Anleitung zum Entlieben

16.08.2006 um 20:57 Uhr

Entnulpen

von: Lapared

Aber das eigentlich Interessante an dem Arztbesuch habe ich noch gar nicht erzählt. Herr Dr. Gellerhaupt, der mich – wir erinnern uns – zärtlich seine Lieblingshypertonie nennt, muss sich jetzt ein anderes dummes Hochdruckhäschen für seine Druckmanschette suchen. Ich will es nicht mehr sein. Tja, wenn man einmal anfängt. (Hier wäre ein Absatz wirklich, wirklich schön, aber ich schreibe das nicht, weil ich mich darüber aufrege, bei einem systolischen Wert von 200 überlegt man sich gut, ob Aufregung wirklich nötig ist, nein, ich denke, die Absätze kehren irgendwann von ganz allein zu mir zurück. Verdammte Scheiße, ABSATZ.) Jedenfalls... Wenn man den Trick erst mal raus hat, geht´s wie Eier köpfen. Dann ist das Trennen plötzlich nur ein Klacks. Er sagte: „Die Ursache für den hohen Blutdruck finden wir nie, nehmen Sie einfach mehr von den Tabletten.“ Ich sagte: „Ungern, aber ich nehme gern das Branchenbuch und guck nach einem anderen Arzt.“ Zack! Entnulpen nenne ich das. Von nun an werde ich mein Leben ENTNULPEN. Idioten, Arschgeigen und Nulpen, egal wie charmant, kommen darin nicht mehr vor. Ha! (Absatz) Und heute, keine 24 Stunden später, hatte ich bereits einen neuen Termin. Einem Privatpatienten mit einem Blutdruck von 200 : 150 rollt man – ich wusste es doch – überall den roten Teppich aus. Überall, nur eben nicht bei Dr. Schwul-ist-so-cool-Gellerhaupt, bei dem man als Nicht-Aidsinfizierter – privat oder nicht – Patient zweiter Klasse ist. Bagatellerkrankung. Quasi-Hypochonder. Ach, aber wie schön war es, wegen meiner heilbaren, nicht-ansteckenden Krankheit endlich nicht mehr diskriminiert zu werden! (Absatz) „Ich denke, wir müssen uns zunächst mal um die Ursachen Ihres Bluthochdrucks kümmern“, sagt Frau Dr. Jatunek, meine Neue. Halleluja, denke ich, und möchte sie küssen. „Darf ich mal ihre Zunge sehen?“ Und Hellsehen kann sie auch. „Ich denke, es liegt am aufsteigenden Leber-Chi!“ Oh ha. „Sie sind innerlich am Kochen, aber nach außen kontrolliert. Die Hitze kann nicht entweichen." Au wei. „Sie müssen mal richtig Dampf ablassen, dann fällt auch der Blutdruck, Sie werden sehen.“ ABER GERN!!! „Herr Gott, noch mal!“ schnaube ich, „macht jetzt endlich mal einer so ein verficktes Langzeit-Dingbums? Ein Herzecho? Ein Hormonbild? Einen Nierencheck? Fragt jetzt einer bitte mal nach meiner Ernährung? Verbietet mir gefälligst wer die Salzstangen und den Kaffee und die fette Käsetorte, verflucht noch mal?!!“ (Absatz) Frau Dr. Jatunek überdachte ihre Diagnose der aufsteigenden Leber-Hitze noch mal. Zumindest den Part, der das Nicht-Entweichen betraf. Freitag bin ich beim Kardiologen. Was für ein Kampf...