Anleitung zum Entlieben

16.10.2006 um 17:56 Uhr

Homestory

von: Lapared

(So, nun also zurück in Echtzeit. Und zurück von meinem kleinen Heimattripp...)

Wie war´s zuhause, Frau Lapared?

Frau Lapared? Nennen Sie mich Laparedchen. Wer es schafft, zu seinen Eltern zu fahren, ohne irgendwie irgendwo tief drin wieder Kind zu werden, Hände hoch... Ich sehe nichts. Fein. Ich liebe dieses Medium.

Ich meine, man fährt da hin und fühlt sich so erwachsen und denkt, guck, jetzt haben sich die Rollen vertauscht, früher waren sie für dich da, jetzt bist du für sie da, die Zeiten ändern sich... Aber nichts da! Irgendwie bleiben sie die Eltern und du Zwerg Blöd. Sie können vielleicht nicht mehr alles, aber sie wissen alles besser. Wenn du Pech hast, erklären sie dir selbst dann, wenn du gerade ihre eigenen Windeln wechselst noch, dass du es falsch machst und wie es richtig geht. Und was will man dagegen sagen, sie haben die Erfahrung, auch im Windeln wechseln, du bist der Letzte, der das bestreiten kann. Aber so weit ist es bei mir zu Hause zum Glück noch nicht.

„Na, Popelchen“, sage ich zu meinem lädierten Vater, „da hat unsa Mudda es Dir aber wieder mal richtig gegeben!“ Was? Da woll´n wir doch gleich mal klar stellen, wer der Bemitleidenswerte ist: „Tja, so ist das, Kind. Wenn Du selbst irgendwann verheiratet sein solltest, wirst Du sehen, dass das nicht nur Zuckerschlecken ist!“ Und ich, statt lächend ja, ja zu sagen, bin gleich wieder Zwerg, der aufbegehrt: „Ich weiß, dass das kein Zuckerschlecken ist. Das habe ich jahrelang an Euch gesehen, Popelchen. Deshalb heirate ich ja nicht.“ Mit anderen Worten: Ihr seid schuld. Wahrlich zwergenhaft. Er hingegen saucool trotz Lätzchen: „Du findest keinen, weil Du in puncto Mann so einen hohen Standard hast. Mich.“ Ich gönn ihm den Glauben, ich bin so souverän: „Da hast Du selbstverständlich recht, Popelchen, keiner kommt an Dich ran, das ist das Problem.“ Aber irgendwie fühlte sich auch das klein an. Irgendwie fühlt es sich so oder so klein an.

Ändert sich das, wenn man eigene Kinder hat? Vielleicht ist man erst dann mit den Eltern auf Augenhöhe, wenn man selber Elter ist... Na ja, aber so dringend ist es nun auch wieder nicht.

Und dann ist noch was anderes passiert. Sehr makaber. Und um ein Haar Sex. Aber das erzähle ich morgen, bin schon wieder zu ausschweifend, hm?

Ach ja, und TÄ-TÄ!!! Freuen wir uns. Freuen wir uns auf viele schöne Sätze, die mit „Meine Psychologin sagt...“ beginnen. Nachdem ich den Druck noch ein bisschen verstärkt und vor allem auf die richtigen Stellen gerichtet hatte („Eine Frau Dr. Lpunkt möchte die Institutsleitung sprechen, es ginge um ein privates Agressionsforschungsprojekt, der Herr Professor wisse schon...“), habe ich heute prompt einen Brief samt Termin für ein Erstgespäch bekommen. Haha! Eine Frau, Dipl.-Psych., wie ich, wie nett, wir werden uns viel zu erzählen haben. Ich hab sie schon gegoogled. Sie sucht alte Schulfreunde aus Bochum (Bochum ist super, in Bochum habe ich studiert, wir werden gemeinsam über die 0 : 6 Niederlage gegen Bremen weinen). Und sie ist eigentlich Kinder- und Jugendpsychologin (ich werde mir Zöpfe machen, dann merkt sie vielleicht nichts). Vorhin hatte ich schon ein kleines Telefonat mit ihr. Zur Bestätigung meines Termins, so war es erwünscht. Ich denke, es ist gut, dass es jetzt losgeht. Höchste Zeit. Sie klingt wirklich seeeehr depressiv.