Anleitung zum Entlieben

07.05.2006 um 13:43 Uhr

Warten

von: Lapared

Ich bin kein Held des Wartens. Nichts tun ist das, was mir am schwersten fällt. Ich weiß, ich sollte die Füße still halten und an Oma denken, die immer sagte „Kind, der wird schon wieder ankommen.“ Vielleicht, Omili, bestimmt. Aber meinst Du nicht, es ist besser, wenn ich ihm einen Wagen schicke?

Er hat gesagt, ich soll warten. Er hat mich darum gebeten. Er hat sein „Ich verlasse Dich“ zurückgenommen und „Ich weiß es nicht“ gesagt. „Ich weiß es nicht, ich bin krank, ich bin durcheinander“. Och je. Ein „Ich verlasse Dich“ kann man nicht zurücknehmen. Das bleibt. Das bleibt, auch wenn man wieder zusammen ist. Wäre. Es gesellt sich schamhaft geneigten Hauptes zu den anderen „Ich verlasse Dichs“ die unterm Sofa hausen und sagt: „Tach, ich bin das Neue!“ – „Hast Du sie fertig gemacht?“ fragen die anderen, zum Teil noch jünger und gut bei Kräften, zum Teil schon alte, zahnlose Veteranen. „Nee, noch nicht, meine Zeit kommt noch!“ brüstet es sich. – „Schwächling“, lästern die anderen. "Ihr werdet schon sehen“, denkt das zurückgenommene "Ich verlasse Dich" und kugelt sich in die Ecke. Wo waren wir? Warten…

Ich bemühe mich, das auszuhalten. Zweifel sind erlaubt, wer wüsste das besser als ich, der 6,9-Monatszweifler (ja, das Phänomen des paradoxen Synchrongesangs von „Ich verlasse Dich“ und „Ich will Dich“ ist auch noch nicht erforscht - man weiß nicht, wo man zuerst anfangen soll.) Also warten…

Kennt der mich nicht? Ich bin es doch, Laparetti Controletti! Ohnmacht halte ich nicht aus, dafür bin ich einfach nicht gebaut, so gut müsste er mich kennen! Wenn ich ihn schon zu nichts bewegen kann, bewege ich mich wenigstens selbst. Ich nehme Anlauf, ich hole aus… und trete ihn zurück in seine traute eheliche Umlaufbahn. Hach, wie gut so ein bisschen Bewegung tut.

Leider weiß ich, dass sie nur in dem Moment gut tut, nur in dem Moment, ich dem ich irgendwas, irgendwas tue. Danach wäre alles noch schlimmer.

07.05.2006 um 01:33 Uhr

Ratter ratter

von: Lapared

Und um noch mal auf die Reinterpretation von sieben Monaten Verhalten zurückzukommen, von sieben Monaten Worten, sieben Monaten Gesten, sieben Monaten Blicken… von sieben Monaten Beziehung vorm Hintergrund einer nicht ganz unbedeutenden neuen Information... Tja, das ist eine Menge Holz.

Ich fürchte, das wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen. Aber ich weiß, dass es langsam weniger werden wird (das auch als Aussicht für den strapazierten Leser). Dass aus der Ganztagsbeschäftigung allmählich eine Halbtagsbeschäftigung wird, eine stundenweise Beschäftigung… bis es schließlich keine Beschäftigung mehr ist, sondern nur noch ein Gedanke dann und wann. Oder, noch besser weil kürzer, ein Gedankenblitz. Man sieht ein Antihaarbruchshampoo, das man irgendwoher kennt, und plötzlich fragt man sich, ob das wohl ihr´s war, denn seine Haare waren nicht gespalten (die zumindest nicht), und ein kurzes Gefühl der Genugtuung durchströmt dich, dass sie zwar deinen Mann hat aber möglichweise auch Spliss.

Ich weiß gar nichts von ihr. Ich weiß nicht mal welche Haarfarbe sie hat. Er hat mal gesagt, dass ich eigentlich gar nicht sein Typ wäre, dass er mehr auf dunkel steht, deshalb vermute ich, sie sind braun oder schwarz. Ich habe im ganzen Haus nicht ein Mal ein Haar gefunden. Im Badezimmer lag ein Kamm, keine Bürste, alles war pikobello sauber, vor jedem Besuch hat er drei Tage geputzt. Er sagte: „Das tue ich für Dich, Schatz. Weil ich weiß, dass Du es gerne sauber hast.“ Und ich habe ihn dankbar angestrahlt und geküsst, ich weiß, was sich gehört.

Das ist das Eine. Aber so einfach ist es nicht. Man sieht nicht nur schöne Dinge in einem völlig neuen Licht. Bläst sich auf in gerechter Empörung und schmettert einmal mehr: der blöde Arsch. Man sieht auch Dinge, die man damals schrecklich fand. Unter aller Sau. Man sieht sie und versteht sie. Sein Fordern, sein Drängen, seine ständigen SMS. Ich dachte doch immer, Mein Gott, was ist los mit dem Kerl, was stimmt da nicht, warum geht der so aufs Gas? Spricht von heiraten, von Haus und Hund und Kindern (umd grüm Badezinnerchem!), mir muss man so was nicht erzählen, um mich ins Bett zu kriegen (mich schom!), mich hat das eher abgeturnt (nmich nicht!), also warum?

Ich hatte meine Theorien, ich glaub, ich hab es damals auch geschrieben. Da war die Jäger-Beute Theorie (die nicht nur das plötzliche Desinteresse sondern auch die an sich unfunktionale Hetze erklären würde), die abnorme Neigungstheorie (eine Vorliebe für mature Damen, vor der er vielleicht flieht), die schwule Neigungstheorie (sexuelle Unentschiedenheit, vor der er vielleicht flieht), ich wusste ja nicht, dass die Neigung, vor der er wirklich flieht zwei Beine hat. Haare, deren Farbe ich nicht kenne. Augen. Ich wusste nicht, dass die Neigung keine Neigung ist, sondern Liebe. 24 Jahre Liebe, die er durch die akute Verliebheit vielleicht eine Zeit nicht mehr gespürt hat, aber von der er ahnte, dass sie da ist, die er im Dunklen atmen hörte, und was, wenn sie aufwacht, was dann?

Nichts, mag man denken, weiter machen, seine Olle hat ja nichts gemerkt. Aber darum geht es nicht. Für ihn war das kein praktisches Problem.

Es wäre so einfach, sich zu entrüsten, und Lügner Lügner zu brüllen. Einfach, gesünder, und wahrscheinlich viel besser für mich. Aber erstens habe ich, da wird mir niemand widersprechen, es nicht gerne einfach, ich bevorzuge es schwierig, langatmig und kompliziert. Und zweitens. Zweitens glaube ich nicht, dass er mich nur belogen hat. Ich glaube nicht, dass er nur mich belogen hat, so rum ist vielleicht richtiger.

Immer wieder hat er gesagt hat, dass er mich liebt, immer wieder, man, ging mir das auf den Sack! Und dazu stets sein tragischer Blick! Wahrscheinlich stimmt es, dass er es in dem Moment, in dem er es gesagt hat, auch selbst geglaubt hat. In jedem einzelnen. Aber ich denke, nicht mir hat er das immer wieder auf´s Neue versichert, sondern sich. Sich selbst hat er versucht zu überzeugen. Sich selbst hat er versucht weiszumachen, dass er mich liebt. In Wirklichkeit liebt er seine Frau. Man, geht mir das auf den Sack.

Macht es nun einen Unterschied, ob er mich oder sich selbst belogen hat? (Oder mnich!?) Ob er durch sein Klammern mich festhalten wollte oder sich? (Mihc!)

Aber schön, dass wir drüber gesprochen haben.

06.05.2006 um 16:05 Uhr

Curd Rocj - postalkohlisiert

von: Lapared

Ich sitze im Dikc-ist-da-Nothaltebucht. Lchem sagt, wir brauchme keim Dick-ist-da-Nothaltebuch mehr. Lchem sagt, es wäre jezt meime Dick-ist-weg-Ausnüchterumgszelle.

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06.05.2006 um 08:36 Uhr

Guckzwang

von: Lapared

Man hat ja eine Menge zu tun nach so einer Geschichte. Man sieht alles noch mal von vorn, die ganze Beziehung, all das, was er so getan, gesagt hat, jeden Satz, jeden Blick, man sieht es noch mal von vorn und vor dem Hintergrund des neuen Wissens. Man will das eigentlich nicht, aber es ist zu verlockend, faszinierend und schrecklich wie ein Autobahnunfall, an dem man nicht vorbeifahren kann ohne hinzusehen. Man stellt diesen Menschen, den man glaubte zu kennen, vor den neuen Hintergrund, und plötzlich verwandelt er sich, plötzlich wird er ein anderer, seine Züge verändern sich, alles erscheint in einem ganz neuen Licht. Man will die Augen zumachen, man will weiterfahren, nicht hingucken, sagt man sich, aber man muss.

Man hat eine Menge zu tun. Und Joghurt verkaufen soll man auch noch. Eigentlich hätte ich wirklich keine Zeit für die Agentur...

05.05.2006 um 22:22 Uhr

Angenehme Nachtruhe

von: Lapared

Ich bin müde, Teufel bin ich müde… Die letzten Nächte war ich so auf Zack, aber heute werde ich schlafen wie ein Stein. Das sicherste Mittel gegen Schlaflosigkeit ist Schlaflosigkeit, is so…

05.05.2006 um 15:12 Uhr

Curd Rock - gamz rechte Hälfte

von: Lapared

Eim Foto… eim Foto ist alles , was mnir bleibt.

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Das ist er mit nnir himgefahrem. Weil ich das so schöm famd. Eim grümer Raum mit riesemgroßem grümen Fliesem, die um die Ecke laufem. Um die Ecke, die Fliesem, eim Sensatiom.

Hat eim Freumd vom D. gemacht. Eim weltberühnter Kümstler, Marien Schouten, nicht gamz so weltberühnt wie ich, aber eim bisschem weltberühnt. Guck, Curd Rcok im Mariens „Groene kamer“. Famtastisch, auch die groene kamer.

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Ich erimmere mich als wär es gesterm gewesen: Dickchem ,hab ich gesagt, so eim hübshes grünes Badezimmerchem will ich auch. Das baue ich Dir, liebster Curd Rock, hat er gesagt. Umd eim Häuschem drun rum, das schaffem wir. Wir schaffen alles.

Guck, un die Ecke...

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Da!, Jumior war auch dabei. Ach Jumiorchen. Der hat mich auch verlassme, alle verlassme mich, alle…

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Ich will keim grümes Badezimmerchem mehr, nie wieder, ich hasse grüme Badezinnerchen! Umd Häuschem! Umd … Dickchem. Ich hasse ihm.

Ach, Was stimnt blosß nicht mit mir? Ist es wegem meim fehlemden Hals? Vielleicht brauch ich doch eim Hals…eim Hals, wenn ich eim Hals hätte, würde mich niemand verlassem!

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Dickchem, soll ich mir eim Hals opereiem lassem, Dickchem, liebst Du mich mit eim Hals...?

05.05.2006 um 12:51 Uhr

Fünfte Jahreszeit

von: Lapared

Das ist sie wieder, die verrückte 5. Jahreszeit, die tollen Tage, und vor allem die ganz besonders tollen Nächte, in denen man mal richtig auf den Putz haut, in denen man dasitzt und Briefe schreibt, Eine Frage noch-Briefe, Du verficktes Arschloch-Briefe, Ich habe auch viel falsch gemacht-Briefe, Briefe an seine Frau-Briefe, Verlass mich nicht-Briefe, Ich hasse Dich-Briefe… Liebesbriefe halt. Die ihren Adressaten nie erreichen. Ach ja, eine verrückte Zeit. Total crazy.

In der Agentur laufe ich inzwischen zu Höchstform auf. Ich kontrolliere mittlerweile nicht nur meinen Magen sondern auch meine Gesichtszüge. Ich sitze so da und gucke sehr inspiriert. Sehr.

05.05.2006 um 02:22 Uhr

Ping – Pong

von: Lapared

Rechte Gehirnhälfte: „Ich will ihn zurück! Ich will ihn zurück! Ich will ihn zurück...“

Linke Gehirnhälfte: „Dein Sandkastenförmchen oder den Mann, den Du trotz allem liebst?“

Rechte Gehirnhälfte: „Mir doch scheißegal, alles, was auf den Namen Dick hört!“

04.05.2006 um 22:47 Uhr

Da war er!

von: Lapared

Der Satz, auf den ich schon geraume Zeit gewartet hatte. Sogar schriftlich. Gesimst, man simst wieder, back to the roots. Oder hat Mutti ihm den Computer weggenommen?

Ich musste mit Dir Schluss machen, simst er, Du könntest mir doch niemals wieder vertrauen.

Tä-täää. Ich wusste, dass das käme, ich wusste es. Ich wusste es... Und was kommt als Nächstes? Dass er mich nämlich eigentlich gar nicht verlassen wollte, ach woher, dass es die reine, bittere Einsicht in die Unmöglichkeit eines Fortführens unser Beziehung war, ohne die ach so wichtige Basis des Vertrauens. Aber sonst, wenn´s nach ihm gegangen wäre...

Darf ich mal sagen, was ich von Vertrauen halte? Damit konnte ich noch nie viel anfangen. Ich glaube, dass man sich des anderen nie ganz sicher sein kann. Ich weiß es. Bei Dick hatte ich es nur vergessen, vorübergehend. Post-it machen, nächstes Mal.
Laparedchen sagt: Jeder andere Mensch ist ein Ozean. Man selbst paddelt immer nur auf der Oberfläche rum, weiter als bis zum eigenen Onkel blickt man nicht. Bei aller Liebe. Oder vielleicht gerade deshalb.
Andererseits, sagt Laparedchen, ist es vermutlich erst Liebe, die uns das Wagnis überhaupt eingehen lässt. Diese unglaublich halsbrecherische Aktion, mit nichts als dem Seepferdchenabzeichen auf der Brust in diesem großen tiefen Ozean schwimmen zu gehen. Nur Liebe macht so blöde.

So, und bevor Laparedchen, bedröhnt wie sie ist, noch mehr maritime Weisheiten zum Besten gibt, lass ich es für heute wohl besser mal gut sein.

Was ich eigentlich nur sagen wollte: das ist doch alles Gequatsche. Er hat Schluss gemacht, weil er Schluss machen wollte.

Ahoi, Kameraden.

04.05.2006 um 17:50 Uhr

Tolle Kontrolle

von: Lapared

Konzentrieren geht nicht so gut. Gar nicht gut. Trotzdem hurra, die Verdauungsprozesse sind endlich unter Kontrolle.

Leider werde ich für Ideen bezahlt und nicht für Stubenreinheit.

04.05.2006 um 12:19 Uhr

Curd Rock - verlassem

von: Lapared

Ich weiß jetzt, was los is. Sie hat mir erzählt.

Er hat mich verlassem!

Mich, dem weltberühmtem Curd Rock (Maler, Poet, Bildhauer, Bestatter, Händchemhalter). Verlassem! Die vielem Zettelchem, die er mir danals geschriebem hat (ja nir!), weißt Du noch, all die bumten Zettelchem… dass ich der Größte bim (eim Tatsache), dass sein Couch meim Couch ist (das hässlcih schwarze Dimg?), dass er Cur d Rock über alles liebt (wer nihct?). … Lügem. Lügem, Nichts als gemeime Lügem.

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(eim Bidl aus glücklichme Tagen: Der kleime Curd Rock mit seim Zeettelchem!)

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(Der weltberühnt Curd Rock verlassem!)

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(Verlassem...)

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(Verlassem.)

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(Da hast Du Deim Zettelchem! Tulpemkopp!)

04.05.2006 um 07:52 Uhr

Bitte unterschreiben Sie hier

von: Lapared

Er schreibt mir eine SMS und fragt, wie lange ich ihn lieben würde.

Schatz, mal sehen, mal sehen, Du weißt, jetzt kommt die Badesaison. Mal sehen, was es Frisches gibt auf dem Bademodenmarkt. Du kennst das ja, man sieht einen hübschen Bikini, wobei ich, wie Du weißt, den klassischen Einteiler bevorzuge, Brust frei… und na ja, dann kann es schon mal schnell vorbei sein mit der Badehose des letzten Sommers, oder dem Menschen, dem man vor fünf Monaten ein ganzes Leben versprochen hat. Schatz, Du kennst das ja... Aber sonst, ich sach mal, 30 Jahre. Das sagt man doch so.

Er schreibt noch eine SMS. Ob ich ihn wirklich rein ließe, in meine Wohnung und mein Leben, oder ob ich es mir vielleicht anders überlege.

Kein Problem, Schatz, WO muss ich unterschreiben? Da machen wir doch gleich ein schönes ordentliches deutsches Schriftstück, Du hast Recht, was soll dieses halbsteife ich versuche es, ich will es, wir schaffen das, wir kriegen das hin. JA, JA, JA heißt das! Ein kräftiges, unbekümmertes, dreifach geschmettertes JA wollen wir hören, und zwar gleichzeitig, alle zusammen zwo, drei, vier… Ja, das klingt hübsch! Und jetzt - hast Du mal den goldenen Federhalter, Schatz - jetzt mit Brief und Siegel. Drauf scheißen kann man ja später immer noch. Da macht man einmal klick klick klick und sagt, Tach Schatz, ich scheiß drauf. Kostenlos, jederzeit per Skype. Also komm, schieb rüber das Papier, stellen wir uns nicht so an, hm?!

Ich hab nicht zurückgeschrieben. Der Text passte in keine SMS.

Einen schönen, erfolgreichen Arbeitstag allerseits.

04.05.2006 um 02:39 Uhr

Arbeitsmaßnahme

von: Lapared

Es wäre schon schön, noch ein bisschen zu schlafen, bevor ich morgen arbeiten muss. Hilfreich unter Umständen. Aber die Gehirnmaschine rattert und rattert. Alle Macht den Drogen. Ich muss schlafen, ich muss.

Aber ich kann es nicht fassen.

03.05.2006 um 19:35 Uhr

Aufforderung zum Eiertanz

von: Lapared

Es sind halt diese Tage. Man wacht auf, sehr früh, erinnert sich, warum man angezogen auf dem Sofa liegt, geht duschen, macht Kaffee, tuscht sich die Wimpern, vorsichthalber nimmt man die wasserfeste Tusche an einem dieser Tage (falls man… falls man doch in die Sauna geht), man macht einfach weiter.

Nach dem zweiten oder dritten Kaffee erinnert man sich dann auch wieder an die SMS oder die emails, die man in der Nacht geschrieben hat, guckt sie an, liest, fragt sich, ob sie noch stimmen, ob man sie noch einmal schreiben würde, auch jetzt, bei Tageslicht.

Sie stimmen, soviel kann ich wenigstens sagen, ob es jetzt richtig war, sie zu schreiben oder nicht. Auf eine hab ich sogar Antwort bekommen, das war die, in der ich gefragt hab, ob tatsächlich sie die Eier gefunden hat. Nein, hat sie nicht, hat er geantwortet. Und ob es noch mehr gäbe als die zwei, die er gefunden habe. Noch fünf, hab ich geschrieben. Da hat er sehr schnell angerufen. So ging es los.

Ich hab ihm beschrieben, wo sie liegen. Er war zuhause, mir hatte er gesagt, bei unserem letzten kostenlosen Skypetelefonat, er würde heute wegfahren. Er brauche Abstand um zu sich zu kommen, seine Frau brauche Abstand. Geschenkt, auf eine Lüge mehr oder weniger kommt es nicht an. Ich hab ihn dann von brillantem Versteck zu brillantem Versteck gelotst und er hat sie weggenommen, die Überraschungseierchen. Seine Frau wird nicht diejenige sein, die sie findet. Auch das letzte, das zwischen den Geschirrtüchern, das ich zunächst vergessen hatte, habe ich ihm inzwischen gesimst. Ach, ich bin ein guter Mensch.

Wir haben dann noch geredet. Er sagt, was man so sagt, wenn man jemandem beteuert hat, dass man ihn liebt und mit ihm leben will und dabei gelogen hat. Dass es, in dem Moment, wo man es gesagt hat, wahr war. Dass es damals gestimmt hat, dass es wirklich so war. Und warum ist es das jetzt nicht mehr, hab ich gefragt. Jetzt, kurz nach dem... verfluchten Okay.

Okay, hatte ich geantwortet, als er sagte: 30 Jahre. 30 Jahre könne ich bleiben. Ich hab okay gesagt. Leise: Okay, Schatz. Und ich dachte die Stille danach am anderen Ende der Leitung hieße Glück, ich hörte darin ein stummes, unendlich erleichtertes „Geht doch…“ und nicht „Ach du Fresse, so lange ist meine Frau nun auch nicht weg!“

„Ich hatte okay gesagt“, hab ich zu ihm gesagt, „Dick ich hatte okay gesagt!“ Und er: „Ja, aber Du bist Dir nicht sicher, Du warst Dir so lange nicht sicher, ich bin nicht sicher, dass Du Dir sicher bist.“ – „Das kann man nie sein“, sage ich, „stell Dir vor, mir ist mal was passiert! Da hat ein Mann Monate um mich gekämpft, hat mich geliebt und gekämpft und geackert dafür, dass ich ihn auch liebe, war sich sicher, so sicher, dass er mich will, und plötzlich, aus Gründen, an deren Aufklärung ein Expertenteam gerade noch arbeitet, wollte er mich nicht mehr. Siehst Du, so was kann immer passieren.“ – „Du hast mich so lange warten lassen.“ – „Ich weiß“, sage ich. – „Sehr lange.“ - „Ja, ich hab mir Zeit gelassen. Ich bin manchmal langsam. Aber dafür habe ich noch nie in meinem Leben ein Ich liebe Dich zurückgenommen. Vielleicht war ich manchmal unsicher, vielleicht hab ich’s nicht immer jeden Moment gefühlt, aber ich hab´s immer wieder gefunden, ich bin immer zurückgekommen, ich hab noch nie mit jemandem Schluss gemacht, dem ich so etwas gesagt habe.“ – „Aber Du bist nicht mehr mit ihnen zusammen, oder?“ - „Ich wurde weggeschickt, stell Dir vor, ich Kanone, mitsamt meinen flotten Bikinis und hübschen Ich liebe Dichs, jedes Mal, und jedes Mal – wobei ich erwähnen möchte, so oft war das vor Dir nicht, drei Mal, nicht gerade viel Ich liebe Dich für eine Frau mit grauen Haaren, hier und da - jedes verfluchte Mal, nachdem ich vor die Tür gesetzt wurde, bin ich danach noch lange stehen geblieben und hab ungläubig geguckt, kam immer wieder an wie ein dämlicher alter Hund, man musste schon Steine nach mir schleudern, damit ich endlich verschwinde. So ist das bei mir, wenn ich Ich liebe Dich gesagt habe!“ – „Ich bin ein Arschloch.“ – „… siehst Du, ich widerspeche Dir auch gar nicht mehr so oft.“ – „Ich bin durcheinander.“ – „Nein, Du hast Dich für Deine Frau entschieden, das hast Du gesagt, Du warst sehr klar.“ - „Ich brauche Zeit.“ – „Zeit?“ – „Du hast auch Zeit gebraucht.“ – „Wie lange?“ – „Das konntest Du mir auch nicht sagen.“ – „Also, bin ich jetzt dran mit warten...“ – „Ich brauche Zeit. Und Du, Schatz, brauchst sie auch.“ – „Schatz wohnt hier nicht mehr.“ – „Im Moment bist Du verletzt, Du bist sehr traurig, aber warte, was in ein paar Tagen ist, in ein paar Wochen. Dann wird Dir klar, wie sehr ich Dich verarscht habe…“ – „Oh, das ist mir klar!– „…und dann wirst Du merken, wie leicht es Dir eigentlich fällt, umzukehren, zurückzuschwimmen, das hast du doch so oft getan, und jetzt, nachdem Du weißt, was ich gemacht hab… es wird sehr leicht für Dich sein.“ – „Ich hab´s noch nie zurückgenommen.“ – „Und was machst Du, wenn einer von denen, die Dich weggeschickt haben, sagen wir mein Vorgänger, wenn der Dich wieder will? Du hast ES doch nie zurückgenommen!?“ – „Was soll das?“ – „Wenn dann vielleicht plötzlich zwei dastehen, er und ich, und sagen: komm Schatz, komm zurück, ich hab´s nicht so gemeint, ich will Dich doch.“ – „Oh, in diesem Falle gilt die alte Wer zuletzt da war, malt zuletzt-Regel, Prinzip 3, Absatz 2. Dick! Ich habe nie ein Ich liebe Dich zurückgenommen, aber das heißt doch nicht, dass sie noch da sind, die drei vor Deinem, irgendwann verschwinden sie, irgendwann sind sie weg, Du wachst auf und sie sind weg, manche schon nach Wochen und manche erst nach Monaten oder Jahren. Sie sind weg.“ – „Wir brauchen beide Zeit.“ – „Ich hatte genug.“ – „Nein, das hattest Du noch lange nicht.“ Wie auch immer, jetzt kriege ich sie.

Ja, so war das. Ich habe argumentiert, dass mein Ich liebe Dich spät aber gerade deshalb vielleicht besonders zuverlässig ist - ich finde, ein eleganter Zug. Und er hat gekontert, dass mein Ich liebe Dich zu spät ist, zu spät, um glaubwürdig zu sein, und dadurch, nur dadurch, sei sein stets aufrichtiges, wackeres Ich liebe Dich schließlich unsicher und vorsichtig geworden. Auch nicht schlecht.

Ich weiß nicht, was stimmt. Ich weiß nicht, vielleicht zeigt das wirklich erst die Zeit. Aber was auch immer für unsere Gefühle gelten mag, rhetorisch sind wir absolut auf einer Höhe.

Wundert mich, dass er den nicht abgelassen hat: Aber selbst wenn Du mich wirklich lieben würdest, wenn wir einander beide lieben würden, es geht nicht, es kann nicht gehen, denn... DU könntest mir doch jetzt niemals wieder vertrauen.

Na, das kommt vielleicht noch. Wir können es kaum erwarten.

03.05.2006 um 11:15 Uhr

Curd Rcok - Hämdchemhalter

von: Lapared

Sie sie lieb, sie tröstet mich dem gamzem Tag... ach.

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Wemm ich nur wüsste, warunm!?? Mir erzählt ja keimer was. .

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Aber ich nehme ihr nicht übel, dass sie micht mrit mri spricht. Nein. Ich halte eimfach ihr Hamd. das ist mnie verkehrt.

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Im bim eim großer, großer Hämdchenhalter.

03.05.2006 um 10:17 Uhr

Den Rest kennt man

von: Lapared

Ich denke immer noch, das kann nicht sein. Ich denke immer noch, dass es gleich schellt, dass er in der Tür steht und sagt: April, April. Und ich sage, wir haben Mai, Liebling, da hast Du was durcheinander gebracht. Und er sagt, ja, das war der größte, dümmste Fehler meines Lebens.

Und dann bitte ich ihn rein und sage, sage überglücklich, schau Schatz, damit Du mir nicht auf den Sack gehst: Das ist meine neue Dick-ist-da-Nothaltebucht.

Was mache ich eigentlich hier, das ist nicht mal mehr therapeutisches Schreiben, das ist Suhlen. Ich denke - ich will nichts versprechen - ich denke, langsam ist alles gesagt, hm?

03.05.2006 um 01:34 Uhr

30 Jahre

von: Lapared

Das kann doch nicht wahr sein. Das kann doch alles nicht wahr sein. Dass er nie jemanden so sehr geliebt hat wie mich, hat er gesagt. Dass er sein Leben lang auf mich gewartet hat. Dass er in meiner Wohnung Lampen aufhängen wird.

30 Jahre hat er gesagt, 30 Jahre, als ich ihn vor zwei Tagen gefragt hab, wie lange ich, wenn ich nach meinem Job käme, bleiben könnte. 30 Jahre.

Wie schnell die Zeit vergeht.

03.05.2006 um 00:38 Uhr

Ei, Ei, Ei!

von: Lapared

Hach, das wollte ich noch erzählen, dann höre ich aber auch auf...

Ich weiß jetzt auch, wie es vermutlich aufgeflogen ist. Er hat den Zeitpunkt gar nicht selbst bestimmt, ER hätte wahrscheinlich noch ein Weilchen gewartet. Noch hatte ich ihm ja keinen Antrag gemacht…

Ostern, wir erinnern uns. Ein großer Tag für Curd Rock. Und auch für Lapared, ein Mann hat Eier für eine Stoffwurst bemalt, weil es meine ist, für mich, hat Öhrchen aufgeklebt und ihnen orange Mützchen gemalt…

Nachmittags war ich allein im Haus. Dick war schwimmen, ich schrieb mein Blog und dabei lief Remy Zero, Fair… (läuft jetzt auch gerade, ich geb´s mir richtig!) Und ich schaue so auf, schaue mich um, in „meinem“ Haus, freue mich, wie gut es dort riecht, und denke, ach… eigentlich könntest Du ihm auch ein paar Eierchen machen.

Ich also kleine Zettelchen geschrieben, kleine Zettel, die ich dann winzig klein zusammengefaltet habe. Draußen habe ich ein Osterei drauf gemalt und drinnen standen so Sachen. Dass ich bei ihm sein will, dass noch nie jemand so gut zu mir war, dass ich Platz für ihn machen werde… so Sachen halt. Dass ich ihn liebe…

Na ja, und dann hab ich die Eierchen versteckt. Eins – das war einfach – in einem der hinteren Eierbecher, eins im Kühlfach aufgeklebt auf die Rückseite einer neuen Packung Schinkenspeck, eins im Hohlraum einer der Slupturen an der Wand, eins oben an der Klospülung, die regelmäßig alle paar Tage nicht funktioniert, und die man repariert, indem man auf die Brille steigt und oben am Hebel des alten, rostigen Wassertanks rumfummelt... Sieben brilliant versteckte Eierchen insgesamt.

Ja, und ich hab nichts davon gesagt. Ich hab gedacht, das ist doch nett, wenn er später, wenn ich schon längst wieder weg bin, nach und nach zufällig die Eierchen entdeckt. Hübsche Idee oder hübsche Idee, hab ich gedacht. Bei deren Umsetzung ich – das nebenbei – keine Schränke geöffnet oder Zimmer betreten habe, die ich nicht schon vorher von innen gesehen hatte. Aber ich gebe zu, dass mir auffiel, dass es einige Türen gab in diesem Haus, hinter die ich noch nie geblickt hatte. Ich dachte, es wären vielleicht seine Arbeitsräume, ich dachte, da wäre vielleicht etwas, was ich nicht sehen soll, ja. Ich dachte an Dinge - Kunst, Bilder, Erinnerungen - aus einem früheren Leben, das man in unserem Alter haben darf, ich dachte an Spinneweben und Wollmäuse groß wie Straußeneier, ich dachte an Pornosammlungen, inklusive Schwulenvideos vielleicht (er hat doch so viele schwule Freunde) oder „Hemmungsloser Omasex I-III“ (er hat doch mal von einer Beziehung zu einer Sechzigjährigen erzählt). Aber ich hab nicht nachgesehen, ich habe Respekt vor fremdem Revier. Und ich dachte nicht, nie, an die Kleider und Fotos und gebrauchten Socken seiner Frau. Die übrigens durchaus eine Frau und gar nicht sechzig ist. Sondern genau so alt wie er. Sie kennen sich von der Uni.

Wahrscheinlich hat es sie diesmal getroffen. Wahrscheinlich hat die Klospülung nach einer ihrer Verrichtungen nicht funktioniert. Auch eine wahrlich beschissene Art und Weise zu entdecken, dass der Mann im eigenen Haus eine andere bumst.

03.05.2006 um 00:02 Uhr

Musterlich

von: Lapared

Erkenne die Muster, das ist ja diese Saison der trendigste Trinkspruch der Psychoszene, erkenne die Muster und durchbreche sie. Prost.

Mal schaun… Muster… Muster, Muster, Muster. Ah, da hätten wir was! Ich verliebe mich in der Tat gerne in Männer, die ich nicht haben kann. Und tatsächlich, er ist nicht der erste Mann, der neben mir eine Angetraute hat.

Aber der Erste, von dem ich es nicht wusste. Diesmal dachte ich, ich könnte ihn haben, das dachte ich wirklich, ich dachte, er liebt mich und will mich, ich war ganz sicher, ich wusste es (Kommentare, die mit „aber unbewusst…“ beginnen, bitte ich an dieser Stelle zu unterdrücken, ich bin kein Freund von aber unbewusst, in der Laparedschen Murmel gibt´s gar kein Unbewusst, ich hab dort jeden Winkel mehrfach durchdrungen und erforscht – wem erzähl ich das, so gut kennen wir uns...) Deshalb lief es ja so holprig, eben deshalb. Ich musste mein Muster für D. erstmals durchbrechen, ich musste ihn lieben, obwohl er mich – wie ich wirklich quer durch alle Bewußtsseinstiefen glaubte – auch liebt. Das ist sonst nicht meine Art.

Und die ganze Mühe umsonst. Hach.

Ergäbe sich aktuell natürlich eine fantastische Gelegenheit, in das alte, vertraute Muster zurückzufallen. Wirklich, eine traumhaft Flanke. Er will mich nicht, und bums, er ist die Liebe meines Lebens. Hüte Dich, Lapared!

Andererseits, wie erkennt man den Unterschied zwischen Liebe und Muster?

Ich glaube nämlich - und Schuss! - ich glaube, ich hätte ihm die Lüge verziehen. Ich glaube, wenn er angerufen und gesagt hätte, ich bin verheiratet, aber ich werde mich trennen, alles, was ich gesagt habe - dass ich Dich liebe, mehr als alles (und SIE), dass ich mit Dir leben will (und mich von ihr trenne) – wenn er gesagt hätte: das alles stimmt, das immerhin ist die Wahrheit… Ich glaube, ich hätte ihm verziehen. Ich hätte es ihm die verschwiegene Ehe verziehen - und Tor? Nochmal: Liebe oder Muster?

Ja, eine spannende Frage, und außerdem völlig scheißegal, denn – wir erinnern uns - das hat er nicht gesagt. Sondern: Ich hab Dich verarscht.

P.S. So viele Einträge heute, das kann ja kein Mensch lesen! Was soll ich sagen, ich schreibe um mein Leben (Gott, kein Grund so beschissen zu schreiben...), also gut, ich schreibe, weil es gut tut, therapeutisches Schreiben quasi, schon immer mein Wunschtraum, ich schreibe, weil es hilft und weil man danach noch Auto fahren darf. Ich glaub nämlich, ich muss weg, ich halt´s hier nicht aus...

02.05.2006 um 21:15 Uhr

Raus zu den Wildschweinen?

von: Lapared

Zumindest eine der drängenden Fragen hat sich schnell geklärt. Der evolutionsgeschichtliche Vorteil dessen, dass wir auf bedauernswerte Mitteilungen wie z.B. „Ich hab Dich verarscht“ oder „Ich liebe Dich nicht“ mit körperlichen Symptomen reagieren, die uns außer Gefecht setzen, ist der, dass wir eben genau das nicht sind: gefechtstüchtig. Mit dem Kotzen und dem Fieber und so, das hat also seine Richtigkeit, schön. Der Körper, hab ich gelesen, will uns sagen, verweile in der Höhle, verarschter Primat, da, wo Du am wenigsten verletztlich bist, in Deiner Verfassung wärest Du für die Löwen und Wildsäue da draußen zu leichte Beute. Bleib daheim, sagt der Körper, geh in keinen Supermarkt, geh in keine Spirituosenabteilung, geh in keine Kneipe, und – denk an die Löwen – gehe auch noch sehr, sehr lange nach so Vorfall in kein Freibad. Ich war tatsächlich leichte Beute.

Ich bin ab Donnerstag gebucht, vielleicht sollte ich da auch absagen, gefechtsuntüchtig wie ich bin. Das wäre - so kurzfristig und angesichts der Steuernachzahlung – allerdings nicht sehr geschäftstüchtig, da kann so ein Körper viel erzählen.

Murmel über die Schüssel, sagt er gerade. Wer könnte ihm widersprechen...