Anleitung zum Entlieben

07.09.2006 um 23:57 Uhr

Die Lapared sinkt

von: Lapared

In Zeiten wie diesen, wenn die Arbeit von Tag zu Tag mehr und Nachtschlaf Luxus wird, halte ich mich stets an die gute alte Rettungs-Regel Nr. 1: Alles auf einmal, und das Unwichtigste zuerst. Damit meine ich nicht Vermeidungsverhalten. Mit Kühlschrank abtauen, bevor man sich ans Kafkareferat setzt, hat das nichts gemein.

Es geht um diese ganz kleinen Sachen. Lapalien. Anstatt, wie in ruhigen Phasen, den schmutzigen Teller stehen, die Zahnpastatube offen und den hinter den Herd gerutschten Apothekenkalender liegen zu lassen, beunruhigen mich solche Dinge an stürmischen Tagen wie lecke Stellen in einem ächzenden alten Kahn, durch die es eigentlich nur tropft, aber von denen jede die erste sein könnte, an der der marode Schiffsrumpf dem Druck der Massen nachgeben und der Ozean tosend hereinbrechen könnte. Sie beunruhigen mich aus demselben Grund, aus dem Guilliani bei Rot über Ampeln gehen einst mit der Todesstrafe belegte. Kontrollverlust… Kontrollverlust meine Lieben, beginnt oft ganz klein.

Ich wünschte nur, ich hätte beim Abrücken des Herdes nicht die Lampe umgestoßen, die den Kaffeebecher traf, der sich ins Handy ergoß, auf dem niemand mehr anruft und fragt, ob ich arbeiten kann. Nie mehr.

Da isser schon, der Ozean.