Anleitung zum Entlieben

20.10.2006 um 20:48 Uhr

Nur eine zweite Meinung

von: Lapared

Ein Abenteuer jagt das Nächste. Heute war ich beim Zahnarzt. Ja, hier ist was los.

Natürlich hat er sofort gemerkt, dass ich ihn betrogen habe. Mein Zahnarzt ist wunderschön und sanft und freundlich, hätten wir Sex, erwöge ich sicher Monogamie... Aber nachdem er nun seit einem dreiviertel Jahr an zwei Zähnen herum bastelt, mit dem Ergebnis, dass ich inzwischen die komplette Seite nur noch aus ästhetischen Gründen mit mir führe, zum Beißen, ihre eigentlichen Bestimmung, jedoch nicht mehr benutze, weil sie so weh tut, dachte ich, es wäre vielleicht Zeit für eine zweite Meinung.

Ich präsentierte den Fall Frau Dr. W., ebenfalls wunderschön, sanft, freundlich... leider nicht gerade hier ums Eck. Nach eingehender Inspektion empfiehlt sie, die durch das ewige Herummachen allzu strapazierten und ausstrahlenden Zähne einfach mal in Ruhe zu lassen. Nichts zu tun. Und sich stattdessen der anderen Seite zu widmen, die zwar weder medizinische Rätsel noch Herausforderungen bereit hielte – dafür aber kapitale Löcher. Oh. Eins macht sie prompt zu, „mit so was verlässt niemand meinen Stuhl!“

Mein Zahnarzt erkennt die Konkurrenzfüllung sofort. „Sie sind fremdgegangen?!“

„Ich nehme an, dass ich auch nicht die Einzige für Sie bin.“

„Sind Sie nicht zufrieden?“

„Ich brauchte nur eine kleine Füllung.“ Rein mechanisch, ohne jedes Gefühl.

„Ich hatte das Loch durchaus gesehen, ich habe mir etwas dabei gedacht, es vorerst nicht zu behandeln.“

„Selbstverständlich.“

„Und es wäre nett, wenn Sie mit mir reden, bevor Sie irgendwo anders hingehen.“

Reden, reden, reden... „Okay.“

„Mund auf, bitte!“

„Nein.“

„Mund auf!“

„Erst, wenn Sie nicht mehr böse sind.“

„Ich bin nicht böse, ich lasse mir nur nicht gern in die Arbeit pfuschen.“

„Das verstehe ich. Aber das ist nicht nur Ihre Arbeit, das ist mein Mund“, los, küssen, "es war ein Notfall, ich hatte Schmerzen!“

„Tatsächlich?“

„Und ich war im Ausland, Sie waren weit weg!“

„Na, dann...“

Er lächelt, er weiß, dass ich lüge, aber er liebt mich, ich bin Privatpatient, „Mund auf.“

Und am Ende kehren sie ja doch immer zum behandelnden Arzt zurück.