Eigentlich wollte ich damit ja bis zu unserem „Einjährigen“ warten.
Am 12. Juni, vor
fast einem Jahr, habe ich angefangen, dieses Blog zu schreiben. Ich war so erfüllt von jener großen, überwältigenden, ewig währenden Liebe zu einem Mann. Diesem legendären Mann Namens 119, der meine Liebe - unerklärlicherweise - aber erklärtermaßen nicht teilte, die blöde Sau.
Ich habe dieses Blog begonnen und es vollmundig „Anleitung zum Entlieben genannt“, denn Entlieben schien mir die einzige einigermaßen vernünftige Art und Weise mit dieser misslichen nicht gerade Glück verheißenden Situation umzugehen. Und ich bin eine Freundin der vernünftigen, wenn irgend möglich komisch distanzierten Art und Weise, das bin ich
immer noch, auch wenn mein gegenwärtiges, höchst irrationales und gar nicht originelles Leiden - wie sich in einem der jüngeren, ganz besonders schmissigen Kommentare deutlich zeigte - vielleicht Zweifel daran aufkommen lässt, ob die Vernunft und die Lapared noch so wirklich janz per Du sind.
„Du Lapared?“ – „Ja, Du, Vernunft?“ - „Ich hab Dich lieb!“ – „Ich Dich auch, Du.“
Soviel dazu.
Und vielleicht darf ich zumindest
DAS zur Feier des 100.000sten Klicks stolz als kleinen Erfolg verkünden: Ich bin entliebt. Kein Jahr vorbei und ich bin tatsächlich entliebt. Zumindest von 119. Was 119, alias Jesus, und ich inzwischen so machen, das machen wir – unglaublich aber wahr - als Freunde. Als wir gestern zum Beispiel zusammen schwimmen waren, habe ich das erste Mal seit langem so richtig gelacht. Gelacht und genauso richtig und bitterlich geheult… und dann wieder gelacht. Er ist mein Freund.
Entliebt von 119, Laparedchen, aber jetzt haste doch den selbem Scheiß am Hals mit Dick? Ich weiß. Dem kritischen Leser entgeht auch nichts.
Was soll ich sagen? Wenn´s bei 119 geklappt hat, wird´s bei Dick wohl auch irgendwann klappen. Soviel ist sicher. Und noch eins ist sicher: Diesmal probiere ich eine andere Methode, hm?!
Und wem das hier alles zu viel Schreiben und zu wenig Leben ist, dem kann ich nur sagen: Oh doch, ich habe gelebt! Diese ganze Dickgeschichte war ein Riesenerlebnis! Ein riesen Scheißerlebnis am Ende, aber oftmals auch wunder-, wunder-, wunderschön. Fahrradfahren im herbstlich warmen Amsterdam (er hat sich ständig nach mir umgedreht, damit mir ja nichts passiert)… fest umschlungen mitten im Feuerwerk vorm Hotel New York (und total bekifft)… all die Nächte, die ich in seinen Armen geschlafen habe,
geschlafen! Ich konnte in seinen Armen liegen und tief und fest und traumlos schlafen. Traumlos, weil kein anderer Traum mehr nötig war. Höchstens so gegen Zwei oder Drei am folgenden Tag eine Vision von Toast und Rührei.
Noch kann ich mir das kaum ansehen, weil jeder Blick zurück entsetzlich weh tut. Weil es mir dabei einfach nur völlig unoriginell, tagebuchhaft das Herz zerreißt. Aber irgendwann werde ich zurücksehen können und wissen: Das alles hatte ich, das hatten
wir, das kann uns keiner nehmen. Irgendwann wird das zu den heimlichen Reichtümern gehören, mit denen ich als bösartige, knallroten Lippenstift tragende, alte Schachtel zwischen den fetten gut versorgten Schabracken und ihren geldgeilen Sonntags-Enkeln im Hof eines Seniorenstift in der schwachen Wintersonne sitze. Ich werde herablassend grinsen, wenn in dreißig Jahren ein verpickelter Zivi unbeholfen meine Bettpfanne wechselt und denken, irgendwann einmal hat ein bildschöner, lieber, blonder Mann strahlend vor mir gekniet, weil ich es gelernt hatte, in seiner Gegenwart zu pinkeln. Und ich habe ihn geliebt, weiß Gott, ich habe ihn geliebt.
Das alles habe ich gehabt und im Moment scheint es verloren in dem Meer von Tränchen, die – das seh´ ich ein – allmählich gemeinhin nur noch jedem ganz brachial auf den Sack gehen. Aber irgendwann... irgendwann kommt es lächelnd zu mir zurück. Ganz sicher, bestimmt. Und dann pupse ich vergnügt, wenn die Pickelfresse schnaufend an der Bettpfanne zieht.