Anleitung zum Entlieben

14.05.2006 um 18:47 Uhr

Hasel und Birke

von: Lapared

Nachdem ich mich vorher gewissenhaft informiert hatte, was zur Zeit so durch die Luft schwirrt, bin ich dann doch in die Agentur.„Hasel und Birke“, sage ich fachmännisch jedem, der es hören will, denn deren Pollen, steht im Allergiekalender, sind gerade angesagt. Man, Du siehst beschissen aus! hagelt es sensiblen Zuspruch. Aber bei mir geht es wieder weg, denke ich, Pfannkuchengesicht.
Im Fahrstuhl auf dem Weg in die Mittagspause treffe ich die Praktikantin, Sabeth, Sarah, keine Ahung. Sie schielt über ihre Gucci-Brille und ich entdecke genauso pralle kleine Schlauchboote, wie ich sie heute Morgen im Spiegel gesehen haben.“ – „Hasel und Birke?“ frage ich. „Heiko und Heiko“, sagt sie. Ich schiele über über meine Curd-Rock Brille „Angnehm, Dick und Dick“. Der Fahrstuhl war unten und wir zogen unserer Wege. Alles Gute, sister in pain, die Brille steht Dir nicht.

Meine wirkliche Schwester brüllt nur noch. Sie brüllt. „Ich begreife nicht, wie man den gleichen Fehler zweimal machen kann! Ich begreife das nicht! Es gibt wunderbare andere Fehler, neue Fehler, verlieb Dich in einen Zwanzigjährigen mit Mutterkomplex, verlieb Dich in einem Islamisten und verschleiere Dich, verlieb Dich in einen katholischen CDU-Abgeordneten, dann wirst Du enterbt und ich bin reich, das wär was! Aber schon wieder ein verheirateter Mann, wie oft willst Du den gleichen Fehler machen, Du langweilst mich!“ Das ist natürlich das Schlimmste. Aber es gibt keine zwei gleichen Fehler. Es gibt keine zwei gleichen Fehler. Und der letzte Psychoschrei, darin das wieder kehrende Muster zu erkennen, ist nichts als intellektuelles Gewichse. Hurra, ein Muster, ich erkenne ein Muster, ein Muster! So what? Kluges Kind.

Jede Geschichte ist anders, auch wenn sie am Ende Schubladen bedient oder Statistiken bestätigt, das tut jede Geschichte. Wäre diese gut ausgegangen, hätten die Schubladensortierer gegrint: Oh, jetzt wird sie eine von diese späten Eppendorfer 3-Zi-Altbau-Tussen, die mit 40 schnell noch ein Balg rauspressen, um dann Sonntags mit Mann, Kind und Golden Retriever entnervt um die Alster zu marschieren. Versuche ich es weiter mit Dick, teile ich die Schublade mit den anderen dämlichen verzweifelten Frauen kurz vorm Verblühen, die sich als Geliebte hergeben um wenigstens nicht ganz allein zu sein. Bin ich wieder allein, bin ich eine von diesen traurigen kaufkraftstarken Großstadtsingles, die ihren einsamen trotz Pilates erschlaffenden Hintern mit teuren Fummeln behängen, damit vielleicht doch noch einen anbeißt, und die schließlich mit einem Schoßhund enden. So oder so, dem Klischee entkommt man nicht, das Klischee schreckt mich nicht. Ich wäre nur gern ein halbwegs glückliches Klischee.

Das ziemlich unglückliche Klischee hat vorhin noch mal einen Anruf bekommen. Zeit für den finalen Abgesang, Zeit für den Austausch der - wie Miranda es nennt - „Danke Du hast mein Leben bereichert-Reden“ und den letzten „und nun ziehe weiter, entwickle Dich-Gruß“, schnell war er ja immer schon. Ganz im Gegensatz zu mir. So weit bin ich noch nicht. Ich war nicht vorbereitet und musste improvisieren und so war alles, was mir einfiel „Danke, Du hast meine Bikinisammlung bereichert und nun ziehe weiter, leck mich am Arsch.“ Ich denke, ich überarbeite meine Rede noch mal, insbesondere den ersten Teil, den kriegt man vielleicht noch knackiger hin. Und maile sie ihm dann in ein paar Tagen oder Wochen. Oder auch nie.

14.05.2006 um 17:17 Uhr

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von: Lapared

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14.05.2006 um 00:24 Uhr

Warnung: Nicht sehr originell

von: Lapared

Gestern Abend lief es eigentlich noch ganz gut. Dick und ich haben geredet. Stunden. Ich hab ihn gefragt nach seiner Ehe. Er erzählte mir Dinge, die ich hier nicht erzählen möchte, weil hier nur Dinge zwischen mir und Dick hingehören. Er erzählt Dinge, die ich hier nicht erzählen brauche, weil es sowieso jeder weiß. Dinge, die Männer, die ihre Frauen betrügen, immer über ihre Ehe erzählen. Und die sowieso keiner glaubt, außer den Frauen, mit denen sie sie betrügen. Aber ich habe es mir angehört. Denn jede Geschichte, so klischeehaft sie auch aussehen mag, ist anders, ist einzigartig, jemand schrieb es im Kommentar.

Ich dachte, alles würde wieder gut, ich war so weit, dass ich dachte, dass alles vielleicht genau so passieren sollte, und dass ich ihn tatsächleich erst verlieren musste, um ihn wirklich zu finden, Schlagertext hin, Schlagertext her. Ich war glücklich, ich war glücklicher als vorher weil ich dachte, jetzt bekomme ich, was ich mir irgendwann letzten Winter, als dieser Zug so rasend schnell wurde, gewünscht hatte: die Chance noch einmal ganz in Ruhe von vorne anzufangen. Frei, damals dachte ich noch, nur ich wäre das nicht. Ich dachte, vielleicht war das, was ich die letzten 12 Tage durchgemacht habe, genau das, worüber Carrie sagt, dass eine Beziehung es vielleicht braucht, um am Ende glücklich zu werden: ein bisschen Drama im zweiten Akt.

Aber dann vorhin der Rückzieher. Ich spare mir auch hier die Details. Auch hier hat er nichts anderes gesagt, als das, was letztlich alle Männer sagen, wenn sie sich dann plötzlich entschließen, ihre Frauen doch nicht zu verlassen.

Warum so schnell der Sinneswandel? Weil sie heute wieder mal da war. Und weil ich, eine in den Zwanzigern sieben Jahre lang warmgehaltene Exgeliebte, feinste Seismographen habe für Stimmungsveränderungen in der Ausbruchsentschlossenheit von Ehemännern, und weil ich ihn damit konfrontiert habe. Weil ich irgendwann so wütend wurde, dass ich nur noch geschrien und geschluchzt habe, was ihn in seiner Tendenz verständlicherweise nur bestätigt haben dürfte. Und für so was hätte er beinahe das mollige Nest verlassen, tzzz!

Ich bin unendlich traurig. Ich war so bereit, es noch mal zu versuchen. Irgendjemand schrieb gestern im Kommentar: Mach, was Dein herz Dir sagt. Dämlich kannst Du es hinterher noch nennen, Hauptsache Du nennst es vorher oft genug Glück. Ich war so bereit auf mein Herz zu hören. Aber ich erkenne auch den Unterschied zwischen Glück und der Hoffnung auf Glück. Früher hat Dick mich wirklich oft glücklich gemacht. Und dafür hätte ich es wieder riskiert, sofort. Aber jetzt macht er mir nur noch Hoffnungen und selbst die zerstört er dann am nächsten Tag schon wieder. Das reicht nicht. Es tut nur schweineweh.