Anleitung zum Entlieben

06.10.2006 um 22:41 Uhr

DIE HARD mit Mamis Liebling

von: Lapared

Auf einer Woge der Anerkennung und Bewunderung schwebe ich der Freiheit entgegen. Der Job: geschafft. Die CDs: beeindruckt. Die Präsentation: gerettet. Der Juniorlümmel: welcher Juniorlümmel? Während ich den Schreibtisch aufräume, die Kaffeetasse in die Küche bringe, mein Powerbook zusammenklappe, liegt ehrfürchtiges Schweigen in der Luft: Danke, Lapared. Der Textpraktikant spricht es schließlich aus: Wahnsinn, solche Headlines möchte ich auch mal schreiben. Und Bruce Lapared Willis grinst nur leicht: Das wirst Du auch, Freddybaby, einer muss den Laden hier doch schmeißen, wenn ich weg bin.

Der Wecker klingelte und als ich die Augen aufschlug... Stimmt´s, das wäre die typische Lapared´sche 180-Grad Wende, die an dieser Stelle eigentlich fällig wäre. Aber nein, heute keine Wendung, die mich aus der Bedroille, etwas Positives berichten zu müssen, elegant zurück in die Looserpose manövriert. Es war tatsächlich so. Am Ende waren alle schwer beeindruckt von meinen Antriebsheadlines und selbst der Textpraktikant ist nicht erfunden, er existiert. In Wahrheit wollte er sogar ein bisschen mit mir flirten, allerdings hieß er nicht Freddy sondern Hans-Christian.

Tja, was soll ich sagen, Antriebssysteme sind wie gesagt mein Metier. Insbesondere die für schweres Gerät. Wer meine große Beichte über mein von Disziplin und Anstrengung bestimmtes Dasein gelesen hat, weiß, welche Massen ich täglich wuchte, einzig und allein um morgens aufzustehen. Ich habe die Antriebssysteme für Planierwalzen quasi erfunden, kein Wunder, dass Werbung dafür mir so ein Leichtes ist. Man war wirklich höchst zufrieden.

Das Telefon klingelte und als ich dran ging... war meine Mutter dran. „Wir haben gedacht, Du möchtest am Wochenende vielleicht mal kommen. Du hast doch niemanden! Aber bei uns bist Du immer willkommen, Kind.“ Danke. Mit dem Handy am Ohr, so als ob schon der nächste verzweifelte Kunde meine Dienste anfragt, verlasse ich die Agentur und verschwinde in die Nacht. Bruce Dickstrahl Willies, der am Ende von Die Hard in Muttis Arme sinkt? Nein, so enden Heldenstories nicht. Doch was macht der Held nach getaner Heldentat, wenn keine Holly McClane ihn erwartet, die ihm ein Bad einlässt und seine blutverschnierten Feinripphemden mit leichtem Schaudern in die Kochwäsche sortiert? Wozu war es gut, das ganze Kämpfen, für was, für wen?

Ich leihe mir ein Video, ich bestelle mir eine Pizza, ich genehmige mir einen Eierlikör und denke… für mich. Für mich war´s gut. Morgen werde ich mir zur Belohnung eine Winterjacke kaufen und Montag werde ich dem Finanzamt seine Steuern zurückbezahlen. Und eine Holly wird sich finden, irgendwann, und so lange wasche ich meine blutverschmierten Hemden eben allein. Das, Hans-Christian-Baby, krieg ich auch noch hin.