Anleitung zum Entlieben

09.05.2006 um 23:44 Uhr

Herzkammern-Messie

von: Lapared

Meine Schwester zeigt erste Zeichen der Ungeduld, wer könnte es ihr verübeln. „Das mit dem Weihnachtsmann hast Du ja auch verwunden!“ sagt sie. „Was ist mit dem Weihnachtsmann, ist er krank?“ ich bin entsetzt. „Es gibt ihn nicht, er ist Phantasie!“ – „Auch das noch! “ – „Das ist eine bittere Sache, aber man findet sich irgendwann damit ab und wendet sich denen zu, die wirklich die Geschenke im Sack haben.“ – „Ein Sack macht noch keinen Weihnachtsmann.“ – „Dick, der Dick, in den Du Dich verliebt hast, ist eine Phantasie, kapier das doch, es gibt ihn nicht!“ – „Ich glaube aber noch immer an ihn, ich glaube, dass es ihn gibt.“ – „Wie süß.“ – „Er hat gelogen, ja, er ist nicht der, der er vorgegeben hat zu sein, aber deshalb ist er doch nicht gleich ein völlig anderer!“ – „Natürlich nicht. Ein Eimer bleibt ein Eimer, auch wenn er plötzlich keinen Boden mehr hat. Aber was willst Du mit einem Eimer ohne Boden?“ – „Na ja...“ – „Du hast die Geborgenheit geliebt, die Du bei Dick gefunden hattest, das Gefühl, wirklich und unerschütterlich geliebt zu werden, und das ist weg, weg! Der Eimer ist noch immer der Eimer, aber er hat keinen Boden!“ – „Man könnte ihn vielleicht reparieren?!“ – „ Du wärest nie sicher, ob er hält, schmeiß ihn weg!“ – „Wegschmeißen war nie meine Stärke.“ – „Deshalb müllst Du auch so zu. Kaputte alte Sachen in jeder Ecke!“ – „Ich mag kaputte alte Sachen.“ - „Deine Herzkammern vermüllen, mach Platz für neue Sachen.“ – „Ich will keine Neuen.“ – „Die sind aber vielleicht viel schöner! Stell Dir vor, so ein hübsches neues Eimerchen, blau und mit einem festen, starken Boden...“ – „Blau wär natürlich chic.“ – „Sieh Dich um, ganz in Ruhe, und wenn Du ihn in irgendeinem Schaufenster siehst, geh rein, kauf ihn und nimm ihn mit nach Hause.“ – „Kaufen? Ich weiß nicht… Ich schreib ihn auf meine Wunschliste für den Weihnachtsmann.“ Ich höre ein entnervtes Seufzen.

09.05.2006 um 14:35 Uhr

Curd rock - pupst auf Mützchem

von: Lapared

Lchem hat gesagt, ich dargf mir was gamz Schömes kaufem. Danit ich nicht so traurig bim. Vielleicht eim neues Mützchem für dem Sommer.

Ich will nir nichts kaufem. Ist doch egal, wie ich runlaufe. Durch meim chice Mützchem gucken mich alle Memschchen an, ... .aber nach eim Zeit guckem sie ja doch wieder weg. Guckem eimfach wiedr weg...

Damm steh ich da mit meim Mützchem. Mit Mützchem aber fimanziell ruiniert.

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09.05.2006 um 02:01 Uhr

Proviant für alle

von: Lapared

Happyend? Hat einer hier Happyend gesagt?

Während ich heute Nacht meine Gartenbankphantasien kultivierte (ohne allerdings genau zu wissen, ob das wirklich so traumhafte Aussichten wären, ich meine…14 Ma!) ist seine Frau zurückgekommen. Sie hatte das Haus - nachdem sie D. zur Rede gestellt hatte, er hat es nicht von selbst gesagt – verlassen. Gestern Abend ist sie zurück gekommen. Heute Morgen wieder gefahren. Und was dazwischen war – angeblich nur Gespräche – ist das, was heute tagsüber meine Phantasie beschäftigt hat. Gartenbänke kamen darin nicht vor, Sitzgelegenheiten allgemein eher weniger, Möbiliar für zwei dagegen schon.

„Um herauszufinden, was zwischen uns noch ist“, sagt Dick, „muss ich mit ihr reden“. Was soll ich sagen? Das muss man verstehen. „Und mit Dir rede ich doch auch,“ sagt Dick, „wir mailen und wir telefonieren, auch wir müssen herausfinden, was zwischen uns ist.“ Wo er Recht hat, hat er Recht.

Sie ist heute früh also wieder gefahren und auch sie hat ein „kann sein“ mitgenommen. Ein „kann sein“ und ein „Ich liebe Dich“, es ist ein gerechter Dick, er schnürt jeder Frau dasselbe kleine Proviantpaket mit Stärkungen für die Warteposition. Ein gütiger Dick. Es soll uns dort an Nichts mangeln was unsere Hoffnung nährt und unsere Leidensfähigkeit verlängert. Ein „kann sein“ und ein „Ich liebe Dich“. Meins mit einem „im Moment“ garniert, ihrs – vermute ich - mit einem kleinen „noch“.

Hier bin ich übrigens zum ersten Mal in der Versuchung zu lügen und Dinge zu schreiben, nur um einigermaßen akzeptabel dazustehen. Denn natürlich höre ich es auch durch die schalldichte Scheibe meines Screens, das tosende Klatschen aus dem virtuellen Zuschauersaal. Das Klatschen der geneigten Leser, die enthusiastische ihre Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wie Laparedchen, kann man nur so bekloppt sein? Wer bitte soll da noch folgen?

Ich kann nur sagen, ich bin nicht stolz darauf. Stolz ist das Letzte, was ich empfinde, hier in meiner Warteposition mit meinem „kann sein“ und meinem mit einem „im Moment“ dekorierten „Ich liebe Dich“ aus Dicks hübsch geschnürtem Überlebenspaket.

Aber ich habe ihm auch etwas gegeben. Schaun wir doch mal, was ich ihm heute morgen in den Proviantsack gepackt hab. Ich dachte, auch in der Entscheiderposition kann der eine oder andere Knochen zum Nagen sicher nicht schaden. Ein Knochen in Form einer Mail.

Lieber Dick, natürlich liebst Du auch SIE, das weiß ich, sonst wäre die Entscheidung ja leicht, sonst hättest Du sie längst gefällt. Du brauchst Zeit, um herauszufinden, wen Du mehr liebst, oder - da es vielleicht sehr unterschiedliche Lieben sind, die sich nicht mit gleichen Größenmaßen messen lassen - welche Art der Liebe für Dich die Wertvollere ist (hat jemand je eine taktvollere Umschreibung gefunden für: Willst Du Ruhe oder willst Du ficken? Aber weiter…) Nimm Dir die Zeit herauszufinden, was Du willst. Ob das mit uns nur Verliebtheit war oder etwas, wofür Du bereit bist, die letzten 24 Jahre aufzugeben. (Und jetzt pass auf…) Ich selbst werde dasselbe tun. Ich werde versuchen herauszufinden, ob meine monentane Verzweiflung und Kampfbereitschaft mehr ist als ein Greifreflex, weil etwas von mir weggezogen wird, das ich lange mehr oder weniger unbeachtet in Händen hielt. (Doch damit nicht genug…) Schon vor einigen Tagen habe ich mit 119 telefoniert. Er liest mein Blog und hat sich gemeldet um zu fragen, wie es mir geht. Ich werde mich mit ihm treffen, weil er mein Freund ist und weil ich gerne mit ihm rede. Aber nicht nur deshalb. Auch ich muss herausfinden, ob es wirklich Du bist, den ich will. Oder doch noch der, den ich so lange Zeit im Dunklen atmen hörte (schnarchen, aber das bleibt unter uns). Und die Tatsache, dass ich ihn nicht haben kann, ist für diese Frage unerheblich, Du weißt, auch ich denke nicht praktisch. (Und jetzt…) Vielleicht klingt es wie eine Retourkutsche, aber das ist es nicht. Auch ich kann das nur herausfinden, wenn ich ihn sehe und mit ihm rede. Dick, wir, wir beide, werden sehen.

Ist das ein Knochen oder ist das ein Knochen?

Verzweiflung oder Verletzheit kann man dazu natürlich auch sagen. Aber immerhin… eine Lüge ist es nicht. 119 hat angerufen und gefragt, wie es mir nach dieser Scheiße geht. (Der Zuschauersaal brüllt.) Ich hatte es nur nicht erwähnt, es hat mich nicht beschäftigt. Es hat mich nicht beschäftigt.

P.S. Den Job fahre ich voll an die Wand. Und ehrlich gesagt… Auch wenn es sich jetzt fast unerheblich anfühlt, langfristig gesehen ist das vielleicht die größere Katastrophe. Freie dürfen nicht versagen - deshalb kriegen sie so viel Geld. Meine Schuld, dass ich hingegangen bin, ein freier Job ist keine bezahlte Beschäftigungstherapie. Ich dachte, ich krieg das hin. Ich Rindvieh.