Anleitung zum Entlieben

23.08.2006 um 21:46 Uhr

75,4 Zentimeter Selbstdistanz

von: Lapared

Es ist ja so. Und ich sage es nicht gern. Aber ich habe ein wirklich ausgeprägtes Interesse an mir selbst. Da mein Blog ansonsten schwerpunktmäßig um soziale, humanitäre und politische Themen kreist, war es mir ein Anliegen, das einfach mal ehrlich zu bemerken.

Seit Anfang der Woche arbeite ich zudem nicht mehr. Nicht, dass mich die Arbeit interessiert hätte, aber zumindest hatte sie mich beschäftigt. Jetzt habe ich den ganzen Tag Zeit. Und während - wie stets nach mehr als 24 Stunden Pause - schwarze „To Dos“ von meiner never ending To-Do-Liste wie Geier über mir kreisen, kreise ich – ich kann einfach nicht anders, ich bin so interessant – wieder mal nur um mich selbst.

Was neu ist: Während mich bis vor Kurzem vorrangig meine schillernde Innenwelt in meinen Bann zog - packende Zwangsgedanken, emotionale Exzesse, kultivierte Neurosen - interessiere ich mich neuerdings vor allem von außen.

Ich habe wieder angefangen zu fotografieren. Dabei habe ich den großen, den unvergessenen Curd Rock als mein Lieblingsmotiv abgelöst. (Wiie bitte???) Das Tolle an mir: Ich muss, um mich zu fotografieren, nicht weit laufen. Ich muss auch nicht aus dem Haus, das ist mir bekanntlich ein Gräuel. Und: Ich mache als Motiv Sinn, mehr Sinn noch als Curd Rock, denn mich gibt es ja bald nicht mehr, nicht so. Curd Rock hingegen – wenn er sich vor den Motten hütet und sich ein bisschen gerade hält - ist auch in 50 Jahren noch schön wie eh und je. (Da hst sie recht!)

Nein, Sie müssen nicht die Küstenwache informieren. Sehr freundlich, auch nicht den DLRG. Die Gefahr, dass ich wie Genosse Narziss in meinem eigenen Spiegelbild ersaufe, ist gering. Verlieben werde ich mich in Fotos von mir ganz sicher nicht.

Fasziniert bin ich allerdings. Weil sie, obwohl aus nur einer Armlänge Entfernung gemacht, von meinem Selbstbild unendlich weit abweichen. Auf den Fotos bin ich dünn. Richtig wirklich dünn. Mehr noch. Mit 75,4 Zentimetern Selbstdistanz gesehen – so lang ist, ich hab´s gemessen, mein Arm - bin ich das, was ich in meinen eigenen Augen noch nie gewesen bin: dünn genug.

Kein Therapeut, kein Liebhaber, nicht mal Dr. G., Therapeut UND Liebhaber, konnte mir das je vermitteln. Aber der lange Arm der Lapared hat´s geschafft. Dünn genug.

Das hätten wir also endlich. Ob ich ihn als therapeutische Interventionsmethode patentieren lassen kann?