Entnulpen
Aber das eigentlich Interessante an dem Arztbesuch habe
ich noch gar nicht erzählt. Herr Dr. Gellerhaupt, der mich – wir erinnern uns –
zärtlich seine Lieblingshypertonie nennt, muss sich jetzt ein anderes dummes
Hochdruckhäschen für seine Druckmanschette suchen. Ich will es nicht mehr sein.
Tja, wenn man einmal anfängt. (Hier wäre ein Absatz wirklich, wirklich schön,
aber ich schreibe das nicht, weil ich mich darüber aufrege, bei einem
systolischen Wert von 200 überlegt man sich gut, ob Aufregung wirklich nötig ist, nein, ich denke, die Absätze kehren irgendwann von ganz allein zu mir zurück.
Verdammte Scheiße, ABSATZ.) Jedenfalls... Wenn man den Trick erst mal raus hat,
geht´s wie Eier köpfen. Dann ist das Trennen plötzlich nur ein Klacks. Er
sagte: „Die Ursache für den hohen Blutdruck finden wir nie, nehmen Sie einfach
mehr von den Tabletten.“ Ich sagte:
„Ungern, aber ich nehme gern das Branchenbuch und guck nach einem anderen
Arzt.“ Zack! Entnulpen nenne ich
das. Von nun an werde ich mein Leben ENTNULPEN. Idioten, Arschgeigen und
Nulpen, egal wie charmant, kommen darin nicht mehr vor. Ha! (Absatz) Und heute,
keine 24 Stunden später, hatte ich bereits einen neuen Termin. Einem
Privatpatienten mit einem Blutdruck von 200 : 150 rollt man – ich wusste es
doch – überall den roten Teppich aus. Überall, nur eben nicht bei Dr.
Schwul-ist-so-cool-Gellerhaupt, bei dem man als Nicht-Aidsinfizierter – privat
oder nicht – Patient zweiter Klasse ist. Bagatellerkrankung. Quasi-Hypochonder. Ach, aber wie schön war es, wegen
meiner heilbaren, nicht-ansteckenden Krankheit endlich nicht mehr diskriminiert
zu werden! (Absatz) „Ich denke, wir müssen uns zunächst mal um die Ursachen
Ihres Bluthochdrucks kümmern“, sagt Frau Dr. Jatunek, meine Neue. Halleluja,
denke ich, und möchte sie küssen. „Darf ich mal ihre Zunge sehen?“ Und Hellsehen kann sie auch. „Ich
denke, es liegt am aufsteigenden Leber-Chi!“ Oh ha. „Sie sind innerlich am Kochen, aber nach außen
kontrolliert. Die Hitze kann nicht entweichen." Au wei. „Sie müssen mal richtig
Dampf ablassen, dann fällt auch der Blutdruck, Sie werden sehen.“ ABER GERN!!! „Herr Gott, noch mal!“
schnaube ich, „macht jetzt endlich mal einer so ein verficktes
Langzeit-Dingbums? Ein Herzecho? Ein Hormonbild? Einen Nierencheck? Fragt jetzt
einer bitte mal nach meiner Ernährung? Verbietet mir gefälligst wer die
Salzstangen und den Kaffee und die fette Käsetorte, verflucht noch mal?!!“
(Absatz) Frau Dr. Jatunek überdachte ihre Diagnose der aufsteigenden
Leber-Hitze noch mal. Zumindest den Part, der das Nicht-Entweichen betraf.
Freitag bin ich beim Kardiologen. Was für ein Kampf...




