Anleitung zum Entlieben

27.10.2006 um 23:15 Uhr

Schwesterliche Sorge

von: Lapared

„WAS? Du arbeitest fast rund um die Uhr? Seit Dienstag? Oh Gott...“

Meine Schwester hat gleich wieder die schlimmsten Sorgen.

„So wird das nie was mit dem Willi, Du musst doch total scheiße aussehen?! Angestrengt...“

Ich dachte, sie würde mich besser kennen.

„Natürlich sehe ich scheiße aus. Deshalb arbeite ich ja auch nicht durch, sondern verwende morgens zwei Stunden darauf, den Leichnam in Schuss zu bringen, dem ich die Zähne putze. Bevor er zum Willi in die Agentur darf...“

„Gut“, sagt meine Schwester, „gut. Du musst toll sein, aber ohne es zu wollen. Wollen wirkt unsympathisch.“

Klar doch. Ich bin schließlich nicht ehrgeizig.

„Schmink Dich anständig. Es muss ungeschminkt aussehen.“

Haare waschen, aufdrehen und danach zerwühlen, als käme ich gerade frisch gevögelt aus dem Bett... ich weiß.

„Und hau rein, wenn Ihr mittags essen geht.“

Ein halbe Schwein, bitte! Ich bin sinnlich, ein Lustmensch, ein Vollweib.

„Kannst ja abends auf Deinen Stepper gehen!“

Mit Größe 36 natürlich. Bei mir setzt nichts an, nichts, ich kann essen, was ich will.

„Und vor allem, Lchen: lächeln! Entspannt lächeln nicht vergessen!“

Jetzt reichts. Das muss ich mir nicht länger anhören.

„Hör auf!“ unterbreche ich meine Schwester,„Hör endlich auf! Das ist doch... KLAR!“

Manchmal habe ich das Gefühl, sie hält mich für eine Anfängerin. Die eigene Schwester. Ach, das Leben kann hart sein...