Anleitung zum Entlieben

31.07.2006 um 22:21 Uhr

Gegangen oder geflogen?

von: Lapared

„Hat sie ihm die Koffer vor die Tür gestellt oder hat er sie gepackt?“

Meine Schwester und ich diskutieren die spannende Frage, ob Dick seine Frau wirklich verlassen hat, oder ob er in Wahrheit rausgeflogen ist.

„Dicks Version?“ frage ich.

Unweigerlich landen wir bei dem Punkt, dass Wahrheit für Dick ein sehr schöpferischer Akt ist. Ach, diese Künstler...

„Ich kann´s kaum erwarten!“ sagt meine Schwester.

„Also, Dick würde es wohl so sagen: Seine Frau hat ihm die Koffer vor die Tür gestellt, aber nur, weil sie aufgrund seines unzweideutigen Verhaltens einsehen musste, dass er sie gepackt hat.“

„Er selbst war zu schwach zum Tragen?“

„Keineswegs. Er hat die Koffer ganz bewusst so lange stehen lassen, bis seine Frau schließlich selbst die Kraft fand, sie vor die Tür zu stellen. Um ihr, die ihm 24 Jahre geschenkt hat, in der Niederlage ihres Lebens wenigstens diesen kleinen Triumph der Selbstbestimmung zu lassen.“

„Mensch, Mensch, Mensch... was für ein feiner Kerl.“

„Nicht wahr?“

Meine Schwester fragt, wie ich damit leben kann.

"Momentan nervt mich viel mehr, dass er mir den ganzen O-Saft wegtrinkt. Obwohl er eigentlich Leitungswasser am liebsten mag. Jedenfalles wenn wir beim Einkaufen sind."

"Ein Segen. Wenigstens etwas an ihm ist normal..."

30.07.2006 um 19:23 Uhr

Romantische Stunden

von: Lapared

„Dick“, sage ich. Kerzen brennen, leise Musik, Romantik pur. „Dick, ich glaube, ich ertrage Dich nur bekifft.“ Dick reicht mir die Tüte, ich erkläre mich detaillierter. „Ich meine, ich liebe Dich schon auch, wenn ich nicht komplett benebelt bin“ , Johnny Cash singt When it´s Springtime in Alaska, „aber um Dich hier in meiner Wohnung auszuhalten, brauche ich exakt dieses angenehme Alles-scheißegal-Gefühl, das wenigen Gesegneten unter uns wesensmäßig ist, bei meiner charakterlichen Veranlagung aber nur durch Betäubungsmittel herzustellen.“ – „Nimm noch ´n Zug, Schatz!“ – „Ich bin zwanghaft und regide und ein gewisser Altersstarrsinn kommt mittlerweile auch hinzu.“ – „ Ab jetzt musst Du keine Angst mehr haben, dass ich weglaufe, Du wirst sehen, das wird Dich total entspannen.“ – „Gut, dann werde ich ab jetzt entspannt regide und zwanghaft sein.“ – „Du kannst Du selbst sein, Du musst mir nicht mehr Deine Sonntagsversion präsentieren!“ – „Du hast Recht“, sage ich, „Du bist pleite und obdachlos und ich lasse Dich bei mir wohnen, warum sollte ich darüber hinaus noch nett zu Dir sein?“ – „Eben“, sagt Dick, „dazu besteht wirklich kein Grund. Entspann Dich. Lass die Sau raus. Sei Du.“ - „Gut, dann versuch doch bitte den Aschenbecher zu treffen, zwei Brandlöcher im Laken sind genug.“ Geht doch.

Schade ist nur: Ich hab keine Lust, die Sau im Haus zu sein. Zumal er das Schwein ist, das überall seine Spuren hinterlässt. In meinem Haus.

Bei dem Gedanken, dass er jetzt immer hier ist, immer, kriege ich Atemnot.

29.07.2006 um 22:34 Uhr

Plaumenkuchen, der neue Käsekuchen

von: Lapared

„Willst Du das alles alleine essen?“

Erschrocken schaue ich von meinem Pflaumenkuchen auf. Pflaumenkuchen, der Käsekuchen der Saison, niemand soll sagen, bei mir wiederhole sich immer dieselbe Geschichte.

„Allerdings!“ brülle ich und drehe Revolverheld ein bisschen leiser, „allerdings.“ Finster sehe ich zu ihm rüber, er hat viel Gepäck. „Drei Stückchen Pflaumenkuchen sind nicht zuviel für eine Frau, die in ihrer Wohnung überfallen wird. Ich fresse mir einen Panzer gegen persönliche Übergriffe an.“ Dick schaut sich um, ich wünschte ich hätte die leeren Keksdosen entsorgt. „Vor allem frisst Du Dir einen Schwimmring an. Den Schlüssel hast Du mir übrigens selbst gegeben.“ – „Jeder macht mal Fehler. Und das wird definitiv ein Panzer, kein Schwimmring, dafür sorge ich schon.“ – „Ach.“ – „Wenn ich hiermit fertig bin, gehe ich 114 Minuten plus Bonusmaterial auf den Stepper, „Caché“ von Michael Haneke, diesem verrückten Österreicher.“– „Vergiss die Sahne nicht. 114 Minuten plus Bonusmaterial, dadurch wirst Du höchstens anderthalb Stücke wieder los!“ – „In dem Film variiert er übrigens sein altes Thema, sehr interessant!“ – „Nämlich?“ – „Wie sich, beginnend mit einer Kleinigkeit, ganz leise der nackte Horror in das gelangweilte Glück von Menschen einschleicht, die vorher vergessen hatten, wie gut es ihnen geht.“ - „Klingt spannend.“ – „Und dabei so realitätsnah!“

Trotzig, ohne Dick anzusehen, mache ich mich an das zweite Stück.

Er: „Vorschlag: Du könntest den Pflaumenkuchen mit dem nackten Horror teilen...“ , ich würdige ihn keines Blickes, „…und Dir den Film danach - zusammen mit dem nackten Horror - gemütlich auf der Couch ansehen, statt auf dem Stepper.“ Ich werfe ihm einen kurzen verachtenden Blick zu. „Rein von der Energiebilanz kommt das aufs Selbe raus“, legt er nach, „und wenn wir uns danach noch etwas bewegen, nimmst Du womöglich sogar ab.“ Er grinst. Er weiß, wo er den Hebel ansetzen muss.

Missmutig lege ich den Löffel weg und schiebe den Teller ein Stück in seine Richtung. Er setzt sich und beginnt zu essen. Meinen Kuchen.

Nach ein paar Löffeln mit vollem Mund: „Gibt es eigentlich irgendeine Regel, wann Du aus Kummer frisst und wann Du hungerst? Als ich Dich das letzte Mal verlassen habe, konntest Du nichts essen und diesmal frisst Du!“ – „Das mache ich immer abwechselnd, beim nächsten Mal hungere ich wieder, auf diese Art und Weise halte ich meine Figur.“ – „Und wenn es kein nächstes Mal gibt, wenn ich Dir keinen Kummer mehr mache?“ – „Dann habe ich ein Problem.“ Dick wischt sich den Mund ab. „Du hast ein Problem: Meine Frau und ich haben uns getrennt. Ich bleibe jetzt bei Dir, Schatz. Ich kann gar nicht mehr zurück.“

Und ob ich ein Problem habe! Ich liebe Pflaumenkuchen, ich hatte mich gerade daran gewöhnt...

28.07.2006 um 21:56 Uhr

Leere

von: Lapared

„Verdammt, ich empfinde einfach keine Leere!“ sage ich zu meiner Schwester, „5 Tage, wird es da nicht langsam Zeit, dass er mir fehlt?“ - „Warum bist Du denn so scharf auf Leere?“ – „Na ja... Es würde mir zeigen, dass ich die letzten drei Monate für das Richtige gelitten habe!“ – „Und das möchtest Du bestätigt wissen, indem Du jetzt wieder leidest?“ – „Quasi.“ – „Interessanter Ansatz. Andere wären froh, dass der Schwachsinn vorbei ist!“ – „Ich dachte, ich könnte ohne ihn nicht leben, und jetzt! Ein klitzekleines Gefühl der Leere, der Einsamkeit… das geböte schon der Anstand.“ – „Du sagst doch, dass Du seit Tagen jeden Abend frisst! Kann´s nicht sein, dass Du die Leere einfach zustopfst?“ – „Hach, das liebe ich so an meiner Fresssucht!“ – „Was?“ – „Sie ist so interpretationsfähig. Heute frisst man, um die Leere zu stopfen, morgen frisst man, um sich abzugrenzen, übermorgen um Gefühle zuzuschütten, man findet immer einen tollen Grund. Ein fantastisches Gebrechen!“ – „Fakt ist, Du frisst seitdem er weg ist, was glaubst Du denn, warum Du das tust?“ – „Weil er mir vorher alles weg gefressen hat? Weil Pflaumenkuchenzeit ist und weil jetzt niemand mehr sieht, wenn ich eine Wanne habe? Weil ich Essen nun nicht mehr durch gesellschaftsfähiges Ersatzverhalten wie Ficken sublimieren muss, da ich keine Gesellschaft mehr habe? Keine Ahnung!“ - „Du vermisst ihn.“ – „Oder so.“

28.07.2006 um 17:29 Uhr

Curd Rock - leidet

von: Lapared

Diese Hitze macht mich ferdig... Meime kleime Füßchem simd gamz geschwollem!

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Als hätte ihc es nicht shcwer gemug... ..

27.07.2006 um 23:17 Uhr

Rot oder grün

von: Lapared

Allmählich wird es still. Leise legt sich der Staub, die Pulverschwaden ziehen ab und geben den Blick frei auf das Schlachtfeld der vergangenen Tage. Zeit für eine erste vorsichtige Einschätzung des Ausmaßes der Verheerung.

Viele Verwundungen, soviel steht fest. Bezüglich der Verluste kann man noch nichts Endgültiges sagen. Von Dick habe ich noch nichts gehört. Und ich weiß es auch noch nicht… ich weiß es einfach nicht. Nur einen Verlust kann ich sicher melden: den Verlust der Sicherheit, dass ich diese Beziehung wirklich will. Denn eins weiß ich dann doch: In den letzten Tagen hier in meiner Wohnung habe ich mich zu sehr verdreht.

Andererseits. Es ist nicht so, dass sich mein deformiertes Ego, jetzt wo er weg ist, wohlig seufzend wieder ausstreckt und regeneriert. Im Gegenteil. Den Raum, den ich mir zurückerobert habe, fülle ich nicht wieder aus. Ich glaube, ich halte ihn noch für ihn frei.

Aber ich kann auch nicht sagen, dass sich nach drei Tagen Abstand schon wieder große Sehnsucht einstellt. Dass mir ganz arg was fehlt, dass sich der zurück gewonnene Raum wie Leere anfühlt, das kann ich auch nicht sagen.

Na ja, 15-Stunden-Tage sind wohl auch keine optimale Zeit für Leeregefühle. Warten wir mal das Wochenende ab.

P.S. Beim Schreiben gewinne ich den Eindruck, ich bin wieder da, wo ich schon mal war: beim Flackern. Aber diesmal flackert nicht das Lämpchen für die Herzfunktion. Diesmal geht es auch nicht um AN oder AUS. Diesmal geht´s um GRÜNES oder ROTES Licht. Es sind die Hirnströme die flackern.

26.07.2006 um 21:49 Uhr

Außerhäusig

von: Lapared

Ich weiß nicht, ob Dicks Psychologin DAS meinte, als sie ihm damals riet, die Beziehung zu beenden, denn er habe, und das sei gar nicht gut, sein Haus für mich verlassen.

In den letzten Tagen bin jedenfalls ich es gewesen, die ihr Haus verlassen hat. Ich war, jetzt kann ich es ja sagen, als er hier war, jeden Abend in der Kneipe.

Es ist nämlich so. Wenn ich zuhause am Rechner sitze, denkt er, das Schreiben sei mir wichtiger als er. Jedenfalls denke ich, dass er das denkt, weil er es früher ja auch gedacht hat, und sehr unglücklich darüber war. Deshalb habe ich zuhause keine Ruhe. Ich höre ihn rumtrippeln und fürchte, dass er sich langweilt und wartet, dass ich mich ihm endlich widme. Das macht mich irre. Das habe ich den ganzen Tag, Zeitdruck, Leute, denen ich nicht schnell genug bin. Also behaupte ich lieber, ich bin noch in der Agentur, aber eigentlich sitze ich ums Eck in einer bewirteten WLAN-Station (er treibt mich in die bewirtete WLAN-Station klingt doch viel hübscher als er treibt mich in die Kneipe) und schreibe. Nur ein halbes Stündchen.

So war das, als Dick da war. Jetzt ist Dick weg und ich gehe immer noch jeden Abend in die Kneipe, seinetwegen. Die Telefonleitung ist nämlich gestört und ich habe kein Internet daheim. Der naive Beobachter wäre versucht einzuwerfen, das sei nun aber nicht die Schuld von Dick sondern der Telekom, aber ich weiß mehr. Ich weiß, dass Dick gebohrt hat. Für die Regale hat er überall gebohrt, tiefste Löcher mit schwerstem Gerät. Er war´s, er hat die Telefonleitung gestört! Seinetwegen verlasse ich weiterhin mein Haus.

Also, Psychotante, wenn einer Grund hätte, die Beziehung zu beenden, dann ja wohl ich!

P.S. Ach, ich wünschte, er wäre hier...
Wenigstens zwischen 12 und 16 Uhr. Dass diese Telekomheinis nicht genauer sagen können, wann sie kommen! Wer kann denn tagsüber vier Stunden zu hause sitzen und warten?

26.07.2006 um 15:11 Uhr

Curd Rock - beemgt umd getremmt

von: Lapared

Famtastische, diese Regale. Eigemtlich. Aber irgemdwie… Irgemdwie fühle ich persömlich eim bisschem beengt. Eim bisschem SEHR. Ich will raus!!!

Umd ich seh meim Dicken gar nicht mehr! DIIICKERRRR????? Ach, heul...

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Scheißregale. Wie kann mam im eim und derselbem Wohmung plötzlich so weit vomeinander entfermt sein, bloß...?

25.07.2006 um 22:22 Uhr

Die Nudelschleuder

von: Lapared

„Du hast WAS?“ fragt meine Schwester ungläubig. „Ja, ich weiß“, sage ich, „das kannste echt niemandem erzählen…“. – „Du hast vor Wut die Teetasse an die Wand geschleudert?“ – „Die Nudel! Der Tee war nur ordnungswidrig drum rum...“ – „DU? Du... LAMM!“ – „Es war Süßholzwurzeltee...“ – „Und noch dazu bis Du Westfale, nicht Brasilianer!“ - „Es war die Küchenwand, die ist abwaschbar.“ – „Trotzdem, das bist nicht mehr Du! Du frisst oder hungerst oder säufst, Du bist unfreundlich zu Dir aber nicht zu Geschirr!“ – „Es war die blaue Blechtasse, der macht das nichts.“ – „Aber warum? Er ist gefahren, und? Das wolltest Du doch!“ – „Ja, aber vorher hat er noch schnell mal eben Schluss gemacht! Campingtest eins, Wohnungstest ungenügend: durchgefallen! Einmal anbrüllen und schon: aus die Maus!“ – „Na ja, so kennt er Dich eben nicht, er stand vielleicht unter Schock!“ – „Ich wollte doch nur mal ein bisschen allein sein…und zack, verlässt er mich! Mir war es nach all diesen Wochen einfach etwas zu viel… und zur Strafe krieg ich gar nichts mehr!“ – „Aber er hat doch nach zehn Kilometern schon wieder angerufen und sich entschuldigt.“ – „Das wusste ich aber noch nicht, als ich die Nudel an die Wand geschleudert habe!“ – „Er macht doch nur Theater, er haut nur ein bisschen auf den Putz. Er hält Dich künstlich in Unsicherheit, denn so hält er Dich klein. Aber in Wahrheit kann er Dich gar nicht verlassen. ER kann das nicht.“ – „Ich weiß nicht... Ich glaube, er ist wirklich wackelig, ich glaube, er ändert seine Meinung alle zehn Kilometer, ich glaube, er kommt vielleicht nicht wieder.“ – „Denkst Du? Und er freut sich schon auf den wie stets fantastischen Erleichterungsfick, wenn er es doch tut.“

So verlockend die Aussicht auf hemmungslosen Sex mit einer erleichterten, dankbaren, fast-vierzigjährigen Beinahe-Verlassenen für ihn auch sein mag... Es war ein wirklich böser Streit. Ich war wirklich böse. Jemand hat an früherer Stelle, als ich schon mal sehr böse zu ihm war, kommentiert: "Das muss das Boot abkönnen!" Das stimmt. Man muss sich auch mal anschreien dürfen. Man muss auch mal genervt sein dürfen. Man muss auch mal ein Arschloch sein dürfen, ich weiß. Aber an früherer Stelle war das Boot noch nicht verheiratet. An früher Stelle hielten wir alle das Boot noch für ein Schlachtschiff und nicht für einen Vergnügungsdampfer, nicht wahr? Die Bismarck hätte das abgekonnt, aber ob die Lorelei das kann?

Und die gute Nachricht ist: Im Moment bin ich so erschöpft, im Moment bin ich nach all dem Theater so froh, meine Ruhe zu haben, im Moment bin ich vom ganzen Angst haben und kämpfen und Mühe geben so müde, dass ich beinahe sagen möchte: es ist mir abso-fucking-lut egal.

25.07.2006 um 00:30 Uhr

Die Nudel

von: Lapared

Der Knopf wurde gefunden und war eigentlich kein Knopf sondern ein Elefant. Einer von dieser aufgeblasenen Sorte Elefanten, die in den Laparedschen Breiten sehr verbreitet ist, weil sie sie selbst aus Mücken macht.

Ich hatte etwa zwanzig, dreißig Stündchen so vor mich hingeheult. Anfänglich noch mit der gebotenen inneren Anteilnahme, später beiläufig routiniert (als hätte ich eine angeborene körperliche Dysfunktion, Felixsches Tränendrüsenflimmern oder so) und seelisch quasi unbeteiligt. Heulend habe ich die Regale aus- und wieder eingeräumt, habe versucht, meine Unordnung wieder herzustellen, begriffen, dass das nicht ging, und am Ende stand ich vor diesen sterilen, funktionalen Neubauten und dachte... scheißegal. Ist doch scheißegal.

Dick - nachdem ihm rasch klar geworden war, dass mein Heulen keinesfalls eine Aufforderung zum in Pärchenkreisen sonst sehr populären „Was hast du denn?“ – „Nichts!“ – „Aber wegen nichts, heult man doch nicht“ – Tango war, hielt sich erstaunlich zurück. Ich wollte wirklich, wirklich, wirklich nicht darüber reden. Dieses ständige Reden, sich erklären und gegenseitig erforschen... ich war es so leid. Ich wollte einfach nur in Ruhe heulen. Aber dann kam die Mücke.

Dick hatte gespült. Mit dieser gewissen männlichen Großzügigkeit, die Frauen viel zu häufig veranlasst zu sagen: „Lass Schatz, ich spüle gern!“, weil sie es lieber gleich machen als hinterher noch mal. Und plötzlich schwimmt da diese Nudel in meinem Tee. Eine dick aufgequollene Nudel vom Mittagstisch, die ihren Weg wahrscheinlich über das Spülwasser in meine Thermoskanne und von dort in meine Teetasse gefunden hatte. „Schatz?“ frage ich, „Spülst Du das Geschirr eigentlich noch mal mit klarem Wasser nach, wenn es im Spülwasser war?“ Und er: „Lchen... Ich spüle! Ich spüle auf meine Weise! Ist das nicht gut genug? Menschen haben ihre eigene Handschrift bei den Dingen, die sie tun!“

Und plötzlich höre ich mich schreien. Ich höre mich brüllen. Ich brülle, dass eine Nudel im Tee keine Handschrift ist sondern eine Sauerei. Und dass er die gerne in seiner eigenen Wohnung kultivieren kann aber nicht bei mir. Und dass ich es leid bin. Leid, leid, leid, leid, LEID! Dass er mir auf die Nerven geht. Dass ich allein sein will. Dass er fahren muss, sofort.

In der Spiegelung des Küchenfensters sah ich mein wütendes Gesicht und dachte: wie unvorteilhaft. Aber mit Erstaunen stellte ich fest, dass das Heulen gestoppt hatte.

23.07.2006 um 20:22 Uhr

Wo ist der Knopf?

von: Lapared

Ich finde den Knopf nicht. Ich weiß nicht, wo man das wieder ausstellt. Gestern habe ich wegen Nichts, eigentlich wegen Nichts, angefangen zu heulen und seitdem nicht wieder aufgehört.

Es ging los, als ich die Regale ausgeräumt hab. Dick hat doch Regale gebaut. Für seine Sachen. Als ich Freitagabend nachhause kam, hatte er die ganze Wohnung umgestellt und meine Sachen darin verstaut. Seine standen weiterhin auf sieben Taschen verteilt - immer allzeit abreisebereit bleiben! - in der Nothaltebucht. Womit die Nothaltebucht jetzt also als Gepäckzimmer dient und eine In-Angst-halte-Bucht geworden ist. Wie gesagt, der 7. Sinn.

Ein Wort über Regale. Ich hasse Regale. Ich betreibe gerne Hochbau mit meinen Sachen, entlang der Wände meiner Wohnung türmen sie sich und sehen aus, wie die Skylines großer Städte, wie New York oder Hongkong oder Istanbul, nicht immer schön, gar nicht immer funktional, aber über Jahre gewachsene Architektur mit eigenem Gesicht und Zeitzeugen der Geschichte. Meiner Geschichte. Also: Ich türme mein Hab und Gut gerne auf. Oder ich stelle es in den Schrank. So oder so, rein oder raus. Aber Regale finde ich halbsteif.

Egal. In einer Beziehung muss man Kompromisse machen. „Wow, Regale!“, flöte ich, „endlich sieht´s hier mal ordentlich aus!“ Scheiß auf meine Geschichte, es beginnt schließlich eine neue Ära, die Ära Wir. Und in der Wir-Ära ist, das schwant mir allmählich, ist halbsteif nicht das Schlechteste.

Aber dann... Samstagmittag wollte ich kurz vor Ladenschluss noch schnell zum Getränkemarkt fahren. Ich griff nach meinen Autopapieren, die sonst stets auf dem 89th Floor der Chryslerbuilding im Manhatten meiner Ablage lagen. Aber das Chryslerbuildung existiert nicht mehr. Ich suche in den Regalen nach dem Chrysler-Brett, auf das es evakuiert worden ist, und stelle fest, es gibt kein Chrysler-Brett.Was einst Chrylerbuilding war, ist offensichtlich in sämtliche Einzelteile zerlegt und nach einem System, das ich nicht begreife, über verschiedenste Bretter verteilt worden. Ich schaue mich um... auch kein Empirestatebrett, kein Chinatownbrett, von meinen Türmen und Türmchen ist nichts mehr da, kein Stein – bzw. kein Buch, kein Schuhkarton, kein Magazin – steht mehr auf dem anderen. 11. September im Hause Lapared.

Aber ich sage immer noch nichts. Wir-Ära, da passiert so was schon mal.

Schließlich entdecke ich die Wagenpapiere. Sie liegen direkt neben Kiste 119, einer alten Plätzchenkiste, in die ich alles verfrachtet habe, was mich an die Nicht-Wir-Ära mit 119 erinnert. Und die vorher irgendwo in der Bronx in einer dunklen Tiefgarage stand. Ich sehe Rot. Wie kommt er dazu, alles anzufassen? Hat er hinein geschaut? Was fällt ihm ein?

Das war gestern um fünf. Wortlos begann ich, die Regale wieder abzuräumen. Brett für Brett. Und plötzlich fing ich an zu heulen.

Wo ist der Knopf?

21.07.2006 um 21:01 Uhr

7. Sinn II

von: Lapared

Ich ihm also – Plopp! Plopp! – die Stöpsel gezogen und meine tiefnächtliche Ansprache gleich noch mal wiederholt. Ja, das wäre zum Wochenende mal eine schneidige Nachricht, hm? Aber leider leider... So war es nicht. Nicht wirklich.

Stattdessen hat er mir – Pfffffffffffffffft! – die Luft abgelassen, kaum saßen wir am frühmorgentlichen Kaffeetisch. Ich hatte gerade ganz tief durchgeatmet, um mein kleines, in seiner Rohfassung stumpf im Ohropax versackten, in den danach noch verbliebenen Nachtstunden jedoch sorgsam ausgefeiltes und angespitztes Textjuwel erneut abzufeuern, als er mir mitteilte, er führe nächste Woche nach Hause. Ich falle in mich zusammen. „Warum?“ fragte ich kleinlaut. „Ist das alles hier nicht ein bisschen anstrengend?“ Und noch mal Pfffffffffffft! Leise, geruchsfrei, nicht wie bei anderen, die damit ihr gesamtes Umfeld in Schutt und Asche legen (ihc glaube, sie meimt mich!)

Anstrengend... das ist mein Text, denke ich. „Findest Du?“ frage ich.

Ich spüre, wie sich mein Herz zusammenkrampft. Und verliere den Rest von meinem Text.

„Aber ich komme wieder“, sagt er.

Plötzlich fühle ich mich nur noch müde.

Sie haben ihn alle, sie haben den 7. Sinn. Lovely 119 hatte ihn - er hatte ihn quasi erfunden - und D. hat ihn auch. Diesen hochsensiblen Riecher dafür, wann sie mal wieder was tun müssen, damit man ihnen nicht von der Stange geht. 119 wusste stets, wann es höchste Eisenbahn war, mal wieder freundlich zu sein. Und D. spürt, wenn es Zeit wird, mir Angst zu machen, er spürt es genau.

Oder die Ohrstöpsel sind doch nicht so dicht.

20.07.2006 um 22:39 Uhr

Wir warten

von: Lapared

.. umd wartem... umd wartem...

WIR!!!

Dass ich alleim sie nicht bewegem kommte, mal eher nach Hause zu kommen, war ja schom umbegreiflich genug. Eigemtlich. Aber selbst dem bezaubermden kleinen Jumior lässt sie stumdenlamg dumm am fenster stehem...

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Sie ist so gemeim.

20.07.2006 um 22:07 Uhr

Aussprache

von: Lapared

„Dick“, sage ich, „wir haben ein Problem!“

Nützt ja nix, irgendwann musste es raus. Und heute Morgen, so gegen drei, als ich nach getaner Arbeit (15 Stunden Agentur, 3 Stunden Beziehungspflege) vor Müdigkeit nicht schlafen konnte, schien mir der ideale Zeitpunkt. „Wir haben wirklich ein Problem, Schatz, wir strengen uns so schrecklich an! Ich, weil ich Angst habe, dass Du sofort zurück zu Deiner Frau gehst, wenn es nicht flutscht, und Du, weil Du mit jedem Tag mehr fürchtest, dass sie gar nicht mehr da ist!“ Er schweigt. "Und dass Du nichts mehr hast, falls es mit uns in die Hose geht, sie nicht, mich nicht, kein Haus, kein Zuhause....“ Stille. „Und weißt Du, Schatz, das ist nicht gerade erleichternd für eine Beziehung, wenn man sich so anstrengen muss, weil einem ein Gespenst im Nacken sitzt. Und auch noch jedem von beiden ein anderes.“ Stille. „Schatz, ich glaube, so klappt es nicht.“ Totenstille. „Für mich wäre sehr entspannend, wenn ich wüsste, dass Du mit Deiner Ehe abgeschlossen hast, egal, ob mir der überbackene Lammrücken gelingt oder nicht, bildlich...“ Immer noch nichts. „Und für Dich wäre es vielleicht entspannend, wenn Du wüsstest, dass Du zur Not auch ganz alleine stehen kannst, bildlich...“ Nichts. „Dick?“ Ein leichtes Grunzen. „DICK???“

Seine Öhrstöpsel, die hatte ich ganz vergessen. Seine Ohrstöpsel sind wirklich eine Wucht.

19.07.2006 um 23:29 Uhr

P.S.

von: Lapared

Eben bin ich nach Hause gekommen. Er baut Regale, er putzt, er kocht... er strengt sich mindestens so an wie ich. Mindestens.

19.07.2006 um 22:55 Uhr

Rudi-Bonus

von: Lapared

Mit seiner Halskrankheit stößt D. punktgenau in das gewaltige Sympathie-Vakuum, das Silberpüdelchen Rudi Carrells Tod in unserem Land hinterlassen hat. Ich sehe also beste Chancen für sein berufliches Fortkommen. Ich wünschte nur, er hätte eine Fernsehshow. Aber statt volksnaher Unterhaltung verkauft er sehr besondere, sehr schöne, sehr sauteure Stühle. Und das, wie man sich denken kann, alles andere als am laufenden Band. Schon im Tulpenland florierte das Geschäft nicht eben, aber dort lag es eher an dem sehr gelassenen Vertrieb. Nötig hatte er es ja nicht. Hier jedoch sind die Widerstände keineswegs motivationaler Struktur. Blei im Arsch ist gerade nicht sein Problem.

Dick braucht meine Hilfe. Er strampelt sich ab, er versucht es, aber ich müsste ihm zumindest Türen öffnen, Kontakte machen, helfen, emails und Briefe zu schreiben. Schließlich ist Deutsch nicht seine Sprache und schriftlich, auf dem Papier, hat sein holländischer Akzent selbst im Land des Rudi Carrell nur noch den Charme von Legasthenie. Ohne meine Unterstützung klappt es nicht. Ohne meine Unterstützung strampelt er ins Leere. Oder, wie heute, aus Langeweile auf seinem Rädchen ins Freibad, wo er dann Stunden schwimmt wie ein Verrückter, um wenigstens ein Mal am Tag das Gefühl zu haben, durch Anstrengung weiterzukommen. Ich müsste ihn jetzt unterstützen, aber wie denn? Wann? Ich sitze immer noch in der Agentur.

„Och, andererseits gab es sicher unangenehmere Orte, um den heutigen Tag zu verbringen, als das Freibad...“, höre ich meine Schwester im Geiste sagen. „…nicht klimatisierte Agenturräume, klimatisierte Agenturräume, Räume mit erhöhtem Arbeitsaufkommen schlechthin“. – „Sei still!“, sage ich zu ihr, „Du bist boshaft!“

Er würde wirklich gern, er versucht es, verzweifelt, er tut, was er kann.

Und ich muss mich wirklich hüten, ihm in meiner zackigen, selbstgerechten Karrieretussengereizheit nicht Unrecht zu tun.

18.07.2006 um 20:06 Uhr

Einfach mal die Klappe halten

von: Lapared

Im Rom der Antike war die Verdauung ein soziales Event. Man, und in der Antike war das in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz zufällig gleichzusetzen mit Mann, schiss gerne in Gesellschaft. In Gesellschaft und – das erscheint mir an dieser Stelle nicht unerheblich - unter freiem Himmel. Mein Badezimmer hat nicht mal ein Fenster. Einen tapferen kleinen Lüfter, aber kein Fenster. Wie kam ich jetzt darauf...?

Jedenfalls bringt der Umstand, dass ich jetzt täglich arbeitsbedingt zu einem bestimmten Zeitpunkt das Haus verlassen muss, verbunden mit der Tatsache, dass ich in der halben Stunde, die diesem Zeitpunkt vorausgeht, schrecklich gerne das Bad hoheitlich für mich beanspruchen würde, nicht ganz die Entspannung, die ich mir von meiner geregelten fünfzehnstündigen Abwesenheit für unsere Zusammenleben erhofft hatte. Es entstehen neue Minenfelder. Ich sehe nicht ein, warum er – um im Bild zu bleiben - seine Minen ausgerechnet in jener von mir so gerne ungestört beanspruchten halben Stunde abwerfen muss. Und er sieht nicht ein, dass ich explodiere, wenn er mich bittet, meine Körperkultur kurz zu unterbrechen, weil er zwischen acht und halbneun auch mal fünf Minuten ins Bad muss.

Das muss besprochen werden. Er steht hinter mir im Bad und schaut mir beim Schminken zu. „Nun ja, es ist so...", sage ich gequält näselnd wie Wendelin der chronisch eingeschnappte Elefant, „ich bin morgens gern ein bisschen für mich... Und ich persönlich kann nur sagen, dass meine eigenen Bedürfnisse selten so druckvoll sind, dass sie keinerlei Aufschub vertragen, also... Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass das bei anderen Menschen deutlich oberhalb von zwei Jahren anders ist.“ - „Entschuldigung.“ - „Der liebe Gott hat Dir einen gesunden Schließmuskel geschenkt!“ - „Entschuldigung! “ - „Nutze ihn!“ – „Ich habe mir den Magen verdorben, und wenn DU nicht so ignorant schnarchen würdest, hättest Du vielleicht heute Nacht schon mitgekriegt, dass es mir beschissen geht!“

Er hat vielleicht zu ungelegenen Zeitpunkten Stuhlgang. Aber ich entwickel mich langsam zum Arschloch. Ich wünschte, der liebe Gott hätte auch mir einen gesunden Schließmuskel geschenkt. Noch einen. Im Gesicht.

17.07.2006 um 23:01 Uhr

Ganztagsjob

von: Lapared

Seit Wochen geht es um nichts anderes als um Dick. Er bekommt meine ganze Aufmerksamkeit, Energie und Zeit. Gerne. Ganztagsjob Dick. Wie gut, dass ich mich nicht mit Erwerbstätigkeit aufhalten muss, oder Freundschaften, oder Interessen, und - Glückes Geschick! - selbst so etwas wie jene kleine WM kürzlich interessiert mich nicht. Ich habe kein einziges Spiel gesehen. Egal. Ganztagskick Dick.

Seitenlange Mails, stundenlange Telefonate, damit fing es an. Dann gemeinsam reisen (in seinem winzigen Zelt!). Jetzt also gemeinsam wohnen (in meiner noch viel winzigeren Wohnung!). Und seit Wochen muss alles Andere ruhen. Seit Wochen muss Wichtigstes ganz schnell nachgewiesen werden: Gefühlstiefe, Beziehungsfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit... Seit Wochen absolvieren wir im Crashtest, wofür andere sich Jahre Zeit nehmen. Weil man die Frau Gemahlin schließlich nicht so lange auf eine Entscheidung warten lassen kann. Weil der Herr Gemahl schließlich wissen möchte, was er bekommt, falls er sie verlässt. Weil man Nest mit Nest vergleichen möchte und nicht Nest mit Vögeln.

Man? Dick.

„So, und darf ich jetzt mal sagen, was ich möchte?!“ Nordseeklima – Reizklima. Auch zu dieser Offenbarung hat mich die Seeluft gestern hingerissen. „Selbstverständlich!“ sagt Dick (Holländisch für: lieber nicht). – „Wenn´s nach meinen Wünschen ginge, liefe das Ganze so: Du verlässt erstmal Deine Frau! Du suchst Dir erstmal eine Wohnung! Eine Arbeit! Du baust Dir erstmal ein eigenes Nest, statt von einem ins andere zu flattern. Dein eigenes Nest, gern, liebend gern nur eine Astgabelung von meinem entfernt, in dem Du jederzeit willkommen bist, solange, bis wir hoffentlich bald ein gemeinsames bauen! So, mein Schatz, würde ich es mir wünschen.“

Tja. Wünschen kann man sich viel. Er sagt, für ihn käme das nicht in Frage. Er sagt, er würde nicht alles hinter sich lassen, sein Leben, seine Existenz, sein Zuhause... um danach in einer fremden Stadt alleine zu sein. Bei mir nur zu Besuch.

Und was soll ich sagen – das verstehe ich auch. Also weiter im Job. Und wie gesagt, zum Glück muss ich jetzt arbeiten. Noch ein Ganztagsjob. Das wird es uns erleichtern, hoffe ich.

16.07.2006 um 23:31 Uhr

An Meer

von: Lapared

Heute war ich mit Jumior am Meer. Er hatte Amgst. Er hat stzämdig Angst. Ich darf ihm keim Schritt vom der Seite weichem, somst fängt er am zu weimen...

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Hab Jumior schwimmem geschickt. Emdlich mal eim paar Mimutem gamz für mich alleim ... .

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16.07.2006 um 22:40 Uhr

So nicht

von: Lapared

Sonne, Meer, eine leichte Brise…eine leichte Brise, die die Worte nimmt und hinausträgt auf´s Meer, das erste „So nicht, mein Schatz!“ nach 20 Tagen strikter Süßholzraspelpflicht. Man will ja nichts riskieren.

Als ich gestern Abend ins Schlafzimmer kam, lag er mit theatralisch vor die Augen geschlagenen Händen auf dem Bett. „Ja, die Risse in der Decke sind hässlich!“ reizte es mich zu sagen, aber raspelschuldig säuselte ich ein einfühlsames „Was ist denn los, mein Schatz?“ Dabei wusste ich sehr wohl, was war. Der Tag war schwer gewesen für Prinz Dick. Am Morgen hatte ich mich erstmalig nach der Wiedervereinigung kühn dem allmorgentlichen Geschlechtsakt entzogen, und am Nachmittag setzte ich keck einen drauf, als ich Zeit für mich allein einforderte und hinter meinen Rechner kroch. Harter Tobak, keine Frage.

„Es geht wieder los!“ knirschte D. nach diesem Tag hinter seinen Händchen. „Was?“ frage ich scheinheilig. „Dass ich diese Angst habe, Angst, dass Du mich nicht wirklich liebst...“

Oh. Das wollen wir natürlich nicht. Und überzeugen ihn flugs vom Gegenteil, indem wir uns beim allabendlichen Geschlechtsakt beschwichtigend reinknien. Heile, heile Schwänzchen...

Doch heute am Meer, als er den selben Knopf drückt, sobald ich mich statt ihm meiner Zeitschrift widme, platzt mir der Kragen: „So nicht, mein Schatz.“ Und er nach meiner etwa 40-minütigen Tirade: „Endlich! Endlich bist Du wieder Du selbst.“ – „Untersteh Dich, mir Deine infantile Scheiße als therapeutische Intervention zu verkaufen!“ – „Ein Versuch war´s wert!“ grinst er. Ich grinse nicht zurück.

So nicht, mein Schatz.