Anleitung zum Entlieben

20.08.2006 um 21:46 Uhr

Emotionale Rossbreiten

von: Lapared

„Das regeneriert sich!“ sagt meine Schwester, als ich ihr von meinem hormonellen Einbruch berichte. „Ich fürchte!“ sage ich, „Gottes größte Gemeinheit: Schenkt uns Erfahrungen, die uns nichts nützen, weil die kleinste Hoffnung am Ende stärker wirkt als der dickste Haufen Verstand.“ – „Na siehste, Du weißt doch selbst, wie´s läuft.“ – „Ich fürchte es nur.“ - „Nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Enjoy the silence.“

Später rufe ich noch mal an.

„Und wenn das jetzt so was wie emotionale Rossbreiten sind? Ich meine, der Mann war wirklich sehr nett, eigentlich, und gutaussehend und...“ – „Die WAS?“

(Lernen mit Lapared: Die Rossbreiten verdanken ihren Namen Seeleuten, die auf ihren Segelschiffen Pferde aus Spanien transportierten. Da es sich dabei um nahezu windlose Gebiete handelt, saßen die Schiffe oft wochenlang in der Flaute fest. Die wegen des Futtermangels verendeten Pferde wurden über Bord geworfen, wodurch das Meer mit Pferdekadavern übersät war.)

„Du meinst Windstille bis zum Verrecken?“ resümiert meine Schwester nach entsprechender Aufklärung. „Du bringst es immer so toll auf den Punkt.“ - „Also, wenn Du mich fragst... Ich glaube, wenn überhaupt steckst Du noch in den Dickbreiten.“ - „Ich hab ihn doch über Bord geworfen...“ – „Ja, Lchen, aber deshalb kommt noch lange kein Wind auf, noch lange lange lange nicht.“ - „Und noch dazu bist Du immer so optimistisch.“

20.08.2006 um 18:16 Uhr

Die Ruhe nach dem Sturm

von: Lapared

Vorhin ist mir was Merkwürdiges passiert.

Es regnet, kein Freibadwetter also, ein perfekter Tag fürs Freibad, denke ich, kein Schwanz da. Ich tuckere so meine Bahnen entlang, sinne nach, wie das alles passieren konnte, was hier begonnen hatte, vor genau einem Jahr und einem Tag, und heule ein bisschen in das Wasser, dessen Saison nun auch schon wieder zu Ende geht, das bald für die Badegäste gesperrt und dann grün und später braun werden wird, das im Winter Eis und Schnee bedecken werden und das schließlich im Frühjahr von einem Mann in blauem Overall abgelassen und vom Fluss mit zum großen Meer genommen wird. Gell, Curdchen, das kennen wir alles schon. Diesmal werden wir ihm nicht winken. Das hatten wir alles schon.

„Ich schwimme auch lieber in Salzwasser!“

Seine Stimme ist schön und sein Lächeln warm, und was sonst noch aus dem Wasser guckt, sieht auch nicht übel aus. Schniefend tuckere ich weiter.

„Kann ich was für Sie tun?“

Er tuckert mit.

„Haben Sie zufällig ein Taschentuch?“

Er lacht, tolle Zähne.

„Schade, sonst brauche ich nämlich nichts.“

Eigentlich war es nur so dahin gesagt. Doch plötzlich habe ich das Gefühl, genau so ist es. Ich sehe ihn an, ich stelle mir vor, wie es wäre, vielleicht mit ihm auszugehen, vielleicht mit ihm ins Bett zu gehen, vielleicht mit ihm an einem Meer entlang zu gehen. Und ich stelle fest: Merkwürdig, außer einem Taschentuch will ich wirklich nichts.

Augenblicklich wird es leise, still, kein Heulen weit und breit. Endlich ist sie da. Die Ruhe nach dem Sturm.