er in der Küche hantiert oder oben Möbel schleift. Aber er wollte etwas ganz anderes. Er wollte mir doch soviel zeigen, so viele Dinge mit mir machen, gemeinsam machen, und ich wollte das alles gar nicht, ich wollte nur nebeneinander. Das, sagte er, habe ihn so fertig gemacht.

Es tut mir so leid. Ständig, jede Minute seither denke ich... warum bin ich damals nicht mit ihm spazieren gegangen? Warum? Ich Idiotin, ein einziges Mal in den acht Ostertagen hatte er mich wirklich gebeten, etwas zu tun, hat natürlich wie stets hinzufügt, „aber nur wenn Du Lust hast“, aber ich hatte keine Lust, obwohl draußen die Sonne schien, obwohl ich in seinen Augen sah, dass es ihm ein großer Wunsch war, an unserem letzten gemeinsamen Tag. Aber ich wollte lieber in seinem schönen gemütlichen Haus bleiben, wo ich um fünf Uhr Nachtmittags immer noch in Puschen und seinem weichen, tiefblauen Bademantel saß, ungeschminkt und noch mit Sperma in der Frisur, wollte nicht duschen, wollte mich nicht anziehen, wollte genau so bleiben an unsererm letzten gemeinsamen Tag - und er ist alleine gegangen. Ich hab damals gespürt, dass das ein Fehler war, als die Tür hinter ihm zufiel, bekam ich plötzlich diese schreckliche Angst, ihn zur verlieren. Und hab die berühmt-berüchtigten Eierchen verteilt.

Aber natürlich war es nicht nur sein mangelndes Vertrauen in die Streitbeständigkeit meiner zarten Gefühle, das ihn zu ihm so gar nicht nicht ähnlich sehender Milde zwang. Da war außerdem das schlechte Gewissen, er war ja – fast hätten wir es alle schon vergessen, gell? – er war immerhin verheiratet, da lässt man Madame ungeduschte Abgrenzung doch schon mal die Zügel und spaziert allein. Klagt nicht, wenn sie - ohne direktes Dick´sches Zutun geradezu skandalös zufrieden! – lieber einfach hinterm Rechner hockt. Sagt nichts, wenn sie ständig Fotos von dem Stoffzwerg macht, statt verzückt durch die Stadt der Liebe zu flanieren und unablässig Dickchens Hand zu halten. Das schluckt so ein Dickchen mitsamt seiner völlig legitimen, Männer unter 1,75-typischen Aufmerksamkeitssucht, sobald ihm einfällt, dass seine von Lchen vernachlässigte kleine Hand ja auch nicht ganz ohne Makel ist. Normalerweise steckt ein Ring daran.

Seit Tagen mache ich mir immer wieder diese Vorwürfe. Seit Tagen denke ich darüber nach, warum ich nur so eine Arschgeige war. Aber ab und zu, wenigstens ab und zu, pfeife ich mich auch zurück. Dann fällt mir ein, was er noch von sich gesagt hat. Am 17.Mai, als die Sonne untergegangen war. Dass er einer ist, der immer alles will, und immer noch mehr, und immer das Schwierigste, dass er dafür kämpft und kämpft und sich selbst dabei verletzt, bis er nicht mehr kann und mit einem Mal gar nichts mehr will. Und ach, dass er deshalb niemals glücklich sein würde. Der Arme.

Also. Dieser Spaziergang hätte gar nichts gerettet, gar nichts. Nach dem Spaziergang wäre etwas anderes gekommen. Perfekt schwimmen, sagte er immer, wolle er mir beibringen - mir reichte eigentlich, dass ich nicht untergehe. Und kochen - mir reichte, dass es schmeckt. Und gemeinsam, immer gemeinsam – mir reichte nebeneinander. ICH hätte ihm nie gereicht. Bis ES ihm irgendwann ganz von selbst gereicht hätte.

Korrigiere: Ich habe ihm nie gereicht. Bis es ihm am 17. Mai ganz von selbst (and with a little help from a fucking shrink) pünktlich zum Sonnenuntergang gereicht hat.

Und noch etwas hat er gesagt, als die Sonne weg war. Er sagte, wir beide, das wäre wie Jojo. „Wir ziehen uns an und stoßen uns wieder ab“, sagte er, „wir ertragen einander nur, solange wir um einander kämpfen aber nicht, wenn wir uns haben.“ – „Brillant“ sagte ich, „könnte von mir sein! Hast Du das aus meinem Blog?“ Aber dann sagte ich noch etwas, und das war die Wahrheit, das war so verdammt noch mal die Wahrheit. „Die letzten vier Stunden, dachte ich, ich hätte Dich!“ sagte ich, „und außer Glück war da nichts, nichts! Nicht der leiseste Impuls, Dich wieder wegzustoßen. Reines, goldenes, hundertprozentiges Glück.“

Der Impuls wäre schon noch gekommen, sagte er.

Und ich, ganz klein ohne meine Beine, hab gebettelt und gefleht. „Du kennst mich doch gar nicht, wir waren beide nicht wir selbst, beide nicht, gib mir eine Chance, lass mich zeigen, wie ich lieben kann, trotz allem, trotz allem lieben ist doch meine Spezialität. Du wirst sehen, da laufe ich zu Höchstform auf, Du wirst mich kaum wieder erkennen.“ Und er sagte: „Ich will aber nicht, dass ich Dich nicht mehr erkenne, ich will nicht, dass jetzt Du Dein Haus verlässt!“ – „Aber ich verlasse es nicht, ich bin zuhause“, habe ich geweint, „jetzt bin ich doch endlich zuhause, ich liebe Dich und Du willst mich nicht, ich bin so was von zuhause!“ Immer weiter runter, immer tiefer in die Knie.

DANN HAT ER MICH NACH HAUSE GEFAHREN. Ich habe nichts mehr gesagt. Nur kurz vor der Blitzkiste: „Dreißig. Ich will kein Abschiedsfoto von der Polizei.“ Das fand ich originell, das wollte ich als Schlusswort eigentlich so stehen lassen. Aber ich sagte noch so viel, ich wurde noch so unoriginell in den darauffolgenden Stunden.

Er kam dann mit hoch und wollte noch „für mich da sein“. Er wollte mich, getreu meiner eigenen, zwei Tage zurückliegenden Eingabe, in den Armen halten und Abschied nehmen. Und – hier würde ich gerne wieder mal lügen, um selbst besser auszusehen - er hat mich gehalten und ansonsten nicht angefasst. Das nimmt die moderne Frau schließlich selbst in die Hand. Wie versprochen war ich endlich „lieb“, zum ersten und zum letzten Mal war ich so richtig lieb, ich hab alles gemacht, was er sich immer gewünscht hat.

Nicht sofort, versteht sich. Zunächst mal regte sich sich noch Restverstand. Dick, habe ich geflennt, Du musst gehen, Du musst. Wie soll ich das aushalten, eine Nacht in Deinen Armen und wissen, es ist die letzte? Bei jeder Berührung, bei jedem Blick, denken: das letzte Mal! Das letzte Glas Wasser, das er mir bringt, das letzte Ich liebe Dich, das er mir sagt. Selbst bei der Klospülung noch denken: lausche, er spült, das letzte Mal! Restverstand. Doch kaum, dass er weisungsgemäß gehen wollte hab ich gefleht, bleib, bleib noch einen Moment. Nur einen Moment. Bitte. Geh, aber um Himmels Willen bleib!

Ein klassischer Fall für Jungfrauen. Denn: Selbst in verzwicktester Lage findet die planvolle Jungfrau schnell eine Lösung. Jungfrau Lapared hat einfach drei Schlaftabletten genommen und Dick gebeten, sie noch so lange in seinen Armen zu halten, bis sie eingeschlafen ist. Und leise zu gehen, wenn sie es nicht mehr merkt. Grandios oder grandios?

Und so lag ich denn da, in seinen Armen, ein letztes Mal, und wartete auf den erlösenden Schlaf. Wartete. Und jedes Mal, wenn ich ihn kommen sah, bekam ich die kalte Panik. Ich hab mich an ihn geklammert und gesagt, Dick, ich habe Angst einzuschlafen, ich darf nicht einschlafen, ich darf nicht einschlafen, denn wenn ich aufwache, bist Du nicht mehr da. Tja, so war er, der grandioser Jungfrauen-Plan.

Ich bin wach geblieben, stundenlang habe ich einfach bei ihm gelegen und bin wach geblieben. Hab die Augen aufgerissen und ihn angesehen. Das letzte Mal. Und als Gucken nicht mehr reichte, habe ich gedacht, ein bisschen Aktivität hält wach, habe mich ausgezogen, habe ihn ausgezogen und mich frisch ans Werk gemacht.

Hab ich mich ins Zeug gelegt, in dieser Nacht! Ich habe alles gemacht, von Pömps (geht doch!) bis Nackenkraulen, und die diversen Extras dazwischen, schluchzend, das hält wach. Und zwischendurch hörte ich ihn auf dem Klo mit seiner Frau telefonieren.

Es war krank, wir waren so krank, ich habe gekotzt und er bekam Durchfall, auch hübsch intim, wenn man Seite an Seite über den Schlüsseln hängt. Wenn er dir die Haare im Nacken zusammen hält und Du ihm, weil das Papier alle ist, feuchte Handtücher reichst. Und wie hatte er sich damals schon gefreut, als ich es schaffte, in seiner Gegenwart zu pinken! Intimität, hurra, endlich Intimität! Es muss das Paradies für ihn gewesen sein, diese Nacht. Ich hab alles gemacht, Gott, war ich intim in dieser Nacht. Und immer wieder hab ich gedacht, Mensch Lapared, was hast Du als Kind verbrochen, wofür Du Dich Dein Leben lang bestrafen musst? Deine Quietschente erwürgt?

Den tragischen Höhepunkt möchte ich nicht vorenthalten. In jedem Film wäre er brüllend komisch.

In der Vergangenheit nicht gerade ein feuriger Bläser, dachte ich, auch da könntest du noch mal zeigen, was Du kannst, Lapared. Eigentlich bin ich in dieser Hinsicht gerne zurückhaltend, und zudem behindert, meine Backenknochen sitzen nicht sehr fest aufeinander, Folge stundenlanger Zahnarztsitzungen, die ich schon ich in frühester Jugend wegen einer wissenschaftlich ziemlich sensationellen Zahndegeneration regelmäßig auf dem Kalender hatte (aber dafür sieht man davon heute nichts!). Also, Blasen eigentlich eher nicht, aber was soll´s, zur Feier des Tages! Und zack, verkeilt sich mein Kiefer und ich kriege den Mund nicht mehr zu. Mahlzeit. Dick wollte schon den Notarzt rufen, denn es tat, das konnte ich nicht verbergen, höllisch weh, und erst ein gezielter Kinnhaken, den ich mir selbst verpasst habe, natürlich selbst, ich bin´s doch, Lapared, blieb mir wenigstens diese Unannehmlichkeit erspart. Glück im Unglück, immerhin. Komisch oder komisch?

Ich jedenfalls habe danach gelacht. Wir haben gelacht. Das einzige Mal in dieser Nacht haben wir gelacht. Wir haben da gelegen und laut gelacht.

Bis Mittags des darauffolgenden 18. Juni ging die Quälerei weiter. Unendliche viele letzte Male. Und immer wieder mein Bitten: Dick, gib uns noch ein Chance! Lass es uns als die versuchen, die wir jetzt sind. - Nein, es geht nicht, wir verletzen uns, Du hast doch gerade gesehen, wie auch Du Dich verletzt, keiner verlässt für den anderen sein Haus.

Um 12.27 hat er meins verlassen.

Ich war nicht eingeschlafen, ich habe ihn weggeschickt. Nach vier Stunden Himmel und siebzehn Stunden, na sagen wir, ziemlich dem Gegenteil, habe ich ihn endlich weggeschickt. Ich bin vom Küchenboden, wo wir uns zuletzt hingelegt hatten, aufgestanden. Ich hab ihn zur Tür gebracht. Dann bin ich in die Küche zurück gegangen und habe mich wieder hingelegt. Wohin sonst, ins Bett? In dasselbe Bett? Die Parties enden immer in der Küche.

Geschlafen hab ich trotzdem nicht. Geschlafen hab ich erst, als meine Schwester da war. Sie ist nach der Arbeit losgefahren und war um Mitternacht am Ort des Verbrechens. Sie hat alle Spuren beseitigt, das Bett frisch bezogen, sich hineingelegt und ich hab mich dazugelegt. Sie hat nichts sonderlich Witziges gesagt, aber das kann ich in den nächsten Tagen ja erfinden. Worte - da wird der Zuschauersaal mir nach dieser kurzen, knackigen Schilderung eines ganz normalen Desasters erschöpft zustimmen - Worte hab ich selbst genug am Start.

Ach so. Und ab morgen arbeite ich übrigens wieder. Was hab ich gesagt, ich bin ein zähes Luder. Eine Woche arbeite ich und danach mach ich bis Juli frei, genieße den Sommer.

Ihr werdet schon sehen, Milliömchen, das mache ich. Und dieser Sommer wird schön.

18.05.2006 um 13:09 Uhr

Titel

von: Lapared

Es ist etwas passiert. Aber ich kann es nicht schreiben. Ich kann nicht. Vielleicht später, morgen, vielleicht in einer Woche, vielleicht viel später. Dann wird es sehr viel sein. Oder auch nur ein Satz. Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht, ich würde gerne darum bitten, noch ein Weile da zu bleiben. "Euch", den Zuschauersaal. Noch ein bisschen sitzen zu bleiben. Einfach ab und zu nachzusehen. Bitte. Ich hab mich immer bemüht, nicht so dramatisch zu sein. Ich wollte nie so etwas schreiben wie jetzt. Ich möchte auch sagen, wo ich gelogen habe. Ich habe gelogen bei der Nachbarin, als ich es geschrieben habe, dachte ich, es wäre die Wahrheit, aber das war es nicht. Er hatte nie ein Verhältnis mit der Nachbarin, es war alles ganz anders, wie, das möchte ich nicht sagen, ich hätte es richtig stellen müssen. Das hätte ich sofort tun müssen. Nicht für eine Ehrlichkeitsmedaille. Seinetwegen. Und die andere Sache betrifft meine Schwester. Diese ganzen Dialoge habe ich erfunden. Ich habe eine Schwester, aber diese Dialoge haben nie stattgefunden. Sie ist eine liebe Schwester, und sie wird für mich da sein. Aber diese Anrufe hat es nie gegeben. So, dann wäre wir auch klar, hm?

Ich ruhe mich ein bisschen aus. Bestimmt geht´s bald weiter. Bestimmt. Ich bin ein zähes Luder, ich bin ein verdammt zähes Luder. Bestimmt hoppel ich bald wieder (das war ein sehr hübsches Gedicht, sehr lieb). Ich ruhe mich nur ein bisschen aus.

P.S. Ich les es nicht noch mal durch, es muss schrecklich schrecklich pathetisch sein. Und das wollte ich doch nie.

17.05.2006 um 16:02 Uhr

Curd Rock - Bäremretter

von: Lapared

Äh… ..... ächz… … .puh. …. ...haurucky....äääähhh … .haurock … ich muss ihm rettem… ich muss… ich nuss… …nussnussnuss… ...

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Er ist shcwer, er ist so schrekclich schwer... . ihv schaff es nicht … ivh bim zu kleim…

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Doch! Doch, ich muss versuchem, ihch bim nicht kleim… ich bim der große, grooooße Curd… .haurock…… Curd HAUROCK! HAUROCK! HAUROCK!

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nur moch drei Etagem… ich werde schaffem… irgemdwie wird ich schaffem…

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3 pupsige Etagchen. Damm bim ich Curd Rock – Poet, Maler, Bildhauer, Juniorbestatter, Hämdchenhalter, … UMD BÄREMRETTER!

16.05.2006 um 13:31 Uhr

Warun nimmt ihm demm keiner mit…

von: Lapared

..warum nimmt ihm nicht emdlich eimer mit??? Bitte, irgemdeiner MUSS ihm mitnehmen....

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Bitte... .

16.05.2006 um 02:34 Uhr

Curd Rck - Tschüss Dicker

von: Lapared

Ich nusste doch heute dem Müll rumterbrimgen....umd da habe ich etwas gamz gmz Schreckliches gesehm guck.....Eeim dicken großer Teddy, im Müll! Ich verstehe das nicht…

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Er ist doch eigemtlich noch gamz heil, nur eim bisschem kaputt am Hals, aaber die Menschmen schmeißem ihm weg. Wie kömmen Memschem etwa wegschneißem, was sie vorher so geliebt haben?. Eimfach so im den Dreck! Ob Lchem mich auch irgemdwann wegschneißem wird? Oh waia, ich darf auf kleimen Fall kaputt gehem.

Später bim ich dann noch mal hingegamgen um hab ihm ein paar Blünchen gebracht. Mann darf ncihts einfach so im Dreck liegem lassem, was man mal geliebt hat. Warte, Curd Rock holt Dir ein paar Blümchen, dicker Bär, ich bin bei Dir, Du bist nicht alleim, wein doch nicht, ich bim da....

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Adieu, dicker Bär, Du wurdest geliebt.

15.05.2006 um 22:44 Uhr

Aber mal was ganz Anderes...

von: Lapared

Ein Hase sitzt auf einer Wiese,
des Glaubens, niemand sähe diese.

Doch, im Besitze eines Zeißes,
betrachtet voll gehaltnen Fleißes

vom vis-a-vis gelegnen Berg
ein Mensch den kleinen Löffelzwerg.

Ihn aber blickt hinwiederum
ein Gott von fern an, mild und stumm.

Das war „Vice Versa“ von Christian Morgenstern (1871-1914). Hübsch nicht, „kleiner Löffelzwerg“, das ist doch hübsch!

Es tut mir leid, ich versuche nur, endlich mal wieder was Nettes zu schreiben, irgendwas, was nichts mit ihm zu tun hat, aber mir fällt selber nichts ein, mir fällt einfach nichts ein. Ich bin so müde. Ich bin schrecklich traurig. Ich hab am ganzen Körper Schmerzen. Ich bin betrunken. Aber „kleiner Löffelzweg“, das ist doch nett, oder...

15.05.2006 um 13:20 Uhr

Curd Rck - verwahrlost

von: Lapared

Ihc verwahrlosem. Der große Curd Rcok lebt im Schnuzt und müll. Sie macht nichts mehr, NICHTS. Tagsüber gammelt sie im Agemtur rum, umd abemds sitzt sie nur rum umd guckt aus den Femster. Die gamze Nacht. Bis morgems. Umd ich verwahrlose. Über meiner Couch ist sogar ein Spimmenwebe! Ein Spimmenwebe! Wemm sie sich nun abseilt umd auf mich setzt, oh neiiiiiimmm...

Als wemm ich nicht gemug Kummer hätte. Ich wurde verlassem! Ich der große weltberühnte Curd Rock! Verlassem! Umd nun soll ich auch noch dem Müll selber rumterbringen. Das hat sie gesagt. Curd hat sie gesagt, Du musst jetzt den Haushalt schneißen, Du musst dem Müll rumterbringen. Eim Skamdal,.

14.05.2006 um 18:47 Uhr

Hasel und Birke

von: Lapared

Nachdem ich mich vorher gewissenhaft informiert hatte, was zur Zeit so durch die Luft schwirrt, bin ich dann doch in die Agentur.„Hasel und Birke“, sage ich fachmännisch jedem, der es hören will, denn deren Pollen, steht im Allergiekalender, sind gerade angesagt. Man, Du siehst beschissen aus! hagelt es sensiblen Zuspruch. Aber bei mir geht es wieder weg, denke ich, Pfannkuchengesicht.
Im Fahrstuhl auf dem Weg in die Mittagspause treffe ich die Praktikantin, Sabeth, Sarah, keine Ahung. Sie schielt über ihre Gucci-Brille und ich entdecke genauso pralle kleine Schlauchboote, wie ich sie heute Morgen im Spiegel gesehen haben.“ – „Hasel und Birke?“ frage ich. „Heiko und Heiko“, sagt sie. Ich schiele über über meine Curd-Rock Brille „Angnehm, Dick und Dick“. Der Fahrstuhl war unten und wir zogen unserer Wege. Alles Gute, sister in pain, die Brille steht Dir nicht.

Meine wirkliche Schwester brüllt nur noch. Sie brüllt. „Ich begreife nicht, wie man den gleichen Fehler zweimal machen kann! Ich begreife das nicht! Es gibt wunderbare andere Fehler, neue Fehler, verlieb Dich in einen Zwanzigjährigen mit Mutterkomplex, verlieb Dich in einem Islamisten und verschleiere Dich, verlieb Dich in einen katholischen CDU-Abgeordneten, dann wirst Du enterbt und ich bin reich, das wär was! Aber schon wieder ein verheirateter Mann, wie oft willst Du den gleichen Fehler machen, Du langweilst mich!“ Das ist natürlich das Schlimmste. Aber es gibt keine zwei gleichen Fehler. Es gibt keine zwei gleichen Fehler. Und der letzte Psychoschrei, darin das wieder kehrende Muster zu erkennen, ist nichts als intellektuelles Gewichse. Hurra, ein Muster, ich erkenne ein Muster, ein Muster! So what? Kluges Kind.

Jede Geschichte ist anders, auch wenn sie am Ende Schubladen bedient oder Statistiken bestätigt, das tut jede Geschichte. Wäre diese gut ausgegangen, hätten die Schubladensortierer gegrint: Oh, jetzt wird sie eine von diese späten Eppendorfer 3-Zi-Altbau-Tussen, die mit 40 schnell noch ein Balg rauspressen, um dann Sonntags mit Mann, Kind und Golden Retriever entnervt um die Alster zu marschieren. Versuche ich es weiter mit Dick, teile ich die Schublade mit den anderen dämlichen verzweifelten Frauen kurz vorm Verblühen, die sich als Geliebte hergeben um wenigstens nicht ganz allein zu sein. Bin ich wieder allein, bin ich eine von diesen traurigen kaufkraftstarken Großstadtsingles, die ihren einsamen trotz Pilates erschlaffenden Hintern mit teuren Fummeln behängen, damit vielleicht doch noch einen anbeißt, und die schließlich mit einem Schoßhund enden. So oder so, dem Klischee entkommt man nicht, das Klischee schreckt mich nicht. Ich wäre nur gern ein halbwegs glückliches Klischee.

Das ziemlich unglückliche Klischee hat vorhin noch mal einen Anruf bekommen. Zeit für den finalen Abgesang, Zeit für den Austausch der - wie Miranda es nennt - „Danke Du hast mein Leben bereichert-Reden“ und den letzten „und nun ziehe weiter, entwickle Dich-Gruß“, schnell war er ja immer schon. Ganz im Gegensatz zu mir. So weit bin ich noch nicht. Ich war nicht vorbereitet und musste improvisieren und so war alles, was mir einfiel „Danke, Du hast meine Bikinisammlung bereichert und nun ziehe weiter, leck mich am Arsch.“ Ich denke, ich überarbeite meine Rede noch mal, insbesondere den ersten Teil, den kriegt man vielleicht noch knackiger hin. Und maile sie ihm dann in ein paar Tagen oder Wochen. Oder auch nie.

14.05.2006 um 17:17 Uhr

... .. .

von: Lapared

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14.05.2006 um 00:24 Uhr

Warnung: Nicht sehr originell

von: Lapared

Gestern Abend lief es eigentlich noch ganz gut. Dick und ich haben geredet. Stunden. Ich hab ihn gefragt nach seiner Ehe. Er erzählte mir Dinge, die ich hier nicht erzählen möchte, weil hier nur Dinge zwischen mir und Dick hingehören. Er erzählt Dinge, die ich hier nicht erzählen brauche, weil es sowieso jeder weiß. Dinge, die Männer, die ihre Frauen betrügen, immer über ihre Ehe erzählen. Und die sowieso keiner glaubt, außer den Frauen, mit denen sie sie betrügen. Aber ich habe es mir angehört. Denn jede Geschichte, so klischeehaft sie auch aussehen mag, ist anders, ist einzigartig, jemand schrieb es im Kommentar.

Ich dachte, alles würde wieder gut, ich war so weit, dass ich dachte, dass alles vielleicht genau so passieren sollte, und dass ich ihn tatsächleich erst verlieren musste, um ihn wirklich zu finden, Schlagertext hin, Schlagertext her. Ich war glücklich, ich war glücklicher als vorher weil ich dachte, jetzt bekomme ich, was ich mir irgendwann letzten Winter, als dieser Zug so rasend schnell wurde, gewünscht hatte: die Chance noch einmal ganz in Ruhe von vorne anzufangen. Frei, damals dachte ich noch, nur ich wäre das nicht. Ich dachte, vielleicht war das, was ich die letzten 12 Tage durchgemacht habe, genau das, worüber Carrie sagt, dass eine Beziehung es vielleicht braucht, um am Ende glücklich zu werden: ein bisschen Drama im zweiten Akt.

Aber dann vorhin der Rückzieher. Ich spare mir auch hier die Details. Auch hier hat er nichts anderes gesagt, als das, was letztlich alle Männer sagen, wenn sie sich dann plötzlich entschließen, ihre Frauen doch nicht zu verlassen.

Warum so schnell der Sinneswandel? Weil sie heute wieder mal da war. Und weil ich, eine in den Zwanzigern sieben Jahre lang warmgehaltene Exgeliebte, feinste Seismographen habe für Stimmungsveränderungen in der Ausbruchsentschlossenheit von Ehemännern, und weil ich ihn damit konfrontiert habe. Weil ich irgendwann so wütend wurde, dass ich nur noch geschrien und geschluchzt habe, was ihn in seiner Tendenz verständlicherweise nur bestätigt haben dürfte. Und für so was hätte er beinahe das mollige Nest verlassen, tzzz!

Ich bin unendlich traurig. Ich war so bereit, es noch mal zu versuchen. Irgendjemand schrieb gestern im Kommentar: Mach, was Dein herz Dir sagt. Dämlich kannst Du es hinterher noch nennen, Hauptsache Du nennst es vorher oft genug Glück. Ich war so bereit auf mein Herz zu hören. Aber ich erkenne auch den Unterschied zwischen Glück und der Hoffnung auf Glück. Früher hat Dick mich wirklich oft glücklich gemacht. Und dafür hätte ich es wieder riskiert, sofort. Aber jetzt macht er mir nur noch Hoffnungen und selbst die zerstört er dann am nächsten Tag schon wieder. Das reicht nicht. Es tut nur schweineweh.

13.05.2006 um 18:59 Uhr

Durd Rock - Expertembefragung

von: Lapared

In wichtige Lebemsfragem soll mam stets einem Expertem fragem. Umd zwar: Eim Blünchem. Mal hörem , was das Blümchem sagt:

Er tut es –er tut es nicht – er tut es– er ttut es micht – er tut es – er tut ses nicht - er tut es nicht. –er tut es – er tut es niicht – er tut es – er tut es niccht - Er tut es –er tut es nicht – er tut es– ertutm es micht – er tut es – er tut ses nicht - er tut es nicht. –er tut es – er tut es niicht – er tut es – er tut es niccht - Er tut es –er tut es nicht – er tut es– ertutm es micht – er tut es – er tut ses nicht - er tut es nicht. –er tut es – er tut es niicht – er tut es – er tut es niccht – oh neim.... ER TUT ES NICCHT

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Das fällt mir eim! In SEHR wichtige Lebemsfragem soll man stets einen zweiten Expertem fragem: ein zweites Blümchen.

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ER TUT ES! Na bitte.

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So Blünchen habem echt eine Mnenge Ahmung.

12.05.2006 um 18:24 Uhr

Schöne Bescherung

von: Lapared

E-mail vom Weihnachtsmann. Das ging ja flink. Schaun wir mal, was er diesmal im Sack hat.

Hm, also… dass er er mich liebt. Der Klassiker, quasi die Socken unter den Warmhaltegeschenken! Und, was haben wir da… olala, dass er jede Minute des Tages an mich denkt. Hübsch eingewickelt werden die Socken auch noch! Und was noch… dass er mich nie verlassen wollte, dass sein Herz bei mir ist (Schlagersänger ist der Weihnachtsmann offenbar im Zweitberuf), dass er das seiner Frau auch gesagt hat (diesmal hat sie wahrscheinlich mein „momentan“ dazu gekriegt) und dass… WAAAS??? Dass er noch mal von vorne anfangen will, leise diesmal, langsam diesmal, als zwei freie Menschen diesmal, die einander neu kennen und vertrauen lernen müssen. Schluck. Da hat die kleine brave Zweitfrau aber diesmal ganz fett abgesahnt. Der Weihnachtsmann gibt sich in Geberlaune.

„Dick!“ brülle ich ihn an und freue mich, dass dieses dolle Skypeding endlich mal wieder zum Einsatz kommt, „Dick, vor nicht mal zwei Wochen hast Du mich fröhlich „Ich hab Dich verarscht“-pfeifend ohne viel Umschweife verlassen!“ – „Das wollte ich nicht.“ – „Oh. Na, dann. Wie konnte das dann nur passieren? Eine kleine Zerstreutheit, ein Moment der Gedankenlosigkeit und ups! Aus Versehen verlassen?“ – „Nein. Aus Verzweiflung. Ich dachte, das wird sowieso nichts mehr, das kann nichts mehr werden, das verzeiht sie mir nie.“ – „Und da hast Du, in Deiner zuvorkommenden, vorauseilenden Art, dann einfach mal Schluss gemacht. Hättest Du mir das nicht überlassen können?“ – „Ich dachte, Du liebst mich nicht genug, um so eine Verletzung auszuhalten.“ – „Schätzchen, Du weißt ich leide liebend gerne, das gibt meiner Liebe doch erst den rechten Kick! Dick!!! Du hättest mir vertrauen müssen!“

Ich hatte schon so ein schlechtes Gefühl, als ich dieses „Du hättest mir vertrauen müssen“ so im Schwange der Entrüstung einfach mal rausblies...

Er holte richtig aus. Richtig. Auch das hatte er im Sack.

Wieso er einer Frau vertrauen sollte, die ihn nach fünf Stunden Fahrt zwei Stunden in einer Imbissbude sitzen lässt, bevor sie ihn reinlässt?
„Ich wusste nicht, dass Du kommst!“ verteidige ich mich. „Ich brauchte diese eine – eine! – Stunde, um mich nach 12 Stunden Stress in der Agentur darauf einzustellen. Aber ich gebe zu, wenn umgekehrt ich DICH überraschend besucht hätte, hätte DEINE FRAU mich bestimmt sofort reingelassen!“ Buff. Rhetorisch mache ich ihn platt. Verbal bügel ich alles ab, aber meine innere Stimme sagt etwas ganz anderes. Der leise Teil von mir denkt: stimmt.
Und weiter ging´s. Wieso er in die Liebe einer Frau vertrauen sollte, die ihn, nachdem sie ihn drei Wochen nicht gesehen hat, nach einer Nacht wieder rauswirft?
„Weil dieselbe Frau vielleicht nicht nur drei Wochen lang Dich nicht gesehen hatte, sondern auch kaum ihr eigenes Bett? Weil die Frau nicht nur drei Wochen lang keine Zeit für Schäferstündchen hatte, sondern kaum eine Minute zum, jawohl, Scheißen? Weil diese Frau im Gegensatz zu Dir selbst, so eins von diesen komischen Dingern hat, weißt Du diese Dinger, Du hast vielleicht schon mal davon gehört, einen… JOB? Weil sie ihren Lebenunterhalt nämlich selbst verdient und nicht – wie wir unlängst in Deinem Falle feststellen durften - einen Ehepartner hat, der die Kohle ranschafft? Weil sie nicht nach Lust und Laune mal zwei Stündchen den Schwingschleifer schwenkt, wenn zwischen Schwimmengehen und Schaufensterbummeln ein bisschen Luft ist, sondern bis zu 15 Stunden am Tag keult, wenn sie keult, und weil diese Frau vielleicht einfach mal ein paar Stunden für sich selbst brauchte, bevor sie für vermutlich drei weitere Wochen kaum zum Atmen käme?“ Puuuuh... wenn ich einmal in Fahrt bin, hat er nicht die leiseste Chance. Als Nächstes verleihe ich mir das Bundesverdienstkreuz.
Aber er steckt das Köpfchen mutig weiter raus. Wieso er einer Frau vertrauen sollte, die in ihrem Blog (huch, jetzt spricht er über uns!) die im Blog - das ER nicht lese, aber Freunde, die sich um ihn sorgen (Hallo Freunde!) – bis vor kurzem noch regelmäßig ihren Schmerz über den Verlust eines Anderen öffentlich dokumentierte?
Ich gebe mich geschlagen. Nicht nur in Gedanken, auch in Worten. Ich texte dir Streichfett schön, ich quatsche dir billige Turnhosen ans Bein, aber das kann ich nicht schönreden, da hat er Recht. „Du hast Recht“, sage ich.

„Aber…“, kein Du hast Recht ohne ein Aber, „aber Du hättest es trotzdem mir überlassen müssen, Schluss zu machen oder nicht! Du hättest mir wenigstens ein Chance geben müssen.“ – „Du hast Recht.“ Kein aber. Und meine leise Stimme sagt: ein bisschen Kein aber täte mir selbst vielleicht auch nicht schlecht. Er hat Recht. Wir haben vielleicht beide Recht.

Und nun? Tja, und nun... Und nun will er also das Haus verlassen, will in eine andere Stadt gehen, eine Arbeit suchen und noch mal von vorne anfangen. Will zu sich selbst zurückfinden (Zitat! Psycho-Topten, nicht im Laparedschen Vokabular) und vorsichtig, ohne Eile auch zu mir, wenn es da noch eine Tür gibt. Ich muss heulen.

Aber (shit!) aber das glaub ich nicht, das glaub ich nicht! Gesagt hat er schon so viel. Und dabei das „momentan“ vergessen. Vielleicht will er das ja auch wieder nur momentan. Und morgen will er doch wieder lieber bei Mutti bleiben. Ich glaub ihm erst, wenn er es TUT. Ohne tut keine Tür.

Gut gebrüllt, Lpunkt.

11.05.2006 um 14:34 Uhr

Curd Rcok – steht auch wieder

von: Lapared

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Ranpomiertes Hömchen.

10.05.2006 um 22:49 Uhr

Hübsches Blau

von: Lapared

Und um die Geschichte abzuschließen. Ich bin dann gleich zum Zahnarzt. Um 10.00 war das Meeting, ich denk, das schaffste noch. „Entschuldigung...“ sag ich um 11.30, „was wird das da oben, Blomben oder eine Einbauküche?“ Mein Zahnarzt ist ein außerordentlich attraktiver Mann, ich steh drauf, wenn er mir mit seinen zartgelben Gummihandschuhen die Tränchen wegwischt, aber das! „Nur noch die Spülmaschine,“ sagt er, „dann haben Sie´s geschafft. Mund auf!“ – Und ich steh drauf, wie er „Mund auf!“ sagt. Trotzdem.

Um zwölf war ich endlich in der Agentur. Die Empfangsdame flötet mir schon entgegen „Das Meeting ist gerade zuende!“ – „Soll ich das Geschirr spülen?“, grimmig trabe ich an ihr vorbei. „Du möchtest bitte mal zu Fpunkt kommen!" Möchtest bitte, auf möchtest bitte kann ich ja. Fpunkt blickt von seinem Laptop auf. „Super! Was Du mir da heute morgen gemailt hast, super! Ach Lpunk, Du bist doch die Beste.“ Das hat er echt gesagt, ach Lpunkt, Du bist doch die Beste. Es geht bergauf, es geht wieder bergauf. Lpunkt kommt wieder in den Sattel. „Fpunkt“, sage ich in einem spontanen Anflug von Sympathie, „bist Du verheiratet?“ – „Nein.“ – „Echt nicht?“ – „Nein.“ – „Du kannst es mir ruhig sagen, Fpunkt, mein Freund hat´ s mir auch neulich gesagt.“ – „Trotzdem, nein.“ Ich schaue ihn an, wir kennen uns seit Jahren, wir sind auf einer dieser Agenturreisen sogar mal zusammen Sessellift gefahren. „Ein hübscher blauer Pullover ist das“, sage ich. „Geht´s Dir nicht gut?“ Nein, gut wäre wohl übertrieben. Aber zumindest schon besser.

Was ich nur sagen will. Ich lebe wieder. Ich sehe wieder. Ich esse wieder. Ich finde mein Eimerchen schon noch. Und wenn nicht... Wie schrieb mir gestern eine unbekannte Freundin aus dem Zuschauersaal: Keep on rocking in the free world…

10.05.2006 um 08:43 Uhr

Drei Ruinen für Lpunkt

von: Lapared

Ich kann nicht essen, ich kann nicht mal mehr trinken, selten hat mir ein Mann so zugesetzt. Oder es kommt von den drei Zahnruinen, die, seit sich das Provisorium bei der Zahnpflege gelöst hat, mit ihren entblößten Nerven den Mundraum kontrollieren. Sie meinen es gut, denke ich. Ich denke, sie wollen Lchen einfach mal zeigen, was wirkliche Schmerzen sind. Danke, Ihr blöden Arschgeigen.

09.05.2006 um 23:44 Uhr

Herzkammern-Messie

von: Lapared

Meine Schwester zeigt erste Zeichen der Ungeduld, wer könnte es ihr verübeln. „Das mit dem Weihnachtsmann hast Du ja auch verwunden!“ sagt sie. „Was ist mit dem Weihnachtsmann, ist er krank?“ ich bin entsetzt. „Es gibt ihn nicht, er ist Phantasie!“ – „Auch das noch! “ – „Das ist eine bittere Sache, aber man findet sich irgendwann damit ab und wendet sich denen zu, die wirklich die Geschenke im Sack haben.“ – „Ein Sack macht noch keinen Weihnachtsmann.“ – „Dick, der Dick, in den Du Dich verliebt hast, ist eine Phantasie, kapier das doch, es gibt ihn nicht!“ – „Ich glaube aber noch immer an ihn, ich glaube, dass es ihn gibt.“ – „Wie süß.“ – „Er hat gelogen, ja, er ist nicht der, der er vorgegeben hat zu sein, aber deshalb ist er doch nicht gleich ein völlig anderer!“ – „Natürlich nicht. Ein Eimer bleibt ein Eimer, auch wenn er plötzlich keinen Boden mehr hat. Aber was willst Du mit einem Eimer ohne Boden?“ – „Na ja...“ – „Du hast die Geborgenheit geliebt, die Du bei Dick gefunden hattest, das Gefühl, wirklich und unerschütterlich geliebt zu werden, und das ist weg, weg! Der Eimer ist noch immer der Eimer, aber er hat keinen Boden!“ – „Man könnte ihn vielleicht reparieren?!“ – „ Du wärest nie sicher, ob er hält, schmeiß ihn weg!“ – „Wegschmeißen war nie meine Stärke.“ – „Deshalb müllst Du auch so zu. Kaputte alte Sachen in jeder Ecke!“ – „Ich mag kaputte alte Sachen.“ - „Deine Herzkammern vermüllen, mach Platz für neue Sachen.“ – „Ich will keine Neuen.“ – „Die sind aber vielleicht viel schöner! Stell Dir vor, so ein hübsches neues Eimerchen, blau und mit einem festen, starken Boden...“ – „Blau wär natürlich chic.“ – „Sieh Dich um, ganz in Ruhe, und wenn Du ihn in irgendeinem Schaufenster siehst, geh rein, kauf ihn und nimm ihn mit nach Hause.“ – „Kaufen? Ich weiß nicht… Ich schreib ihn auf meine Wunschliste für den Weihnachtsmann.“ Ich höre ein entnervtes Seufzen.

09.05.2006 um 14:35 Uhr

Curd rock - pupst auf Mützchem

von: Lapared

Lchem hat gesagt, ich dargf mir was gamz Schömes kaufem. Danit ich nicht so traurig bim. Vielleicht eim neues Mützchem für dem Sommer.

Ich will nir nichts kaufem. Ist doch egal, wie ich runlaufe. Durch meim chice Mützchem gucken mich alle Memschchen an, ... .aber nach eim Zeit guckem sie ja doch wieder weg. Guckem eimfach wiedr weg...

Damm steh ich da mit meim Mützchem. Mit Mützchem aber fimanziell ruiniert.

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09.05.2006 um 02:01 Uhr

Proviant für alle

von: Lapared

Happyend? Hat einer hier Happyend gesagt?

Während ich heute Nacht meine Gartenbankphantasien kultivierte (ohne allerdings genau zu wissen, ob das wirklich so traumhafte Aussichten wären, ich meine…14 Ma!) ist seine Frau zurückgekommen. Sie hatte das Haus - nachdem sie D. zur Rede gestellt hatte, er hat es nicht von selbst gesagt – verlassen. Gestern Abend ist sie zurück gekommen. Heute Morgen wieder gefahren. Und was dazwischen war – angeblich nur Gespräche – ist das, was heute tagsüber meine Phantasie beschäftigt hat. Gartenbänke kamen darin nicht vor, Sitzgelegenheiten allgemein eher weniger, Möbiliar für zwei dagegen schon.

„Um herauszufinden, was zwischen uns noch ist“, sagt Dick, „muss ich mit ihr reden“. Was soll ich sagen? Das muss man verstehen. „Und mit Dir rede ich doch auch,“ sagt Dick, „wir mailen und wir telefonieren, auch wir müssen herausfinden, was zwischen uns ist.“ Wo er Recht hat, hat er Recht.

Sie ist heute früh also wieder gefahren und auch sie hat ein „kann sein“ mitgenommen. Ein „kann sein“ und ein „Ich liebe Dich“, es ist ein gerechter Dick, er schnürt jeder Frau dasselbe kleine Proviantpaket mit Stärkungen für die Warteposition. Ein gütiger Dick. Es soll uns dort an Nichts mangeln was unsere Hoffnung nährt und unsere Leidensfähigkeit verlängert. Ein „kann sein“ und ein „Ich liebe Dich“. Meins mit einem „im Moment“ garniert, ihrs – vermute ich - mit einem kleinen „noch“.

Hier bin ich übrigens zum ersten Mal in der Versuchung zu lügen und Dinge zu schreiben, nur um einigermaßen akzeptabel dazustehen. Denn natürlich höre ich es auch durch die schalldichte Scheibe meines Screens, das tosende Klatschen aus dem virtuellen Zuschauersaal. Das Klatschen der geneigten Leser, die enthusiastische ihre Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wie Laparedchen, kann man nur so bekloppt sein? Wer bitte soll da noch folgen?

Ich kann nur sagen, ich bin nicht stolz darauf. Stolz ist das Letzte, was ich empfinde, hier in meiner Warteposition mit meinem „kann sein“ und meinem mit einem „im Moment“ dekorierten „Ich liebe Dich“ aus Dicks hübsch geschnürtem Überlebenspaket.

Aber ich habe ihm auch etwas gegeben. Schaun wir doch mal, was ich ihm heute morgen in den Proviantsack gepackt hab. Ich dachte, auch in der Entscheiderposition kann der eine oder andere Knochen zum Nagen sicher nicht schaden. Ein Knochen in Form einer Mail.

Lieber Dick, natürlich liebst Du auch SIE, das weiß ich, sonst wäre die Entscheidung ja leicht, sonst hättest Du sie längst gefällt. Du brauchst Zeit, um herauszufinden, wen Du mehr liebst, oder - da es vielleicht sehr unterschiedliche Lieben sind, die sich nicht mit gleichen Größenmaßen messen lassen - welche Art der Liebe für Dich die Wertvollere ist (hat jemand je eine taktvollere Umschreibung gefunden für: Willst Du Ruhe oder willst Du ficken? Aber weiter…) Nimm Dir die Zeit herauszufinden, was Du willst. Ob das mit uns nur Verliebtheit war oder etwas, wofür Du bereit bist, die letzten 24 Jahre aufzugeben. (Und jetzt pass auf…) Ich selbst werde dasselbe tun. Ich werde versuchen herauszufinden, ob meine monentane Verzweiflung und Kampfbereitschaft mehr ist als ein Greifreflex, weil etwas von mir weggezogen wird, das ich lange mehr oder weniger unbeachtet in Händen hielt. (Doch damit nicht genug…) Schon vor einigen Tagen habe ich mit 119 telefoniert. Er liest mein Blog und hat sich gemeldet um zu fragen, wie es mir geht. Ich werde mich mit ihm treffen, weil er mein Freund ist und weil ich gerne mit ihm rede. Aber nicht nur deshalb. Auch ich muss herausfinden, ob es wirklich Du bist, den ich will. Oder doch noch der, den ich so lange Zeit im Dunklen atmen hörte (schnarchen, aber das bleibt unter uns). Und die Tatsache, dass ich ihn nicht haben kann, ist für diese Frage unerheblich, Du weißt, auch ich denke nicht praktisch. (Und jetzt…) Vielleicht klingt es wie eine Retourkutsche, aber das ist es nicht. Auch ich kann das nur herausfinden, wenn ich ihn sehe und mit ihm rede. Dick, wir, wir beide, werden sehen.

Ist das ein Knochen oder ist das ein Knochen?

Verzweiflung oder Verletzheit kann man dazu natürlich auch sagen. Aber immerhin… eine Lüge ist es nicht. 119 hat angerufen und gefragt, wie es mir nach dieser Scheiße geht. (Der Zuschauersaal brüllt.) Ich hatte es nur nicht erwähnt, es hat mich nicht beschäftigt. Es hat mich nicht beschäftigt.

P.S. Den Job fahre ich voll an die Wand. Und ehrlich gesagt… Auch wenn es sich jetzt fast unerheblich anfühlt, langfristig gesehen ist das vielleicht die größere Katastrophe. Freie dürfen nicht versagen - deshalb kriegen sie so viel Geld. Meine Schuld, dass ich hingegangen bin, ein freier Job ist keine bezahlte Beschäftigungstherapie. Ich dachte, ich krieg das hin. Ich Rindvieh.

08.05.2006 um 07:31 Uhr

Ein glückliches Paar

von: Lapared

So viel mit schlafen war wieder nicht. Heute Nacht lies mich die brennende Frage nicht los:

Was würden wir für ein glückliches Paar?

Ich sah uns in ferner Zukauft traut auf der Gartenbank sitzen, unsere müden, alten Hände haltend, und ich würde ihn fragen: „Na, mein Schatz, wie oft hast Du heute an SIE gedacht? – „Fünfzehn Mal. Und wie oft hast Du an IHN gedacht? – „Vierzehn Mal.“ – Dann bin ich heute Sieger, ich darf mir was wünschen!“ – „Und das wäre? Was wünscht Du Dir?“ – „ Dasselbe wie immer: Sex. Du hast doch immer schon gesagt, dass ich auf Omas stehe!“ – „Ja, und ich habe Recht behalten.“ – „Das ist das Wichtigste.“

Was für ein glückliches Paar.

07.05.2006 um 23:02 Uhr

Jägergruß

von: Lapared

„Und dann?“ sage ich, „und dann, Dick?“

Nachdem ich heute Nachmittag nicht mehr anders gekonnt und mir die ersehnte Bewegung verschafft hatte - Anlauf, Tritt, Umlaufbahn - kommt man ins Gespräch. Geht doch. Neunzehn Minuten hat es gedauert, neunzehn Ewigkeiten, schon nach der ersten hatte ich es bereut.

„Dick, ich kämpfe gerade um Dich, ja, wer hätte das gedacht, ich, die Festung herself, um Dich, den tapferen kleinen Eroberer. Eine Mauer kämpft, was technisch alle möglich ist!“ – „Manchmal muss man etwas erst verlieren, um zu erkennen, was man hatte.“ – „Du klingst wie ein Schlagersänger, doch man könnte es kaum treffender sagen. Nur… Gibts auch einen Schlager darüber, wie andauernd diese Erkenntnis ist? Ich kenne keinen Schlager, in dem es heißt: Manchmal muss man etwas für immer verlieren, denn sonst würde einem nach spätestens zwei Wochen klar, dass bestimmte Erkenntnisse an den Umstand gebunden sind, dass es verloren bleibt. Aber vielleicht gibt es so einen Schlager auch nur deshalb nicht, weil die Zeile für einen Schlager zu lang ist? Vielleicht sie die Zeile aber trotzdem wahr, auch ohne ein Schlager zu sein - und dann?“ – „Hör auf damit…“ – „Ist doch so! Du bist so, ich bin möglicherweise so, wir sind beide Jäger, wir können beide nur wollen und wertschätzen, was wir nicht haben! Weidmannsheil!“ – „Weidmannsdank!“ – „Siehst Du, das kennst Du also, obwohl Dein Deutsch, ich glaube, es ist der ideale Zeitpunkt, es Dir zu sagen, ansonsten manchmal erhebliche Lücken aufwies, von der Tatsache, dass Dir das Wort verheiratet entfallen war, ganz abgesehen.“ – „Ich liebe Dich.“- „Im Moment.“ – „Im Moment. Liebst Du mich im Moment auch?“ – „Immer, Schatz.“ – „…“ – „Aber ich weise darauf hin, dass ich gerade um Dich kämpfe, ich kämpfe, da sagt man alles, gerne auch für immer, das muss ich DIR nicht erzählen, also trau mir nicht, trau mir bloß nicht, egal, was ich sage, einem Kämpfer traut man nicht.“ – „Du willst mich verletzen.“ – „Nein, im Gegenteil. Ich will Dich an der Weisheit, gewonnen aus dem wunderbaren Schatz meiner jüngst gesammelten Erfahrungen, teilhaben lassen. Selbstlos, großzügig will ich Dich lediglich vorm Schlimmsten bewahren. Ich kämpfe, glaub mir kein Wort, Dick. Ich kämpfe nur.“ – „Ich bedeute Dir mehr, als ich dachte.“ – „Ja, das möchte man darin sehen, wenn jemand kämpft, nicht wahr? Das wollte ich bei Dir auch darin sehen. Kann sein, muss aber nicht.“ – „Kann reicht mir. Mehr als kann, kann ich Dir auch nicht bieten. Im Moment. Wir sind uns beide unsere Gefühle nicht sicher.“ – „Aber man sagt ja, dass Gemeinsamkeiten für eine Beziehung das Wichtigste sind.“ – „Sagt man das? Dann sind wir ja auf dem besten Weg, hm?!“ So gesehen...

So gesehen schaffe ich es heute Nacht ja vielleicht wirklich mal zu schlafen. Verkehrt wär´s nicht. In der Agentur habe ich heute - um den an sich sehr netten CD zu zitieren - "ein wenig enttäuscht". Er wird einen Weg finden, mit seiner Enttäuschung umzugehen - wie wir alle, gell? Er wird ein bisschen zaudern und zögern, aber dann wird er dem Artbuying ein Post-it schreiben: L. buchen wir nicht mehr. Er wird darüber hinweg kommen.