Vom Ex-Talk zum Sex-Talk
... ist es naturgemäß nicht weit.
„Mir fehlt der Geschlechtsverkehr...“ sag ich. „Wem fehlt der nicht...“ sagt meine Schwester.
Wer keinen Sex hat, will wenigstens darüber reden.
„Ich dachte, Paare heißen Paare, weil sie sich regelmäßig paaren.“ - „Lchen. Paare heißen Paare weil sie irgendwann dachten, sie wollten sich regelmäßig paaren.“ – „Trotzdem fehlt mir der Geschlechtsverkehr.“ – „Wenn du keine Beziehung hast, fehlt er dir. Wenn du eine Beziehung hast, fehlt er dir totsicher - zumindest wenn der erste Sturm und Drang vorbei ist...“ – „Und wenn der Sturm und Drang noch voll im Gange ist, denkst du oft: Oh Gott, schon wieder ficken, das hat mir noch gefehlt!“ – „Was sag ich... Geschlechtsverkehr fehlt immer.“
Noch lange sinne ich über die weisen Worte meiner Schwester nach. Stimmt das? Fehlt Geschlechtsverkehr immer? Hat mir der Geschlechtsverkehr früher je gefehlt?
In einer der ersten Folgen von Sex and the City offenbart Carrie ihrer Freundin Miranda, dass sie seit Tagen keinen Sex mit Big hatte. Genauer gesagt seit dem Tag, an dem sie im Bett von Big gefurzt hat. Und nach einer ausgiebigen Diskussion der Fragestellung, ob Furz und Sexflaute zwei unabhängige Ereignisse sind, zwischen denen nur zufällig eine zeitliche Parallelität besteht, oder ob Furz und Flaute möglicherweise in einem Kausalzusammenhang stehen, offenbart Miranda ihrerseits ein viel explosiveres Detail ihres Sexlebens: Dass sie seit 3 Monaten keins hat. Carrie reagiert erschüttert.
Und obwohl ich - so haben die Autoren es angelegt, sonst funktioniert die ganze Scheiße nicht - das Empfinden der Hauptperson in der Regel teile, erinnere ich mich, dass ich an dieser einen Stelle nicht ganz mitging. Was vielleicht nicht verwundert, wenn man berücksichtigt, dass ich selbst, als ich diese Folge zum ersten Mal sah, seit ungefähr 3 Jahren keinen Sex hatte, nicht in Gesellschaft, und ich weiß noch, wie ich dasaß, Puffreistaler aß und mich fragte, ob die darin eingeschlossene Luft eventuell auch bei mir zu Flatulenzen führen und mich in die sexuelle Flaute treiben könnte - vorausgesetzt, dass ich mich dort nicht schon seit Erfindung des Buchdrucks befände. Und ich erinnere mich, wie ich plötzlich diesen Gedanken in mein System kriechen spürte: Ich glaube, mir sollte was fehlen... Scheiße, aber mir fehlt nichts!
Es ist wirklich so, damals fehlte mir nichts. Also, warum zum Teufel fehlt es mir jetzt? Nach nicht mal 3 Monaten? Sind meine Maßstäbe durch jahrelange Hollywoodsozialisation endlich uneingeschränkt massenunterhaltungskompatibel? Bin ich, nachdem ich jede Folge zum xten Mal gesehen habe, komplett vercarriet? Oder, zumal es eigentlich eher erst 3 Wochen sind, sogar versamanthat? Befinde ich mich - spätreif wie in allem, was man nicht im Sitzen tut - erst jetzt in höchster sexueller Blüte? Oder fehlt es mir einfach nur, weil die letzten Beischlaferfahrungen so besonders angenehm waren?
Ich werde darüber nachdenken. Ich fürchte nur, davon wird es nicht gerade besser...
