Anleitung zum Entlieben

18.07.2006 um 20:06 Uhr

Einfach mal die Klappe halten

von: Lapared

Im Rom der Antike war die Verdauung ein soziales Event. Man, und in der Antike war das in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz zufällig gleichzusetzen mit Mann, schiss gerne in Gesellschaft. In Gesellschaft und – das erscheint mir an dieser Stelle nicht unerheblich - unter freiem Himmel. Mein Badezimmer hat nicht mal ein Fenster. Einen tapferen kleinen Lüfter, aber kein Fenster. Wie kam ich jetzt darauf...?

Jedenfalls bringt der Umstand, dass ich jetzt täglich arbeitsbedingt zu einem bestimmten Zeitpunkt das Haus verlassen muss, verbunden mit der Tatsache, dass ich in der halben Stunde, die diesem Zeitpunkt vorausgeht, schrecklich gerne das Bad hoheitlich für mich beanspruchen würde, nicht ganz die Entspannung, die ich mir von meiner geregelten fünfzehnstündigen Abwesenheit für unsere Zusammenleben erhofft hatte. Es entstehen neue Minenfelder. Ich sehe nicht ein, warum er – um im Bild zu bleiben - seine Minen ausgerechnet in jener von mir so gerne ungestört beanspruchten halben Stunde abwerfen muss. Und er sieht nicht ein, dass ich explodiere, wenn er mich bittet, meine Körperkultur kurz zu unterbrechen, weil er zwischen acht und halbneun auch mal fünf Minuten ins Bad muss.

Das muss besprochen werden. Er steht hinter mir im Bad und schaut mir beim Schminken zu. „Nun ja, es ist so...", sage ich gequält näselnd wie Wendelin der chronisch eingeschnappte Elefant, „ich bin morgens gern ein bisschen für mich... Und ich persönlich kann nur sagen, dass meine eigenen Bedürfnisse selten so druckvoll sind, dass sie keinerlei Aufschub vertragen, also... Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass das bei anderen Menschen deutlich oberhalb von zwei Jahren anders ist.“ - „Entschuldigung.“ - „Der liebe Gott hat Dir einen gesunden Schließmuskel geschenkt!“ - „Entschuldigung! “ - „Nutze ihn!“ – „Ich habe mir den Magen verdorben, und wenn DU nicht so ignorant schnarchen würdest, hättest Du vielleicht heute Nacht schon mitgekriegt, dass es mir beschissen geht!“

Er hat vielleicht zu ungelegenen Zeitpunkten Stuhlgang. Aber ich entwickel mich langsam zum Arschloch. Ich wünschte, der liebe Gott hätte auch mir einen gesunden Schließmuskel geschenkt. Noch einen. Im Gesicht.