Anleitung zum Entlieben

09.09.2006 um 21:14 Uhr

Saufbeschluss

von: Lapared

Heute Morgen habe ich beschlossen, Alkoholiker zu werden. Ich stand auf dem Stepper, sah diesen grandiosen Matt Dillon als Charles Bukowskis Alter ego Hank Chinaski in „Factotum“, sanft, angenehm lethargisch und selbst nach dem Kotzen noch perfekt frisiert, und dachte, so geht das. So wird man gut. Und Du? Ringst um Kontrolle, befriedigst Arbeitgeber und hälst die Figur, wie unsexy. Schreibst Spots für Fruchtjoghurt und machst auf witzig, lächerlich. Ab sofort wird gesoffen und dann gehen wir das Ganze mal richtig an.

„Wenn du den Weg gehen willst, musst du ihn bist zu Ende gehen… Oder geh ihn gar nicht.“ So läuft nämlich der Hase. Sagt auch Matt Dillon alias Hank Chinaski, einziger Gast bei Bewusstsein in „Angies Bar“, als er konsequent trinkend der Table Dancerin zuschaut, die mit nichts als einer Kippe im Mundwinkel gelassen Hochleistungsakrobatik vorführt wie eine zugekiffte Ostblockturnerin. Wenn Du den Weg gehen willst, musst Du ihn bis zu Ende gehen. Und träge dreht sich der Ventilator durch das verrauchte rote Licht.

So zärtlich und norwegisch lakonisch inszenierte Regisseur Bent Hamer Exzess und Besessenheit, so melancholisch schön das Scheitern, dass ich auf meinem Stepper drauf und dran war, die Wasserflasche wegzuschmeißen und mit einer Flasche Martini weiterzutrainieren.
 
Aber dann fiel mir wieder ein, Mensch, die haste ja letzte Nacht schon leer gemacht.