Anleitung zum Entlieben

30.11.2006 um 22:49 Uhr

Schlimme Nachrichten für meine Analytikerin

von: Lapared

Meine Krankenkasse. Kaum liegt denen der Antrag auf eine 250-stündige, analytische Psychotherapie vor, wollen sie mich rauswerfen. Das Wollen sei ihnen vergönnt, ich mein, rechne mal aus, 250 mal 92,50... macht 23.125, das Wollen kann man ihnen nicht verübeln. Aber Können können sie ja nicht. Eigentlich. Es sei denn… Hohlkopf Lpunkt legt ihnen passgenau eine Traumflanke vors Tor.

Da gab´s mal diese Rechnung von meiner Schmerztherapeutin. Die Göttin, die die Migräne weggemacht hat. Und auf dieser Rechnung stand ein Posten, von dem ich zu spät erfahren hatte, dass die Kasse ihn nicht übernimmt. Irgendwas Chakradingsbumsenergieflußmäßiges. Wozu die Verzweiflung eines Migräneanfalls einen so treibt.

Ich also die Göttin gebeten, da was anderes drauf zu schreiben, Elektroschocks oder so, irgendwas Handfestes, Reelles, das die Kassen fraglos zahlen. Ich war gerade nicht so flüssig für Chakradingsbumsenergieflußmäßiges und sah außerdem nicht ein, bei 560 Euro Krankenversicherung im Monat so ein kleines verzweifeltes alternativmedizinisches Experiment aus eigener Tasche zu bezahlen. Blöd.

Jedenfalls. Hatt´se gemacht, der Engel, hat eine neue Rechnung geschrieben. Und ich Kamel reiche aus Versehen beide Rechnungen ein. Erst die neue Falsche. Und vier Monate später, als ich beim Durchforsten klein Manhattens (meine Ablage) eine Rechnung ohne Bezahlt-Häkchen fand, die alte Richtige. Saublöd.

Großes Hallo… böse Schreiben… Verlust der Vertrauenswürdigkeit… Betrugsversuch… behalten wir uns vor, wegen unrichtiger Anzeige als Versicherer von dem Vertrag zurückzutreten… oha. 23.125 Schleifen. Man kann es ihnen nicht verübeln. Aber wie soll ich das nur meiner Analytikerin sagen?

29.11.2006 um 21:50 Uhr

Wegen des großen Erfolgs verlängert: die Modestrecke, Teil 2

von: Lapared

(Heute… mit Mann.)

Mit dem Zelten halten sich wohl alle Männer dran. Bei unserem italienischen Abend hatten HK und ich um die Anprobe eines Yamamoto-Wigwams gewettet, ob in einem Risotto alla milanese traditionell Erbsen beheimatet sind oder nicht. HK wettete ja, ich wettete nein. Und der uritalienische Ober schwor, Erbsen seien im Risotto ein - wie er es uritalienisch ausdrückte – „absolutes must“. Mußten sie wohl auch, denn in der senfgelben Restepfanne, die er uns als Risotto alla milanese servierte, sorgten murmelgroße Tiefkühlerbsen für farbliche Akzente. Ich wette – nein ich wette lieber nicht, nie mehr - HK aß dieses Risotto nicht zum ersten Mal. Wieder puhlten wir Erbsen, Lpunkt hatte verloren.

Heute, beschloss ich dann, wäre ein guter Zeitpunkt, meine Schuldigkeit einzulösen. Ich verband einen Zahnarztbesuch mit einer Verabredung im Wigwamladen, Wettschulden sind Ehrenschulden.

Der Verkäufer, ein graziler naturblonder Asiate, war entzückt. HK und ich sahen für ihn viel versprechend aus. Wie bei jedem Paar mit Attraktivitäts- oder Altersgefälle wittert sein feines Verkäufernäschen den süßen Duft von Verlustangst und kompensatorischer Großzügigkeit, er spekuliert, dass der Hässlichere oder Ältere in dem Gespann für seine Begleitung tüchtig latzt, und verplant im Hinterkopf schon seine Provision. Sie lief zu Höchstform auf, die kleine Hyäne.

„Oh mein Gott! Mein Gott! Das ist toll, toll, ganz WUNDERBAR!“

Ich stehe in einem monströsen grauen Gewand inmitten des puristisch cremeweißen Showrooms und sehe aus wie ein Findling.

„Wie fühlen Sie sich?“ Warum lügen. „Wie ein Findling.“ Sein System erkennt kein Nein. „Ein Findling, ja! Wahnsinnig archaisch, skulptural…“ Hoho, ein Verkäufer erklärt mich zur Kunst. „…Was sagen Sie?“ Ja, was sagt der vermeintliche Financier? HK verzieht keine Miene. „Toll, darf ich es auch mal anprobieren?“ Für einen winzigen Moment scheint Mr. Wunderbar irritiert. Er streicht eine goldene Strähne hinter sein kleines Ohr. „Ähhh… Das ist ein Kleid speziell für Frauen, aber ich habe etwas ganz Ähnliches für Männer!“ HK steht auf. „Ich möchte es anprobieren, ich liebe Frauenkleider!“ Das ist HK, er liebt Peinlichkeiten. Ich nicht.

Der Verkäufer nickt und springt. Ein paar Minuten vergehen und wir stehen beide in denselben Kleidern da. Zwei Findlinge, ein großer und ein etwas kleinerer, in einem riesigen cremeweißen Designer-Showroom. „In ein Risotto alla milanese gehören keine Erbsen“, sagt der große Findling. „Zu blöd, dass die Erbsen nichts davon wussten“, sagt der kleine Findling. Ich fühle mich albern und hasse es. Jemand wittert doppelte Provision und schlägt entzückt die Hände vors Gesicht: „Zwei Findlinge, die sich gefunden haben!“ Verkäufer und Romantiker, wer hätte das gedacht. „Wir überlegen es uns noch mal!“ lächle ich. „Wir überlegen, ob wir es hässlich finden oder abscheulich!“ lächelt HK.

Das ist der Unterschied zwischen HK und mir. Er sagt, was ich denke. Auf den ersten Blick scheint sich das zu ergänzen, aber eigentlich ist es eine Kluft.

Na, und wieder eine Zeltepisode überstanden.

(Das große Plätzchenspezial verschiebt sich auf… unbestimmt.)

28.11.2006 um 19:27 Uhr

Neu bei Lapared: die Modestrecke

von: Lapared

(Da es in der Vergangenheit ja viel um Männer ging, möchte ich mich nun dem anderen großen Schwerpunktthema des Frauseins zuwenden...)

Ich bin in dem Alter, in dem man jeden neuen letzten modischen Schrei mit einem Howard Carpendale Klassiker begrüßt. Hello again. Alles schon mal da gewesen. Manchmal Hello again, aber diesmal ohne mich, wie im Falle der Schulterpolster, sollten sie es jemals, jemals wagen. Manchmal Hello again, Du isch möchte Disch heut noch sehn, wie im Falle des Parkas, den ich als eine der Ersten modisch wieder aufgegriffen habe, sobald er gerade eben gesellschaftsfähig war, und der, das wissen die meisten gar nicht, aus der Kreuzung einer Uniformjacke mit einer Damenhandtasche entstand. Eine Jacke, praktisch wie ein zweiter Haushalt. In den Taschen, Nischen und geheimnisvollen Tiefen eines Parkas kann man alles mitführen, was man zum perfekt frisierten Überleben braucht und hat noch beide Handy frei zum Klavierspielen, sehr praktisch. Na.

Und heute war es wieder mal soweit, Zeit für ein Hello again. Da im Zuge einer neuen Phase der Appetitlosigkeit die Buxen flattern wie die Sylter Sturmflut-Flagge, lief ich rüber zum Bekleidungsladen und bat um eine Jeans ähnlich der, die ich trage, nur kleiner und vielleicht in einer anderen Farbe, damit nicht alle Tage gleichermaßen blau sind. Als ich in die gereichte Hose stieg, war es ein Gefühl wie… nachhause kommen. Die Taillenhose ist wieder da! Der Low Cut ist tot, es lebe die Stundenglas-Silhouette mit engem Bund und Damen-Mode, die den Hintern bis zur Taille gehend interpretiert. Ich stecke in einer Hose, so hoch, dass sich der Nabel mit dem Knopf unterhalten kann. Hello again.

Sicherheitshalber frage ich den jugendlichen Verkäufer - immerhin hatte er die Hose aus dem Lager geholt, wer weiß, seit wann sie dort lag. „Junger Mann, sind Sie sich sicher, dass diese Hose den modischen Ansprüchen genügt?“ In meiner Branche kann ich mir auf dem Gebiet keinen Patzer leisten. Er meint, ja, ich sage, gekauft. Der ausgezeichnete DM Preis macht mich schon etwas stutzig, egal, mein Hintern ist heimgekommen und wieder da, worin er zur Schule gegangen ist, in einer taillenhohen dunkelblauen Röhre Größe 27/34, das hatten wir doch alles schon mal. Und falls sich herausstellen sollte, dass ich damit doch nicht so en vogue bin, trage ich – what a feeling - einfach einen XXL Pulli darüber...

(Und morgen: Die schönsten Weihnachtsplätzchen! Mit großem Extraheft zum Rausnehmen.)

27.11.2006 um 21:17 Uhr

Wie man eine Analytikerin elegant auf Abstand hält

von: Lapared

„Ich hab vielleicht eine neue Wohnung! Ganz in der Nähe, nur zwei Straßen von hier, wär´ das nicht toll?!“

Im Umgang mit allzu anhänglichen Menschen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nichts nützt, sie zurückzuweisen. Zurückweisung macht es nur schlimmer. Sie verbeißen sich wie kleine Hündchen und hängen dir am Po. Vier Mal, vier Mal, vier Mal – meine Analytikerin ist der Paradefall, sie hält sich dran. Nicht zurückweisen, NICHT ZURÜCKWEISEN!

Viel besser - und zudem viel eleganter - ist, wenn man stehen bleibt… sich ruhig umdreht… und weit die Arme öffnet. LÄCHELN!

„Wir wären Nachbarinnen! Sie könnten sich die Eier für den Gugelhupf bei mir leihen!“

Schon kriegen sie´s mit der Angst und suchen das Weite.

„Aber schön zurückbringen, gell?!“

Denn diese überanhänglichen Menschen sind – wenn ich kurz den psychologischen Hintergrund beleuchten darf – ja nur darum so verbissen, weil sie außerfamiliäres Interesse an ihrer irisierenden Person so überhaupt nicht kennen. Weil schon damals niemand mit Frau Dr. Stock im Gesäß spielen wollte. Wende Dich ihnen zu und siehe, wie sie laufen. Nichts ist so beängstigend, wie ein sehnlichster Wunsch, der sich endlich erfüllt. Run, Dr. Stock, run!

„Das erscheint mir sehr positiv, Frau Lpunkt. Wenn Sie hier wohnen, könnten Sie möglicherweise doch vier Mal kommen - nicht?

Aber nur, wenn Sie beim Tapezieren helfen. MIST.

26.11.2006 um 17:33 Uhr

Kein Tango mit dem dicken Papa

von: Lapared

Sonntags, nach 10 Stunden Schlaf und einem morgendlichen Ausritt auf meinem treuen alten Stepper, bin ich gern in Stimmung für gute Taten.

„Walk The Line – ist da vielleicht schon einer zurück?“

Ein junger Mann hegt offenbar Hoffnung, sonntags um Vier in einer schmierigen kleinen Wohnzimmer-Videothek einen halbwegs neuen Film zu bekommen. Rührend.

Ich stehe hinter ihm am Tresen und fächere mir mit einem Film, den ich gern zurückgeben würde, verbrauchte Luft zu. Dies ist die Abgabe, nicht die Auskunft, wäre ein Film zurück, hinge da doch ein Dings. Dummer Hund.

Entschuldigend schaut der junge Mann sich um.

„Ich hab´ hier Walk The Line, ich will ihn abgeben!“ höre ich meine Stimme engelsgleich. Und sie spricht die Wahrheit - wieder mal hat mich die Sonntagslaune zu einer guten Tat hingerissen. Der junge Mann sieht aus wie der junge Marlon Brando. Er lächelt:

„Ist der gut?“

Geht so. „Suuu-per!“

„Hätten Sie Lust, ihn noch mal zu schauen?“

Was wird das, Der letzte Tango, umgekehrt? Ich bin erfreut, geehrt, gerührt, „Nein Danke, lieber nicht…“, aber ich mag letzte Tangos nicht, egal wie rum.

„Schade, wir wollen nämlich einen kleinen Videoabend machen, mein Vater, meine Freundin und ich.“

Vater, verstehe. Ich denke an den alten Marlon Brando. Da überlasse ich ihm meinen Film und er will mich mit einem Fass verkuppeln! Keine gute Tat bleibt ungesühnt.

25.11.2006 um 15:42 Uhr

Lapareds Freitag am Samstag

von: Lapared

(Bevor ich gestern Nacht feststellte, dass die blogigo-Seite nicht geht, berichtete ich dies von Lapareds Freitag…)

Wie versprochen, verkackt. Immerhin darf ich um Sieben gehen. Danke und auf Nimmerwiedersehen.

Im City-Spar treffe ich… ach hallooo!!!… jeden. Der City-Spar mit Feinkost-Käfer-Flair ist eine Institution und freitagabends die After-work-Location des gehobenen Innenstadt-Werbers mit Alsterblick. Der High-End-Kreativen. Am Wochenende müssen auch sie sich teilweise zuhause verpflegen, denn samstags und sonntags beginnt die Arbeit in der Regel erst ab elf. Der Werber braucht Lavazza für seinen Saeco-Kaffeevollautomat. Und Basilikum. Ab einem bestimmten Punkt braucht man frisches Basilikum. Ich bin noch nicht so weit. Fast an der Kasse sehe ich plötzlich… ach hallo… auch HK. „Na?" – „Na?“ Betretener Blick in die Einkaufskörbe. Brot, Milch, der gute Brie… alles andere haben wir auf Vorrat, dies ist der City-Spar mit Käfer-Flair, kein Dealer. „Wie war der Job?“ – „Verkackt. Wie war die Woche?“ – „Beschissen. Gehen wir was Essen?“ – „Gehen wir was Essen.“ Wir lassen die Körbe stehen und verlassen den Club. Gegenüber kaufen breitschultrige Mittfünfzigerinnen in Männerschuhen grau-schwarze Yamamoto-Gewänder, die sie – vermutlich zu schneeweißen Herrenhemden - bei der Premiere der kontroversen XY-Inszenierung im Schauspielhaus tragen werden. Was an zarten Asiatinnen zauberhaft wirkt, macht aus Frau Dr. Schmiede-Sulthaupt einen Trampel. Ihr Akademikerinnen-Kopf schaut aus dem Kleid wie aus einem Wigwam. Wir sehen es und müssen grinsen. „Sexy stuff, hm?“ Je weniger wir reden, desto besser scheinen wir uns zu verstehen. „Zieh doch mal an.“ Ich schüttle den Kopf. „Ich bin nicht so für´s Zelten.“ Zu wem hatte ich das nur schon mal gesagt? Ich denke an meine erste Nacht im Zelt im hohen Alter der nahenden Vierzig auf einem Zeltplatz eine Stunde nördlich von Amsterdam, während mein Land im Fußballzauber lag. Ich denke an den Geruch der Öllampe, die nachts im Vorzelt brannte, die warme Milch auf dem Gaskocher morgens für den Kaffee und das Spülen der angebrannten Töpfe vor den Waschräumen unter freiem Himmel. Wir hatten großes Glück mit dem Wetter. „Wo gehen wir hin...?“ fragt HK. Ich denke an das einzige Spiel, das ich schließlich doch gesehen habe, ich denke an das Spiel Deutschland gegen Italien, bei dem ich – wegen des gelben Kennzeichens seines blauen Wagen - als vermeintliche Holländerin zwischen Italienern vor der Großbildleinwand eines Campingplatzes in den Schweizer Alpen saß. Was finden die nur immer noch am Hitlergruß? Wir stehen vor einem Restaurant. „Italiener?“ – „Klar.“ Das Leben geht weiter.

(Heute, am Samstag, reicht es vielleicht, dies hinzuzufügen…)

Wir waren einfach essen und es war gut. Wir haben über die Arbeit geredet, die wir gemeinsam haben, über Menschen, die wir beide kennen, und immer wussten wir, dass es noch mehr gibt, womit wir beide täglich umgehen, und worüber man nicht reden muss. Eine Annäherung, keine Annäherungsversuche, drei geteilte Stunden, danach ging man auseinander, weiterleben. Was ich sagen will… Ich weiß nicht, was das wird und wo es hinführt. Dies ist kein Buch, leider nicht, es folgt keinem Plan, keiner idealen Spannungslinie, es geschieht und manches verläppert sich auch einfach. Pointenlos.

Es war ein angenehmer Abend.

23.11.2006 um 23:27 Uhr

Geständnisse eines Legehuhns

von: Lapared

In dem Garten weht ein scheiß eisiger Wind. Und dafür bin ich, man muss es einfach so sagen, nicht warm genug angezogen. Einfach nicht gut genug. Einfach nicht frei genug. Einfach nicht kühn genug. Nach einem Leben in der Legebatterie, trage ich den Käfig längst im Kopf. Und das lässt sich auch nicht – wie etwa der Mangel an Talent, mit dem ich mich sonst rumschlage – durch Fleiß und Ausdauer wettmachen. Kurz und gut, diesen Job werde ich gründlich verkacken.

Aber Arbeit, Leistung, Erfolg, das ist ja zum Glück nur eine Dimension meiner schillernden vielschichtigen Existenz. Ansonsten gibt es da ja noch… noch… noch… Eben war ich zum Beispiel auf der Abschiedsparty eines Freundes, der kein Freund war, bis zu dem Zeitpunkt, da er beschloss, diese Stadt und mein Leben zu verlassen. Hatte vergessen, vorher zu essen, und war nach einem Bier quasi voll. Auf dem Rückweg bin ich dem schwarzen Hund begegnet, der immer alleine in der Straße spazieren geht, und dabei stets ein kleines Stoffnilpferd in der Schnauze trägt. Er kam an und hat es mir vor die Füße gelegt. Ich war stark geschmeichelt und aufrichtig erfreut - aber ich wusste nicht recht, was ich damit anfangen soll.

Tut mir leid... vielleicht waren es auch zwei Bier.

22.11.2006 um 23:21 Uhr

Profis und Amateure

von: Lapared

Beide ganz zufrieden? Was heißt das denn jetzt?“

Bei meiner Schwester komme ich natürlich nicht so leicht davon.

„Weiß nicht.“ – „Wie seid Ihr denn auseinander gegangen? Man sieht sich? Das wiederholen wir aber mal? Zu mir oder zu Dir?“ – „Häschen, wir sind Texter. Profis. Die Krücke der Floskeln, mit der sich das gemeine Volk durch die Peinlichkeiten des Zwischenmenschlichen laviert, ist uns zu blöd.“ – „Selbstverständlich. Also, was habt Ihr am Ende gesagt?“ – „Er hat gefragt: Meinst Du, es bringt was, wenn wir uns noch mal treffen?“ – „Poetisch. Und Du?“ – „Puh, keine Ahnung, müsste man ausprobieren.“ – „Puh, keine Ahnung, müsste man ausprobieren. Statt eines vulgären, schmucklosen: ja. Texter müsste man sein.“ – „Danke, Hase.“

Beide ganz zufrieden? Was meinen Sie damit (Denkpause)… genau?“

Auch meine Analytikerin hakt noch mal ganz hart nach.

„Heißt das: Sie selbst waren zufrieden und Sie glauben, der Mann war es auch?“ – „Genau.“ – „Wa-rummm (das warum spricht sie wie ein Fallbeil) waren Sie zufrieden? (Und dann lächelt sie wieder wie eine Porzellanpuppe.) Das, was Sie gesucht oder erhofft hatten, als Sie zu dem Treffen gingen, hatten Sie doch eigentlich nicht gefunden?“ – „Tja, Sie kennen das ja, man marschiert los und will einen Mantel kaufen und kommt mit einer DVD-Sammlung zurück!“ – „Sie haben nicht den Schutz und die Wärme gefunden, die Sie gesucht haben? – „Ich habe etwas gefunden, was ich nicht gesucht habe, das aber trotzdem schön ist.“ – „Unterhaltung?“ – „Blöde Kuh.“

Es ist eben doch was anderes, wenn man mit einem Profi spricht.

21.11.2006 um 23:05 Uhr

Und mal wieder...

von: Lapared

... ein DVD-Tipp:

Das Leben der Anderen

Ulrich Mühe mit seinem Wägelchen zum Schluss hat mich auf meinem Stepper zu Tränen gerührt.

21.11.2006 um 22:02 Uhr

Neues… Und Zurück.

von: Lapared

Gerade arbeite ich für eine Agentur, für die ich vorher noch nie gearbeitet habe. Eine tolle Agentur. Wirklich, ganz toll. Überzeugt, dass Kreativität nur in Freiräumen entsteht, kann jeder arbeiten, wie und wo er will, und kommen und gehen, wann es ihm passt – so ungefähr. Hauptsache, dass am Ende des Werbejahres ein paar Cannes-Löwen auf dem Schreibtisch stehen. Und das Allerbeste an der Agentur: Es funktioniert. Die können sich da mit Preisen totschlagen. Ganz toll ist das.

Nicht jetzt unbedingt für mich, die mich gerade Grenzen beflügeln - Regeln, Verbote, Eheringe… Ich persönlich fühle mich wie ein verdientes altes Legehuhn, das am Ende seiner Tage zum ersten Mal einen blühenden grünen Garten sieht und denkt: Scheiß Gestrüpp, so kannisch net arbeite! Und sich innerhalb des schönen großen Gartens aus Ästchen und Stöckchen zitternd einen neuen Käfig baut. So viel zum Tagesgeschehen.

Und was die Hummerkrabbe angeht. Die Rückfahrt war eigentlich der angenehmste Teil der kleinen Reise. Immerhin lagen die Karten auf dem Tisch, wir mussten nur noch heraus finden, wer von uns der größere Verlierer ist. Der Sieger kriegt den letzten Nudelsalat.

„Okay“, sag ich, „ich gebe zu, Du hast es nicht leicht. Du bist hässlich und Du bist Alkoholiker und Du lebst mit über vierzig bei Deiner Mutter. Aber andererseits bist Du Chef. Du hast täglich Leute um Dich, die vertraglich dazu verpflichtet sind, für wichtige Meetings zur Verfügung zu stehen, in denen Du die Verbitterung über die Erbärmlichkeit Deiner Existenz nach Herzenslust an ihnen auslassen kannst. Wer hat das schon?“

„Das ist wahr, Lpunkt. Ein echtes Privileg...“

„Ich, zum Beispiel, stehe, wenn man es genau betrachtet, viel beschissener da. Ich sehe gut aus, ja, aber wie lange noch? Drei, vier, fünf Jahr vielleicht, die Wunder der plastischen Chirurgie schon einkalkuliert, danach bin ich nur noch eine dürre alte Schabracke, komplett gestört, nach 500 Stunden Analyse zu 100 Prozent therapieresistent, und mit niemandem, an dem sie ihren Frust auslassen kann - außer sich selbst.“

„Siehst Du! Deshalb hab ich Dir die Stelle angeboten. Du könntest Praktikanten, Juniortexter und meinetwegen auch die Empfangsdame drangsalieren. Du wolltest ja nicht!“

„Deshalb? Das war aber wirklich fürsorglich von Dir.“

„So bin ich. Fürsorglich. Andere hätten ihre Mutter längst ins Heim gegeben!“

„Ja, im Grunde bist Du fantastisch… Krieg ich den Rest vom Nudelsalat?“

Ich habe den letzten Nudelsalat bekommen. Danach hat er aus dem Fenster gesehen und mit der Bahnwagensessel-Allergie gekämpft, die seine Schleimhäute manchmal reizt und seine Augen tränen lässt. Und ich habe geschlafen und damit es echter wirkt ein bisschen geschnarcht. Irgendwann ist er dann auch eingenickt.

Ich weiß, er hatte es nicht so gemeint, als er sagte, er hoffe, wir würden miteinander schlafen. Aber am Ende der Reise waren wir – glaube ich – trotzdem beide ganz zufrieden. Irgendwie…

20.11.2006 um 22:46 Uhr

Und mal was ganz Anderes

von: Lapared

Danke für die Kommentare. Leise Höm.

20.11.2006 um 22:21 Uhr

Die Reise nach Plön. Teil 2: Hin

von: Lapared

So ein Mist. Jetzt hätte ich mal was zu erzählen – eine Reise nach Plön, Plön! - und kann nicht. Nicht so richtig. Weil ich schon wieder gebucht bin. Ein Schokoriegel braucht mich, tja.

Aber wo waren wir...? Auf dem Bahnsteig. Bei „Schön, dass Du dem Geschlechtsverkehr mit mir so vorbehaltlos positiv gegenüber stehst.“ Was soll man als Frau anderes sagen, wenn ein atemberaubend hässlicher Mann nach 2 Minuten klarstellt, dass er ungeachtet der Tatsache, dass Du den Nudelsalat seiner Mutter unter Umständen nicht magst, bereit wäre, mit Dir zu schlafen. Ich lächle.

HK verzieht keine Miene. „Ich stehe dem Geschlechtsverkehr mit Dir deshalb vorbehaltlos positiv gegenüber, weil ich Dir vorbehaltlos positiv gegenüberstehe, Lpunkt.“ Ernste Gefühle, ernsthaft vorgetragen, so gehört es sich, meine Analytikerin wäre erfreut.

Forschend suche ich in seinen Zügen nach Anzeichen von Malaria, Creutzfeldt-Jakob oder irgendeiner anderen tödlichen Krankheit, die ihm nur noch zwei Wochen auf diesem Planeten lässt und sein rasantes Tempo rechtfertigt. „Da kommt unsere Bahn…“, stottere ich, obwohl ich nicht sicher bin, ob ich in diesen Zug noch einsteigen will. Ich erwarte Deinen Heiratsantrag spätestens in Bad Oldesloe.

„Ah, unsere Bahn!“ jetzt lächelt er. „Dem Bahnverkehr mit Dir stehe ich sogar noch viel vorbehaltloser gegenüber.“

Sehr gut, ein kleiner Witz, geht doch. Ich atme durch, ich entspanne mich, wir sind wieder in der richtigen Reihenfolge. Der Schaffner pfeift (pfeifen Schaffner noch?), die Türen schließen, ratternd setzt sich der Zug in Gang.

(Eine Metapher? Der Anfang einer langen gemeinsamen Reise? Nun...)

20.32 Bad Oldesloe. Kein Antrag, dafür die Ankündigung eines Geständnisses. Bin ich gespannt.

20.52 Lübeck. Spiegeltrinker, mit anderen Worten Alkoholiker.

21.08 Bad Schwartau. Nudelsalat (mit Erbsen) und Bordeaux. Prost.

21.19 Pönitz. Seine Mutter - Kompliment für den Nudelsalat (trotzdem) - lebt übrigens im Haus.

21:29 Eutin. Beziehungsweise, er lebt strenggenommen in ihrem Haus.

21:34 Bad Malente-Gremsmühlen. Eigentlich einer großen Wohnung.

21.43 Plön. Sehr schön. Wirklich sehr schön, was man sieht.

22.16 Und nun die ganze Strecke wieder zurück...

Immer dieses Bahnfahren. Warum kann man nicht einfach Essen gehen?

19.11.2006 um 21:26 Uhr

Die Reise nach Plön. Teil 1: Am Bahnsteig

von: Lapared

Als ich HK da stehen sehe, muss ich an Dick denken und daran, wie er mich in Amsterdam vom Bahnhof abgeholt hat, vor einem Jahr etwa, etwas mehr. Er lief neben dem einfahrenden Zug her, als er mich darin entdeckt hatte, er winkte. Ich betrachte HK, seine faszinierende Hässlichkeit, und frage mich, ob es, wenn ich gleich zu diesem merkwürdigen Mann hin gehen werde, geschieht, weil er mich an einen anderen erinnert. Oder ob der andere nur geschehen ist, weil er mich damals, als ich ihn das erste Mal sah, an diesen Mann erinnert hat. HK dreht sich zu mir, er schaut mich an und steht völlig regungslos. Erst als ich fast bei ihm bin, lächelt er.

„Hast Du Dein Häkelzeug dabei?“

„Selbstverständlich.“ Ich klopfe auf mein Täschchen mit Lippenstift, Portemonnaie und Pfefferspray.

„Und sonst… ich habe für alle Fälle was zu Essen mitgebracht. Nur für die Hände.“ Er klopft auf seine Tasche mit weiß ich was.

„Schnittchen?!“

„Nudelsalat. Magst Du Nudelsalat?“

Als Nudeln betrachtet oder als Salat? „Ja, gern.“ Wie kommt ein Mensch auf Nudelsalat?

„Von meiner Mutter. Und mir ist übrigens egal, ob Du ihn isst, ich glaube nicht daran, dass Frauen, die wenig essen, schlecht im Bett sind.“

„Nett von Deiner Mutter. Und mir ist übrigens egal, was Du glaubst, wie ich im Bett bin.“ Wusch! „Sind Erbsen an dem Salat?“

„Zwei oder drei. Entschuldigung, ich wollte nicht…“

Aussprechen, worauf das alles hier hinausläuft? „Schon gut. Wir puhlen sie einfach raus.“

„Und ich denke übrigens, dass Du toll im Bett bist!“

Huch.

„Jedenfalls denke ich, es wäre toll, wenn es mein Bett wäre, in dem Du bist. Ganz gleich, wie gut oder schlecht, es wäre toll…“

HUCH. „Schön, dass Du dem Geschlechtsverkehr mit mir so vorbehaltlos positiv gegenüber stehst.“

Und da saßen wir noch nicht mal im Zug.

18.11.2006 um 19:27 Uhr

Anruf von der Hummerkrabbe!!!

von: Lapared

Ob ich Lust hätte, mit ihm essen zu gehen.

„Warum muss es eigentlich immer Essen gehen sein?“ frage ich. Geht es um den hemmschwellensenkenden Bordeaux, den man der Zielperson zum Essen beiläufig einflößen kann, oder glauben Männer tatsächlich immer noch diesem uralten Mythos urbaner sexueller Frühdiagnostik: Pasta gleich Rakete, Salatteller gleich Brett?!

Die Hummerkrabbe weicht aus: „Na ja, man sitzt zusammen, kann sich unterhalten… und niemand muss sich fragen, was er mit seinen Händen machen soll.“

Wie süß, die Hummerkrabbe gibt sich unsicher, da steh ich ja drauf. „Wir könnten genauso gut mit der Bahn nach Plön fahren und dabei Eierwärmer häkeln.“ Ha!

„Daran hatte ich auch zuerst gedacht. Aber weißt Du, beim Häkeln muss ich Brille tragen, und damit wirke ich irgendwie unvorteilhaft.“

DU unvorteilhaft? „Ich häkel und Du kannst die Hände einfach in die Hosentaschen stecken.“ Hab ich das gerade gesagt, ICH? Ich will weder häkeln noch nach Plön!

„Echt?! Na, dann lass uns mit der Bahn nach Plön fahren, ist das ´ne Stadt?“

Eine Anstalt für schizophrene Werbetexterinnen. „Keine Ahnung, schau doch mal im Internet…“ Bitte nicht!

Danke, doch. In - oh scheiße! - 30 Minuten treffe ich die Hummerkrabbe am Hauptbahnhof. Zweimal Plön zweiter Klasse, hin und zurück.

17.11.2006 um 22:01 Uhr

Im Prinzip das Paradies

von: Lapared

Das Leben eines Freien – also meins – ist im Prinzip das Paradies. Man fliegt ein, wenn die Verzweiflung groß ist, man brütet ein paar Tage und legt ein goldenes Ei, man schwirrt wieder ab und alle winken, die freundlichen kleinen Geldscheinchen auch. Dann setzt man – nach kurzem Zwischenstopp im Stiefelchengeschäft – gemütlich auf der Couch wieder auf. Noch einen kleinen Augenblick denkt man an die Willis oder Hummerkrabben, die man zurückgelassen hat. Und stellt dann fest… man ist frei. Frei! Ab Montag, irgendeinem Montag, winkt irgendwo ein neuer Job. Auch dort gibt es vielleicht wieder irgendeinen Willi, irgendeine Krabbe, auch dort erwartet sicher niemand mehr als ein goldenes Ei. Und auch dort wird man selbst wissen, egal wie gut oder beschissen es läuft, es ist ja bald vorbei. Das Paradies.

Man darf nur nie daran denken, dass das mit den goldenen Eierchen vielleicht irgendwann mal nicht mehr funktionieren könnte.

Aber diesmal hat es ja funktioniert. Zeit für einen kleinen Eierlikör...

16.11.2006 um 23:25 Uhr

Keine Ahnung

von: Lapared

„Geh ma kacken, hat da einer im Kommentar geschrieben, geh ma kacken!“ Wie immer, wenn ich tief erschüttert bin, rufe ich meine Schwester an. „Und?“ fragt sie. „Vielleicht sollte ich die Kommentarfunktion doch besser abschalten, Du weißt, wie ich Fäkalsprache hasse.“ – „Wegen so ´nem Arsch, der schlecht geschissen hat?“ – „Hach, schön hast Du das gesagt.“ – „Und der sich innerhalb seines begrenzten Arschlochhorizonts entsprechend seiner Erlebniswelt artikuliert?“ – „Genau!“ – „Also… Erzähl mal lieber, wie´s mit der Hummerkrabbe war!“ – „Ach, ja, die Hummerkrabbe... Die Hummerkrabbe ist eindeutig ein schwanzlastiges Tier.“ – „Also doch als Mann?“ – „Andererseits ist die Hummerkrabbe eben auch eins der selten Tiere, bei dem man Kopf und Schwanz auf den ersten Blick kaum unterscheiden kann.“ – „Also als Chef?“ – „Keine Ahnung, es kam mir vor, als würde beides bei ihm nahtlos ineinander übergehen.“ – „Wobei bei Hummerkrabben ja nur EIN Teil als genießbar gilt.“ – „Für den Menschen, ja, aber wenn man der Hummerkrabbe nun als Hummerkrabbe begegnen würde…“ – „Also, wat denn nu?“ – „Ich weiß es nicht, er hat geflirtet, ja, aber er hat mir auch ein Angebot gemacht.“ – „Und Du?“ – „Ich hab geflirtet und es abgelehnt.“ – „Und dann?“ – „Haben wir uns den Nachtisch geteilt.“ – „Heißt?“ – „Haben wir uns den Nachtisch geteilt.“ – „Und nu?“ – „Keine Ahnung.“

Ehrlich, keine Ahnung. Aber irgendwie scheint es ganz gut, dass ich morgen Abend da weg bin.

16.11.2006 um 00:02 Uhr

Nachtrag

von: Lapared

Ach, und das hätte ich fast vergessen. Ich war heute mit der Hummerkrabbe beim Chinesen!

Aber davon ein anderes  Mal...

15.11.2006 um 23:57 Uhr

Die blöde Helena

von: Lapared

Der Kontakt, das sind die aufgeräumten jungen Menschen, die mit dem Kunden telefonieren. Das können sie viel besser als die Kreativen, weil die häufig unausgeschlafen und reizbar sind. Und den Kunden auch schon mal Schwachkopf nennen, wenn sich ihm die Genialität der eigenen Idee nicht unermittelbar erschließt. Der Kontakt ist da viel geduldiger. Weil er immer ausgeschlafen ist und außerdem so stumpf, dass er die Genialität auch nicht erkennt. Der Kontakt, von dem ich spreche, ist eine Kontakterin namens Helena, und man bräuchte einen trojanischen Elefanten, wollte man einen Gedanken in ihre Kopfschale transportieren. Ein Pferd würde sie sich als Poster an die Innenwände ihres Hohlraums pinnen. Und selbstverständlich ist Helena eine Ausnahme – ansonsten ist der Kontakt stets smart und intelligent. Und Kreative sind eitle Fatzkes, die bei jedem Furz denken, es wäre der große schöpferische Wurf. Falls es einen Kontakter unter den Lesern gibt.

Der Kontakt hatte heute einen schlechten Tag. Die blöde Helena hat heute entdeckt, dass die Kreativen, an die sie die Kundenbriefings flötend weitergibt, nur noch drei Tage zu ihrer Verfügung stehen. Und ging doch bis gestern davon aus, es wären noch zwei Wochen!

Dann müssen die Kreativen eben ein bisschen schneller machen, hat die blöde Helena sich folgerichtig gesagt. Und so liegt auf meinem Schreibtisch seit heute Morgen Arbeit für zwei Wochen. Und soll bis übermorgen erledigt sein. Na, dann…

Gute Nacht.

14.11.2006 um 23:17 Uhr

Das neue Deko-Arrangement

von: Lapared

SIE ist schwierig. Wirklich schwierig. Und dabei bin ich überaus einfühlsam mit ihr. Ich würde sie nie mit Absicht verletzen. Aber heute hätte ich sie ohne Weiteres vor einen Bus stoßen können.

Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, heute besonders nett zu ihr zu sein! Ich weiß, sie knabbert noch an der Zurückweisung, auch wenn sie sich nichts anmerken lässt, zwei statt vier Mal, so was hört keine Frau besonders gern.

„Oh, was´n das?“ Auf dem kleinen POÄNG befindet sich ein neues Deko-Arrangement. „Neu?“ Ich komme zwar nur zwei Mal, aber ich bin keine dieser unaufmerksamen Klientinnen, die nicht merkt, wenn SIE eine neue Frisur hat, oder ein neues Parfum... oder ein neues Deko-Arrangement.

Sie lächelt. „Ja, schauen Sie es sich ruhig einmal an.“

Zwei hundeknochenförmige Teakholzstöckchen, das ist ja der Hammer… „TOLL!“

Sie erstrahlt, wer sagt, dass Frauen kompliziert sind. „Und erkennen Sie, was das ist?“

Zwei hundeknochenförmige Teakholzstöckchen. „Nee! Was ist das?!“ So, das sollte jetzt aber reichen, sie krieg 92,50 die Stunde.

„Tja…“ sie lächelt und neigt kokett den Kopf zur Seite, „da können Sie ja mal drüber nachdenken!“

Huhu, wie geheimnisvoll! Da können Sie ja mal drüber nachdenken! Das werde ich mit Sicherheit tun... Können wir BITTE anfangen?

„Und wie geht es Ihnen?“ Danke. „Ich schufte wie ein Ackergaul, ich schreibe 16 Stunden täglich Headlines für Asienzertifikate (Hohe Lendite!) und in den Mittagspausen suche ich eine neue Wohnung.“ Aber das erfüllt mich alles nicht, viel lieber denke ich über hundeknochenförmige Deko-Elemente nach.

„Und wie geht es Ihnen?“

92,50.

„… Wie fühlen Sie sich?“

Wie ein wohnungsuchender Ackergaul. „Beschäftigt, angestrengt.“ Und jetzt auch noch das Problem mit den Deko-Elementen.

„Ist das der Grund, warum Sie nicht vier Mal kommen möchten?“

Ich wusste es, Frauen. „Darüber haben wir doch gesprochen… “, Liebes. Hat sie geglaubt, zwei chice neue Dekostöckchen, und schon überleg ich´s mir anders?

„Oder gibt es da vielleicht auch noch andere Gründe?“

Bestimmt. „Bestimmt.“ Schluss mit den Freundlichkeiten, ich lächle, „Und bestimmt haben Sie eine Vermutung, welche das sein könnten!?“

Sie lächelt. „Sie wollen es mir nicht sagen?“

Tja, da können Sie ja mal drüber nachdenken! „Sie haben Recht. Der wahre Grund, warum ich nicht vier Mal kommen möchte, ist, dass ich dieses Psychogeseiche nicht vier Mal ertrage, fast jeden Tag! Wenn ich das ertragen würde, wäre ich heute - wie Sie - Psychologin, immerhin habe ich dieselbe Ausbildung, Liebes! Ich meine… Können Sie nicht normal reden? Immer dieses Getragene, Bedächtige, können Sie nicht in normalem Tempo sprechen? Können Sie nicht normal auf Fragen antworten? Können Sie mir nicht ganz einfach sagen, was dieser dämliche Dekokram auf dem kleinen POÄNG darstellen soll?“

„Aha, diese Holzskulpturen beschäftigen Sie also?“

Oh-la-la, Holzskulpturen…

„Es macht Ihnen etwas aus, dass Sie sie nicht zuordnen können? Sie hätten gerne einen Namen dafür?“

Hundeknochenförmige Teakholzstäbchen. WO IST DAS PROBLEM?

Draußen rauscht ein Bus entlang. „Sagen Sie… Rein theoretisch… Könnten wir die Sitzung eigentlich auch bei einem Spaziergang machen?“

13.11.2006 um 23:07 Uhr

Hinterhalte

von: Lapared

Und um nun endlich auf Schrott zurückzukommen...

Als werdende Jüngerin Freuds – ich habe SIE von vier auf zwei Mal runter gehandelt, es war nicht leicht, aber zuletzt hat sie eingesehen, dass sie sich unmöglich so abhängig von mir machen darf... – also, als werdende Freud-Jüngerin weiß ich natürlich, dass es „einfach rausgerutscht“ nicht gibt. Erst recht nicht ein einfach rausgerutschtes „Als Chef oder als Mann?“ – dergleichen Schlüpfrigkeiten rutschen nicht, sie werden ausgebrütet. Im brutwarmen, schlecht durchlüfteten, mangelhaft beleuchteten Unterbewussten... ausgebrütet. Und dann schlüpfen sie irgendwann.

Kurzum. In Wirklichkeit handelt es sich bei „Als Chef oder als Mann?“ um einen sogenannten Freud´schen Rausrutscher, eine Unterart des berühmten Freud´schen Versprechers, die zwar nirgendwo von Freud selbst erwähnt wird, aber ich denke, es ist in seinem Sinne, wenn ich sie ihm trotzdem zuschreibe. Eitler Sack. Und als Freud´scher Rausrutscher interpretiert, ist meine scheinbar gedankenlose Bemerkung ein klarer Hinweis, dass mich Schrott durchaus als Mann interessiert. RRRRrrrrrrrrrrr. Ja, in meinem Unterbewussten tobt ein wildes Verlangen nach Schrott, unterdrückt von einer Allianz aus Ich und Über-Ich, die die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und stöhnen, ker Lpunkt, so ein Arschgesicht vögelst Du uns aber nicht.

Die Wahrheit ist die. Er erinnert mich an Dick. Dick sah - und sieht wahrscheinlich immer noch - aus wie Gottes hundertster Versuch von Schrott. Nachdem er den ersten - vermutlich mit einem kopfschüttelnden „Oh Gott!“ - in die Ecke geschmissen hatte. „Oh Gott, jetzt aber dasselbe noch mal in schön! In richtig schön.“ Das habe ich übrigens damals schon gedacht. Das habe ich gedacht, als ich Dick das erste Mal sah. Der sieht aus wie Gottes hundertster Versuch von Schrott, habe ich gedacht. Ich hatte es ganz vergessen.

Ich weiß, ich wollte nie mehr davon reden. Aber selbst die Großmeisterin des Entliebens ist vor den Hinterhalten der Erinnerung nicht immer ganz gefeit.

Schnell ein anderes Thema... Heute hatte ich Ärger mir Olli. Er fand, ich sei aggressiv. Ich aggressiv?!! Ich hätte ihm fast eine gezimmert. Und um 22.38 Ortszeit hat ein deutscher Straßenbahnfahrer die schon geschlossenen Türen seiner Bahn für eine heraneilende fremde Frau noch einmal auf gemacht. Schön war das.