Anleitung zum Entlieben

11.10.2006 um 20:15 Uhr

Invasion

von: Lapared

Eine schwere Prüfung liegt vor mir.

Heute ruft mich eine Bekannte an. „Ich habe einen Mann für Dich!“ Eigentlich eine Freundin. „Meinen!“ Eine wütende Freundin.

Was antwortet man einer Frau, die dir ihren Mann anbietet? Nein, danke? Nicht gut. Sollten sie sich je wieder vertragen, weiß sie, was du von ihrem Gatten hälst, und will nichts mehr mit dir zu tun haben. Danke, gern? Dann denkt sie, dass du auf ihn scharf bist, und du mutierst sofort zum Feind. Jetzt ist Diplomatie gefordert, Laparedchen, denke ich und antworte: „Danke, sehr lieb, den hatte ich schon.“

Ich weiß auch nicht, warum ich das gesagt hab. Die Tatsache, dass es wahr ist, ist noch lange kein Grund. Vielmehr ist es wohl so, dass mir schwante, dass, wenn ich unserer Beziehung nicht umgehend einen massiven Schlag zufügen würde, eine Katastrophe bevorstand. „Kann ich ein paar Nächte bei Dir schlafen?“ Schon war sie da.

Hatte sie mich nicht verstanden? „Nane!“ sie heißt Christiane, „hast Du gehört, ich hatte schon mal was mit Theo!“ Ihr Mann heißt Theo, schlimm. „Ich weiß!“ schluchzt sie, „wer hatte das nicht? Alle hatten was mit Theo, nur ich nicht, das ganze letzte Jahr nicht mehr, das ganze letzte Jahr nicht!“ Ich sehe mich schon die Couch beziehen. Und spende Trost was das Zeug hält. „Letztes Jahr hatte ich auch nichts mit ihm, vielleicht ist er einfach nicht in Form.“ – „Er ist in Form, er ist sogar top in Form, er hat eine ehemalige Schülerin geschwängert!“ – „Willst Du ein paar Nächte bei mir schlafen?“

Und so wird es sein. Nane, eine Bekannte, mit deren Mann ich mal was hatte, Nane, die mich trotzdem hartnäckig als ihre Freundin betrachtet, Nane, das bekloppte Landei, dass schon seit Jahren versucht, sich mal für einen Städtetripp auf meiner Couch einzunisten... Nane hat´s geschafft. Und schläft ab morgen auf meiner Couch.

P.S. Ich kenne Nane. Eine Jüngerin des gesprochenen Worts. Die Erfinderin des fünfstündigen Telefonats. Autorin des berühmten Bestsellers: Wie teile ich meiner Umgebung jedes meiner Gefühle mit, ohne dass es auch nur eine Sau interessiert? Vor mir liegen Tage und Nächte, in denen sie mir ihr großes, trauriges Nane-Herz ausschütten wird. Unter konsequenter Ausblendung ihres vergleichsweise kleinen Nane-Verstandes. Und alles nur, weil ich ein schlechtes Gewissen habe und nicht sagen konnte, was ich sagen wollte: NEIN. Eine schwere Prüfung, aber Strafe muss sein.


11.10.2006 um 20:11 Uhr

Leserservice

von: Lapared

Ich muss ein paar Tage nachhause. Meine Mutter hat meinem Vater mit dem Kofferraumdeckel den Finger zertrümmert. Angeblich ein Unfall, aber die Tatsache, dass sie danach allein in Urlaub gefahren ist, statt sich das Schwesternhäubchen aufzusetzten, könnte auch darauf hindeuten, dass sie ihn schlicht Schachmatt gesetzt hat. Bei uns zuhause war man in der Wahl der Methoden nie sehr zimperlich. Jedenfalls, ich fahr besser mal nachschauen...

Zeitlich trifft es sich ganz gut, ich bin schließlich nicht gebucht und Nane hat mich auch heute verlassen. Nane. Ich hätte nichts von ihr erzählt, denn seit der Affäre D. bin ich ein bisschen zurückhaltender geworden was die Schnittstellen meiner Privatsphäre (meiner WAS?) mit der befreundeter Mitmenschen angeht. Ich hätte es sonst nicht erzählt.

Aber die im Grunde nicht sehr freundschaftliche Weise, wie Nane heute die Biege gemacht hat, hat mich spontan von allen Skrupeln befreit. Und so erlaube ich mir, in den nächsten Tagen statt aktueller Tagesberichte (ich fürchte, ich habe weder Netz noch Zeit) die nachträgliche Berichterstattung von Nanes Invasion einzustellen. Als beschwingter Pausenfüller und um einen kleinen Eindruck davon zu vermitteln, warum ich dem direkten menschlichen Kontakt bisweilen so zurückhaltend gegenüberstehe. Vier Tage mit Nane (über die meine Schwester immer schon sagte: bei der weiß man nie, ob man sie am Kopp oder am Arsch hat), verteilt auf die nächsten vier Tage mit Papa, bis ich am Sonntag oder so wohl hoffentlich wieder da bin. Ist das ein Service oder ist das ein Service?

Tun wir einfach so, als wäre es erst heute geschehen... (gleich geht´s weiter)