Anleitung zum Entlieben

15.07.2006 um 18:40 Uhr

Minenfeld

von: Lapared

In einer Wohnung, die zwei Menschen aus einem romantischen Impuls heraus gemeinsam zu bewohnen versuchen, nachdem einer dieser beiden Vernebelten dort zuvor sechs Jahre lang allein residiert hat, wimmelt es von Tretminen. Oder sagen wir besser Stoßminen.

Es gibt eine Badeordnung, eine Geschirrspülordnung, eine Bettmachordnung... hinter Glas, in kleinen gerahmten Fassungen hängen sie über der Toilette, über dem Bett, der Spüle, und obwohl die eine oder andere von ihnen schon zwanzig, dreißig Jahre alt ist, und das Papier, auf dem sie steht, vergilbt und fleckig, hat sie bisher niemand je gesehen, existierten sie doch bis gestern ritualisiert und vergessen nur im Unterbewusstsein des Allein-Bewohners und kommen nun – nachdem jener eine Zeit lang versuchte, sie unauffällig verschwinden zu lassen – mehr oder weniger plötzlich ans Licht. Nachdem man sich ihrer anfänglich mit entschuldigendem Lächeln leise entwindet (Schatz, würde es Dir viel ausmachen, wenn Du vielleicht bitte...), wird ihr Vortrag zunehmend schwungvoller (Schatz, könntest Du wohl...), bis sie im Zuge der Erschöpfung schlicht mit ungehemmten Kawumm explodieren („Teller links, Tassen rechts!“).

Was ist sagen will: Ausgelöst durch Stöße, Verstöße, gegen meine heilige Ordnung, die nicht mal ordentlich ist, nicht mal sinnreich, sondern eigentlich nur blöde Gewohnheit, kommt es zu vielen kleinen, mehr oder weniger schallgedämpften Knällchen. Ich weiß, wenn ich nicht aufpasse, kommt es irgendwann zum Knall. Aber ich passe auf. Ich passe auf. Ich passe auf.

Kurzum: Es bleibt anstrengend. Neu. Aber auch schön. Also... schön anstrengend.

Und Erleichterung naht, große Erleichterung. Ab Montag muss ich arbeiten, vier Wochen lang, erfahrungsgemäß mindestens 12 bis 14 Stunden am Tag. 12 bis 14 Stunden am Tag nicht aufpassen. Halleluja.