Anleitung zum Entlieben

13.09.2006 um 22:43 Uhr

Volle Konzentration auf Quark

von: Lapared

Lustig soll es sein. Lustig soll es immer sein. Und lecker. Foodwerbung muss prinzipiell lecker sein. Leckeres Setting, also eher Wald und Wiesen als Autobahnzubringer. Mit einer mindestens 7-sekündigen sogenannten Foodsequenz, in der herrlich, frisch betaute Dingsbums in cremig zartes Sonstwas fallen. Und Produkt, Produkt, Produkt, am besten von Anfang an, sonst schafft es der millionenste Fruchtquark nicht ins Verbraucherhirn. Und genau da soll ich ihn hinbringen, den Quark, das ist meine hohe Mission dieser Tage.

So weit also die Ansprüche an Foodwerbung ganz allgemein. Die Ansprüche an diese Foodwerbung ganz speziell: Der Verbraucher soll spüren, dass es der fruchtigste Fruchtquark von allen Fruchtquarks ist, und zwar ohne, dass man sagt, dass es der fruchtigste Fruchtquark von allen Fruchtquarks ist. „Gefühlte Fruchtüberlegenheit“ heißt es im Briefing. Mehr wäre juristisch anfechtbar. Außerdem: Die Früchte müssen auf jeden Fall der Hero sein, aber man wünscht auf keinen Fall lebende Früchte zu sehen. Keine radfahrenden Erdbeeren. Und: Es soll ausnahmsweise nicht lustig sein. Sondern der Brüller.

Ich hoffe, jetzt ist nachvollziehbar, dass ich momentan mit einer Aufgabe befasst bin, die meine volle Konzentration verlangt. Die meine intellektuellen Kapazitäten komplett ausschöpft und mir keine Zeit lässt, gewohnt geistsprühende Blogbeiträge zu liefern, höm, höm. Ach ja, und Curd Rock kann auch nicht mehr einspringen, ohne Fotos ist es ihm "zu plöd".

Daher... aus der Not heraus und quasi in Zweitverwurstung: hier einer der vielen, vielen Quark-Spots, die mir vorhin in der Abstimmung nur so um die Ohren geflogen sind.

Sonnenschein, ein wunderschöner riesiger Kirschbaum voll mit prallen Kirschen. Daneben ein kleiner Becher XY. Stimmchen kommen aus dem Becher, sie pöbeln:

„Na, ihr Hänger!… Hänger, Hänger, Hänger!“

Die Kirschen im Kirschbaum reagieren nicht.

Off-Sprecher:

„Die Früchte im XY sind so mutig… denn sie sind in der Überzahl.“

Zoom in den Becher: lecker gefilmte Foodsequenz mit herrlich, frisch betauten Kirschen, die in cremig zarten Fruchtquark purzeln. Dazu weiter der Off-Sprecher:

„Im XY stecken so viele Früchte... so viele gibt´s sonst nirgendwo.“

Jetzt sehen wir wieder den Becher neben dem Baum, die Stimmchen pöbeln weiter:

„Und ihr seid hässlich! Man, seid ihr hässlich!“

Die Kirschen stürzen sich vom Baum auf den Becher und begraben ihn unter sich. Der Becher rappelt sich aus dem Kirschberg frei, Stimmchen:

„Blöde Idioten!... Menno...“

(Off-Sprecher:)

„Der XY Fruchtquark. Fruchtiger geht´s nicht.“


"Lebende Früchte", winkt der Creativ-Chef ungehalten ab. "Aber man sieht sie nicht", interveniere ich schwach von Unrechtsbewußtsein, "man hört sie doch nur!" - "Und außerdem fehlt der Genussmoment!" Gott, den hatte ich total vergessen, der scheiß Genussmoment ...

Hab ich´s schwer oder hab ich´s schwer?