Anleitung zum Entlieben

03.05.2006 um 19:35 Uhr

Aufforderung zum Eiertanz

von: Lapared

Es sind halt diese Tage. Man wacht auf, sehr früh, erinnert sich, warum man angezogen auf dem Sofa liegt, geht duschen, macht Kaffee, tuscht sich die Wimpern, vorsichthalber nimmt man die wasserfeste Tusche an einem dieser Tage (falls man… falls man doch in die Sauna geht), man macht einfach weiter.

Nach dem zweiten oder dritten Kaffee erinnert man sich dann auch wieder an die SMS oder die emails, die man in der Nacht geschrieben hat, guckt sie an, liest, fragt sich, ob sie noch stimmen, ob man sie noch einmal schreiben würde, auch jetzt, bei Tageslicht.

Sie stimmen, soviel kann ich wenigstens sagen, ob es jetzt richtig war, sie zu schreiben oder nicht. Auf eine hab ich sogar Antwort bekommen, das war die, in der ich gefragt hab, ob tatsächlich sie die Eier gefunden hat. Nein, hat sie nicht, hat er geantwortet. Und ob es noch mehr gäbe als die zwei, die er gefunden habe. Noch fünf, hab ich geschrieben. Da hat er sehr schnell angerufen. So ging es los.

Ich hab ihm beschrieben, wo sie liegen. Er war zuhause, mir hatte er gesagt, bei unserem letzten kostenlosen Skypetelefonat, er würde heute wegfahren. Er brauche Abstand um zu sich zu kommen, seine Frau brauche Abstand. Geschenkt, auf eine Lüge mehr oder weniger kommt es nicht an. Ich hab ihn dann von brillantem Versteck zu brillantem Versteck gelotst und er hat sie weggenommen, die Überraschungseierchen. Seine Frau wird nicht diejenige sein, die sie findet. Auch das letzte, das zwischen den Geschirrtüchern, das ich zunächst vergessen hatte, habe ich ihm inzwischen gesimst. Ach, ich bin ein guter Mensch.

Wir haben dann noch geredet. Er sagt, was man so sagt, wenn man jemandem beteuert hat, dass man ihn liebt und mit ihm leben will und dabei gelogen hat. Dass es, in dem Moment, wo man es gesagt hat, wahr war. Dass es damals gestimmt hat, dass es wirklich so war. Und warum ist es das jetzt nicht mehr, hab ich gefragt. Jetzt, kurz nach dem... verfluchten Okay.

Okay, hatte ich geantwortet, als er sagte: 30 Jahre. 30 Jahre könne ich bleiben. Ich hab okay gesagt. Leise: Okay, Schatz. Und ich dachte die Stille danach am anderen Ende der Leitung hieße Glück, ich hörte darin ein stummes, unendlich erleichtertes „Geht doch…“ und nicht „Ach du Fresse, so lange ist meine Frau nun auch nicht weg!“

„Ich hatte okay gesagt“, hab ich zu ihm gesagt, „Dick ich hatte okay gesagt!“ Und er: „Ja, aber Du bist Dir nicht sicher, Du warst Dir so lange nicht sicher, ich bin nicht sicher, dass Du Dir sicher bist.“ – „Das kann man nie sein“, sage ich, „stell Dir vor, mir ist mal was passiert! Da hat ein Mann Monate um mich gekämpft, hat mich geliebt und gekämpft und geackert dafür, dass ich ihn auch liebe, war sich sicher, so sicher, dass er mich will, und plötzlich, aus Gründen, an deren Aufklärung ein Expertenteam gerade noch arbeitet, wollte er mich nicht mehr. Siehst Du, so was kann immer passieren.“ – „Du hast mich so lange warten lassen.“ – „Ich weiß“, sage ich. – „Sehr lange.“ - „Ja, ich hab mir Zeit gelassen. Ich bin manchmal langsam. Aber dafür habe ich noch nie in meinem Leben ein Ich liebe Dich zurückgenommen. Vielleicht war ich manchmal unsicher, vielleicht hab ich’s nicht immer jeden Moment gefühlt, aber ich hab´s immer wieder gefunden, ich bin immer zurückgekommen, ich hab noch nie mit jemandem Schluss gemacht, dem ich so etwas gesagt habe.“ – „Aber Du bist nicht mehr mit ihnen zusammen, oder?“ - „Ich wurde weggeschickt, stell Dir vor, ich Kanone, mitsamt meinen flotten Bikinis und hübschen Ich liebe Dichs, jedes Mal, und jedes Mal – wobei ich erwähnen möchte, so oft war das vor Dir nicht, drei Mal, nicht gerade viel Ich liebe Dich für eine Frau mit grauen Haaren, hier und da - jedes verfluchte Mal, nachdem ich vor die Tür gesetzt wurde, bin ich danach noch lange stehen geblieben und hab ungläubig geguckt, kam immer wieder an wie ein dämlicher alter Hund, man musste schon Steine nach mir schleudern, damit ich endlich verschwinde. So ist das bei mir, wenn ich Ich liebe Dich gesagt habe!“ – „Ich bin ein Arschloch.“ – „… siehst Du, ich widerspeche Dir auch gar nicht mehr so oft.“ – „Ich bin durcheinander.“ – „Nein, Du hast Dich für Deine Frau entschieden, das hast Du gesagt, Du warst sehr klar.“ - „Ich brauche Zeit.“ – „Zeit?“ – „Du hast auch Zeit gebraucht.“ – „Wie lange?“ – „Das konntest Du mir auch nicht sagen.“ – „Also, bin ich jetzt dran mit warten...“ – „Ich brauche Zeit. Und Du, Schatz, brauchst sie auch.“ – „Schatz wohnt hier nicht mehr.“ – „Im Moment bist Du verletzt, Du bist sehr traurig, aber warte, was in ein paar Tagen ist, in ein paar Wochen. Dann wird Dir klar, wie sehr ich Dich verarscht habe…“ – „Oh, das ist mir klar!– „…und dann wirst Du merken, wie leicht es Dir eigentlich fällt, umzukehren, zurückzuschwimmen, das hast du doch so oft getan, und jetzt, nachdem Du weißt, was ich gemacht hab… es wird sehr leicht für Dich sein.“ – „Ich hab´s noch nie zurückgenommen.“ – „Und was machst Du, wenn einer von denen, die Dich weggeschickt haben, sagen wir mein Vorgänger, wenn der Dich wieder will? Du hast ES doch nie zurückgenommen!?“ – „Was soll das?“ – „Wenn dann vielleicht plötzlich zwei dastehen, er und ich, und sagen: komm Schatz, komm zurück, ich hab´s nicht so gemeint, ich will Dich doch.“ – „Oh, in diesem Falle gilt die alte Wer zuletzt da war, malt zuletzt-Regel, Prinzip 3, Absatz 2. Dick! Ich habe nie ein Ich liebe Dich zurückgenommen, aber das heißt doch nicht, dass sie noch da sind, die drei vor Deinem, irgendwann verschwinden sie, irgendwann sind sie weg, Du wachst auf und sie sind weg, manche schon nach Wochen und manche erst nach Monaten oder Jahren. Sie sind weg.“ – „Wir brauchen beide Zeit.“ – „Ich hatte genug.“ – „Nein, das hattest Du noch lange nicht.“ Wie auch immer, jetzt kriege ich sie.

Ja, so war das. Ich habe argumentiert, dass mein Ich liebe Dich spät aber gerade deshalb vielleicht besonders zuverlässig ist - ich finde, ein eleganter Zug. Und er hat gekontert, dass mein Ich liebe Dich zu spät ist, zu spät, um glaubwürdig zu sein, und dadurch, nur dadurch, sei sein stets aufrichtiges, wackeres Ich liebe Dich schließlich unsicher und vorsichtig geworden. Auch nicht schlecht.

Ich weiß nicht, was stimmt. Ich weiß nicht, vielleicht zeigt das wirklich erst die Zeit. Aber was auch immer für unsere Gefühle gelten mag, rhetorisch sind wir absolut auf einer Höhe.

Wundert mich, dass er den nicht abgelassen hat: Aber selbst wenn Du mich wirklich lieben würdest, wenn wir einander beide lieben würden, es geht nicht, es kann nicht gehen, denn... DU könntest mir doch jetzt niemals wieder vertrauen.

Na, das kommt vielleicht noch. Wir können es kaum erwarten.

03.05.2006 um 11:15 Uhr

Curd Rcok - Hämdchemhalter

von: Lapared

Sie sie lieb, sie tröstet mich dem gamzem Tag... ach.

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Wemm ich nur wüsste, warunm!?? Mir erzählt ja keimer was. .

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Aber ich nehme ihr nicht übel, dass sie micht mrit mri spricht. Nein. Ich halte eimfach ihr Hamd. das ist mnie verkehrt.

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Im bim eim großer, großer Hämdchenhalter.

03.05.2006 um 10:17 Uhr

Den Rest kennt man

von: Lapared

Ich denke immer noch, das kann nicht sein. Ich denke immer noch, dass es gleich schellt, dass er in der Tür steht und sagt: April, April. Und ich sage, wir haben Mai, Liebling, da hast Du was durcheinander gebracht. Und er sagt, ja, das war der größte, dümmste Fehler meines Lebens.

Und dann bitte ich ihn rein und sage, sage überglücklich, schau Schatz, damit Du mir nicht auf den Sack gehst: Das ist meine neue Dick-ist-da-Nothaltebucht.

Was mache ich eigentlich hier, das ist nicht mal mehr therapeutisches Schreiben, das ist Suhlen. Ich denke - ich will nichts versprechen - ich denke, langsam ist alles gesagt, hm?

03.05.2006 um 01:34 Uhr

30 Jahre

von: Lapared

Das kann doch nicht wahr sein. Das kann doch alles nicht wahr sein. Dass er nie jemanden so sehr geliebt hat wie mich, hat er gesagt. Dass er sein Leben lang auf mich gewartet hat. Dass er in meiner Wohnung Lampen aufhängen wird.

30 Jahre hat er gesagt, 30 Jahre, als ich ihn vor zwei Tagen gefragt hab, wie lange ich, wenn ich nach meinem Job käme, bleiben könnte. 30 Jahre.

Wie schnell die Zeit vergeht.

03.05.2006 um 00:38 Uhr

Ei, Ei, Ei!

von: Lapared

Hach, das wollte ich noch erzählen, dann höre ich aber auch auf...

Ich weiß jetzt auch, wie es vermutlich aufgeflogen ist. Er hat den Zeitpunkt gar nicht selbst bestimmt, ER hätte wahrscheinlich noch ein Weilchen gewartet. Noch hatte ich ihm ja keinen Antrag gemacht…

Ostern, wir erinnern uns. Ein großer Tag für Curd Rock. Und auch für Lapared, ein Mann hat Eier für eine Stoffwurst bemalt, weil es meine ist, für mich, hat Öhrchen aufgeklebt und ihnen orange Mützchen gemalt…

Nachmittags war ich allein im Haus. Dick war schwimmen, ich schrieb mein Blog und dabei lief Remy Zero, Fair… (läuft jetzt auch gerade, ich geb´s mir richtig!) Und ich schaue so auf, schaue mich um, in „meinem“ Haus, freue mich, wie gut es dort riecht, und denke, ach… eigentlich könntest Du ihm auch ein paar Eierchen machen.

Ich also kleine Zettelchen geschrieben, kleine Zettel, die ich dann winzig klein zusammengefaltet habe. Draußen habe ich ein Osterei drauf gemalt und drinnen standen so Sachen. Dass ich bei ihm sein will, dass noch nie jemand so gut zu mir war, dass ich Platz für ihn machen werde… so Sachen halt. Dass ich ihn liebe…

Na ja, und dann hab ich die Eierchen versteckt. Eins – das war einfach – in einem der hinteren Eierbecher, eins im Kühlfach aufgeklebt auf die Rückseite einer neuen Packung Schinkenspeck, eins im Hohlraum einer der Slupturen an der Wand, eins oben an der Klospülung, die regelmäßig alle paar Tage nicht funktioniert, und die man repariert, indem man auf die Brille steigt und oben am Hebel des alten, rostigen Wassertanks rumfummelt... Sieben brilliant versteckte Eierchen insgesamt.

Ja, und ich hab nichts davon gesagt. Ich hab gedacht, das ist doch nett, wenn er später, wenn ich schon längst wieder weg bin, nach und nach zufällig die Eierchen entdeckt. Hübsche Idee oder hübsche Idee, hab ich gedacht. Bei deren Umsetzung ich – das nebenbei – keine Schränke geöffnet oder Zimmer betreten habe, die ich nicht schon vorher von innen gesehen hatte. Aber ich gebe zu, dass mir auffiel, dass es einige Türen gab in diesem Haus, hinter die ich noch nie geblickt hatte. Ich dachte, es wären vielleicht seine Arbeitsräume, ich dachte, da wäre vielleicht etwas, was ich nicht sehen soll, ja. Ich dachte an Dinge - Kunst, Bilder, Erinnerungen - aus einem früheren Leben, das man in unserem Alter haben darf, ich dachte an Spinneweben und Wollmäuse groß wie Straußeneier, ich dachte an Pornosammlungen, inklusive Schwulenvideos vielleicht (er hat doch so viele schwule Freunde) oder „Hemmungsloser Omasex I-III“ (er hat doch mal von einer Beziehung zu einer Sechzigjährigen erzählt). Aber ich hab nicht nachgesehen, ich habe Respekt vor fremdem Revier. Und ich dachte nicht, nie, an die Kleider und Fotos und gebrauchten Socken seiner Frau. Die übrigens durchaus eine Frau und gar nicht sechzig ist. Sondern genau so alt wie er. Sie kennen sich von der Uni.

Wahrscheinlich hat es sie diesmal getroffen. Wahrscheinlich hat die Klospülung nach einer ihrer Verrichtungen nicht funktioniert. Auch eine wahrlich beschissene Art und Weise zu entdecken, dass der Mann im eigenen Haus eine andere bumst.

03.05.2006 um 00:02 Uhr

Musterlich

von: Lapared

Erkenne die Muster, das ist ja diese Saison der trendigste Trinkspruch der Psychoszene, erkenne die Muster und durchbreche sie. Prost.

Mal schaun… Muster… Muster, Muster, Muster. Ah, da hätten wir was! Ich verliebe mich in der Tat gerne in Männer, die ich nicht haben kann. Und tatsächlich, er ist nicht der erste Mann, der neben mir eine Angetraute hat.

Aber der Erste, von dem ich es nicht wusste. Diesmal dachte ich, ich könnte ihn haben, das dachte ich wirklich, ich dachte, er liebt mich und will mich, ich war ganz sicher, ich wusste es (Kommentare, die mit „aber unbewusst…“ beginnen, bitte ich an dieser Stelle zu unterdrücken, ich bin kein Freund von aber unbewusst, in der Laparedschen Murmel gibt´s gar kein Unbewusst, ich hab dort jeden Winkel mehrfach durchdrungen und erforscht – wem erzähl ich das, so gut kennen wir uns...) Deshalb lief es ja so holprig, eben deshalb. Ich musste mein Muster für D. erstmals durchbrechen, ich musste ihn lieben, obwohl er mich – wie ich wirklich quer durch alle Bewußtsseinstiefen glaubte – auch liebt. Das ist sonst nicht meine Art.

Und die ganze Mühe umsonst. Hach.

Ergäbe sich aktuell natürlich eine fantastische Gelegenheit, in das alte, vertraute Muster zurückzufallen. Wirklich, eine traumhaft Flanke. Er will mich nicht, und bums, er ist die Liebe meines Lebens. Hüte Dich, Lapared!

Andererseits, wie erkennt man den Unterschied zwischen Liebe und Muster?

Ich glaube nämlich - und Schuss! - ich glaube, ich hätte ihm die Lüge verziehen. Ich glaube, wenn er angerufen und gesagt hätte, ich bin verheiratet, aber ich werde mich trennen, alles, was ich gesagt habe - dass ich Dich liebe, mehr als alles (und SIE), dass ich mit Dir leben will (und mich von ihr trenne) – wenn er gesagt hätte: das alles stimmt, das immerhin ist die Wahrheit… Ich glaube, ich hätte ihm verziehen. Ich hätte es ihm die verschwiegene Ehe verziehen - und Tor? Nochmal: Liebe oder Muster?

Ja, eine spannende Frage, und außerdem völlig scheißegal, denn – wir erinnern uns - das hat er nicht gesagt. Sondern: Ich hab Dich verarscht.

P.S. So viele Einträge heute, das kann ja kein Mensch lesen! Was soll ich sagen, ich schreibe um mein Leben (Gott, kein Grund so beschissen zu schreiben...), also gut, ich schreibe, weil es gut tut, therapeutisches Schreiben quasi, schon immer mein Wunschtraum, ich schreibe, weil es hilft und weil man danach noch Auto fahren darf. Ich glaub nämlich, ich muss weg, ich halt´s hier nicht aus...