Anleitung zum Entlieben

07.01.2007 um 17:46 Uhr

Curd Rocks Jahresrukcblick

von: Lapared

31.12.2006 

Eim weiterer Tag an Meer, der letzte des Jahres...

 Ich werde eim wmig semtimemtal

 Umd blicke zurück...

 mit meim Jahresrükblickmützchem

 Milliömen Fans wie Sandkörmchen

 Weltneister der Herzchem

 Was für eim Jahr...

07.01.2007 um 17:35 Uhr

Lpunkts Jahresrückblick

von: Lapared

31.12.2006

HK will ans Meer. „Ich denke, es macht Dich durstig“, grinse ich. „Aber Curd Rock macht es offenbar glücklich“, sagt HK. („Ebem!“) „Wir sollten uns nicht zu Sklaven von Curd Rock machen.“ („WARUN NICHT?“) Ja, warum eigentlich nicht?

Also packen wir unsere Sachen und verbringen den letzten Tag des Jahres in einem Hotel am Meer. Ich versuche, nicht an letztes Jahr zu denken. „Wo warst Du letztes Sylvester?!“ HK unterstützt mich so gut er kann. „Letztes Jahr?“ In einem Hotel, glaube ich, HOTEL NEW YORK in Rotterdam, warte, wozu hat man ein Blog... Ein sehr altes Hotel, früher legten hier die Schiffe ab, die Linie Rotterdam – New York, mit der Tausende europäische Emigranten aufbrachen in die neue Welt. Ihr Hab und Gut in ein paar Koffern, in den Herzen Hoffnung und in den Augen Tränen. Hier, auf dem Platz vor unserem Fenster, standen sie und nahmen Abschied, umarmten ihre Eltern, Geschwister, Freunde, ihre Geliebten... und ihnen war klar, dass sie sie niemals wieder sehen. „Sylvester vor einem Jahr... da war ich, ach ja, mit Frau D. auf dem Kiez, puuuh, ich sach Dir...“ Geschissen auf die Offenheit. „Warst Du denn nicht mit Deinem Holländer zusammen?“ Sie drückten sie an sich, lauschten ein letztes Mal dem Schlagen ihrer Herzen, sogen ihren Geruch in sich auf... und dann ließen sie sie los. Sie ließen sie los. Sie ließen los. „Ja, aber noch nicht so ganz richtig. Es war ja nicht gerade lange her mir 119, dem davor.“ Morgen feiere ich hier mit D. Sylvester. Ich hoffe, ich schaffe es auch. „Und dieses Jahr?“ – „Dieses Jahr feiere ich nicht auf dem Kiez. Ich bin hier, mit Dir, HK.“ DOPPELT geschissen auf die Offenheit. Sylvester, Tag der Hoffnungen, Tag der Erinnerungen. Man schaut hinauf in den Himmel, tut, als hätte man noch nie ein Feuerwerk erlebt, umarmt jemanden und versucht ihn dabei glücklich anzusehen. So als wäre alles auf dem Prüfstand außer ihm. Als stünde er allein an diesem Tag der Bestandsaufnahme nicht zur Diskussion. Man schmiegt sich an ihn, sucht in seinen Jackentaschen die Wärme seiner Hände und verdrängt den Gedanken an vergangenes Jahr. Als man die Wärme anderer Hände suchte, für einen anderen glücklich guckte, und doch – auf eine andere Art - genauso skeptisch war. „Ja, Lchen, Du bist hier, dieses Jahr bist Du hier, mit mir, vergiss das ja nicht. Suhl Dich nicht dauernd in Deiner ach so tragischen Vergangenheit, das hast Du nicht nötig. Dein neuer Kerl ist Alkoholiker, Deine Gegenwart ist mindestens genauso schön tragisch, mein Schatz!“ Er macht eine Vollbremsung und küsst mich, mitten in einer Haarnadelkurve. „Ich weiß, HK, Du bist super tragisch, DU BIST DER BESTE!“ Ich hab keine Ahnung, wie es weiter geht. Ich weiß nur, dass dieser Mann mich von Herzen liebt. Dass er verflucht gut aussieht. Und dass ich mich bei ihm genauso sicher und geborgen fühle wie als Kind in der warmen, nach Rouladen duftenden Küche meiner Oma. HK legt den Gang ein und geht aufs Gas. Ich starre in den Abhang, der keinen halben Meter neben mir leitplankenlos beginnt. „Ich liebe Dich, Lpunkt. Ich weiß, ich bin kein Brad Pitt und ich habe einige… Probleme, aber ich bin aufrichtig. Ich habe es Dir von Anfang an gesagt, alles, und wir sind trotzdem hier, das ist doch was, hm?“ Ich liebe ihn. Aber ich hoffe, dass ich ihn nächstes Jahr genauso innig und zweifellos lieben werde, wie er mich. „Ich weiß, HK. Und ich weiß Deine Aufrichtigkeit zu schätzen.“ Aber wenn Aufrichtigkeit allein liebenswert machen würde, würde ich dieses Sylvester einfach mit der telefonischen Zeitansage verbringen. „Und ich bin witzig!“ – „Ja, das bist Du.“ Erst recht verglichen mit der Zeitansage. „Und kreativ“. „Absolut, der Hammer.“ Obwohl manche auch die Zeit für Erfindung halten. „Also, versprichst Du mir, heute Nacht nicht an Deinen Verflossenen zu denken?“ – „Versprochen.“ Versprochen.

Und so kam es dann auch. Annähernd. Wir gingen in das piekfeine Hotel-Restaurant, Sylvestermenu, französischer Wein, spanischer Service… „Willst Du raus und das Feuerwerk sehen?“ fragt HK gegen Zwölf, „oder gehen wir ins Bett?“ Augenbrauenwackeln. Dieses Jahr stand ich also mit D. in Rotterdam am alten Ableger der Holland-Amerika-Linie vorm Hotel New York. Da, wo vor uns schon so viele Menschen standen. Mit nichts als ein paar Koffern, einem Traum und jeder Menge Ängsten - aber bereit einen neuen Anfang zu wagen. Es war sehr romantisch. Die Schiffe auf der Maas stoppten, als es Mitternacht war, und begrüßten mit ihren Schiffshörnern lautstark das neuen Jahr. Am Himmel explodierte der Haushaltsetat von Burkina Faso in Feuerwerkskörpern. Von der Reling der Schiffe winkten fremde kleine Menschen auf dem Wasser fremden kleinen Menschen auf dem Land. Und D. hatte ein Tütchen gebastelt, das mich beinahe zurückwinken ließ. Vielleicht lag es daran. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls… einen Moment lang war mir, als wäre es das erste Feuerwerk in meinem Leben. Feuerwerk oder Bett? „Wie wär´s mit einem Feuerwerk im Bett? Augenbrauenwackeln. Ein Tütchen hast Du nicht zufällig dabei?

Es ging auch ohne. Nicht gerade der Haushaltsetat von Burkina Faso. Aber wie heißt es so schön... Beaujolais statt Böller. Neues Jahr, neues Glück.