Anleitung zum Entlieben

28.10.2006 um 22:12 Uhr

Er ist zu schön

von: Lapared

„Er ist zu schön für mich“, sage ich zu meiner Schwester, „er ist einfach zu schön für mich!“ – „Das geht gar nicht!“ sagt meine Schwester. Sie ist eben meine Schwester.

Er IST zu schön.

In Sex and the City gibt´s doch diese Folge, in der Carrie von einem modeaffinen Kriminellen überfallen und mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird, ihm ihre Manolos zu überlassen. Und Miranda, die Carrie zu Hilfe kommt, lernt diesen gut aussehende Police Detective kennen, der ganz hingerissen von ihr ist, hingerissen. Aber sie vermasselt das Date mit ihm, weil sie ihn so schön findet, viel schöner als sich selbst... und dadurch ist sie so unsicher, dass sie keinen Ton herausbringt und um ein wenig locker zu werden, trinkt sie diesen hervorragenden Wein... aber sie trinkt ein bisschen zu viel und so landen sie zuletzt sehr gelockert zusammen im Bett... und als Miranda am nächsten Morgen aufwacht, total verkatert, findet sie den Zettel mit der Telefonnummer, die er dagelassen hat... aber es ist nicht seine, sondern die der Anonymen Alkoholiker - das war´s mit dem schönen Mann.

Daran muss ich immer denken. Und auch daran, dass es in der Folge nicht ein MAL darum ging, ob der Mann nun wirklich schöner war als Miranda (ich fand nicht, vor allem war er nichts, NICHTS im Vergleich zu Willi), sondern nur darum, dass Miranda - die Figur der gleichermaßen erfolgreichen wie attraktiven Anwältin, die ihr Selbstbewusstsein allerdings mehr aus ihrer Intelligenz als aus ihrem Äußeren bezieht - ihn schöner fand. Und dass sie am Ende als Alkoholikerin aufwacht. Mit einem Mordsschädel.

Daran muss ich immer denken, denn, na ja... mir ist gestern genauso ergangen. Was soll ich sagen? Ungewollt brillant sein und ungeschminkt schön sein und lustvoll mit einem halben Schwein schlank sein und frisch gevögelt frisiert sein. Unangestrengt, versteht sich. Sorry, das ist einfach zu anstrengend für mich.

Und so wachte auch ich heute Morgen mit einem Mordsschädel auf. Allerdings hatte ich nicht mal einen Zettel auf dem Nachttisch. Ein Skandal. Wein hatte ich auch nicht gehabt. Schlimm. Und – und das ist das eigentlich Schockierende – nicht mal ´ne Bumsorgie mit Willi. Das einzige was ich gehabt hatte, waren zum fünften Mal hintereinander weniger als drei Stunden Schlaf... und nun eine Hammermigräne.

Er ist zu schön.