Anleitung zum Entlieben

02.01.2007 um 15:11 Uhr

Curd Rock´s Reisebericht - der erste Tag

von: Lapared

Sonntag, dem 24,12.2006

Curd Rock ist amgekommen. Im der Reisetasche war es sehr dumkel. Wieder draußem, ist es auchc nicht viel besser. Guck...

Die Behausumg...

... etwas primnitiv. Nicht mal Tampete. Num gut.

Die Umgebumg himgegem...

... SEHR primnitiv. Kaputte Straßchem, nirgemdwo Ampelm.

Umd vor allem - keim Meer. Weit umd breit keim eimziges Meer. Eim Katastrohpe! Wo bim ich gelamdet...

Aber morgem... morgem fahrem sie bestinmt mit Curd Rock am Meer.. .

02.01.2007 um 12:29 Uhr

Frohes neues Jahr und... weiter im Text

von: Lapared

Ich bin wieder da. Olli ist gebucht, habe ich eben erfahren, zwei Monate mindestens, allein. Für mich bedeutet das: zwei Monate keine Arbeit, mindestens, und was das eigentlich Bedauerliche ist, kein Geld. Denn ohne ihn traue ich mich wieder mal nicht. Aus irgendeinem Grund ist über Weihnachten dieses Gespenst wieder aufgewacht, das durch meine Gehirnwindungen spukt und an die Wände schmiert: Lpunkt ist doof. Lpunkt kann nichts. Lpunkt bringt´s nicht mehr. Nein, ich glaube, HK hat damit nichts zu tun. Oder nur sehr indirekt. Jedenfalls ist es nicht seine Schuld.

Na, aber so ist es nun mal. Und Lpunkt – stets positiv - wird versuchen, die gewonnene Zeit konstruktiv zu nutzen, und sich in diesen zwei Monaten nach alternativen Verdienstmöglichkeiten umtun. Für eine Zeitschrift schreiben, vielleicht. Einen Versandhauskatalog betexten (Stretch-Jeans im 5-Pocket-Style mit dekorativer Stickerei auf den Gesäßtaschen und modischem Komfort-Gummibund…). Kellnern zur Not. Irgendetwas, das für die Miete reicht, mir keine schlaflosen Nächte macht, keine Gespenster weckt. Es wird erwähnt werden, sollte sich in dieser Hinsicht aktuell etwas tun. Oder in irgendeiner anderen, die möglicherweise von Interesse ist.

Doch zunächst, ta-ta, der große Reisebericht. Selbstverständlich leserfreundlich, in kleinen Portionen, Tag für Tag. Wir beginnen mit...

Sonntag, 24.12.2006


Finca, eins meiner Lieblingsworte, denke ich.

Nach fünf Stunden Flug, einem meiner weiteren Lieblingsworte (es hat bei mir denselben Effekt, wie der Anblick eines behaarten Sechsbeiners beim Zurückschlagen der Bettdecke) und zwei Stunden Serpentinenstraße, einem Wort, das mich an Grace Kelly in "Über den Dächern von Nizza" erinnert und das ich eigentlich sehr mag, es sei denn, es fällt im selben Satz wie die Worte Steuer und Mann, der während des Flugs sechs Scotch bestellte, dann erinnert es mich an, Gott hab sie selig, Fürstin Gracia Patricia von Monaco, also... nach einer langen, sehr erregenden Reise sind wir endlich da.

Im Haus schlägt uns ein säuerlicher Geruch entgegen. Es ist kalt, viel kälter als draußen. Und dunkel. Nur durch die geblümte Gardine des Küchenfensters, dessen Fensterläden der Besitzer nach dem letzten Besuch zu schließen vergessen hat, fällt mattes gelbes Licht. Ich erkenne zwei Stühle und einen Tisch, auf dem mindestens 30 leere Flaschen stehen. Auch an die hatte der Besitzer offenbar nicht mehr gedacht. Als HK die Gardine zurückzieht, ist die Luft voller Fruchtfliegen. Auf der Fensterbank stehen weitere leere Flaschen, ebenfalls voller Fruchtfliegen, diese allerdings zu besoffen um zu fliegen oder tot. Teufel Alkohol. „Tut mir leid“, sagt HK, „Maria hat wohl meine SMS nicht gekriegt“. Maria, wird mir erläutert, versorgt die Finca, während HK nicht da ist. „Wahrscheinlich verbringt sie Weihnachten bei ihrer Tochter in Barcelona.“ Frohes Fest, denke ich.

Wortlos beginnen wir, die Flaschen in Plastiktüten zu verfrachten. „Warum schmeißt Du sie nicht sofort weg, wenn sie leer sind?“ frage ich. Die armen Fliegen. „Ich weiß auch nicht,“ sagt HK, „man muss ja irgendwie die Übersicht behalten“. Er grinst. Kurz. Dann lässt er den Müllsack fallen, geht zu mir und drückt mich an sich, „Tut mir leid“. Wir stehen regungslos. Eine Fruchtfliege riskiert es und setzt sich keine 20 Zentimeter entfernt auf einen Wandteller mit einem Hahn und einem Huhn, die aufmerksam in die selbe Richtung schauen, als säßen sie nebeneinander in einer Aufführung von Aida. Ich fühle HKs Atem an meinem Hals und plötzlich muss ich an Dick denken und daran, als ich zum ersten Mal in sein kleines holländisches Haus kam, Weihnachten vor einem Jahr. Es war warm, es roch herrlich und auf den alten, hellblauen Holzdielen stand aus brennenden Teelichtern geformt Welcome Lpunkt. „Gibt Schlimmeres“, sage ich. Hühnerwandteller zum Beispiel oder den galoppierenden Herzschlag eines Mannes zu spüren und an einen anderen zu denken.

(Fortsetzung folgt)