Anleitung zum Entlieben

02.05.2006 um 21:15 Uhr

Raus zu den Wildschweinen?

von: Lapared

Zumindest eine der drängenden Fragen hat sich schnell geklärt. Der evolutionsgeschichtliche Vorteil dessen, dass wir auf bedauernswerte Mitteilungen wie z.B. „Ich hab Dich verarscht“ oder „Ich liebe Dich nicht“ mit körperlichen Symptomen reagieren, die uns außer Gefecht setzen, ist der, dass wir eben genau das nicht sind: gefechtstüchtig. Mit dem Kotzen und dem Fieber und so, das hat also seine Richtigkeit, schön. Der Körper, hab ich gelesen, will uns sagen, verweile in der Höhle, verarschter Primat, da, wo Du am wenigsten verletztlich bist, in Deiner Verfassung wärest Du für die Löwen und Wildsäue da draußen zu leichte Beute. Bleib daheim, sagt der Körper, geh in keinen Supermarkt, geh in keine Spirituosenabteilung, geh in keine Kneipe, und – denk an die Löwen – gehe auch noch sehr, sehr lange nach so Vorfall in kein Freibad. Ich war tatsächlich leichte Beute.

Ich bin ab Donnerstag gebucht, vielleicht sollte ich da auch absagen, gefechtsuntüchtig wie ich bin. Das wäre - so kurzfristig und angesichts der Steuernachzahlung – allerdings nicht sehr geschäftstüchtig, da kann so ein Körper viel erzählen.

Murmel über die Schüssel, sagt er gerade. Wer könnte ihm widersprechen...

02.05.2006 um 18:26 Uhr

Kostenlos, genau zur Zeit: Schluss

von: Lapared

Gestern Nacht lag ich im Bett und konnte nicht schlafen. Ich lag da und dachte, irgendwie ist alles gut. Endlich ist es so weit. Es ist gut. Ich habe den Mann gefunden, der mich liebt, und auch wenn es lange gedauert hat, auch wenn ich mich schwer getan habe, endlich liebe ich ihn auch. Und ich dachte so - und das freute mich am meisten - ich dachte, er verdient es geliebt zu werden. Endlich mal jemand, der gut zu mir ist, der zu mir steht, auch wenn es nicht einfach ist mit mir, weiß Gott nicht. Ich liebe ihn, dachte ich, und konnte vor Schreck nicht schlafen.

Und plötzlich bekam ich eine unheimliche Angst, ihn zu verlieren, das war komisch, ich musste aufstehen und 12 Milchbrötchen essen, ein ganzes Paket, aber ich dachte, das gehört wohl zusammen, Liebe und Angst und Milchbrötchen, jedenfalls für einen verkorksten Charakter wie mich. Ich wusste ja nicht, dass diese Angst eher so etwas wie eine Vorahnung war.

Heute Mittag hat er angerufen, mit Hilfe unserer neuen tollen Kommunikationstechnik Skype. Und er hat Schluss mit mir gemacht. Kostenlos. Genau zu der Zeit, als er spürte… dass es Zeit dafür ist.

Er ist verheiratet. Mit einer Frau, die er seit 24 Jahren kennt. Sie leben gemeinsam in dem Haus, in dem ich vor drei Wochen noch saß - hinten in meiner Ecke am Tisch, wo ich alles überschauen konnte - und mich zuhause fühlte. Sicher. Sie, die Frau, ist Ingineurin, sie ist oft im Ausland, damals war sie es auch. Das Haus ist ihr Haus. Und ihr zuhause.

Nein, es ist keine Ehe, in der man sich auseinandergelebt hat. Es war gerade erst fünf Monate her, dass sie sich das große Versprechen gegeben hatten, als er mich im Freibad angesprochen hat. „Lass uns auf die Toilette gehen!“ Wer hätte so einem Mann misstraut?

Sie war bei ihm, als er mich heute Mittag angerufen hat. Sie saß unten im Wohnzimmer und wartete darauf, dass er von oben unterm Dach, wo der Rechner steht, mit dem man kostenlos telefonieren kann, wieder runter kommen würde. Nachdem er es erledigt hätte. Nachdem er Schluss gemacht hätte mit dieser Frau in dem hübschen Bikini.

Gestern Nacht hatte er sich endlich ein Herz gefasst. Gestern Nacht war die große Beichtstunde des kleinen Dick, die natürlich mit seinem aufrichtigen, tränenreichen Versprechen geendet hatte, die Beziehung mit der Bikinifrau gleich heute zu beenden. Und: soeben geschehen, Versprechen erfüllt! Braver, tapferer kleiner Dick. Vielleicht nimmt seine große tapfere Frau ihn gerade jetzt in diesem Moment in die Arme und tröstet ihn wie ein Kind, das sein Spielzeug verloren hat. Vielleicht braucht sie dazu auch noch ein paar Tage. Wahrscheinlich.

Ich fühle mich nicht gut. Ich fühle mich wirklich nicht gut. Ich frage mich, welchen evolutioniären Vorteil es einmal hatte, dass sich bei Menschen, denen das Herz bricht, auch noch der Magen umdreht. Warum sie sich bei all dem Scheißdreck auch noch erbrechen müssen, und Dünnschiss kriegen und Flimmern vor den Augen. Damit sie nicht weglaufen können? Wovor?

Ich hab Dich verarscht, hat er gesagt. Wortwörtlich: Ich hab Dich verarscht. Ich muss sagen – und wir wissen, ich bin vom Fach – Respekt! Treffender kann man es eigentlich gar nicht ausdrücken. Er hat mich verarscht. Ich erlaube mir diese wirklich beeindruckend treffende Beschreibung zu übernehmen. Er hat mich wirklich verarscht.

Und auch wenn einige jetzt vielleicht denken mögen, das hast Du auch, Laparedchen, Du hast ihn benutzt, um zu vergessen, Du hast mit all seinen vielen Komplimenten und Liebesbekundungen seelenruhig Dein verletztes Ego gesalbt, Du hast ihn monatelang kämpfen lassen und auf Distanz gehalten, nicht, weil die Wohnung klein war, nicht nur, sondern weil da immer noch ein anderer in Deinem Herz und Deinen Gedanken war, eine Zeit lang, lange… Einige denken sicher, verarscht hast Du ihn auch, Lapared.

Nein, hab ich nicht. Weil ich ihm nie etwas anderes gesagt oder vorgespielt habe. Weil er die ganze Zeit wusste, wo ich stehe. Und ich habe ihn bewundert dafür, dass er trotzdem kämpft und sich abrackert für mich, dass er sich den Arsch aufreißt. Und gestern Nacht war ich plötzlich so froh, dass er auf mich gewartet hat, gewartet, bis Madame 119-besessen endlich so weit ist, endlich die Kurve kriegt, und ich dachte, wie gern muss der Dich haben! Mensch Laparedchen, dachte ich, das ist wahre Liebe. Dabei war es unter den gegebenen Umständen nur… praktisch. Shit.

Wie blöd muss ich gewesen sein, wie blind? Aber – um abschließend auch mal positiv zu denken – was den unterhalterischen Wert angeht natürlich eine sensationelle Wendung. Nicht?

02.05.2006 um 00:30 Uhr

Oscargewinner, Mensch!

von: Lapared

Er ist soweit angetan. Höm.