Anleitung zum Entlieben

31.08.2006 um 20:03 Uhr

Vom Ex-Talk zum Sex-Talk

von: Lapared

... ist es naturgemäß nicht weit.

„Mir fehlt der Geschlechtsverkehr...“ sag ich. „Wem fehlt der nicht...“ sagt meine Schwester.

Wer keinen Sex hat, will wenigstens darüber reden.

„Ich dachte, Paare heißen Paare, weil sie sich regelmäßig paaren.“ - „Lchen. Paare heißen Paare weil sie irgendwann dachten, sie wollten sich regelmäßig paaren.“ – „Trotzdem fehlt mir der Geschlechtsverkehr.“ – „Wenn du keine Beziehung hast, fehlt er dir. Wenn du eine Beziehung hast, fehlt er dir totsicher - zumindest wenn der erste Sturm und Drang vorbei ist...“ – „Und wenn der Sturm und Drang noch voll im Gange ist, denkst du oft: Oh Gott, schon wieder ficken, das hat mir noch gefehlt!“ – „Was sag ich... Geschlechtsverkehr fehlt immer.“

Noch lange sinne ich über die weisen Worte meiner Schwester nach. Stimmt das? Fehlt Geschlechtsverkehr immer? Hat mir der Geschlechtsverkehr früher je gefehlt?

In einer der ersten Folgen von Sex and the City offenbart Carrie ihrer Freundin Miranda, dass sie seit Tagen keinen Sex mit Big hatte. Genauer gesagt seit dem Tag, an dem sie im Bett von Big gefurzt hat. Und nach einer ausgiebigen Diskussion der Fragestellung, ob Furz und Sexflaute zwei unabhängige Ereignisse sind, zwischen denen nur zufällig eine zeitliche Parallelität besteht, oder ob Furz und Flaute möglicherweise in einem Kausalzusammenhang stehen, offenbart Miranda ihrerseits ein viel explosiveres Detail ihres Sexlebens: Dass sie seit 3 Monaten keins hat. Carrie reagiert erschüttert.

Und obwohl ich - so haben die Autoren es angelegt, sonst funktioniert die ganze Scheiße nicht - das Empfinden der Hauptperson in der Regel teile, erinnere ich mich, dass ich an dieser einen Stelle nicht ganz mitging. Was vielleicht nicht verwundert, wenn man berücksichtigt, dass ich selbst, als ich diese Folge zum ersten Mal sah, seit ungefähr 3 Jahren keinen Sex hatte, nicht in Gesellschaft, und ich weiß noch, wie ich dasaß, Puffreistaler aß und mich fragte, ob die darin eingeschlossene Luft eventuell auch bei mir zu Flatulenzen führen und mich in die sexuelle Flaute treiben könnte - vorausgesetzt, dass ich mich dort nicht schon seit Erfindung des Buchdrucks befände. Und ich erinnere mich, wie ich plötzlich diesen Gedanken in mein System kriechen spürte: Ich glaube, mir sollte was fehlen... Scheiße, aber mir fehlt nichts!

Es ist wirklich so, damals fehlte mir nichts. Also, warum zum Teufel fehlt es mir jetzt? Nach nicht mal 3 Monaten? Sind meine Maßstäbe durch jahrelange Hollywoodsozialisation endlich uneingeschränkt massenunterhaltungskompatibel? Bin ich, nachdem ich jede Folge zum xten Mal gesehen habe, komplett vercarriet? Oder, zumal es eigentlich eher erst 3 Wochen sind, sogar versamanthat? Befinde ich mich - spätreif wie in allem, was man nicht im Sitzen tut - erst jetzt in höchster sexueller Blüte? Oder fehlt es mir einfach nur, weil die letzten Beischlaferfahrungen so besonders angenehm waren?

Ich werde darüber nachdenken. Ich fürchte nur, davon wird es nicht gerade besser...

31.08.2006 um 16:03 Uhr

Curd Rock - rehablitiert!

von: Lapared

Wisst Ihr noch Milliömchen? Heute vor gemau eimem Jahr, hat Lchem mihc zum Irrendoc gesschickt. MICH, dem gemialen Curd Rock! Wegem der kleime schwarzem Tulpemkäfer, die auf meimer Couch über mich hergefallem sind... Sie dachte, ich bilde mir die kleimen schwarzem Tulfpemkäfer nur eim.

Umd jetzt eim Jahr später, schickt sie sich selbst zum Irrendoc. Auch wegen der kleimen schwarzem Tulpemkäfer! Im dem Fragebogem vom Irreminstitut vom Irrendoc hat sie geschriebem, dass sie die nämlich selbst gesehem hat: kleime schwarzem Tulpfemkäfer. Ha! Aber immer erstmal dem armen kleimem Curd Rock vorschickem.

„Lchem“, sag ich, „DU hast die sshcwarzmen Tuplfemkäfer gesehem, ICH hab die schwarzmen Tupfemkäferchem gesehen, es GIBT die schwarzem Tulpfemkäferechen, wir simd nicht bekloppt!“ – „Ich weiß nicht, Curd“, sagt sie, „ich glaube, die schwarzen Tulpenkäfer sind nur ein Zeichen dafür, dass wir uns bedroht fühlen, wenn uns einer gern hat.“ – „ICH nicht! MICH habem Miilliömchen gern, Milliömchen! Sie verehrem mich! sie liebem mich! Umd ich fimde das keimeswegs bedrohlich somdern amgemessen.“ – „Aber Curd, die Milliömchen kommen auch nicht zu uns nachhause und sitzen auf Deiner Couch.“ – „Wenn sie Himbeertörtchen mitbrimgen?!“ – „Ach, Curd, Himbeertörtchem helfen da auch nicht.“ – „Wir brauchem keim Psychaiater, Lchem, wir brauchem eim Imsektemspray! Gegen die kleime Tulfpenkäferchen!“ - „Curd, ich fürchte, wir haben beide einen an der Mütze.“ – „Du vielleicht, Du sprichst mit eimer Fleecepuppe. Ich bim völlig mormal! Umd eim Gemie natrülich...“


30.08.2006 um 14:21 Uhr

Die Magie der Therapie

von: Lapared

Therapien helfen wirklich. Manche schon, es ist unglaublich, bevor sie angefangen haben.

Die Schnarchnase vor zwei Tagen war übrigens der einzige der Psychologen, die ich kontaktiert habe, der überhaupt reagiert hat (von dem ersten der Telefonate hatte ich stolz berichtet). Ein anderer, dessen Stimme mir eigentlich besser gefiel - er klang so wie die alte, die erste Synchronstimme von Columbo - wollte mich Freitag, allerspätestens Montag zurückrufen, „sobald er seine Kapazitäten überschaut“ – heute ist Mittwoch, offensichtlich ist er zu dem Ergebnis gelangt, dass seine Kapazitäten bereits mit dem vereinbarten Rückruf gesprengt würden. Was würde Mrs. Columbo dazu sagen!

Und dann war da noch diese Dame - eine Art Sekretärin schätze ich - von einem sehr renommierten Institut für Psychoanalyse. Sie versprach, mir umgehend einen Fragebogen zuzuschicken, nach dessen Rücksendung und fachkundiger Berurteilung die notwendigen Schritte unverzüglich eingeleitet werden könnten. „Unverzüglich“ und „umgehend“, damit war sie, wie von einer Dame, die so ein Institut repräsentiert und erste Anlaufstelle ist für Menschen in Seelennot, nicht anders zu erwarten, sehr sensibel auf mich und meine besondere Stimmung eingegangen, denn auch ihr hatte ich charmant aber druckvoll wie schon bei meinem ersten, hier zitierten Telefonat dargelegt, dass ich zwar nicht in akuter Not bin aber in einer schweren und damit historisch chancenreichen Krise. Und verdammt noch mal Privatpatient. Pronto, pronto.

Das war wie gesagt vor einer Woche. Zeit wiederum charmant aber druckvoll nachzufragen, wo den wohl der umgehend zugeschickte Fragebogen bleibt. Es ist immer gut, noch ein zweites Eisen im Feuer zu haben.

„Ach ja, Frau Lpunk!“ Na, immerhin erinnert sie sich noch an mich. „Ihren Fragebogen habe ich eben rausgeschickt.“ – „Na, das ging ja flott!“ sage ich, und als sie, weil ihre Sensibilität heute offensichtlich nicht so auf Zack ist, nicht die leise Ironie in meinen Worten spürt, setze ich hinzu, „Ich sehe, Sie nehmen die Nöte der Menschen, die Sie anrufen, wirklich ernst und versuchen sie möglichst schnell therapeutischer Hilfe zuzuführen.“ – „Wenn es so dringend ist, rufen Sie den therapeutischen Notdienst an, hier geht es nicht so schnell, ich habe auch noch andere Dinge zu tun!“ sagt sie, ihr eigener Ton deutet auf einen schweren Fall von Hysterie. Plötzlich fühle ich mich schrecklich müde. Muss ich mich erst umbringen wollen, um von einer Sekretärin soviel Engagement einfordern zu dürfen, binnen einer Woche eine Briefmarke anzulecken, auf einen Umschlag zu beppen und ihn in die Post zu geben? Ich hole gerade Luft, um sie genau das charmant aber druckvoll zu fragen... Klick, da hat sie aufgelegt, einfach aufgelegt. 

Ich bin Texter. Ich gönne mir das kleine Vergnügen und schreibe einen Brief.

Sehr geehrter Herr Dr. XY,

in der Pychotherapie geht es – soweit ich das beurteilen kann – viel um Bedürfnisse. Um Bedürfnisse und um den adäquaten Umgang damit.

Ich habe ein Bedürfnis, ein großes Bedürfnis. Ich weiß nicht ob mein Umgang damit adäquat ist und SIE könnten es mit sicher sagen, aber leider gestaltet es sich gerade dies - Ihren Rat persönlich in Anspruch zu nehmen – schwierig.
 
Das große Bedürfnis, von dem ich spreche, ist ein Bedürfnis, mich zu beschweren. Und zwar über eine Frau, eine Sekretärin. Sie ist, diesen Eindruck musste ich leider gewinnen, faul oder saublöd, denn sie braucht über eine Woche um mir einen Fragebogen zuzuschicken.

Ich wende mich an speziell an Sie, Herr Dr. XY, weil das Institut, an dem diese vermutlich sehr blöde Frau arbeitet, Ihren Namen trägt. Und ich dachte eigentlich, jedem an so einem Institut wär klar, dass man Menschen, für die eine Therapie vielleicht der letzte Strohhalm ist, nicht unnötig lange warten lässt.

Mit adäquat freundlichen Grüßen und der Hoffnung, bald persönlich mit Ihnen über meine Bedürfnisse zu plaudern

Lpunkt


Hach, schön. Ich liebe es zu schreiben. Der letzte Strohhalm, sehr gut. Nein, nein, abschicken werde ich den Brief natürlich nicht. Ich hol mir ein Stück Streuselkuchen, setze mich auf die Fensterbank, genieße meine Ruhe und denke... was soll eigentlich der ganze Scheiß?

Unglaublich, wie schnell Therapie helfen kann.

29.08.2006 um 19:39 Uhr

Sommerloch-Retrospektive

von: Lapared

Angesichts der aktuellen Ereignislosigkeit (ich esse, steppe, schlafe, esse, steppe, schlafe …) erlaube ich mir, was alle großen und kleinen Unterhaltungsbetriebe sich erlauben, wenn ihnen - z.B. im Sommerloch - das Material ausgeht. Eine Wiederholung. Oder vornehmer formuliert: eine Retrospektive.

Weil, wie gesagt, sonst nichts passiert (…esse, steppe, schlafe…). Und weil es so schön ist, mit dem Wissen von heute auf die Ereignisse von damals zurückzuschauen.

Zum Beispiel auf heute vor einem Jahr...


29.08.2005 um 22:41 Uhr

Dieser Holländer
von: Lapared

Nachdem er mich im Freibad kennengelernt hatte, ist er drei Tage lang bei Wind und Wetter immer wieder dorthin gegangen.


Er geht jeden Tag schwimmen. Warum hätte er meinetwegen damit aufhören sollen?

Er hat mir 18 SMS geschickt, die ich erst heute bekommen habe, nachdem ich meinen GPRS-Modus eingestellt habe.

18 SMS? Süß, wie schüchtern er am Anfang war.

Er ist 45, Professor, vertritt einige renommierte deutsche Künstler und handelt außerdem mit exklusiven Stühlen und Lampen. Er hat Geld, Häuser, hasst Hotels und zeltet eben einfach gern.

Er ist 46 und zeltet gern.

Er pendelt zwischen den Metropolen der Welt, besitzt gerne Kunst und liebt alles Schöne.

Die berühmten Metropolen Lapared und La Frau Gemahlin.

Er findet mich schön.

Und das bin ich. Schön blöd.

Er ist gestern nur meinetwegen von Amsterdam nach Hamburg gefahren und hat dann vier Stunden lang in einer Bar gesessen und gewartet.

Aber zum Glück hatte er die meiste Zeit Gesellschaft, seine Frau.

Er hat mir Geschenke mitgebracht (Tulpen und Tomaten – der Holländer ist witzig!).

Hach ja, ich hab noch viel gelacht...

Er hat pro Stunde mindestens 50 Mal „Du bisch schön!“ gesagt. Nach drei Stunden mit ihm hab ich mich gefühlt wie die wiedergeborene Grace Kelly.

Bei Anruf Mord kam ein paar Monate später. Zwölf Uhr Mittags, am 2. Mai.

Dann waren wir beim Thema Mr. und Mrs. Ex und ich erfuhr, dass seine Verflossene 63 war.

Kein Grund zur Besorgnis, Lchen, seine Frau ist dafür relativ jung.

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Kinder, Kinder, wie die Zeit vergeht. Nur der gemiale Curd Rock, der hat´s damals alles schon gewusst.

 

29.08.2005 um 23:04 Uhr

Sehr wizig
von: Lapared

Aus dne Tulfpen krabbfeln keleine schwarze Tiere!

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Lügen nennt man diese Tiere, großer, weiser Curd Rock.


28.08.2006 um 17:10 Uhr

Bon Voyage

von: Lapared

„Das ist gut!“ sagt meine Schwester, als ich ihr erzähle, dass ich dabei bin, jenem Impuls aufzulauern, der seit einigen Tagen regelmäßig in dieser blauen Minute unmittelbar vorm Einschlafen wie ein bis dahin stummer Cowboy plötzlich seinen Kopf hebt und mir von der anderen Seite des Tresen mit einem Glas Whisky in der Hand lallend zuprostet: „Auf Dich... ab morgen ändern wir Dein Leben, Baby!“ - „Das ist sehr gut!“ wiederholt meine Schwester nachdrücklich, „jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“ - „Findste?“ sage ich gerührt und gleichzeitig tief angewidert von so einer Sülze. „Ja, Du spürst Deinem Unbehagen nach, Du gehst ihm auf den Grund, das ist der erste Schritt!“ Meine eigene Schwester. „Aber wer geht heute schon noch zu Fuß, man greift zum Hörer, bestellt ein Taxi und fährt zum Flughafen... ich meine, irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mit Nachspüren und auf den Grund gehen nicht weiter komme.“ In der Tat ist es so, dass meine nächtlichen Impulse tagsüber schnarchend auf dem Rücken liegen. „Was ich sagen will... Ich glaub, so dauert die Reise zu lang, ich brauch´ den Turbo, ich brauch jemand, der mir in den Arsch tritt, ich glaub... ich mach ´ne Therapie! “ – „Super, das find ich toll! Fantastisch!“ – „Ja, fantastisch. Ich hab nur die Befürchtung… also vorhin, als ich am Telefon die Stimme von der Nase hörte...  dieses Bedächtige, Einfühlsame, Therapeutische! Was, wenn nun nicht er mir sondern ich ihm in den Arsch trete?! Weil ich das einfach nicht ertrage? Gilt das dann auch als erster Schritt?!“ – „Klar Lchen, alles was nach vorne gerichtet ist... wenn ER es nicht ist, dann vielleicht ein anderer, aber es ist ein erster Schritt!“

Er hat übrigens nur angerufen, um mir mitzuteilen, dass es mindestens noch 6 Wochen dauert. Der Turbo.

Aber vielleicht, denke ich plötzlich, geht´s ja gar nicht um Tempo, Zackigkeit, Dynamik. Sondern darum, herauszubekommen, wo es eigentlich hingehen soll. Ruhig und bedächtig. Vielleicht ist das die eigentliche Beschleunigung beim Reisen. Vielleicht ist der Typ gar nicht so übel?!

Und im selben Moment, in dem ich das denke, sehe ich da meinen inneren Cowboy, am helllichten Tag, mit einem Glas Apfelschorle in der Hand. Ein Grund mehr oder weniger zur Therapie?

26.08.2006 um 19:05 Uhr

Am Meer

von: Lapared

Curd Rock und ich waren ein bisschen am Meer. „Mensch, Curd Rock“ sag ich, „was für ein Jahr! Der schwere Abschied von 119, der lange Kampf gegen Dick, der lange Kampf um Dick... und alles verloren.“ – „Frag mihc mal, Dich gibt es weningstems noch, Du bist noch da! Ich bin bald nur noch Erimmerung.“ – „Aber Du warst toll, Curd Rock, ich hatte so viel Spaß mir Dir! Du warst fast das Beste an diesem Jahr!“ – „FAST???“ - „Weißt Du noch im Oktober in Amsterdam, Du mit den Holzschühchen!“ – „Scheißdimger!“ – „Und Sylvester im Hotel New York? Wir hatten so viele Hoffnungen!“ – „Ich nihtt, ich war nur bekifft!“ – „Und Ostern… Deine Eierchen, lauter kleine Curd Rocks!?“ – „Ach, ja, meim Eierchen... köstelich!“ – „Die hatte ER für Dich bemalt. Und jetzt ruft er nicht mal an meinem Geburtstag an.“ – „Doch hat er, aber ich habe im Muschel gepupst umd aufgelegt, höm, höm!“ – „Das hast Du nicht!?“ – „Hab ihc doch!“ – „Wann?“ – „Kurz nachden 119 angerufem hat!“ – „Ach, der hat auch angerufen? Hast Du bei dem auch in die Muschel gepupst?“ – „Ja, aber für ihm hab ich eim Melodie gepupst, weil er mich gekauft aht: Moon River.“ – „ Ach Curdchen, Du alter Romantiker...“ - „Simd wir jetzt wieder alleim?“ – „Ja, Curdchen, wir sind allein, nur Du und ich.“ – „Herzlichme Glückwumsch, Lchem.“

26.08.2006 um 18:06 Uhr

Dankeschön

von: Lapared

Drei Ex-Freunde, zwei Chefs, eine Nachbarshund und Paris Hilton. In meiner neuen Profession kann ich mich vor Aufträgen kaum retten. Ein herzliches Dankeschön allen, die mir in dieser Angelegenheit vertraulich geschrieben haben. Was gibt´s Schöneres an einem Geburtstag, als die Einsicht, dass die besten Jahre noch kommen. Zumindest geschäftlich.

Gefreut habe ich mich aber auch über jene, die in offenen Kommentaren einfach nur gratuliert haben. Vielen herzlichen Dank.

25.08.2006 um 22:52 Uhr

Curd Rock – eime hochkrarätige Gesellschaft

von: Lapared

Sie lügt. Sie wollte nur auf die Trämendrüse drücken. Sie ist gar nicht alleim. Es ist jemamd bei irh. Und nicht irgemdwer., neim, neim. Der berühnte, der legemdäre Curd Rock, Maeler, Bildhauer, Poet, Gemie... Wer hat schom so viele hochkrarätige Geburtstagsgäste?

Morgem werde ich darauf bestehem, dass sie mit mir ams Meer fährt. Mir persömlich ist das Meer ja egal. Total schmuppe. Aber ich weiß, dass SIE drauf steht. Da nehme ich, selbstlos wie ich bim, die Starpaze germe auf mich.

Vielleicht bleibem wir ja eim paar Tage... höm.

 

25.08.2006 um 20:55 Uhr

Neuausrichtung

von: Lapared

Es sind häufig die Geburtstage, an denen einem klar wird, wie man so im Großen und Ganzen so insgesamt so dasteht. Pierce Brosnan zum Beispiel als Profikiller Julian Noble in The Matador sitzt an einem Geburtstag irgendwo jenseits der Fünfzig nach einem eigentlich noch recht passablen Kopfschuss ausgebrannt und unzufrieden in seiner Hotelsuite in Mexiko City. Allein. Und nachdem er einige Nummern aus seinem Adressbuch angerufen hat, das im Wesentlichen Anschriften von Schnellreinigungen enthält und ein paar Frauennamen nach Haarfarben sortiert, feiert er seinen Ehrentag mit einer ordentlichen Sause im Puff. Sein Burnout-Syndrom wird dadurch nicht wesentlich gemildert.
 
Julian Noble geht freilich einer Profession nach, die ihn sozial isoliert. Als „Vermittler für Todesfälle“ – wie er selbst es nennt – macht man sich in der Regel nicht sehr beliebt. Aber was ist meine Entschuldigung? Ich bin Werber, professionell witzig, unterhaltsam, kommunikativ. Noch dazu bin ich jünger, viel jünger. Und habe Titten. Warum also werde ich an meinem Geburtstag alleine da sitzen? Denn so wird es sein, morgen, an meinem Geburtstag, werde ich alleine sein. Ja, ja. Und beim Sichten meines Adressbuches werde ich feststellen, dass ich nicht nur keine Freunde habe, sondern nicht mal ein Adressbuch.

Ich glaube, ich muss mein Leben ändern. Ich glaube, irgendwas läuft falsch. Ich glaube, ich muss in den nächsten Jahren etwas grundsätzlich anders machen. Ich glaube, ich werde Profikiller.

Der Beruf passt besser zu mir.

24.08.2006 um 21:31 Uhr

Ex-Talk

von: Lapared

Eigentlich rede ich ja nicht mehr von ihm.

„Heute Nacht habe ich geträumt, ich wäre mit Pierre Price über den Rhein geschwommen...“

Um meiner Schwester meine allerdings fast täglichen Rückfälle ein wenig angenehmer zu gestalten, ersetze ich Dicks Namen beim Ex-Talk inzwischen durch den ihrer ersten großen Liebe. Sie schaltet dann ab und schwelgt in Erinnerungen, während ich selbst in aller psychohygienisch notwendigen Breite erzähle. Das funktioniert ganz wunderbar.

„Erstens: Die Bedeutung Deines Traums liegt auf der Hand: Von so einem Kerl kriegst Du Ausschlag. Und zweitens: Lass Winnetou da raus.“

Meistens.

„Wir sind erst hin geschwommen…“ – „Und dann, lass mich raten, wieder zurück!?“ – „Genau.“ - „Also unsinnig war es außerdem. Wenn du noch mal im Traum über den Rhein schwimmst, möchte ich, dass am anderen Ufer mindestens George Clooney auf Dich wartet. Nackt.“ Vom Idianerhäuptling zum Kinderarzt, 35 Jahre haben ihren Geschmack im Bezug auf Männer reifen lassen.

„Nein, niemand hat am anderen Ufer gewartet es war... nur so.“ - „Nur so? Nur so ist doch schön. Ich hab schon befürchtet, Du denkst, der Traum bedeutet, dass Ihr gemeinsam alle Hindernisse überwindet oder so.“ - „Nein, er bedeutet nichts... nichts Symbolisches.“ – „Ich liebe Deinen klaren, unbestechlichen Verstand.“ - „Er bedeutet, dass wir über den Rhein geschwommen sind. Ich meine... wir sind über den Rhein geschwommen. Es war eigentlich gar kein Traum, mehr eine Erinnerung, aber eben im Schlaf.“ – „Wie bitte? Als Symbolik ist das ja noch entschuldbar, aber warum um Himmels willen schwimmt Ihr in Wirklichkeit durch dieses Brühe.“ – „Aus Spaß... Und um einander zu zeigen, dass wir gemeinsam Hindernisse überwinden - ist das nicht wahnsinnig romantisch?“ – „Wahnsinnig ja, romantisch nur, wenn Ihr Kerzen und einen Stehgeiger dabei hattet, was ich nicht annehme.“ - „Komm...“ – „Und außerdem! Das ist wieder SO typisch! Gemeinsam Hindernisse überwinden, gemeinsam Hindernisse überwinden... mit dem einen Unterschied, dass es für IHN ein gemeinsamer Klacks war, weil er quasi Profischwimmer ist, und für DICH als Badeente, die sonst nur Pools und Badewannen kennt, faktisch Lebensgefahr!“ – „So kann man das nicht...“ - „Für ihn ist das alles vertraut, er ist in seinem Element, und Du springst ins unbekannte Wasser!“ – „Nein, also, so kannst Du das wirklich nicht...“ - „Er hat immer mit einem anderen Menschen zusammengelebt, für Dich war das alles ganz neu!“ – „Stop!“ – „Warum habt Ihr Euch nicht gemeinsam durch die Speisekarte von Burger King gefressen, dass wäre für ihn eine Herausforderung gewesen und für Dich ein Spaziergang?!“ – „Weil der Campingplatz am Rhein lag und nicht neben Burger King!“ – „Warum habt Ihr es nicht erst mal mit einer Wochenendbeziehung versucht, das wäre für Dich normal gewesen und für ihn was Neues!? Und Du! Rindvieh! Schwimmst mit ihm durch den Rhein!“ - „Na ja... Es war auch für mich nicht sooo eine Herausforderung... was ich vielleicht erwähnen sollte... also der Rhein… der Rhein war an der Stelle ungefähr zehn Meter breit.“

Auch das ist so wunderbar an meine Schwester. Sie weiß einfach, wann sie sich verrannt hat. Und schlendert - erhobenen Hauptes das Handtäschchen schlenkernd - ohne jede Eile zurück.

„Egal, Rhein bleibt Rhein. Zurück zu Pierre Price, was habt Ihr zwei denn noch alles so gemacht...“

23.08.2006 um 21:46 Uhr

75,4 Zentimeter Selbstdistanz

von: Lapared

Es ist ja so. Und ich sage es nicht gern. Aber ich habe ein wirklich ausgeprägtes Interesse an mir selbst. Da mein Blog ansonsten schwerpunktmäßig um soziale, humanitäre und politische Themen kreist, war es mir ein Anliegen, das einfach mal ehrlich zu bemerken.

Seit Anfang der Woche arbeite ich zudem nicht mehr. Nicht, dass mich die Arbeit interessiert hätte, aber zumindest hatte sie mich beschäftigt. Jetzt habe ich den ganzen Tag Zeit. Und während - wie stets nach mehr als 24 Stunden Pause - schwarze „To Dos“ von meiner never ending To-Do-Liste wie Geier über mir kreisen, kreise ich – ich kann einfach nicht anders, ich bin so interessant – wieder mal nur um mich selbst.

Was neu ist: Während mich bis vor Kurzem vorrangig meine schillernde Innenwelt in meinen Bann zog - packende Zwangsgedanken, emotionale Exzesse, kultivierte Neurosen - interessiere ich mich neuerdings vor allem von außen.

Ich habe wieder angefangen zu fotografieren. Dabei habe ich den großen, den unvergessenen Curd Rock als mein Lieblingsmotiv abgelöst. (Wiie bitte???) Das Tolle an mir: Ich muss, um mich zu fotografieren, nicht weit laufen. Ich muss auch nicht aus dem Haus, das ist mir bekanntlich ein Gräuel. Und: Ich mache als Motiv Sinn, mehr Sinn noch als Curd Rock, denn mich gibt es ja bald nicht mehr, nicht so. Curd Rock hingegen – wenn er sich vor den Motten hütet und sich ein bisschen gerade hält - ist auch in 50 Jahren noch schön wie eh und je. (Da hst sie recht!)

Nein, Sie müssen nicht die Küstenwache informieren. Sehr freundlich, auch nicht den DLRG. Die Gefahr, dass ich wie Genosse Narziss in meinem eigenen Spiegelbild ersaufe, ist gering. Verlieben werde ich mich in Fotos von mir ganz sicher nicht.

Fasziniert bin ich allerdings. Weil sie, obwohl aus nur einer Armlänge Entfernung gemacht, von meinem Selbstbild unendlich weit abweichen. Auf den Fotos bin ich dünn. Richtig wirklich dünn. Mehr noch. Mit 75,4 Zentimetern Selbstdistanz gesehen – so lang ist, ich hab´s gemessen, mein Arm - bin ich das, was ich in meinen eigenen Augen noch nie gewesen bin: dünn genug.

Kein Therapeut, kein Liebhaber, nicht mal Dr. G., Therapeut UND Liebhaber, konnte mir das je vermitteln. Aber der lange Arm der Lapared hat´s geschafft. Dünn genug.

Das hätten wir also endlich. Ob ich ihn als therapeutische Interventionsmethode patentieren lassen kann?

22.08.2006 um 20:41 Uhr

Curd Rock - blickt zuruck

von: Lapared

Liebe Milliömchen,

heute vor eim Jahr habe ich zum erstem Mal das Meer gesehem. Ich war noch gamz klein, eim Baby, umd ich lief splitternackt herum, ohme Mütze.

Umd Ihr, meine liebe Milliömchen, ihr wart damals auch noch gamz kleim. Wir warem am Strand vom Barcelona, der kleime Curd Rock umd die kleimen Milliömchen, zusammen habem wir das große, große Meer gesehen. Ach das war schöm...

Ob wir je wieder zusammen am Meer seim können? Seit Lchem keime Bilder mehr vom mir zeigen kann, erlebe ich gar nichts mehr. Keine Reisem, keine Ausflüge, meimen Pool hab ich seit Wochem nicht gesehem. Irgemdwie fühle ich mich wie... tot.

Ach Milliömchen, warum fumktiomiert das denm nicht mehr mit dem Fotos? Ist Lchem wieder mal zu doof?



22.08.2006 um 19:26 Uhr

Krise

von: Lapared

Mein Leben ist momentan ein großer Scheißhaufen und ich brauche jemanden, der mir sagt, wie fantastisch das ist. Weil das bedeutet, ich bin in einer Krise, und jede Krise ist eine Chance, eine Chance zur Veränderung, ich entwickle mich, ich werde größer, die negativen Empfindungen sind nur Wachstumsschmerzen... hurra. Leute, die behaupten, dass Scheißhaufen toll sind, heißen Psychologen, sie werden dafür bezahlt.

„Ja, guten Tag, ich würde gern einen Termin machen, für eine… Probesitzung.“ - „Gern, allerdings beträgt die Wartezeit momentan vier Monate.“ – „Verstehe, aber ich stecke in einer Krise. In vier Monaten ist sie vielleicht vorbei und damit auch die Chance auf Veränderung, Weiterentwicklung, Wachstum! In vier Monaten habe ich mich in der Scheiße häuslich eingerichtet, das wollen wir doch nicht, hm?!“ – „Ich könnte Ihnen die Nummer des psychologischen Notdienstes geben...“ – „Ich bin nicht ich in Not, ich habe eine Krise.“  – „Der psychologische Notdienst…“ – „Ich bin kein Wurm, ich bin im Wachstum!“ –  „Der psychologische Notdienst…“ – „Ich habe einen Grafen als Kardiologen, ich hatte den Mercedes unter den Spiralen, wenn ich nun stattdessen einen Therapeuten brauche, nehme ich garantiert keinen Volkswagen! Ich bin Privatpatient. “  - „Privatpatient. Da beträgt die Wartezeit vier Wochen. Wo liegt denn Ihr Problem?“  - „Auf dem Sofa. ICH bin mein Problem, ich mache mir das Leben schwer.“ – „Aha. Und in welcher Form... so ungefähr?“ – „In jeglicher Form. Ich mache aus allem ein Problem, ich kann nicht mal ohne Probleme Käsekuchen essen.“ – „Sie meinen, Sie haben Essstörungen?“  – „Ich verliebe mich stets in Arschgeigen.“ – „Sie meinen, Sie haben Beziehungsstörungen?“ – „Und ich habe aufsteigendes Leber-Chi.“  - „Sie meinen...?“ –  „Bluthochdruck. Bluthochdruck, für den ich zu jung und zu dünn bin, zu jung und zu dünn, und für den auch mein Graf keine Ursache findet.“ – „Schön. Auf den Adel sollte man meiner Meinung nach ohnehin nicht mehr setzen. Ich schicke Ihnen einen Fragebogen zu und rufe Sie dann an. So in drei, vier Wochen.“

Toll! Toll... ich spüre schon, wie ich wachse.


21.08.2006 um 22:47 Uhr

Macher und Zuschauer

von: Lapared

Ein angenehmer Nebeneffekt meines Bluthochdrucks ist, dass ich geradezu berste vor Energie. Berste. Ein Nebeneffekt der Energie ist, dass sie mein charmantes phlegmatisches Wesen, das fürs Bersten nicht ausgelegt ist, unangenehm stört. Ich kann damit nichts anfangen. Ich weiß, ich sollte sie nehmen und in konstruktive Bahnen lenken, sollte mein Leben neu aufstellen, wachsen, mich entwickeln, bedrohte Singvögel retten, tirili. Stattdessen fühle ich mich wie ein aufgeblasener Luftballon, aus dem die Luft entweicht und der im Zickzackkurs durch den Salon schießt.

Zum Glück weiß ich, wer mir helfen kann. Er hilft mir immer, wenn Energie mein Phlegma hemmt: Der Stepper, mein Freund, mein Retter. Da stehe ich dann und strampel und trete wie der Frosch in der Milch. Zwei, manchmal drei Stunden am Tag. Dabei sehe ich Filme, werde endlich ruhig, weil ich mich bewege, vergesse die Singvögel und warte, dass unter mir Butter wird. Erlaubt ist, was funktioniert.

Nur manchmal, wenn ein Film gut ist, fällt mir wieder ein, dass ich das ja auch mal wollte: Filme machen. „Wenn man Ihnen zusieht, möchte man nicht glauben, dass Sie unter Millionen Spermien das Schnellste waren!“ (aus Der rote Kakadu), “Der Traualtar heißt Altar, weil dort Opfer gebracht werden. Menschenopfer!“ (aus A good Woman)... manchmal reicht auch ein besonders blöder Spruch. Aber dafür, fürs Filmemachen und so, fehlt mir irgendwie… die Energie.

Was soll´s, es gibt Macher und es gibt Zuschauer. Wenigstens bleibe ich schlank.


20.08.2006 um 21:46 Uhr

Emotionale Rossbreiten

von: Lapared

„Das regeneriert sich!“ sagt meine Schwester, als ich ihr von meinem hormonellen Einbruch berichte. „Ich fürchte!“ sage ich, „Gottes größte Gemeinheit: Schenkt uns Erfahrungen, die uns nichts nützen, weil die kleinste Hoffnung am Ende stärker wirkt als der dickste Haufen Verstand.“ – „Na siehste, Du weißt doch selbst, wie´s läuft.“ – „Ich fürchte es nur.“ - „Nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Enjoy the silence.“

Später rufe ich noch mal an.

„Und wenn das jetzt so was wie emotionale Rossbreiten sind? Ich meine, der Mann war wirklich sehr nett, eigentlich, und gutaussehend und...“ – „Die WAS?“

(Lernen mit Lapared: Die Rossbreiten verdanken ihren Namen Seeleuten, die auf ihren Segelschiffen Pferde aus Spanien transportierten. Da es sich dabei um nahezu windlose Gebiete handelt, saßen die Schiffe oft wochenlang in der Flaute fest. Die wegen des Futtermangels verendeten Pferde wurden über Bord geworfen, wodurch das Meer mit Pferdekadavern übersät war.)

„Du meinst Windstille bis zum Verrecken?“ resümiert meine Schwester nach entsprechender Aufklärung. „Du bringst es immer so toll auf den Punkt.“ - „Also, wenn Du mich fragst... Ich glaube, wenn überhaupt steckst Du noch in den Dickbreiten.“ - „Ich hab ihn doch über Bord geworfen...“ – „Ja, Lchen, aber deshalb kommt noch lange kein Wind auf, noch lange lange lange nicht.“ - „Und noch dazu bist Du immer so optimistisch.“

20.08.2006 um 18:16 Uhr

Die Ruhe nach dem Sturm

von: Lapared

Vorhin ist mir was Merkwürdiges passiert.

Es regnet, kein Freibadwetter also, ein perfekter Tag fürs Freibad, denke ich, kein Schwanz da. Ich tuckere so meine Bahnen entlang, sinne nach, wie das alles passieren konnte, was hier begonnen hatte, vor genau einem Jahr und einem Tag, und heule ein bisschen in das Wasser, dessen Saison nun auch schon wieder zu Ende geht, das bald für die Badegäste gesperrt und dann grün und später braun werden wird, das im Winter Eis und Schnee bedecken werden und das schließlich im Frühjahr von einem Mann in blauem Overall abgelassen und vom Fluss mit zum großen Meer genommen wird. Gell, Curdchen, das kennen wir alles schon. Diesmal werden wir ihm nicht winken. Das hatten wir alles schon.

„Ich schwimme auch lieber in Salzwasser!“

Seine Stimme ist schön und sein Lächeln warm, und was sonst noch aus dem Wasser guckt, sieht auch nicht übel aus. Schniefend tuckere ich weiter.

„Kann ich was für Sie tun?“

Er tuckert mit.

„Haben Sie zufällig ein Taschentuch?“

Er lacht, tolle Zähne.

„Schade, sonst brauche ich nämlich nichts.“

Eigentlich war es nur so dahin gesagt. Doch plötzlich habe ich das Gefühl, genau so ist es. Ich sehe ihn an, ich stelle mir vor, wie es wäre, vielleicht mit ihm auszugehen, vielleicht mit ihm ins Bett zu gehen, vielleicht mit ihm an einem Meer entlang zu gehen. Und ich stelle fest: Merkwürdig, außer einem Taschentuch will ich wirklich nichts.

Augenblicklich wird es leise, still, kein Heulen weit und breit. Endlich ist sie da. Die Ruhe nach dem Sturm.


19.08.2006 um 22:27 Uhr

Ein Jahr danach

von: Lapared

Und um meine kleine Arzt-Trilogie abzuschließen. Bei der Gynäkologin war ich gestern übrigens auch noch. Mercedes wieder raus. So hatte sie sie genannt. Den Mercedes unter den Spiralen. So ein neumodisches, sauteures Hormonteil, dem ich nicht nur verdanke, dass dem Summer of Love kein Sozialhilfelife of Alleinerziehung folgt… und dass das Campingabenteuer - ohne die hormonell vereitelte Zeltzeugung - nicht von 20 weiteren Jahren Gemeinschaftsdusche gekrönt wird (zusammen mit Campino oder Campina, wie ich den Mitduscher, stets originell, vermutlich genannt hätte)…  sondern – wer den Faden verloren hat: es geht noch um die Spirale – ich verdanke ihr auch, dass ich seit acht Wochen – sorry Jungs, Frauenthema – dauermenstruiere. Ja, ja, die Menschen bringen alles durcheinander. Läuft und läuft und läuft war ein Slogan von Volkswagen. Nicht von Mercedes.

Ich also hin und raus das Teil. Brauchen wir ja jetzt nicht mehr, gell?! „Wo ist Ihr Hintern?“ fragt die Ärztin, als ich mich einmal mehr freimache. „Wieder in Holland. Es hat nicht geklappt. Und Sie dürfen ihn ruhig Arsch nennen!“  antworte ich. Als ich in ihr irritiertes Gesicht sah, wurde mir klar, dass es wohl Zeit wird, wieder zu essen.

Tja, und da sind wir nun. Ein Jahr danach. Genau ein Jahr ist es nämlich heute her, dass ich ihn kennengelernt habe. Bei einem Freibadbesuch am späten Nachmittag des 19. August 2005. Gewürdigt in einem nächtlichen Eintrag in den ersten Minuten des 20. August 2005. Also, da wären wir wieder... Man beseitigt die Spuren, man verarztet sich. Das Leben geht weiter.

Auch heute war wieder schönstes Freibadwetter. Aber ich hatte ja dieses Teil, dieses Dauerdingsbums und ich wollte nicht, dass alle mich mitleidig angucken und Kinder sagen: Schau mal Mutti, die arme Frau da, mit dem komplett veralteten MP3-Player! Na, jedenfalls... ich bin heute lieber zuhause geblieben. 

19.08.2006 um 00:29 Uhr

Curd Rock - gegem das Vergessem

von: Lapared

Sie schnurrt aller 10 Mimuten. Erst schnurrt sie umd dann piept sie. Sie sagt, dass wäre eim Langzeit... Langzeit... Dimgsbums. Aber ich glaube ihr nicht. Ich glaube, sie ist eim Bombe. Ich glaube, sie wird gleich explodeirem. Nicht nur immendrim, auch draußen.

Ich werde mich jetzt evakuierem.

P.S. Ich weiß, dass ich ohme Fotos lamgweilig bim. Aber Ihr dürft mich trotzdem nicht vergessen, Milliömchen, Ihr dürft mich trotzdem nicht vergessem...



 



18.08.2006 um 22:05 Uhr

Mein Mann

von: Lapared

Das nenn ich mal einen Arzt! Graue Schläfen. Aristokratische Erscheinung. Und RRRRrrrrrrrrrrrrrrr... diese sexy melancholische Abgeklärtheit. Die sanfte, fast zärtliche Stimme… Die dunkel schimmernden Augen. Augen, bei denen man sich unweigerlich die Frage stellt: Was mögen sie schon alles gesehen haben? Wie viele unschuldige Babys mit Vorhofflimmern, wie viele junge, blühende Leben bedroht von Durchblutungsstörungen der Koronararterien, und vor allem... wie viel hoffnungslos verschlagene Golfbälle, die einfach für immer ins Nichts verschwanden. Ich fass es nicht, der Mann sieht aus wie aus einem Chefarzt-Casting für eine Pilcherverfilmung. Unterm Kittel trägt er bestimmt einen dunkelblauen Zweireiher mit Goldknöpfen.

Ein Graf. Im Ernst. Graf.

Ich habe nichts gegen Menschen, die schon durch Geburt was Besseres sind. Ein goldener Löffel im Arsch? Warum nicht, wer´s tragen kann! Und dieser Graf hat es ja trotzdem zu was gebracht. „Interessieren Sie sich aus familiären Gründen für Kardiologie?“ eröffne ich freundschaftlich, „Ich meine, wenn man in dem Bewusstsein aufwächst, blaues Blut zu haben...?“ – „Machen Sie sich bitte frei.“ – „Gern. Also sind arterielle Erkrankungen bei Blaublütigen nicht häufiger?“ - „Eher seltener, aber das hat vermutlich mit den Lebensumständen zu tun, nicht mit dem Blut.“ – „Ihr trinkt nicht so viel Cola und esst weniger Chips.“ – „Hat Ihre Ärztin gesagt, Sie sollen nicht so viel Chips essen?“ – „Nein, sie hat gesagt, ich soll nicht so viel runterschlucken.“ – „Sie haben einen Blutdruck von 110 : 100.“ – „Toll! Toll, dann ist er ja wieder unten.“ – „Nun...“ - „Sehen Sie, es wirkt! Früher hätte ich mir nämlich so alberne Blaues-Blut-Scherze verkniffen!“ – „Hören Sie. Ihr oberer Wert, also der, der eigentlich oben sein sollte, und Ihr unterer Wert, der, der eigentlich unten sein sollte, sie liegen viel zu nah beieinander, viel zu nah.“ - „Ich komme aus einem sozialdemokratischen Elternhaus, stets um Nivellierung und Ausgleich bemüht, sicher liegt´s daran.“ – „Das gefällt mir nicht.“ - „Könnten Sie Ihre politischen Ansichten bitte außen vor lassen, wir haben einen Blutdruck zu heilen!“ - „Frau L., halten Sie das hier eigentlich alles für einen riesen Spaß?“ SCHLUCK. Hach, wie ernst er jetzt guckt. „Nein.“

Der Graf hat sich dann noch eingehend mit mir beschäftigt. Ein toller Arzt. Er sagt, wir müssen die Ursache finden. Er sagt, ich sei zu jung und zu dünn für Bluthochdruck. Zu jung und zu dünn. Zu JUNG und zu DÜNN. Endlich... mein Mann.






17.08.2006 um 20:55 Uhr

Stiefelchen

von: Lapared


Und es hat ja auch alles Vorteile.

Oder umgekehrt: Wenn man sich mit dem Mann seines Herzens wie man so sagt eine Existenz aufbauen will, und dieser Mann ist zufällig ein ganz armer Schlucker, dann ist es – hach nee, wie schön - wohl Liebe... muss es wohl sein... aber mit den feinen Stiefelchen und den teuren Bikinis und den verbrecherisch überzahlten Antifaltencremes ist es vorbei. Also, der Vorteil: Hurra, meine Kohle gehört wieder mir! Ich kann sie wieder für jeden Scheiß auf den Kopp hauen. Ich pfeife auf Haus und Hund, flaniere mit den ersten Stiefelchen der Saison die Milchschaummeile entlang und habe auch ohne Existenz durchaus das Gefühl zu existieren, jedenfalls bemerke nicht nur ICH mich, sondern – hoho! - auch andere. Und wem es jetzt in den Fingern juckt zu kommentieren, dass ich so möglicherweise nie jemanden finde, der sich für mein berückendes Wesen und meine innere Werte interessiert... das stimmt. Aber... das riskiere ich. Ich denke nämlich, ohne Stiefelchen stehen die Chancen auch nicht besser. Sei denn, ich hänge mir ein Schild um: Trage scheiß Schuhe um Ihren Blick nicht von meinen bezaubernden Charakter abzulenken. Das ginge vielleicht.

Da fällt mir wieder ein... Dick sagte oft, ich sei behindert. Er meinte, ich hätte schlechtere Chancen als andere, im Leben glücklich zu werden, da mir durch mein Äußeres eher Blicke als aufrichtig liebende Herzen zufliegen würden. Damals wusste ich noch nicht, dass er aus eigener Erfahrung spricht. Im Gegenteil, ich fand es rührend. Ich fand es eine originelle, und von tiefer Kenntnis meines Wesens zeugende Art, mir ein Kompliment zu machen. Inhaltlich hielt ich es für kompletten Schwachsinn (ich verfechte die gewagte These, dass auch der Mensch, dem irgendwann mein supergeiler Charakter die Sinne raubt, mich zunächst mal bemerken muss) aber ich würdigte sein Bemühen, eine wohltuende Schmeichelei so beschissen zu verpacken, dass ich sie annehmen kann. Denn es ist ja so: Ein stinknormales „Du bist hübsch“ wäre an meinem Trommelfell abgeprallt wie ein Flummi von Panzerglas, bis zur Großhirnrinde wäre es nicht annähernd gedrungen. Aber ein „Du bist behindert“, das ging rein, wie durch Butter.

Wie war ich jetzt darauf gekommen? Ach so... Ich glaube, ich wollte nur sagen, dass ich mich wieder hübsch mache und mir schöne Sachen kaufe und das mache ich natürlich wie jede Frau nur für mich. Und für den zukünftigen Mann, der mich aufrichtig, absolut nicht wegen der Stiefel sondern um meines prächtigen Charakters willen lieben wird, aber sonst gar nicht von seinem Lattedingsbums hochgeschaut hätte. So.

(P.S. Hab ich´s gesagt oder hab ich´s gesagt: Sie kommen zu mir zurück...)