Anleitung zum Entlieben

03.06.2006 um 15:57 Uhr

One Art

von: Lapared

Ich bin ja bekanntlich nicht so der Gedichte-Typ. Aber dieses habe ich vom großen Curd Rock. Nein, ich hab´s aus einem Film, ich bin ja bekanntlich sehr der Filme-Typ (das Drehbuchprojekt habe ich allerdings wegen privater Unpässlichkeit geschmissen, hmpf).

Also, das Gedicht ist aus einem sehr hübschen Film „In den Schuhen meiner Schwester“ heißt er, mit Toni Colette, mal wieder mit Übergewicht, Cameron Diaz, mal wieder hinreißend, und der großen, der unvergleichlichen Shirley McLaine, diesmal ganz leise. Klassisches Hollywood-Erzählkino von Menschen, die etwas erleben und dadurch andere werden irgendwie, im Kino funktioniert das ja, ein Film, den jeder, der eine Schwester hat, vielleicht mal sehen sollte. Dieses lange Pfingst-Wochenende vielleicht, falls man nichts Besseres vorhat, falls man nicht gerade durch Paris schlendert oder so. Oder man macht gleich eine „Lange Schwestern-Filmnacht“ und schaut ihn zusammen mit dem Film „Zwei ungleiche Schwestern“, der viel böseren, genialeren französischen Version von Alexandra Leclère mit Isabelle Huppert (unfassbar) und Catherine Frot (unglaublich), ein Film, der übrigens in Paris spielt und vom Sofa gesehen, ich sagte es schon, ist Paris unbedingt zu empfehlen. Aber das nur als Tipp für alle, die eine Schwester haben oder gerne hätten oder sonst was oder wen zu verlieren… hier also das Gedicht:

One Art

The art of losing isn't hard to master;
so many things seem filled with the intent
to be lost that their loss is no disaster.

Lose something every day. Accept the fluster
of lost door keys, the hour badly spent.
The art of losing isn't hard to master.

Then practice losing farther, losing faster:
places, and names, and where it was you meant
to travel. None of these will bring disaster.

I lost my mother's watch. And look! my last, or
next-to-last, of three loved houses went.
The art of losing isn't hard to master.

I lost two cities, lovely ones. And, vaster,
some realms I owned, two rivers, a continent.
I miss them, but it wasn't a disaster.

--Even losing you (the joking voice, a gesture
I love) I shan't have lied. It's evident
the art of losing's not too hard to master
though it may look like (Write it!) like disaster.

(Elizabeth Bishop)


Und für alle, denen – wie mir - Fremdsprachen immer ein wenig fremd bleiben, eine ungefähre Übersetzung:

Die Kunst des Verlierens ist nicht schwer zu beherrschen;
so viele Dinge scheinen erfüllt von der Absicht,
verloren zu sein,
dass ihr Verlust keine Katastrophe ist.

Verliere jeden Tag etwas.
Akzeptiere die Aufregung um verlorene Türschlüssel,
die schlecht verbrachte Stunde.
Die Kunst des Verlierens ist nicht schwer zu beherrschen.

Übe dich dann weiter zu verlieren, schneller zu verlieren:
Plätze und Namen und wohin du noch reisen wolltest.
Nichts von dem wird eine Katastrophe herbeiführen.

Ich verlor die Uhr meiner Mutter. Und Schau!
Mein letztes, oder vorletztes von drei geliebten Häusern ging.
Die Kunst des Verlierens ist nicht schwer zu beherrschen.

Ich verlor zwei Städte, reizende Städte.
Und noch mehr,
Ich verlor einige Königreiche, die ich besaß, zwei Flüsse, ein Kontinent.
Ich vermisse sie, aber es war keine Katastrophe.

Sogar Dich zu verlierend (die scherzende Stimme, eine Geste, die ich liebe)
Ich werde nicht gelogen haben. Es ist erwiesen
die Kunst des Verlierens ist nicht allzu schwer zu beherrschen,
obwohl es aussehen kann (notiere es Dir!) wie eine Katastrophe.

Na bitte, es kann aussehen wie eine Katastrophe. Na, bitte. Und ich hab´s notiert, gell.

Ich hab´s aufgeschrieben und nun mache ich mich auf den Weg. Ich fahre einfach hin. Und sinniere kuchenfressend, pfundezulegend über die Kunst des Verlierens mit jemandem, den ich zum riesenallergrößten Glück noch habe. Mit meiner Schwester. Und heute Abend – sie hasst Filme – zeige ich ihr den Film.

Frohe Pfingsten, all Ihr Milliomen & Milliömchen.

Na komm, Curd… und nimm ein Blümchen mit!

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03.06.2006 um 12:58 Uhr

Curd Rock – die kumst des Verlierems

von: Lapared

... übt mam jedem Tag.

Guck! Ich hab meim Dickem verlorem… ich fimd ihm nicht mehr… ich seh ihm eimfach nicht....

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Wo er jetzt wohl ist?

Umd meim eine Socke ist auch weg. Die Kumst zu verlierem, übt Curdchem jedem Tag....

03.06.2006 um 01:29 Uhr

Zum 100.000sten

von: Lapared

Eigentlich wollte ich damit ja bis zu unserem „Einjährigen“ warten.

Am 12. Juni, vor fast einem Jahr, habe ich angefangen, dieses Blog zu schreiben. Ich war so erfüllt von jener großen, überwältigenden, ewig währenden Liebe zu einem Mann. Diesem legendären Mann Namens 119, der meine Liebe - unerklärlicherweise - aber erklärtermaßen nicht teilte, die blöde Sau.

Ich habe dieses Blog begonnen und es vollmundig „Anleitung zum Entlieben genannt“, denn Entlieben schien mir die einzige einigermaßen vernünftige Art und Weise mit dieser misslichen nicht gerade Glück verheißenden Situation umzugehen. Und ich bin eine Freundin der vernünftigen, wenn irgend möglich komisch distanzierten Art und Weise, das bin ich immer noch, auch wenn mein gegenwärtiges, höchst irrationales und gar nicht originelles Leiden - wie sich in einem der jüngeren, ganz besonders schmissigen Kommentare deutlich zeigte - vielleicht Zweifel daran aufkommen lässt, ob die Vernunft und die Lapared noch so wirklich janz per Du sind.

„Du Lapared?“ – „Ja, Du, Vernunft?“ - „Ich hab Dich lieb!“ – „Ich Dich auch, Du.“

Soviel dazu.

Und vielleicht darf ich zumindest DAS zur Feier des 100.000sten Klicks stolz als kleinen Erfolg verkünden: Ich bin entliebt. Kein Jahr vorbei und ich bin tatsächlich entliebt. Zumindest von 119. Was 119, alias Jesus, und ich inzwischen so machen, das machen wir – unglaublich aber wahr - als Freunde. Als wir gestern zum Beispiel zusammen schwimmen waren, habe ich das erste Mal seit langem so richtig gelacht. Gelacht und genauso richtig und bitterlich geheult… und dann wieder gelacht. Er ist mein Freund.

Entliebt von 119, Laparedchen, aber jetzt haste doch den selbem Scheiß am Hals mit Dick? Ich weiß. Dem kritischen Leser entgeht auch nichts.

Was soll ich sagen? Wenn´s bei 119 geklappt hat, wird´s bei Dick wohl auch irgendwann klappen. Soviel ist sicher. Und noch eins ist sicher: Diesmal probiere ich eine andere Methode, hm?!

Und wem das hier alles zu viel Schreiben und zu wenig Leben ist, dem kann ich nur sagen: Oh doch, ich habe gelebt! Diese ganze Dickgeschichte war ein Riesenerlebnis! Ein riesen Scheißerlebnis am Ende, aber oftmals auch wunder-, wunder-, wunderschön. Fahrradfahren im herbstlich warmen Amsterdam (er hat sich ständig nach mir umgedreht, damit mir ja nichts passiert)… fest umschlungen mitten im Feuerwerk vorm Hotel New York (und total bekifft)… all die Nächte, die ich in seinen Armen geschlafen habe, geschlafen! Ich konnte in seinen Armen liegen und tief und fest und traumlos schlafen. Traumlos, weil kein anderer Traum mehr nötig war. Höchstens so gegen Zwei oder Drei am folgenden Tag eine Vision von Toast und Rührei.

Noch kann ich mir das kaum ansehen, weil jeder Blick zurück entsetzlich weh tut. Weil es mir dabei einfach nur völlig unoriginell, tagebuchhaft das Herz zerreißt. Aber irgendwann werde ich zurücksehen können und wissen: Das alles hatte ich, das hatten wir, das kann uns keiner nehmen. Irgendwann wird das zu den heimlichen Reichtümern gehören, mit denen ich als bösartige, knallroten Lippenstift tragende, alte Schachtel zwischen den fetten gut versorgten Schabracken und ihren geldgeilen Sonntags-Enkeln im Hof eines Seniorenstift in der schwachen Wintersonne sitze. Ich werde herablassend grinsen, wenn in dreißig Jahren ein verpickelter Zivi unbeholfen meine Bettpfanne wechselt und denken, irgendwann einmal hat ein bildschöner, lieber, blonder Mann strahlend vor mir gekniet, weil ich es gelernt hatte, in seiner Gegenwart zu pinkeln. Und ich habe ihn geliebt, weiß Gott, ich habe ihn geliebt.

Das alles habe ich gehabt und im Moment scheint es verloren in dem Meer von Tränchen, die – das seh´ ich ein – allmählich gemeinhin nur noch jedem ganz brachial auf den Sack gehen. Aber irgendwann... irgendwann kommt es lächelnd zu mir zurück. Ganz sicher, bestimmt. Und dann pupse ich vergnügt, wenn die Pickelfresse schnaufend an der Bettpfanne zieht.