Anleitung zum Entlieben

04.09.2006 um 22:40 Uhr

Großer Empfang

von: Lapared

„Schade, ich hab auf Dich gewartet“ begrüßt mich der Agenturchef und schießt an mir vorbei in den Fahrstuhl, schnell, bevor er weg ist, denn dieser Fahrstuhl ist der debile Halbbruder des Halleyschen Kometen. Ich selbst hatte soeben Jahre auf sein Erscheinen gewartet und war jetzt fast ein bisschen knapp.

Nett, denke ich auf dem Weg zum Konfi, auf mich gewartet, 10 Jahre Bücken doch nicht umsonst. Und sogar schade, schade, ich hab auf Dich gewartet... tja, 10 Jahre, das wird nicht vergessen, man kennt mich, der Chef erwartet mich, hatte er nicht sogar schade Lapared gesagt? Für liebe Lapared war allein wegen des Halleyschen Fahrstuhls keine Zeit...

Die Konfi-Tür ist zu, ich bin erstaunt, 33… 34 Sekunden nach zehn, das nenn ich Meetingkultur. Andererseits, so kenn ich meine Agentur, so war´s früher, als alles anfing, da wehte nämlich noch ein anderer Wind! Wer damals nicht auf die Sekunde pünktlich war, blieb vor der Tür, egal ob Häuptling oder Indianer, nur... Was mach ich denn jetzt? 43… 44… 45 Sekunden nach zehn… Ich bin Freie, denk ich, ich stehe außerhalb des Gesetzes, ich zeig ein bisschen Bein und schlüpfe noch flink rein, dideldum.

Vorsichtig drücke ich die Klinke hinunter, stecke das Köpfchen durch die Tür und strahle mit entwaffnendem Lächeln in die Runde. Kein Stuhl lächelt zurück. Und außer Stühlen niemand da.

„Das Meeting war um neun, die ha´m auf Dich gewartet...“  flötet mir die Artbuyerin im Vorbeigehen zu.

Die, also sogar die! Nicht nur der Chef, quasi alle haben auf Lapared gewartet. Die liebe Lapared.

Das fängt ja gut an.