Anleitung zum Entlieben

15.12.2006 um 14:57 Uhr

Und neues Leben blüht aus den... Schnapspinnchen

von: Lapared

Ein Wesen, das sich hartnäckig in meiner rauen Umgebung hält, ist Palme.

Palme wurde mir als Ableger hinterlassen. Darüber war ich sehr glücklich und ließ Palme in Ruhe eingehen, zwölf Jahren ist das nun her. Palme ist inzwischen zwei Meter groß und besucht die Uni. Palme liebt es, wenn ich ihn gieße, genau eine Sekunde, bevor er endgültig verdörrt, und er steht drauf, dass ich ihn dabei jedes Mal beinahe ertränke. Hätte Palme ein Pimmelchen würde er sicher noch auf ganz andere Dinge stehen, gell Palme, du kleine Sau? - Jawohl, meine Gießerin.

Also. Palme findet in meiner Wohnung ideale Bedingungen, denn Palme ist mir scheißegal. Doch als ich eben, angelockt durch ein dumpfes Geräusch, in Palmes Zimmer trat (er braucht mittlerweile einen eigenen Raum), lag Palme lang auf dem Boden, die Erde verstreut und er selbst in zwei Teilen. „PALMEEEE!!!!!“ Ich spreche normalerweise nicht mit Pflanzen, ich schätze sie gerade wegen ihrer konsequenten Schweigsamkeit, aber angesichts der Lage mache ich eine Ausnahme: „Palme, was ist denn los?“ Palme rührt sich nicht. „Palme, Du alter Kacksack, guck Dir die Scheißsauerei an!“ Vielleicht, wenn man ihn beschimpft... “Umgekippt!“ Na, bitte. „Und dann ist mir vor Schreck der Rahmen aus der Hand gerutscht!“ Rahmen? Hand? Ich schaue auf. Der Wurststaub! Nach seinem schweren Zugunglück wieder zu organischer Struktur verdichtet, mein intimer Freund und Beleidiger... der Schreiner. Ich hatte ihn Kraft meines schönheitsliebenden Geistes komplett verdrängt. „Aber die Scheibe ist zum Glück noch heil“, sagt er und kratzt sich verlegen am Hintern. Man kann ihm unmöglich böse sein.

Zärtlich streiche ich über Palmes Blätter. Zwölf Jahre, 3 Umzüge, einer weniger als ich, da war Palme vor mir da. Ich seh ihn noch, wie er als kleiner Ableger in einem Souvenir-Schnapsglas vergessen auf der Fensterbank steht. Nicht mal einen Topf Erde hatte die Vormieterin für ihn übrig gehabt. „Palme, ach Palme… was hat der fette Onkel mit Dir gemacht?“

„Nun mach Dir mal nicht in die Hose, Prinzessin!“ Prinzessin? Zuletzt waren wir bei ZIEGE. „Das Ding war doch sowieso fast vertrocknet.“ Bleiben wir doch dabei.

„Raus.“

Er packt Palme. „In´ Müll oder einfach aus ´m Fenster?“

„RAUS!“

„Willste keinen Ableger nehmen?“

„Legen Sie Palme hin, nehmen Sie Ihre Beine in die Hand und verlassen Sie bitte die Wohnung. Sehr gern auch durchs Fenster.“

Er nimmt die Treppe, schade. Kein ICE-Effekt, aber drei Stockwerke hätten auch schon was gebracht. Durchs Treppenhaus weht leis´ ein „blöde Kuh“ zu mir hinauf (auch gut, vermeiden wir die Redundanzen), es prallt an mir ab, ich habe zu tun. Ich lauf zu Spar und kaufe Schnapspinnchen, ein Sechserpack.

Für Dich, Palme. Wir sind lange noch nicht am Ende.