Anleitung zum Entlieben

28.02.2007 um 20:12 Uhr

Lpunkts Berufsberatung

von: Lapared

Wenn ich noch jung wäre, ich meine, so jung, dass man mich fragen würde „Lchen, was möchtest Du denn mal werden, wenn Du groß bist?“ ich denke, ich würde sagen „Artbuyerin“. Erstens, weil in Paderborn, wo ich mich aufhielt, als man mich so was fragte, kein Schwein gewusst hätte, was „Artbuyerin“ ist – das ist schon mal viel wert. Und zweitens, weil Artbuyerin wirklich ein feiner Beruf ist.

Heute kam zum Beispiel ein Anruf von Artbuyerin Susi. Artbuyerin Susi aus HKs Agentur. Susi ist ein Schatz. Ich meine, sie ist wirklich ein Schatz. In meiner Position, als Freelancerin, die drauf angewiesen ist, das Artbuyerinnen anrufen und fragen, ob man für sie nicht ein paar Tage tätig werden möchte, sagt man das ja eigentlich über jede. Man sagt: „XY! Bist´n Schatz, dass Du an mich denkst... warte, ich schau mal eben in meinen Kalender… raschel, raschel…“. Aber Susi, wie gesagt, ist wirklich nett.

So nett, dass sie sogar auf Band gesprochen hatte, als ich, schockiert von der Nummer auf meinem Display, erstmal nicht dran ging. Schließlich ist es eine diffizile Sache. Finanziell gesehen, wäre es schon gut, mal wieder irgendwo anzuheuern. Aber ausgerechnet bei HK? Wußte er überhaupt davon? Steckte er womöglich gar dahinter? Und wenn, wie findet Lpunkt das? Hm, hm, hm... So also konnte ich in Ruhe entscheiden, was zu tun ist.

Ich war noch nicht ganz fertig mit entscheiden, als Susi nach nur fünf Minuten noch mal anrief, und diesmal ging ich dran, man will es ja nicht überspannen: „Susi! Bist´n Schatz, dass Du an mich denkst, ich schaue gerade in meinen Ka…“ – „Du Lchen, lass mal, hat sich schon erledigt.“ – „…lender. Oder auch nicht.“ – „ HK war grad hier, er will lieber ´nen Mann für den Job.“ – „Dann geht´s nicht um die Windeln?“ – „Doch, eigentlich schon…“ – „Oh. Verstehe.“ – „Tut mir leid.“ – „Kannst Du ja nix für.“ – „Beim nächsten Mal, ich denk jedenfalls an Dich. Und HK beruhigt sich schon wieder. – „Bist´n Schatz.“

Zweimal in einem Telefonat! Ich sag doch: Artbuyerin müsste man sein. Oder Lottofee… Und dann mit dem Scheinchenkoffer absetzten, n´ bisschen Geld wäre nämlich auch nicht verkehrt.

27.02.2007 um 17:59 Uhr

Zurück zum Film

von: Lapared

Vielleicht machen wir einfach mal mit einem DVD-Tipp weiter. Das hatten wir, im Gegensatz zu manchem anderen, lange schon nicht mehr.

Real ist der Film irgendwie auch, scheiße, langweilig und für manchen sicher eine endlose Reihe von Luxusproblemen, aber da sind wir ja zuhause, jedenfalls ich fand ihn gut.

„Friends with Money“ heißt der kleine Streifen und ist von Nicole Holofcener, die übrigens auch ein paar hübsche „Sex and the City“-Folgen inszeniert hat. Es geht auch hier wieder um vier Freundinnen und wie ihre alltäglichen Krisen im Leben und in der Liebe sie mal voneinander entfernen, aber dann auch wieder zusammen führen. Nur, dass diese vier Damen schon ein bisschen älter, gefangener und betuchter sind.

Bis auf Olivia, gespielt von Jennifer Aniston, deren Image vielleicht ein wenig mit der Rolle kollidiert, in der sie die Schicksalsgebeutelte, die ewig Scheiternde mimt, die als einzige aus dem Quartett keinen Mann hat, sich von den Männern anderer ausnutzen lässt, und nach ihrem Kapitulieren als Lehrerin Putzen geht. Sie gerät immer an die Falschen, was es mir persönlich schwierig macht, sie als Identifikationsfigur zu akzeptieren. Ha.

Großartig ist aber Frances McDormand, die als Frau am Rande einer prämenopausalen Depression (das kommende Filmthema, garantiert!) alle zusammenscheißt und sich nie die Haare wäscht. Im Gegensatz zu ihrem irgendwie bisexuellen Mann und Sonnenschein, der am liebsten die ganze Welt umarmt. Wunderbar.

Schön ist auch das Ende, die letzte Szene, in der die planlose Olivia doch noch bei Mr. Right gelandet ist. Schön, weil dieser Mr. Right wirklich ein Mann ist, an dem auf den ersten Blick nichts richtig wirkt. (Sie denken, ich steuere auf die Zielgerade, endlich sagt sie was zu ihrem streunenden Alk. Noch nicht.)

Erst noch schnell die Schlussszene. Also, der Typ, Mr. Right, ist ein bisschen schmierig, ziemlich fett und lange hielt Olivia ihn für deprimiert und vielleicht arbeitslos, weil er sie für´s Putzen seines Saustalls so im Preis gedrückt hat. Sie geht trotzdem mit ihm aus. Sie gewinnt ihn trotzdem lieb.

Und nun, am Ende, erfährt sie, dass er eigentlich reicher Sohn ist und im Geld nur schwimmt. Und sie fragt ihn, aber ganz vorsichtig: Warum? Wieso hast Du das gemacht?

Und er sagt: Weil ich irgendwie ein paar... Macken hab. Aber er sagt das auf eine besondere Weise, nicht unterwürfig, aber auch nicht mit dieser achselzuckenden Arroganz. Er sagt es und schaut dabei auf seine dicken Finger, er bedauert es und man spürt seine Angst, dass er Olivia doch wieder verliert. Und sie nimmt seine dicken Fingerchen und sagt: Ich auch. Klingt kitschig, aber im Film sieht es nicht so aus.

Vielleicht ist es das - Achtung, jetzt steuere ich auf die Zielgerade - was uns, HK und mir, ein bisschen fehlt. Ich will keine Tränen, kein reuiges Gewinsel, ich finde Stolz in jeder Lage durchaus sexy. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass er sich zumindest… auf irgendeine Art…gefühlt… entschuldigt, wenn er besoffen eine andere begrabscht und bei ihr schläft. Aber das kam ihm in den letzten fünf Tagen, in denen ich zuhause war (ich wusste dann doch nicht recht wohin) nie in den Sinn. Und ich hab nicht, und schon gar nicht vorsichtig, gefragt. Warum hab ich eigentlich nie gefragt.

Von ihm kam nur eine Mail: „Ich bin alkoholabhängig, das hab ich Dir gesagt. Ich kann mich nicht für was entschuldigen, über das ich keine Kontrolle hab.“ Das verstehe ich, das verstehe ich sehr gut. Und ich muss nicht alles hinnehmen, was ein anderer – egal aus welchen Gründen - macht. So abhängig bin ich, das hoffe ich zumindest, nicht. Ich hätte schon sehr gern nach seiner Hand gefasst... aber so krieg ich das irgendwie nicht hin.

Klingt ein bisschen rotzig, hm? Ja, so langsam nähere ich mich meinem etwas zackigen Titel an... „Anleitung zum Entlieben“. Ich kann jedenfalls sagen, dass zumindest Loslassen - wie wohl Vieles - mit etwas Übung (oder vielleicht auch nur durch die Ermüdung?) leichter fällt. Auch wenn ich nicht sicher bin, ob es nicht genau den Falschen trifft. Ob er vielleicht der Richtige, aber zum falschen Zeitpunkt ist, ob ich vielleicht noch etwas warten sollte... Aber irgendwie hab ich dafür die Puste diesmal einfach nicht.

Ich setze mich auf´s Sofa, ruhe ein bisschen aus und schau mir die Happy Ends von Filmen an. So wird´s gemacht.

22.02.2007 um 16:29 Uhr

On the Run

von: Lapared

Ich sag´ s gleich. Heute wird´s ein bisschen wirr. Vielleicht Überschriften, Überschriften für ein bisschen Struktur...

Stöckchen on the Rocks

Wo anfangen. Stöckchen, Milliömchen fragen nach Stöckchen. Ja, im Moment wünschte ich auch, dass Strang Stöcken sich weiter durch dieses kleine desperate Kapitel des Laparedschen Tragikomödchens zieht. Aber da ist doch keine Krankenkasse mehr, die diese Unterhaltungs-Knaller zahlt. Die Chancen vor Gericht stehen 40:60, 40 für mich. Ich agiere nicht gern aus dem Rückstand, ich brauche den sicheren Vorsprung um einigermaßen passabel aufzuspielen, ich ginge lieber mit 160:-60 an Start, 160 selbstverständlich für mich. Also liegt Stöcken, oder ein vielleicht noch begnadeterer Ersatz, gerade auf Eis. Ja, ich weiß, HK hatte gesagt, dass er meine Geistesbehandlung zahlt, damit ich ihm mit meinem Hang zur Scheiße nicht von der Fahne geh, sobald er – auferstanden aus seiner Alkoholiker-Ruine – keine mehr hat, aber... kommen wir zu Absatz zwei.

Lchen on the Koffer

Ja, es ist wahr, in Lchens Liebesleben stand schon wieder ein gepackter Koffer. Kein Überseekoffer für die große Reise über den schönen, wilden Ozean der Freiheit und Einsamkeit zu neuen Kack-Häfen, nur so ein kleiner Entbindungskoffer, wie Hochschwangere sie ab dem siebten Monat im Flur stehen haben. Immerhin lebe ich mit einem Alkoholiker, dessen finalen Niedergang wir erwarten, da ist ein Entbindungskoffer mit dem Nötigsten auch kein schlechter Rat. Wenn der neugeborene Mensch, der sich nach seinem Tiefpunkt sucht-theoretisch aus der Scheiße erhebt, tatsächlich existiert, kann Mutti ja wieder nachhause kommen. Kommen wir zu Absatz drei.

Das Dorf der quatschenden Seelen

Kleiner email-Wechsel heute zwischen HK und mir, so von Agentur zu Agentur, sehr romantisch:

"HK, stimmt es, dass Du Montagabend, als die Hütte brannte, mit der Agentur auf dem Kiez warst und bei der Textpraktikantin, mit der Du rumgeknutscht hast, auch über Nacht beblieben bist?"

Die Werbung ist wie gesagt ein Dorf, das Dorf der brennenden Hütten, der brennenden Kehlen und der geschwätzigen Seelen, deshalb nennt man Werbung eleganter auch „Kommunikation“, nirgendwo wie in der Werbung wird so viel gequatscht.

Wenig gesprächig die Antwort von HK:

"Ja."

About Karneval

Ich glaube nicht an Karneval. Ich gönne allen, die in den letzten Tagen rein karnevalistisch rumgeknutscht, - gegrabscht und außerhäusig übernachtet haben, die kleine Sause und ich finde es nur verständlich, dass sich gerade in Hochburgen der katholischen Kirche, deren Geschäftsprinzip auf der Konstruktion von Schuld in den Seelen ihrer Schäfchen basiert, das närrische Treiben so verbreitet hat. Die Katholen verkaufen Vergebung, darauf wollen sie nicht sitzen bleiben, jeder Karneval ist langfristig, wenn die Narren weiter Richtung großem Abgang ziehen, eine Goldgrube für sie. Aber was geht mich das an. Den Karneval muss mein Freund ja gar nicht zur Rechtfertigung bemühen.

Wer braucht Karneval, wenn er Alkoholiker ist...

Mein Freund ist Alkoholiker. Er knutscht mit einer Praktikantin, er schläft bei ihr – über ein mit will ich gar nicht spekulieren. Aber selbst wenn, er kann immer auf mangelnde Zurechnungsfähigkeit durch Krankheit plädieren. Alkoholismus ist in dieser Hinsicht wirklich eine sehr komfortable Sucht, ein Fresssüchtiger kriegt höchstens beim Klau von Popcorn mildernde Umstände, Rumvögeln verzeiht ihm keine Sau. Also, mein Liebster ist nicht zurechnungsfähig, wozu überhaupt die Anklage erheben...

Lpunkt wieder mal vorm großen Kpunkt

Dem Kackpunkt, dem Punkt der frei gewählten Konsequenzen. In meinem Kopf schießen tausend Gedanken kreuz und quer. Ich weiß, dass sie am Ende wieder nur an diesen einen Punkt führen. An dem man bleibt oder geht. Vor dem Punkt liegt das, was man schon kennt. Und dahinter ein gefühlter Abgrund, der, das weiß man, keiner ist, aber im Moment so aussieht. Es sieht aus wie ein Abgrund.

Den Campingjob habe ich „aus familiären Gründen“ quittiert, man hatte Verständnis, so verrotzt, wie ich war, und alle drücken die Daumen für die Genesung meines Vaters. Popelchen, ich hoffe auch, es geht Dir gut.

Ich weiß nicht, was ich letztlich mache. Ob ich gehe oder bleibe. Ich weiß nur, dass ich jetzt erstmal mein Entbindungsköfferchen nehme, noch ein paar Kleenex OHNE Ringelblumenbalsam einpacke und fahre. Irgendwohin, nur weg jetzt.

Ich melde mich zurück, in ein paar Tagen, denke ich.

Lchen on the Run

21.02.2007 um 15:36 Uhr

Beware of the Kpunkt

von: Lapared

Ich habe gar nicht mehr gefragt, was Montagabend war. Ich lasse es einfach auf sich beruhen. Reden bringt Lpunkt doch immer nur an denselben Kpunkt (Kackpunkt). Take it or leave it, Madame.

Dafür kam mein Held der epochalen Windelwerbung ja gestern tatsächlich mal früher heim (kaum Mitternacht) und, na bitte, blies prompt zur angekündigten... ORGIE. HÖM. Wir werden immer besser, wir tasten uns langsam an die magische 5 Minuten-Marke ran. Mit 70, haben wir ausgerechnet, werden wir vögeln wie die Götter. Stundenlang. Und mit 80, meinte HK, blieben wir dann sogar rund um die Uhr im Bett, nicht mal zum Kochen oder Einkaufen müssten wir raus, genau aus diesem Grund gäbe es übrigens Essen auf Rädern. Ach so. Auch mich stimmte das alles äußerst froh, immerhin, Trinken auf Rädern gehört nicht zu seinem Zukunftsplan.

Und für morgen und übermorgen hat er dann ganz offiziell und gar nicht kostenlos meine Hilfe in der Agentur angefragt. „Ich würde über Dir arbeiten, da stehst Du drauf, mein Schatz.“ Nö, lass mal, 16 Stunden täglich* sind selbst mir in meiner momentanen Form zu lang. Aber, wie gesagt, vielleicht mit 70. Stattdessen habe ich wieder ein kleines Engagement in der Campingagentur angenommen. Ich denke, das gestaltet sich entspannter. Und die Stolpersteinchen, denen sind durch diese wunderbaren neuen Perspektiven sicher die Spitzen genommen.

*soviel übrigens auch zu der Frage nach meiner neuen Toleranz gegenüber mehr als zweizahnigen Mitbewohnern in meiner geheiligten Wohnung.

20.02.2007 um 19:07 Uhr

Brennende Hütte oder Brand?

von: Lapared

Es ist nicht schön, wenn man sich gedanklich den ganzen Tag mit nichts als einem Hauch Romadur, dessen würziges Aroma noch in der geöffneten Haarpracht hängt, lasziv ausgestreckt auf dem Bett liegen sah… und dann wird nichts draus. Dann kommt er einfach nicht nachhause, weil, wie seine Sekretärin ausrichten lässt, die Hütte brennt. Das ist nicht schön, kann aber passieren, so ist die Werbung, eine Dorf der brennenden Hütten, das sich für den bedeutendsten Kriegsschauplatz der Welt hält. Es gibt Schlimmeres.

Zum Beispiel, wenn Madame „Ich darf mich als gefickt betrachten“ nach verwundener Enttäuschung in einem Anflug Milde denkt, dass sie als ehemals hoch bezahlte Kreative ihrem Schatz ja mal kostenlos zur Seite springen kann... doch bei Anrufen in der Agentur gehen nur die Anrufbeantworter dran. Wenn sie sich dann in einer Mischung aus Misstrauen und Hilfsambitionen auf Rolli schwingt und feststellt, dass in der brennenden Hütte kein einziges Licht mehr brennt. Nicht eins.

Und schon werden wieder all die Stimmen laut, trau keinem Alkoholiker, er lügt das Blaue vom Himmel, er bricht jedes Versprechen, nur um zu trinken.

Ich fühle mich… nein, nicht gefickt. Einfach nur schlecht.

20.02.2007 um 15:36 Uhr

Curd Rcok ämdert seim Image

von: Lapared

Sie setzt sich eimfach über meim Schreibverbot himweg...

 Sie nimmt mich nciht ermst.

 Ich darf nicht mehr so nett seim.

 ich muss meim Image ämdern.

 Ab heute bim ich BÖSE, so.

19.02.2007 um 18:21 Uhr

Helau und Alaaf

von: Lapared

Heute sehe ich im Bett im Frühstücksfernsehen, dass der Rest des Landes versammelt gute Laune hat. Das ist doch, fein. Helau.

Ich selbst habe nach meiner gestrigen Tour in tiefer liegende Stadtgefilde Muskelkater, denn um wieder nachhaus zu kommen, musste ich bergauf. Muskelkater, mit anderen Worten Muskelschwund. Wenn der Hollandradfahrer-Muskel ungewohnterweise sauer wird, wir wissen es, war er eigentlich dabei abzubauen. Jetzt geht es also an die feste Masse, denke ich, denn Fett ist außer dem zur geschlechtlichen Kategorisierung Notwendigsten nicht mehr da. Und wie immer, wenn mir vor mir selber graut, attackiere ich versteckt HK. Am liebsten, wenn er selbst gerade hochzufrieden in sein heiliges Nutellabrötchen beißt.

„Du HK, was denkst Du, bin ich eigentlich schon zu dünn?“ - „Schatz, ich nehme an, Du magst es so, Du weißt doch wo der Kühlschrank ist.“ Hmpf. „Na ja, aber DU weißt auch, wo die Limo steht und greifst trotzdem dran vorbei.“ – „Deshalb sage ich auch nicht, dass Du mehr essen sollst, das bringt so viel wie DEINE freundliche Erinnerung, dass ich weniger trinken soll. Nichts.“ – „Ach HK, wir haben beide ganz schön einen an der Mütze, wa?“ HK beißt in sein Brot. „Ja, aber dafür bist Du unheimlich intelligent und ich sehe fantastisch aus.“ – „Du siehst nicht fantastisch aus, HK.“ – „Da wäre ich nicht sicher, ich habe perfekt anliegende Ohren und mehr Möpse als Du.“ Ich schaue auf sein T-Shirt mit Nutellaspuren. „Gib´s zu, die sind nicht echt, einen so perfekten Männerbusen gibt´s in Natura nicht.“ – „Andere Trinker haben einen Bierbauch, ich habe Bierbrüste, ich kann mir vorstellen, dass Du neidisch bist.“ – „Ja, die Natur ist ungerecht. Ich werde mit Arschschwund bestraft, und Du bekommst zur Belohnung Titten.“ – „Guck, und andere Verrückte bekommen sogar Käppis mit Glöckchen und dürfen ins Fernsehen.“ – „HK, ich glaub, die sind nur tageweise so bekloppt, ich hab das schon mein Leben lang.“ – „Schatz, die haben dafür andere Sorgen, jeder Jeck ist anders gestört, da glaub mal dran. Und heute Abend komme ich früher heim, dann bekämpfen wir Deinen Muskelkater, Du weißt, dass Bewegung da das Beste ist.“ Huch. Und ein dreifaches Alaaf.

18.02.2007 um 17:24 Uhr

Es ist soweit!

von: Lapared

 Emdlich!

 EMDLICH !!!! !

 Meim gamz eigemer Schattem!

 umd was für eimer! ANGEMESSEM

 Curd stellt Lpunkt im SCHATTEM!

So, umd jetzt hab ich hier das Kommamdo!

Lpumkt kriegt heutze SCHREIBVERBOT!

17.02.2007 um 17:53 Uhr

Lpunkt bleibt

von: Lapared

Gesternabend folgte ich einem seltenen Impuls – wie man so sagt – raus zu gehen. Normalerweise, Sie wissen es, erledigt sich dieser Impuls mit einem Blick aus dem Fenster, denn wo andere Hinkommen zum Rausgehen, bin ich zuhause, Lpunkt, das westfälische Phlegma im Herzen der Weltstadt, das stille Auge des Sturms.

Aber gestern war ich mit Frau D. verabredet, Sie erinnern sich, dieser wunderbare Mensch, der wie der erfahrene Concierge eines alten Luxushotels - mit einer feinen Mischung aus lächelnder Gelassenheit, wahrem Mitgefühl und flutschender Lösungskompetenz - auf andere Menschen und ihre kleinen und größeren Kümmernisse reagiert.

Wir teilten uns ein halbes Schwein im Café des Paris, öffneten uns gesättigt für Raum und Zeit, und die spülte uns schließlich in eine wohnzimmergroße Bar mit ausgewählten Getränken. Denen öffneten wir uns auch.

Ich lauschte lange den Plaudereien eines Mann, der ausführte, mein Viertel sei für wirklich coolen Menschen out, seitdem es in wäre, er selbst sei längst umgezogen. Und ich weiß noch, dass ich sagte, och, das sei schon okay, ich selbst sei auch nicht sooo cool, jetzt, unbedingt, und außerdem viel zu faul, nur wegen den paar jungen, ein bisschen aufgeregten Menschen, die kommen und wieder gehen, aus meinem Viertel wegzuziehen.

Gegen Vier schwang ich mich dann auf Rolli und radelte durch ein wirklich kaltes nächtliches Hamburg heim, kroch bei offenem Fenster in mein von einer - für meine Begriffe - schweinecoolen Heizdecke herrlich vorgewärmtes Bett und dachte... Lpunkt bleibt.

16.02.2007 um 14:31 Uhr

Über meine großartige Zahnärztin (und so)...

von: Lapared

Nach den geistigen und kreativen Anstrengungen der letzten Tage, wir erinnern uns, die Lapared hat Campingliteratur getextet, endlich mal wieder eine ganz reale, körperlich-sinnliche Erfahrung.

Ich war beim Zahnarzt. Beziehungsweise bei der groben Frau im weißen Kittel.

Und was soll ich sagen. Brunos Milde greift auf mich über und ich würde sie gerne rehabilitieren. Heute waren ihre 50 Spritzen fein platziert, sie betäubten exakt den Bereich von der Achsel bis zur Schenkelmitte und das war gut, ich war auf dem Hinweg nämlich vom Fahrrad gefallen.

Sie bat mich auch gleich, meinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen, einen Fall wie mich, dessen Zähne so schlecht auf Betäubungsmittel ansprechen, habe sie noch nie gesehen. Ich fühlte mich stark geschmeichelt und gewürdigt in meiner Einzigartigkeit, bis sie sagte, der einzig mögliche Grund, der ihr bekannt sei, sei der, dass Patienten zeitgleich zur Zahnrestaurierung Antidespressiva schlucken. Schluck.

Was soll ich sagen. Wer Tage kennt, an denen er nur unter großer Mühe aufstehen kann und mit der Herausforderung, zur Zahnbürste zu greifen, Stunden zögerlich auf dem Klodeckel ringt, dem muss ich wohl nichts sagen. Und den anderen... Erklären lässt sich das nicht, nicht so einfach, jedenfalls, mit Zusammenreißen ist da leider nur begrenzt was zu machen. Ist wie ein Schnupfen, etwas schlimmer, aber mit Haltung allein nicht abzubiegen. Gut, hätte ich natürlich gewusst, wie wichtig Zahnpflege gerade in solchen Phasen ist...

Schicklich wirkt es wohl nicht, wenn man über den Alkohol des Liebsten lamentiert und gleichzeitig das eigene System mit ganz anderen Mitteln zum Schnurren zwingt. Trotzdem ist es anders, nicht so vergleichbar wie es auf den ersten Blick vielleicht wirkt. Aber den Beweis führe ich jetzt nicht, ich brauche meine Energie zum Zähneputzen.

Immerhin sei damit festgestellte, das meine Zahnärztin im Prinzip sicher ´ne Gute ist. Und der Seelen-Schnuppen geht wieder. So oder so, aber anders als bei klassischen Schnüpfchenmitteln, nicht mit oder ohne in zwei Wochen oder erst in 14 Tagen. Nicht immer sind Medikamente sinnlos, sondern helfen, auch wenn – das ist mir durchaus bewusst – keineswegs alle gleich harmlos sind.

Wa, dat Lchen, immer für´n neues Hämmerchen gut... Aber die gute Nachricht. HK, der meinen zum Glück nur alle Jubel- bzw. Nichtjubeljahre mal auftretenden Antriebsschwächen angenehm sprachlos gegenübersteht, weil zu seinen Lebensprämissen die, ich glaube, konfuzianische Weisheit „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten“ gehört, hat doch an den Valentinstag gedacht.

Und der Liebe seines Lebens ein totchiches Designerteilchen gekauft. Sie sehen Liebe Curd Rock in seinem neuen Valentins-Poncho:

 Höm, ich liebe mich auhch!

15.02.2007 um 17:04 Uhr

Käse-Lektion

von: Lapared

Ich wünschte, ich hätte ein Kissen gekauft oder einen weichen Kaschmirschal. Schön ist das nicht, wenn man ausgerechnet auf zwei, egal wie eleganten, Garderobenhaken sitzen bleibt. Er ist gar nicht mehr gekommen gestern Abend, so viel noch zum Valentinstag.

Stattdessen heute Mittag eine Mail: „Sorry, bin versackt.“ Und ich wünschte, ich könnte glauben, das ist Deutsch für: „Sorry, bin versackt.“

Nicht, dass ich etwa Deutsch mit Holländisch vergleiche, stattdessen rattert meine Gehirnmaschine und übersetzt Deutsch in Alkoholisch, das ich leider gar nicht schlecht verstehe: „Sorry, ich musste mal wieder ganz in Frieden saufen“. Ins Valentinige: „Sorry, Tag der Liebenden, den möchte mit einer Flasche Scotch verbringen, nur sie und ich.“ Und in 1000 Versionen der reichen, stets im Subtext mitlaufenden Beziehungssprache, von „Liebes, Du langweilst mich ein ganz klein wenig…“ über „Dumme Kuh, Du hast den Valentinstag vergessen, ich hatte was, das kriegst Du jetzt aber nicht!“ bis „Ich bin´s leid, Deine Erwartungen, selbst wenn sie stumm sind, kotzen mich an!!!“ Mich auch.

Aber es ist gar nicht so leicht, NICHT zu erwarten oder wenigstens zu hoffen, dass der Mann für den ich scheiß Garderobenhaken kaufe, weil meine Unordnung (welche Unordnung, ich find sie nicht…) ihn stört, irgendwann, irgendwann, ich will ja gar kein Datum, vielleicht doch mit dem Trinken aufhört. Hmpf. Aber immerhin, ich arbeite dran.

Gut, dass ich gleich eine kleine Käseschicht schiebe. Bruno und der schwere Dunst von seinem Käse wirken wunderbar beruhigend auf mich.

Er ist ein Mensch, den an anderen Menschen, vor allem Käsefreunden, grundsätzlich überhaupt nichts stört. Er schaut sie an, stets voller Milde, allenfalls mit einem würzigen Stück Appenzeller in der Hand, und lässt sie. Lässt sie. Nimmt sie – und gern auch ihre Scheinchen – wie sie sind.

Ich glaube, privat ist er genauso. Er plant nicht, erwartet nicht, hofft nicht viel. Guckt immer nur, ob am Ende des Tages, eines Tages, wie es nicht umsonst ja auch die Alkis predigen, die Rechnung stimmt. Und wenn sie mal nicht so ist, na, solange es sich insgesamt doch irgendwie "rentiert"...

Huch, ich muss los.

14.02.2007 um 17:40 Uhr

Valentinstag again

von: Lapared

Heute ist Valentinstag, Tag der Liebenden. Scheißtag der Vergesslichen.

Vor einem Jahr hat Curd Rock wenigstens dran gedacht. Und mir dieses Quarkstrudel-Parfüm geschenkt, für das er vier Stunden in der Einkaufmeile „Moon River“ gesungen hat. Und dazu... 27 Karten von Dick. Der selbst um ein Absehen von Valentins-Post gebeten hatte, weil er zwar gerne gäbe, aber nicht gut im Annehmen von Geschenken wär. Seine Frau hätte sich vor Freude sicher lang gelegt.

Und vor zwei Jahren, da kannten wir – Sie und ich - uns noch nicht, habe ich sogar selbst an den Valentinstag gedacht. Da liebte ich sweet 119 und hatte 1119 supersweet Ideen, was ich ihm schenken würde, wenn wir "Liebende" und nicht "Eine Liebende und ein Sich-großzügig-lieben-Lassender" wären.

Und dieses Jahr? Dieses Jahr habe ich einen Mann, den ich liebe. Einen Wahnsinnigen, der mich liebt. Mich, und ausschließlich, soweit ich sehe. Aufrichtig und zeitweise sogar nüchtern. Nicht so oft meinen nicht mehr lange traumhaften Körper, aber dafür den unsterblichen Kern meiner in seinen Augen auch ganz flotten Seele. Hach.

Und wir haben es beide vergessen. Natürlich sind wir Kreative und werden bis heute Abend kreative Wege finden, das Versäumnis als liebevolles Angeblich-und-nur-um-den-anderen-nicht-in-Verlegenheit-zu-bringen-Vergessen zu kaschieren. Aber die Wahrheit ist, wir haben es vergessen. Beide. Endlich eine ganz normale Beziehung.

Immerhin, eine email von Dick. „I still love you.“ Das ist Holländisch für „Hallo Lpunkt, wie geht´s Dir, wanne fuck?“, offenbar schlagen zumindest unsere Hormone immer noch im selben Takt. Heute ist Valentinstag, Tag der Liebenden, Scheißtag der Vergesslichen, aber ganz bestimmt nicht Fest der Fickenden, hab ich im ersten Augenblick gedacht.

Aber nur einen Moment. Danach dachte ich, vielleicht ist „I still love you“ ja auch Holländisch für „Ich liebe Dich immer noch, vielleicht nicht so wie meine Frau, aber trotzdem sehr und Vögeln wäre natürlich auch ganz toll.“ Möglich wär´s.

Und ich dachte, der Valentinstag ist vielleicht vor allem ein Tag, um nicht alles nur schwarz oder weiß zu sehen. Ein bisschen großzügig zu sein. Und ein wenig bereitwilliger als sonst zu verzeihen. Vor allem dem, den man im laufenden Jahr lieb hat. Dem vor allem. Und allen anderen nur, ganz wirklich nur... im Stillen. Das ist doch auch ein schönes Geschenk, wa?

So, und nun zuckel ich mit all meiner Valentins-Weisheit los und kauf dem Laufenden trotzdem was Hübsches. Zwei Geschenke können sicher auch nicht schaden...

14.02.2007 um 11:17 Uhr

Lchems Schattem

von: Lapared

Ah, eim wemig Somme, heerrlihc...

 Fimcafeelimg!

 Oh, neim, nicht das wieder...

 Lächelm, Curd, süß aussehem.. .

 ich werd nie aus Schattem tretem

 

13.02.2007 um 20:39 Uhr

Zuhause

von: Lapared

Was passiert, wenn sich die Stolpersteinchen der Wehmut mit der Mangelversorgung einer in ihrer hormonellen Hochblüte stehenden Enddreißigerin und der unausgelasteten Kreativität einer Highend-Texterin paaren (guck, es schleicht sich schon ins Vokabular!)...

Ich schäme mich, es zuzugeben, aber heute, nach 3 Stunden nur so aus mir heraus fließender Zeltromatik vorzeitig durch mit dem gar nicht mal so niedrig veranschlagten Pensum eines ganzen Texter-Tages, stand ich kurz davor, Dick eine unverfängliche, rein freundschaftliche Mail zu schreiben: Hallo Dick, wie geht es Dir, wanne fuck? Schrecklich, ich weiß.

All diese Erinnerungen an unser unbeschwertes Freiluftleben, quer durch die Welt, er, ich und unser kleines Zelt, Liebe am Strand, Liebe am See, Liebe in der Herrendusche von Campingplätzen, Liebe in der Damendusche von Campingplätzen, Liebe quasi unterm Sternendach (in der Erinnerung werden muffige Zeltplanen, volles Männerhaar im Abguss der Männerdusche von Campingplätzen, Monstermotten an der Neonlampe der Damendusche von Campingplätzen... also, alles nicht ganz so Erinnerungswürdige wird ja schnipp schnapp wegromantisiert ). Es bleibt Liebe, Liebe, Liebe… Come here, immediately! Ich Tier.

Dem Reklamebeauftragten ist es wohl auch schon aufgefallen. Er meinte später, nach immer noch wohlwollender Prüfung meiner engagierten Campingtexte, ich solle vielleicht ein klein bisschen mehr auf die familienfreundlichen Aspekte des Freilufturlaubs zielen. Yes, sehr gern, I take the pill, but let us do what´s im Prinzip sehr familyorientiert! Mann, Mann, Mann...

Dieser kleine Spaziergang gestaltet sich zu einem halsbrecherischen memorialem Von-Gipfel-zu-Gipfel-Tripp, gegen den sich meine Realität im flachen Schmusekuschelland ein bisschen schwach ausnimmt.

Andererseits, was nützt ein Mann mit Zelt, wenn er kein Zuhause ist? Ich hab ein Zuhause… und da gehe ich, wenn ich gleich endlich mit der familienfreundlichen Fassung fertig bin, auch sehr gern hin.

12.02.2007 um 21:07 Uhr

Ein Spaziergang

von: Lapared

Ein herrlicher Job, herrlich. Ich darf mich in aller Ausführlichkeit über den Charme eines Campingurlaubs verbreiten. Wenn ich da nicht Erfahrung hab! Ein Hersteller von Camping-Utensilien wird also vom Glanz meiner Erinnerung an laue Sommernächte mit Mr. Dick profitieren. Und ich kann schwelgen, schwärmen, 18 Din-A4-große Prospektseiten lang. Von der Romantik des Liebesakts auf bretthartem Isomattengrund, von Regentröpfchen auf Außenzeltdächchen, von der Nähe zur Natur und insbesondere dem Krabbeltier. Der Kunde hat sofort gespürt, dass meine Kompetenz auf hautnahem Erleben basiert. Wie wahr, wie wahr, und die Erinnerungen sind – nur nachlässig verschüttet – alle noch da. Jedenfalls... Die ersten Texte haben anstandslos den Schreibtisch des Reklamebeauftragten passiert. Ein herrlicher Job, ein Spaziergang, vom Anspruch und auch durch meine Erinnerungswelt. Selbst wenn ich da ein bisschen auf die spitzen Stolpersteinchen der Wehmut achtgeben muss. Doch insgesamt, easy. Mensch, Lchen, und davor haste solchen Schiss gehabt...

11.02.2007 um 13:50 Uhr

Bettgeflüster

von: Lapared

Ein Sonntag im Bett wäre natürlich auch schön gewesen. Aber so...

„Was willst Du immer bei den beiden alten Schachteln?“ HK muss ausnahmsweise nicht in die Agentur. Konnte ich ja nicht wissen. „Sie sind nett und haben viel Scheiße erlebt, Du weißt, das zieht mich an.“ Außerdem bekomme ich dort Anerkennung (für mein sensationelles Blog) und Kuchen (für meinen schwindenden Arsch). „Eigentlich könntest Du auch zu mir ziehen und Dich ein bisschen um meine Mutter kümmern.“ – „Im Gegensatz zu Deiner Mutter können die Schachteln sich an die Scheiße noch erinnern, Deine Mutter erinnert sich noch nicht mal, wo die Toilette ist, die Art Scheiße reizt mich eigentlich nicht ganz so sehr.“ - „Und mal abgesehen von meiner Mutter? Könntest Du Dir vorstellen mit mir zusammenzuziehen?“ – „Klar. Irgendwann. Wenn Du trocken bist.“ – „Oh, Madame greifen zur Möhre, Du brauchst mir keinen Anreiz geben, so läuft der Hase nicht, mein Schatz.“ – „Zumal die Möhre meines Hasen ja bereits die Flasche ist.“ – „Punkt für Dich.“ - „Und davon abgesehen, geht es gar nicht um Dich, Hasilein. Es geht um mich. Deine abenteuerliche Reise zum Tiefpunkt möchte ich nicht unbedingt so hautnah miterleben, so weit geht mein Hang zur Scheiße nicht.“ – „Beckenrandschwimmer.“ – „Alkoholiker.“ – „Lusche.“ – „Flasche.“ – „Flasche? Ich liebe Dich.“

10.02.2007 um 20:19 Uhr

Ich bin ein Phänomen

von: Lapared

Manchmal frage ich mich, was zwischen meinem Verstand und meinen Gefühlen eigentlich vorgefallen ist, dass sie so gar nichts miteinander zu tun haben wollen. Einer dieser typischen Nachbarschaftsstreits um Unkraut, das von einem aufs andere Grundstück wuchert, Äste, die über den Gartenzaun ins fremde Hoheitsgebiet ragen? Sie wohnen dicht an dicht im selben Körper und gucken sich doch mit dem Arsch nicht an.

Ob im Großen wie unlängst bei Dick (Verstand: Verlass ihn, er ist und bleibt ein schwacher Mensch, ein Lügner. Gefühl: Drauf geschiffen, ich will will will ihn aber, ich hab ihn lieb!) oder im Kleinen wie heute Mittag (Verstand: Du musst diesen Agenturjob annehmen, für´s Selbstvertrauen, für Kohle, die Miete zahlt sich nicht durch Brie allein. Gefühl: Alles Käse, sag um Himmels willen NEIN!), oder im ganz Kleinen wie gerade eben (Verstand: Lass die Finger von dem Salzhering, unter dem Provisorium Deines Backenzahns liegen Millionen Nervlein frei. Gefühl: Los Lchen, hau rein!) Und egal, wie ich mich entscheide, einer von beiden kotzt und revoltiert.

Das Herzchen schrie und tobte Wochen, als ich mich aus guten Gründen endlich von Darling Dick zu trennen zwang. Die Angst wütet wie Orkan Franz in meinen Verdauungsorganen, seit ich den kleinen Popel-Job für nächste Woche angenommen hab. Nur bezüglich des Salzherings sind sich Verstand und Gefühl postum zumindest einig, dass dessen Genuss ganz große Scheiße war. Ohne Provisorium könnte ich sogar beim Atmen Aua schreien.

Ich weiß, das kennt wohl jeder, dass Gefühl und Verstand nicht immer Hand in Hand spazieren. Und doch kommt es mir oft vor, als wäre ich ein besonders schlimmer Fall von insgesamt sehr Wenigen, bei denen sie tendenziell höchst unbeeindruckt voneinander existieren. Bei dem sich, wenn ich dem einen endlich folge, das Übergangene noch nicht mal murrend fügt.

Wie kommt es nur, dass ich um falsche Männer endlos weine, mir vor meiner selbstgewählten Arbeit dermaßen in die Hose scheiße und mir mit einem Hering trotz bekannter Risiken prompt das Provisorium ziehe?

Ich hab´s, ich bin ein fucking Phänomen.

09.02.2007 um 19:31 Uhr

Das Käse-Debüt

von: Lapared

Ach, Ihr hättet es sehen sollen!

Lchen also als strahlende Debütantin in Brunos kleiner Stinkparzelle. Nur vorab: Ich habe mich wacker geschlagen in meinen ersten drei Stunden als Brunos linke Hand im Wochenend-Ansturm des szenigen Käse-Klientels.

Es sind ja ganz besondere Menschen, die Käse lose kaufen. Und nicht, wie meistens ich, von PENNY verpackt. Sie wählen links, sie verdienen rechts, sie pupsen in Computerstühle und Workerhosen, sie lesen „Fleisch ist mein Gemüse“ und leben „Lässig bin ich, aber edel mein Käse“. In der Kneipe hätten wir uns sofort weggedreht und toll verstanden. Durch das Schicksal jedoch auf gegenüberliegende Seiten des Käsetresen verschlagen, kam es vereinzelt zu Irritation...

„Mensch Lpunkt, was machst Du denn hier?“ – „Ich verkaufe Käse, siehste doch.“ – „Du, das find ich super.“ – „Du, Sie wünschen?“ – „Ich für mich find ja... Putzen hat was unheimlich Entspannendes! Hab meiner Putzfrau gekündigt und mach´s jetzt selbst, ist irgendwie total meditativ.“ – „Darf´s sonst noch was sein?“ – „Man macht einfach, macht, und am Ende ist es erledigt, das ist super befriedigend, wann hat man sonst schon mal so´n direktes Feedback, ach so, gibste mir was von dem Le Camisard*?“

*Le Camisard: leckere Ziegenkäsetaler, die mit würzigem Speck umwickelt sind. Diese Spezialität ist gebraten köstlich auf Salat - als Vorspeise oder auch für Zwischendurch. Ja, ja.

„Gern. Zeig einfach mit dem Finger drauf, hab keinen Schimmer, welcher das ist… “ Also, wie gesagt, kleine Irritationen.

Bruno nahm´s lächelnd. „Ex-Kollege?“ – „Hm“, nicke ich. „Der kann mal zu mir zum Meditieren kommen, hab seit sechs Wochen zuhause den Flur nicht gewischt…“ – „Bruno, da kannste noch ´n Geschäft draus machen!“ – „Lass ma…“ – „Brunorianische Wisch-Meditation, innere Katharsis durch kontemplatives Putzen.“ – „Meinste das läuft?“ – „Vielleicht doch nicht, die Typen stehn eigentlich mehr auf Wichs-Meditation…“ – „Nu, schimpf mal nicht so, sind doch auch alles nur arme Würstchen wie Du und ich, die versuchen, ihren Käse so teuer wie möglich zu kaufen…“ – „Haste auch Recht, Bruno.“ – „Und jetzt pass mal auf… das hier ist ein Brie de Meaux, Lieblingskäse von Karl dem Großen. Außerdem wurde der Brie 1814 beim Wiener Kongress von Talleyrand und seinen 143 Verhandlungspartnern als König der Käse bestätigt...“

Und so führte mich Bruno in die unsagbar sinnliche, unglaublich stinkende Welt des Käses ein. Ich habe nicht viel verdient, aber ich hatte Spaß und hab eine Menge gelernt. Ja, ja.

08.02.2007 um 15:33 Uhr

Lpunkt, Queen of Pain?

von: Lapared

„Das war doch gar nicht mal übel“, sagt HK sichtlich befriedigt.

„Ein sehr gelungener kleiner Geschlechtsakt“, sage ich offen-sichtlich befriedigt, aber in Wahrheit weit davon entfernt, „möchtest Du darauf anstoßen?“

Ups. Ich Rindvieh. Zu meiner Verteidigung: Das Entzugsding war schneller zurückgenommen, als es ausgesprochen war. HK fiel ein, dass er das Datum dafür doch besser nicht von einem Windel-Pitch abhängig machen sollte, dass es viel mehr sein Tiefpunkt - der Punkt, an dem es ihm nicht mehr beschissener gehen könne - der abzuwarten sei. Da er vom harten Aufschlag auf dem Boden des Nicht-tiefer-fallen-Könnens flummigleich in den Aufschwung katapultiert würde, und diese kleine Starthilfe in ein trockenes Leben gelte es unbedingt auszunutzen, sonst würde das alles nix.

Saufen bis zum Gehtnichtmehr, quasi-therapeutisch? Dabei möchte man natürlich gern behilflich sein. Also…

„Möchtest Du darauf anstoßen? Ich hab noch eine schöne Flasche Wein.“

„Du kannst es nicht sein lassen, hm?“

„Nein, ICH kann es nicht, und DU kannst es nicht, ist es nicht schön, was wir alles gemeinsam haben?“

Ich weiß auch nicht, woher all die Gemeinheit plötzlich kam, vielleicht von meinen Flirts mit den Niemals und dem inneren Probepacken in der jüngsten Vergangenheit.

HK sieht nicht mehr ganz so befriedigt aus. Er weint. Es tut mir schrecklich leid.

„HK", sage ich, „es tut mir leid, ich war gemein. Ich weiß, es ist eine Krankheit, und ich kenne sie, ich kenne sie, ich weiß, wie es sich anfühlt, etwas nicht loslassen zu können, obwohl man weiß, wie sehr man sich damit schadet, ich weiß, wie es ist abhängig zu sein, von Stoffen, von Mitteln, von Menschen, ich kenne das... ich liebe Dich.“

Ich heule auch und eben war ich doch fast glücklich, nur ein bisschen unbefriedigt nach unserem 2-Sekunden-Sex. Ich heule wie ein Tier.

HK kriegt sich eher wie ein, er hat ja auch einen kleinen Vorsprung.

„Du willst gehen, stimmt´s? Du willst, Du kannst es nur nicht, und das hat nichts mit Liebe zu tun, mein Engel. Ich bin Dein Alkohol, nicht mehr, und ich bin austauschbar, morgen kann es ein anderer sein, Du brauchst Beziehungen, Du meinst nicht mal mich.“

„Das ist nicht wahr. Du bist nicht austauschbar.“ Er ist nicht austauschbar. „Wenn Du so austauschbar wärest, warum sollte ich es dann nicht tun?“ Warum?

„Weil sich gar nicht so schnell jemand findet, der ähnlich schlecht für Dich ist. Du hattest einen, der Dich nicht liebt, einen, der Dich nach Strich und Faden belügt und sogar verheiratet ist, und nun einen Alkoholiker. Du suchst das Drama, Du bist süchtig nach Deinem Unglück, und Du brauchst davon immer mehr. Die große Lpunkt, Queen of Pain. Du wirst mich verlassen, Du wirst, aber erst wenn Du einen anderen findest, der noch schlechter für Dich ist, einen verheirateten Alkoholiker vielleicht, soll ich mich bei der AA mal für Dich umsehen?“

„Gehst Du denn wieder zu AA?“

„Ja, das habe ich vor, ich weiß nicht wann, aber das werde ich.“

„Warum streiten wir uns dann, warum?“

HK zieht mich an sich.

„Weil ich den Zeitpunkt bestimme, nicht Du. Und vor allem, weil ich Dich nicht irgendwann an irgendeinen Kerl verlieren will, der trinkt und lügt und Dich nicht liebt. Nur weil ich trocken und nicht mehr schlecht genug für Dich bin.“

„Glaubst Du wirklich, ich will unglücklich sein? Glaubst Du das? “

„Jedenfalls bist Du nicht gerade nett zu Dir. Und so viel Scheiße, wie Dir passiert, das kann doch kein Zufall sein, Lchen, echt nicht, das ist nicht der liebe Gott, der Dich auf dem Kieker hat, da hast Du selbst Deine Fingerchen im Spiel.“

„Wusstest Du, dass ich sogar mal ´ne Textsammlung gemacht hab, die hieß Mir passiert echt nur Scheiße?“

„Ja, und sie liest sich sehr witzig, aber sie ist es nicht. Und vor allem solltest Du sie umbenennen in Ich fahr voll ab auf Scheiße.

„Das klingt aber nicht so gut.“

„Trifft es aber besser.“

„Und nu?“

„Ich bezahle Dir die Therapie, wenn die Kasse es nicht tut. Und Du suchst Dir ´ne andere, dieses Stöckchen nützt Dir nichts, Du brauchst einen Stock, der Dich knüppelt, da liegt das Problem, da liegt auch die Lösung.“

„Echt, Du bezahlst mir die Therapie?“

„Klar, ich will doch nicht, dass Du mir, wenn ich trocken bin, von der Fahne gehst.“

„Wenn Du trocken bist, hast Du keine Fahne mehr.“

„Ich will doch nicht, dass Du mir, wenn ich trocken bin, von der Stange gehst.“

„Rrrrrrrrrr. Wenn Du trocken bist, wird das unserem Geschlechtsleben sicher fantastischen Auftrieb geben.“

„Waren Dir zwei Sekunden etwa nicht genug.“

„Doch, Schatz, die waren super, und sogar befriedigend - das Nachspiel eingenommen.“

„Na siehste.“

Also, auf zum Stock, auf zum Tiefpunkt, und alles wird gut.

07.02.2007 um 20:15 Uhr

Kein Arsch

von: Lapared

Aber der Mann vom Fairsicherungsladen ist eine Wucht. Er ist der Nachfolger vom „Arsch vom Fairsicherungsladen“, dem wir die kleine Kackfront verdanken, die an meinem Privatversichertenhimmel aufgezogen ist, und der wegen Anstiftung zur Falschangabe in den Keller zum Briefmarkenanlecken abgeschoben wurde, hoffe ich. Die Wucht vom Fairsicherungsladen hingegen legt sich mächtig ins Zeug, ein Rechtsanwalt mit Spezialität Hein Blöd gegen Krankenkasse ist schon bestellt... Stöckchen, Lchen Blöd kämpft um Dich!

In der Tat beginne ich sie ein wenig zu vermissen, mein Stöckchen. Heute war ich statt bei ihr beim Schwimmen (sorry, Ruth!) und ich muss zugeben, die morgentliche Selbstreflektion im milden Widerschein ihres dösenden Therapeuten-Gesichts war ein echter Hingucker verglichen mit dem fiesen Arschschwund, der sich mir in den allgegenwärtigen Spiegeln meines Sportclubs offenbarte. Kein Gesäß, auch da. Größe 27 flattert, allmählich wird es Zeit für ein Comeback der Kalorienbombe, sonst fehlen Reserven für die unvermeidlichen Trennungsabgänge, wenn es denn irgendwann vielleicht so weit ist. Jedenfalls freue ich mich auf mein baldiges Debüt unter Brunos Käseglocke, von der briehaltigen Luft nehme ich sicher zu.

Und vielleicht brauche ich ja auch gar keine Reserven. HK spricht von Entzug, halleluja, vielleicht im Sommer oder Herbst, aber erst müsse der Etat XY gewonnen sein. Die Werber eben, genauso wie ich meine Schmerzmittelabhängigkeit ignorierte zugunsten irgendwelcher Streichwurst-Deadlines, genauso hat bei ihm der Pitch um einen Windel-Etat Präferenz gegenüber dem Kampf gegen seine Alkoholkrankheit. Aber ich bin ja froh, dass er ihm überhaupt wieder denkbar erscheint.

Und so schließe ich diesen Tag ohne Arsch aber einigermaßen gelassen mit einem leisen... Höm.