Anleitung zum Entlieben

14.01.2007 um 19:35 Uhr

Hausfrauentest

von: Lapared

„Kumma, wie find´ste?“

HK legt mir ein roughes Scribble* vor.

*roughes Scribble (gespr.: raffes Skribbel): von Hand aufgemalte Anzeigenidee, betont stümperhaft und vom Kreativen gern auf fleckige Bierdeckel oder fettige Servietten gekritzelt, zum Beweis, a. dass er selbst bei den Mahlzeiten den Ideensturm in seinem Superschädel nicht ausschalten kann und b. dass sich die Endgeilheit der Idee unabhängig von der siffigen Präsentationsform erschließt. (Kreative haben deshalb stets einen Satz fettige Servietten in ihrem Rollboy.)

Also, HK legt mir das Scribble vor. Oha, so weit ist es schon. Da kauft man einmal Wurst und Käse und schon bin ich von der Highend-Kreativen zurückgestuft zum idealen Döskopp für einen Hausfrauentest**.

**Hausfrauentest: Wenn Kreative sich uneins sind, ob die Genialität ihres jüngsten Wurfs eventuell die Auffassungsgabe eines mangelhaft aufmerksamen, durchschnittlich hellen und vielfach chipsmampfenden Werbungsrezipienten übersteigt, machen sie den sogenannten „Hausfrauentest“, indem sie einer Person aus ihrem Umfeld, die diesem Schema in etwa entspricht (Empfangsdamen, Buchhaltungsmäusen, IT-Koordinatoren, Junior-Artdirectoren, die gerade zwei Stunden zu spät restalkoholisiert zur Tür rein schlüpfen…) das kreative Juwel kommentarlos vorlegen und sie freundlich zur Meinungsabsonderung ermuntern. „Kumma, wie findste?!“ Wenn der oder die angesprochene Testperson (= Hausfrau) nicht umgehend reagiert, fügt der Kreative noch hinzu: „Ohne zu überlegen“, eine reine Floskel, Hausfrauen überlegen nicht, sie können allenfalls an etwas anderes denken, oder: „ganz spontan“. Klar, wie sonst. Die Hausfrau schaut dann auf das meist roughe Scribbel (s.o.), grinst entweder grenzdebil und sagt: „haha, lustig!“ Dann freut sich der Kreative. Oder sie sagt: „Hä? Kapier ich nicht…“ Dann zieht der Kreative mitsamt seinem Genie geknickt von dannen und muss einsehen, tja… dass er sich diesmal eine ZU dämliche Testperson ausgesucht hat.

Ich starre also auf den Anzeigenentwurf, zu dem ich mich äußern soll, und höre HKs freundliche Ermunterung:

„Was denkste? Ohne zu überlegen?!“

Warum bin ich verwirrt?

Nun gestaltet sich der Fall bei HK ja etwas schwieriger. Denn er ist Chef, man weiß nicht, ob es sein ganzer Stolz ist, den er mir da zur Beurteilung vorlegt, weil er selbst Schöpfer der Idee ist, oder ob ich gerade den Erguss eines renitenten Angestellten begutachte, der selbigen seit Tagen in jedem Meeting zur Wiedervorlage bringt, bis HK, der die Idee eigentlich zu langsam zu kompliziert zu intelligent sprich scheiße findet, heute schließlich, weil Sonntag ist, nachgegeben und dem kleinen, penetranten Arsch versprochen hat: Okay, ich mach ´nen Hausfrauentest.

„Ganz spontan!“ höre ich HK schon leicht ungeduldig sagen.

Ich habe noch nicht mal die Headline gelesen. Die Buchstaben schwimmen, ich weiß, meine Intelligenz steht auf dem Prüfstand, ich kann nicht lesen. In meinen Kopf ist ein Sirren wie von einer Neonröhre kurz vorm Exitus. Wenn ich jetzt das Falsche sage, hält HK mich für doof.

„Puuhhh...“ entfährt es mir.

„Genau das hab ich auch gesagt!“ sagt HK. „Viel zu kompliziert, viel zu langsam, das kapiert doch kein Mensch“.

Puuuhhh, das war knapp. Ich entspanne mich. Ich lese die Headline, ich schaue mir die Anzeige an, nee, das ist echt einer zu viel um die Ecke, denke ich, spontan.

“Ist was zu essen da?“ HK ist mittlerweile in der Küche. Ich trete hinter ihn, gemeinsam betrachten wir das berühmte Laparedsche Stillleben „Kühlschrank mit Gurkenglas“, ich lege die Hände von hinten um seinen vermutlich leeren Bauch. „Schatz, ich bin keine Hausfrau, vergiss das nicht.“ – „Wie könnte ich?“ murmelt HK, gibt mir einen Kuss und begnügt sich mit Chips.

14.01.2007 um 10:03 Uhr

Curd Rock im Luft

von: Lapared

Ich habe eim bergtour gemacht...

 Ich suche die Gefahr!

 Ich bim sehr MÄMMLICH.

 Huch!

 mämmlich ist Mist.

 Irgemdwie hämge ich im Luft...