Anleitung zum Entlieben

22.11.2006 um 23:21 Uhr

Profis und Amateure

von: Lapared

Beide ganz zufrieden? Was heißt das denn jetzt?“

Bei meiner Schwester komme ich natürlich nicht so leicht davon.

„Weiß nicht.“ – „Wie seid Ihr denn auseinander gegangen? Man sieht sich? Das wiederholen wir aber mal? Zu mir oder zu Dir?“ – „Häschen, wir sind Texter. Profis. Die Krücke der Floskeln, mit der sich das gemeine Volk durch die Peinlichkeiten des Zwischenmenschlichen laviert, ist uns zu blöd.“ – „Selbstverständlich. Also, was habt Ihr am Ende gesagt?“ – „Er hat gefragt: Meinst Du, es bringt was, wenn wir uns noch mal treffen?“ – „Poetisch. Und Du?“ – „Puh, keine Ahnung, müsste man ausprobieren.“ – „Puh, keine Ahnung, müsste man ausprobieren. Statt eines vulgären, schmucklosen: ja. Texter müsste man sein.“ – „Danke, Hase.“

Beide ganz zufrieden? Was meinen Sie damit (Denkpause)… genau?“

Auch meine Analytikerin hakt noch mal ganz hart nach.

„Heißt das: Sie selbst waren zufrieden und Sie glauben, der Mann war es auch?“ – „Genau.“ – „Wa-rummm (das warum spricht sie wie ein Fallbeil) waren Sie zufrieden? (Und dann lächelt sie wieder wie eine Porzellanpuppe.) Das, was Sie gesucht oder erhofft hatten, als Sie zu dem Treffen gingen, hatten Sie doch eigentlich nicht gefunden?“ – „Tja, Sie kennen das ja, man marschiert los und will einen Mantel kaufen und kommt mit einer DVD-Sammlung zurück!“ – „Sie haben nicht den Schutz und die Wärme gefunden, die Sie gesucht haben? – „Ich habe etwas gefunden, was ich nicht gesucht habe, das aber trotzdem schön ist.“ – „Unterhaltung?“ – „Blöde Kuh.“

Es ist eben doch was anderes, wenn man mit einem Profi spricht.