Anleitung zum Entlieben

08.08.2006 um 22:30 Uhr

Premiere

von: Lapared

Wenn man wie ich in dieser ungünstigen Phase aufgewachsen ist, als die meisten aufgeklärteren Haushalte von Schlägen auf Liebesentzug umstellten und man aus reiner Vorsicht, weil die Eltern der einen noch nicht und der anderen Methode nicht mehr trauten, beide Behandlungen bekam, den Arsch voll und das „Papa und Mama wollen so ein Kind nicht mehr“, die klassische Ohrfeige und die total gewaltfreie Intervention, auf Autobahnparkplätzen stehen gelassen zu werden… wenn man sich aufgrund dieser unvergesslichen Erfahrungen auch als Herangewachsener stets vorbildlich verhält, um nach Möglichkeit weder versohlt und auf gar keinen Fall verlassen zu werden, und sich daher totsicher darauf verlassen kann, dass man es wird… wenn man noch dazu zu jenen besonders traurigen Exemplaren gehört, die mit fast 40 immer noch den Eltern die Schuld an allem geben und es nicht für nötig halten, bei sich selbst etwas zu ändern, dann... dann… jetzt hab ich den Faden verloren.

Aber ich glaube, ich wollte sagen, dass es für mich ein Ereignis größter Bedeutung war, Dicks Avancen abzuschlagen. Nicht nur verlassen worden zu sein, sondern, wenn auch sekundär, endlich mal verlassen zu haben. Klar und unmissverständlich tot ziens! zu sagen. Für mich, obwohl wie gesagt nicht mehr so ganz 17, ein Debüt, eine Premiere, etwas, das ich bei einem Menschen, den ich liebe, so liebe, noch nie getan habe... aber glanzvoll war daran nichts. Glanzvoll war nichts.

Ja, doch. Einen Augenblick war ich wie berauscht. Dem hatte ich´s gezeigt... nicht noch mal, nicht mit mir, nicht mit Lapared, der neuen Macht im Norden!

Aber nach ein paar Minuten war der Machtrausch schon vorbei und alles, was blieb, war diese schreckliche Stille. Ein leises „Ich Vollidiot!“ stieg darin auf. Ich habe ihm tatenlos gelauscht.

08.08.2006 um 10:15 Uhr

So nicht

von: Lapared

„Der will doch nur spielen!“ hatte meine Schwester gesagt, als ich sie vor sechs Tagen anrief um zu erzählen, dass Dick wortlos verschwunden sei.

„Hab ich´s gesagt oder hab ich´s gesagt!“ sagte sie deshalb gestern, als ich sie anrief, um zu erzählen, dass er nun doch noch mal reden will.

„Und was hast DU gesagt?“ musste sie nicht fragen, denn sie ist meine Schwester, sie kann es sich denken.

„Und weißt Du, was ich gesagt habe?“ musste stattdessen ich sie fragen.

„Ich hoffe, Du hast gesagt, dass Du darauf keinen Wert mehr legst. Ich hoffe, Du hast gesagt, dass er nicht gut für Dich ist. Ich hoffe, Du hast gesagt, dass Du einen Partner willst, der seine Wünsche sagt, statt Dich damit zu erpressen. Der akzeptieren kann, dass Du nicht jeden Wunsch erfüllst. Und der Konflikte auf Augenhöhe mit Dir austrägt und nicht, wenn Du auf allen Vieren kriechst, weil er gegangen ist. Ich hoffe sehr, Du hast gesagt, wie schlimm er Dich verletzt hat, dass Du krank bist, und dass Du auf einen Menschen pfeifst - jawohl pfeifst! - für den Verlassen zum Verhandlungsrepertoire gehört, wie für Amerika der Vernichtungsschlag. Ich hoffe, Du hast gesagt, dass aller guten Dinge drei sind, und dass drei Mal vom Selben in Sicherheit gewogen und dann mit Anlauf in den Arsch getreten werden selbst Dir - Madame Gib´s mir – endgültig reicht!“

„Genau das hab ich gesagt.“

„Nein!“

„Wohl!“

„Du bist zu nett, die Sau ist mein Part!“

„Und wer bitte hat den erfunden?“

„Stimmt auch wieder.“

Ob ich das meine? Ob ich das wirklich meine? Sonst würde dieser Eintrag nicht erscheinen.