Anleitung zum Entlieben

07.02.2007 um 13:31 Uhr

Der große Curd Rock... umterfordert

von: Lapared

Irgemdwie begimme ich mich zu lamgweilem...

 Keim Somme .. .

 Keim Pflämzchem...

 Keim HERAUSFORDERUMGEM!!!

 Vom Gemie zum Couchpotäto...

06.02.2007 um 15:37 Uhr

Nie mehrs und Niemals

von: Lapared

Seitdem... ja, seit was? Ich würde gerne darüber hinweg hoppeln mit einem netten lchenhaften Zynis-chen (die kleine Schwester vom Zynismus). Oder gepanzert darüber hinwegrollen mit einer lpunkttypischen Fäkalkombination. Ich würde gerne schreiben: Seit dem unerfreulichen Lakenvorfall oder… Seitdem er sein Alkoholproblem so sinnfällig zum Ausdruck gebracht hat oder… seitdem er mir unsere rosige Zukunft vor bedauerlicherweise nicht mal die Füße gekotzt hat… Irgendwie sowas würde ich eigentlich gerne schreiben. Aber heute mal nicht.

Seitdem er in mein Bett erbrochen hat, habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich denke, er weiß, dass ich innerlich zum Aufbruch rüste, dass ich mit gepackten Koffern im Herzen auf ihn warte. Aber er kennt mich nicht. So schnell verduftet ein Lchen nicht. Er weiß nicht, wie lang, wie unendlich geduldig ich auf schwerem Gepäck noch sitzen bleiben und warten und hoffen und glauben kann. Will.

Es sind die Für immers in solchen Koffern, die ich nicht im Stande bin zu tragen. Die Nie mehrs. Die krieg ich nicht gewuchtet, die sind einfach zu schwer für mich.

Papa ist Schuld. Ich hab´s mal erzählt, glaube ich... Wie er mich als Kind über ein Haar zu Tränen rühren konnte, das mir ausgefallen war. Ein langes, blondes Kinderhaar, dass jahrelang bei mir gewesen war, dass mit mir Radfahren gelernt hatte, mich beim ersten Schultag begleitet und all die schlimmen Zahnverluste mit mir durchgestanden hat... und nun lag es da verloren auf meinem Kopfkissen und ich beachtete es kaum. Ekelte mich sogar ein bisschen davor, weil man die Wurzel noch sah, mit der es so lange so treu an mir gehangen hatte. Bald würde es in Mamas dickem Staubsauger verschwinden und wir würden getrennt sein, für immer, würden uns nie mehr wieder sehen, das tapfere kleine Haar und ich. Ich könnt heute noch heulen.

Oder nach dem Urlaub. Am letzten Tag jedes Urlaubs ging Papa mit uns ans Meer um Abschied zu nehmen. Wir haben uns vom Wasser verabschiedet, in dem wir so schön gebadet hatten, den Sandkörnchen, auf denen wir gelegen hatten, wir haben uns von unserem blau-gelben Sonnenschirm verabschiedet, der uns zwei Wochen vor der heißen Sonne beschützt hatte, ab morgen würde er anderen Menschen gehören. Wir haben uns von allem und jedem verabschiedet, denn wir wussten, wir würden dies alles nie mehr wieder sehen. Weil das Hotel beschissen gewesen war, das Essen Mist, das Wetter Kacke, der Strand voll Dreck, garantiert würden wir hier nicht noch mal hinfahren. Nie mehr? NIE MEHR?

Papa hatte da so einen "Tick". Ich glaube, es kam weil er seine Eltern verloren hatte, ohne Abschied zu nehmen. Sie gingen aus dem Haus und kamen einfach nicht zurück. Es war Krieg, da kann das leicht passieren. Und vielleicht war das Letzte, das er zu ihnen gesagt hatte, ich krieg meine Schnürsenkel nicht zu oder ich muss mal oder Ihr seid gemein, ich will nicht zur Schule. Seitdem hatte Papa diesen "Tick".

Und nun hab ich ihn. Ausgewachsen zur Trennungsneurose. Ich kann nichts und niemanden loslassen. Und dass Papa Schuld ist, hilft kein Stück.

Am schlimmsten war es bei Dick. Weil er so weit weg wohnt. Weil ich wusste, ich werde ihn aus den Augen verlieren. Diesen Menschen, in dessen Armen ich geschlafen hatte, dessen Herz ich gehört habe, dessen Gesicht ich gehalten hatte, ich wusste, ich werde ihn vielleicht nie wieder sehen, ich, die ich schon um ein Haar im Waschbecken, um ein Sandkorn an irgendeinem Scheißstrand heulen kann, NIE MEHR? Bei Dick wog das Nie mehr am schwersten. Seine Endgültigkeit war umständehalber am endgültigsten und beinahe unerträglich, fast wie ein Tod. Zu melodramatisch? Denken Sie an das Haar, denken Sie an das Sandkorn.

Andererseits war es ja auch gut, dass ich so manches Sandkorn nie wieder gesehen habe. Denn im nächsten Sommer fuhren wir an einen neuen Strand, ein neues Meer, lernten neue Sandkörnchen kennen, die viel schöner waren. Ohne Hundepisse, ohne all die Kaugummis dazwischen, ganz weiß, ganz fein, wunderschöne Sandkörnchen, was, wenn wir nicht dorthin gefahren wären, sondern immer wieder an den überfüllten, italienischen Kackstrand mit den unzähligen blau-gelben Schirmen? Dann hätte ich all diese herrlich weißen, wirklich komfortablen Sandkörner niemals kennen gelernt, NIEMALS. Ein Gedanke, der eigentlich fast noch schlimmer ist.

Und so versuche ich mich innerlich zu rüsten und auch ein paar Niemals mitzunehmen.

Ich weiß, wenn ich HK verlasse, gibt es viele traurige Nie mehrs. Aber auch ein paar ebenso bedauerliche Niemals. Niemals unbeschwert auf eine Party gehen… niemals Sex, ohne das ungute Gefühl, das wird wieder nix… niemals Kinder, obwohl ich gar nicht weiß, ob ich die noch haben will (aber sicher nicht mit einem Alkoholiker)… niemals sicher fühlen, auch wenn sicher nur eine Illusion ist (selbst wenn nicht Krieg ist), aber eine schöne, eine beglückende kleine Illusion… niemals den Mann treffen, den es vielleicht irgendwo noch gibt da draußen, und mit dem ich vielleicht glücklicher hätte sein können.

Ich nehme auch diese Niemals mit in mein Reisegepäck, denn sie wiegen die Nie mehrs ein bisschen wieder auf. In Gedanken zumindest. Denn sie sind ja keine Realität, diese Niemals, nur Möglichkeit. Aber immerhin... Möglichkeit.

Und trotzdem weiß ich, dass es noch eine Weile dauern wird, bis ich fertig zum Abmarsch bin. Vielleicht erst dann, wenn irgendeine dieser Möglichkeiten ein bisschen konkreter, ein bisschen greifbarer erscheint. Oder wie meine Schwester sagen würde: Geh zum Sport und guck Dir andere an. Jungs, die mehr auf isotonische Getränke stehen. Und wenn Du´s wirklich sicher haben willst, guck Dich selbst an. Du bist doch von allem noch die sicherste Nummer. Meine kluge Schwester...

(Puuuh, heute habe ich aber ganz schön auf die Tränendrüse gedrückt, wa? Aber so ist mir nun mal gerade, zum Heulen. Ich hoffe, selbstlos wie stets, Sie hatten trotzdem Spaß.
Und morgen lasse ich sicherheitshalber Curd Rock mal ran...)

05.02.2007 um 18:20 Uhr

Und jeder Antwort wohnt eine Frage inne...

von: Lapared

Manche Fragen beantworten sich ja auch von ganz allein.

Die Frage zum Beispiel, ob Stöckchen mir nun hilft oder nicht. Sie hilft mir nicht. Sie kann mir gar nicht helfen. Weil die Krankenkasse mir soeben per Einschreiben mit Rückschein mitgeteilt hat, dass sie die Kosten für Stöckchens Vielleicht-Hilfe nicht übernimmt. Also keine Therapie. Wäre das auch geklärt. Ich beschließe, um den Mindestnutzen, den die Stöckchen-Dates meines Erachtens immerhin hatten - das zweimal wöchentliche herrgottsfrühe Aufstehen und die radelbedingte körperliche Betätigung - durch alternative Maßnahmen zu erhalten. Und verpflichte mich hiermit, zweimal wöchentlich morgens zum Schwimmen zu fahren. Per Rad, natürlich. Und um den Druck zu erhöhen, versichere ich außerdem, den Betrag von 92,50 Euro – Stöckchens Stundensatz und Ausfallhonorar bei Nichterscheinen – bei pflichtwidrigem Schwänzen der Schwimmstunde auf ein Sparkonto für Ruth zu überweisen. (Sie erinnern sich? Ruth, mein Patenkind und die zukünftige Paris Hilton Afrikas.) Oder wenigstens 9,25 Euro, angesichts eines durchschnittlichen Monatseinkommens von 40 Euro in Ruths Region, ist das für eine Neunjährige sicher immer noch genug, um in ihrem Dorf richtig schön auf dicke Hose zu machen, gell Ruth? Du klimperst selbstbewusst mit Deinen Euros und lässt Dich nicht mit Zwölf für zwei Ziegen und drei Hühner an einen polygamen Lendenschurz verschachern. Du wirst relative Millionärin oder noch besser Ärztin oder am allerbesten Psychotherapeutin, und dann fahre ich nach Afrika und Du nimmst Dich des Dachschadens Deiner reichen Patentante aus Europa an. So wird´s gemacht. Hach, eine befriedigende kleine Lösung.

Etwas überschattet wird meine Genugtuung über die sich selbstauflösende Problematik nur von der Tatsache, dass die Krankenkasse mich wegen „arglistiger Täuschung“ und „schwerwiegender vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung“ mit sofortiger Wirkung... rauswirft. Bums. Ich hatte bei Vertragsschluss den Therapieversuch diverser Suchterkrankungen vergessen zu erwähnen, dem ich mich mit etwa Drei vertrauensvoll hingegeben hatte. Nicht mal vorsätzlich war diese Amnesie, obwohl mir der naive, damals gänzlich unreflektierte Glaube an die Heilkraft von Psychologen im Nachhinein schon etwas peinlich war. Es war der kompetente Vermittler vom „Fairsicherungsladen“, der seinerzeit ganz felsenfest fairsicherte, was länger als 10 Jahre zurückläge, sei nicht angabepflichtig. Nun haben wir den Salat. Und in meiner schon wieder bedenklich instabilen, weil meterhohen Postablage im Flur neben den Sommerschuhen schlummern bestimmt Arztrechnungen in wiederum Millionenhöhe, für deren Erstattung nun, nach Empfinden meiner Krankenkasse, ihrerseits keinerlei Erstattungspflicht mehr besteht. Oh weh. Ich werde Bruno um einen Vorschuss bitten müssen. Und das, noch bevor ich meinen lukrativen Posten in seiner kleiner Käseglocke überhaupt angetreten habe. Was für ein Einstand. Was für ein Käse.

So und morgen in aller Frühe schwinge ich mich auf Rolli und statte statt Stöckchen dem kompetenten Arsch vom „Fairsicherungsladen“ einen Besuch ab. Der hat´s fairbockt, der soll sich jetzt drum kümmern. Und da wären wir wieder, in jedes Vakuum, dass eine gelöste Fragestellung hinterlässt, planzt sich sofort eine neue: Ob´s hilft?

04.02.2007 um 18:19 Uhr

Frauchen

von: Lapared

Ein schöner Nachmittag mit Emmi und Freddy. Frauchen Lotte (ah, ein Frauchen!) ist immer noch sehr schlecht zurecht und Stieffrauchen Emmi (und noch eins!) ist wirklich ein böses Stieffrauchen, sie behandelt Freddy wie einen Hund (pfui, Freddy ist kein Hund sondern ein sturer aber liebenswerter, schwerstkranker alter Dackel), aber ich glaube Freddy steht drauf. Ich habe bemerkt, dass sein Stummel bei Feldwebel Emmi stärker wackelt, als bei der zärtlichen Lotte. Ich hoffe nur, sie selbst bemerkt es nicht.

Lotte war doch früher Deutschlehrerin und sie ist ganz wild darauf, mein Blog zu lesen. Ich bringe ihr Ausdrucke mit, wenn ich die beiden besuchen gehe, die liest Lotte dann zuhause auf ihrer Couch, während Emmi und ich, wir wilden Weiber, um die Alster laufen und dabei den Jungs nachsehen. Emmi darf das, sie ist süße achtzig und wieder Single, hat in ihrem Leben so viele Männer gehabt und doch alle wieder verloren, aus ihrem Herzen - das, sagt sie selbst, ein bisschen unstet schlägt, mal rasant, doch danach schnell wieder träge - an andere Frauen oder ganz einfach an den Tod, und ich, nun ja, ich denke, vielleicht bin ich auch noch nicht in meinem Hafen angekommen. Der, den ich dafür hielt, halten wollte, den ein Teil von mir immer noch dafür halten will, hat gestern Nacht – endlich passiert mal was im Bett - in meine blütenweißen Laken gekotzt.

Das dürfen Häfen, so ist es nicht, Häfen sind ruhig und sicher, aber manchmal auch schmutzig, es muss gut überlegt sein, ob man sie verlässt und das Weite sucht, nur um nach einer wilden, gefahrvollen Reise einen neuen Hafen anzulaufen, der vielleicht auch nicht besser ist. Häfen sind so. Im ruhigen Becken schwimmt viel Scheiß. Aber muss es denn so buchstäblich, so direkt vor meine Nase sein? Es war für uns beide nicht sehr angenehm.

Ich spaziere also mit Emmi und Freddy, wir checken die vorbeiziehenden Häfen, nicht ernsthaft natürlich, nur so als Spiel mit der Möglichkeit und stellen fest, dass es gar nicht so übel ist noch unterwegs zu sein. „Weißt Du...“ sagt Emmi, denn Sie duzt mich jetzt, wir haben angestoßen mit Kaffee und Gugelhupf, „weißt Du, das Leben ist ein Reise“, oh nee, Emmi, jetzt nicht solche Allgemeinplätze, „und zum Reisen gehört das Packen, es wird Zeit, dass Du Deine Koffer packst und diesem Suffkopp Lebewohl sagst, sitzt, Freddy, sitz!“ Das nenn ich ein Frauchen. „Mal sehen...“ sage ich, und laufe innerlich - wie Dackel Freddy äußerlich - völlig unbeeindruckt an der Seite meines Liebsten weiter. Freddy und ich, wir wissen, dass wir es tief in unserer Dackelseele selbst bestimmen, wie weit wir gehen und wann wir in Stimmung zum Gehorchen sind. Gell, Freddy, wir haben unseren eigenen Kopp.

Wieder zurück finden wir Lotte ganz enthusiastisch. Das ist herrlich, was Du da schreibst, Du bist reich, meine Liebe, Du hast ein Talent!“ Ich kriege glühende Ohren. „An Deiner Zeichensetzung und Deiner Rechtschreibung musst Du allerdings noch pfeilen!“ Pffft, Rechtschreibung, sicher meint sie Curd Rock. Noch ein Stück Kuchen und ich gehe nachhause, beziehe das Bett und fühle mich irgendwie leichter. Ich bin reich, hat sie gesagt, reich macht frei, Lotte und Emmi, zusammen geben sie doch ein ganz akzeptables Frauchen ab. Pack, Lchen, pack!

03.02.2007 um 23:59 Uhr

Stöckchen...

von: Lapared

...hat da nicht kürzlich jemand nach Stöckchen gefragt?

Tja, ich weiß eigentlich auch gar nicht so genau, wie´s ihr geht. Wenn ich da bin, erzähle ich ihr natürlich vor allem von mir und den verschiedenen Verhaltensweisen, die ich so ausprobiere bezüglich Schatzi HK und seinem Alkoholproblem (während Schatzi selbst konsequent bei einer Verhaltensweise bleibt und... trinkt.) Stöckchen, das merke ich, hat ganz andere Sorgen. Sie hört sich das alles an, guckt interessiert, aber ich spüre, eigentlich ist es ihr nicht so wichtig, was da mit mir und HK passiert, wichtiger ist ihr, wie´s zwischen uns läuft, zwischen ihr und mir.

Stöckchens offenbar größte Angst: dass ich sie nicht Stöckchen bleiben lasse, sondern ein Herrchen bzw. Frauchen aus ihr mache. Diese Analytiker kreisen ja ständig um dieses Übertragungsding. Stöckchen merkt wohl, dass ich ihr jedes neue Verhalten, jede neue Gedankenkonstruktion, die ich mir baue, um weiter warm im vertrauten Sumpf meiner Inkonsequenz zu residieren, schwanzwedelnd vor die Füße lege und hoffe, dass sie sagt: Brav, kleines Lchen, gut gemacht, klug gedacht! Was bist Du nur für ein pfiffiges, gedanklich bewegliches Scheißerle. Dass ich nach einer Autorität giere, die mir sagt, was richtig und was Wahnsinn ist. Dass ich Frauchen nicht verärgern sondern wenn´s irgend geht gefallen will. Und eben das, denkt offenbar Stöckchen, ist mein Hauptproblem. Dass ich mein in früheren Beziehungen funktionales Miniatur-Ego bewahre, dass ich statt auf mich selbst lieber auf Mama-Papa-Stellvertreter höre, und das alte Muster meiner Unsicherheit und Gefallsucht auf sie, auf Stöckchen, oh wei übertrage.

Was soll ich sagen. Recht hat sie. Stöckchen muss Stöcken bleiben, sie ist meine Analytikerin nicht meine Mama, mein Frauchen, sonst macht es doch alles keinen Sinn.

Andererseits... Andererseits ist es ja auch wirklich eine verzwickte Lage. Ich weiß wirklich nicht, was falsch und was richtig ist, ich liebe einen Alkoholiker, der – Hurra, das ist doch was! – auch mich liebt, selbst wenn er seine Potenz versäuft und keinen Sex mit mir will. Der nicht aufhören kann zu trinken, aber ansonsten alles für mich tut. Und da er der erste Alkoholiker ist, den ich liebe, hab ich keine Erfahrung, weiß ich nicht, was gut ist für ihn und erst recht nicht für mich. Wo ich die unendlichen Weiten liebeswütiger Toleranz überschreite und mir aus Verlustangst selber tüchtig schade. Ja, ich würde mir wünschen, Stöckchen würde sagen, Lpunkt, Du Dummerle, tu dies oder das. Macht sie aber nicht. Es gilt schließlich eine unreife Übertragung zu vermeiden, zu wachsen und ja, vielleicht in die Scheiße zu rennen. Aber Hauptsache erwachsen und selbstbestimmt.

So viel zu Stöckchen. Mit einem Wort, ich weiß nicht, ob sie mir hilft. Jedenfalls habe ich zwei Mal wöchentlich um acht einen Termin, stehe darum zweimal wöchentlich vor High Noon auf und radel gesundheitsbewusst Wind und Wetter trotzend energisch mit dem Hollandrad hin. Allein das verleiht dem Ganzen aus meiner Sicht schon ein Mindestmaß Sinn... (her mit der Adresse der Kollegin, gerne, BITTE!)

Und vielleicht das noch zu HK. Es war nicht ganz richtig zu sagen, er verändere sein Verhalten nicht. Er trinkt nach wie vor, aber seit wir aus Spanien zurück sind... das Doppelte. Alle entwickeln sich, nur Lchen nicht. Aber vielleicht ist es ja wie beim Rauchen, ich hab es beendet von einem auf den anderen Tag. Allerdings erst nach dem einen Tag vor – Bravo Lchen! - einer Woche, als ich die Zwei-Schachtel-Marke überschritten hab. Im Bezug auf HK ist sie wohl noch nicht erreicht. Noch ´n Bierchen, HK?

P.S. Und ab morgen, ich verspreche es, widmen wir uns wieder erfreulicheren Dingen...

02.02.2007 um 21:07 Uhr

In Memoriam

von: Lapared

Aber die gute Nachricht ist... ich kann mich schließlich selbst veröffentlichen. Kostenlos und unbezahlt steht es mir frei, jederzeit auch meine eigene kleine Bühne der gepflegten Selbstdarstellung zu benutzen. Zwar ist nicht klar, wie viele Motorsportbegeisterte sich da draußen im Zuschauersaal befinden, aber ich denke, wir - wir alle! - sollten uns auch Randgruppenthematiken ein wenig öffnen. Oder Sie nutzen die Gelegenheit und gehen Pinkeln.

Ta-ta! Teil 1 meiner gestorbenen Motorrad-Kolumne (die ich natürlich nicht als Lapared, sondern unter einem Pseudonym geschrieben hätte...)

Lonni K. – von der Selbstständigkeit zum Soziafall

Aus dem Leben einer werdenden Beifahrerin, Teil 1

„Wenn Du Dich da drauf setzt, fliegt der Plattenspieler aus dem Zimmer und wir verkaufen Jürgen Marcus“. Diese Worte stammen von meinem Vater und galten meiner Schwester vor etwa einem viertel Jahrhundert, als sie 15 war. Der Plattenspieler war ihr Grund die Pubertät zu überleben, und Jürgen Marcus ein Hengst, benannt nach einem Schlagerstar, der, als das Pferd weiter fünf Jahre zuvor zu uns kam, die erste Liebe meiner Schwester war. Die aktuelle Liebe meiner Schwester hieß Kalli und hatte ein Motorrad - und eben das war es, worauf meine Schwester sich besser nicht setzen sollte, wenn ihr gewisse Dinge am Herzen lagen. Ich selbst war damals fünf und lernte also früh, dass Motorradfahren gefährlich sehr war. Es konnte den Verlust von Hengst und Musik bedeuten, und das, soviel begriff ich, das tat weh. Dass NICHT Motorrad fahren auch zu schmerzlichen Erfahrungen führen kann, erfuhr ich erst 30 Jahre später. Aber der Reihe nach.

Ich lernte Kai Uwe auf der dritten Hochzeit meiner Freindin Rita kennen, einer entfernten Freundin und engen Busenfeindin, die mich nur eingeladen hatte, um mir zu beweisen, dass ich damals zwar das schönere Barbiehaus, sie in Zukunft aber einen Mann mit Boot und Jugendstilvilla besaß. Um - schneller Konter! - meinerseits zu beweisen, dass ICH dafür aber auch heute noch jeden haben KANN, grub ich George Clooney an, der aussah wie der Doppelgänger eines berühmten Filmstars, auf dessen Name ich nicht kam, und der Trauzeuge ihres vergleichsweise trollhaften Neugatten war. Als der Nebel der fünf Flaschen Champus, mit denen ich Rita zeitgleich materiell zu schädigen beabsichtigte, sich lichtete, und der helle Strahl der Erkenntnis zu mir drang, dass mein Aufriss selbst das Duplikat und außer Doppelgänger auch Holzfäller mit Schwerpunkt Urwaldriesen war, zeigte der Wecker zehn Uhr drei, die Hochzeit vorbei, und neben mir im Bett lag ein nackter Mann. Ich schaute in sein sägendes Antlitz und war unsterblich verliebt.

Etwa drei Stunden später erfuhr ich, dass der nackte Mann angezogen Zahnarzt und Motorradfahrer war. Und damit der Inbegriff all dessen, was ich Zeit meines Lebens fürchtete, was ich mit Bohren am offenen Nerv, Jürgen Marcus und keinem Plattenspieler verband. Wir lagen immer noch im Bett, der Riese war gefällt, diesmal offenbar definitiv, und er sagte: „Scheiße, ich muss Don anrufen, wir wollten heut eigentlich ´ne Tour machen.“ Als ich in meiner postkopulativen und -alkoholischen Eingeschränktheit nicht sofort adäquat reagierte, etwa indem ich ihn einlud, meinen Festnetzanschluss neben dem Bett zu benutzen, fügte er nach Stunden überwiegend schweigenden Handelns in überraschender Erzähllaune hinzu: „Don ist mein Patient und der einzige, der sich einen Zahn ohne Betäubung ziehen lässt, weil er Angst vor Spritzen hat.“ Ah. „Wir wollten heute mit den Motorrädern an die Mosel.“ Ah, ja. Der Zahnarzt und Motorradfahrer und Kumpel von Don dem Schrecklichen griff unaufgefordert zu meinen Apparat.

Inzwischen sind sieben Monate vergangen, es ist Wochenende und mein Urwaldriese widmet sich - trotz meines mit einem „Kein Problem, dann gehe ich eben allein in die Sauna!“ deutlich artikulierten Missfallens - einmal mehr lieber Don und den Kurven im Hunsrück als meinen. Ich hege Groll. Und auf einmal ist da der Gedanke, dass Motorradfahren vielleicht doch gar nicht so gefährlich ist. Jedenfalls nicht, verglichen mit den Risiken des nicht Motorradfahrens, die in meinem Falle in der Belastung und vielleicht langfristigen Zerrüttung meiner Beziehung mit Kai-Uwe liegen. Das sehe ich jetzt. Und stelle es mir deutlich bedauerlicher vor, als den Verlust von Hengst und Plattenspieler. Hach.

„Ein Lied zieht hinaus in die Welt“, diesen unvergesslichen Schlagerklassiker debil summend, sitze ich mit einem leeren 500ml Becher Ben & Jerry´s Chocolate Therapy auf der Couch und starre zu dem Motorrad-Magazin, das Kai Uwe hier vor ein paar Tagen liegen lassen hat. „TOUREN-FAHRER“, ja, ja, schon klar. Ich stelle den leeren Becher Chocolate Therapy neben den leeren Becher Caramel Sutra und strecke meine Hand nach dem obskuren Druckwerk aus. Lonni K., einsam, sexuell unbefriedigt und offen für eine neue Welt…
P.S. Ja, ich habe mir vorher die Hände abgewischt.

(Und nun wieder als Lapared: Ja, ich habe inzwischen eingesehen, dass all dies nicht wirklich nah am Puls der anvisierten Leser war... HMPF.)

02.02.2007 um 09:12 Uhr

Curd Rock - get´s it all!

von: Lapared


 Couchchem, Stramd umd Meer...

 GEHT DOCH!

 Es ist fein eim Gemie zu sein!

 

01.02.2007 um 21:10 Uhr

Pro Bruno

von: Lapared

Die Hoffnung, als Hollandradfahrerin zur Motorradzeitungskolumnisten zu taugen, war vielleicht ohnehin ein wenig vermessen. Jedenfalls muss ich sie fahren lassen, daraus wird wohl nix. Alle waren gerührt und sogar angetan von meinen ersten tapsigen Schritten in die Soziawelt, der Mann, der die Idee zu der Kolumne hatte, seine Redaktions-Kollegen... sie fanden´s nett. Und selbst dem Chefredakteur haben sie gefallen, er hätte meine Texte glatt gedruckt. Nur bezahlen wollte er dafür so gut wie nix. Dann lieber beim großen Bruno Käsewürfel schneiden. Gerecht entlohnt und wertgeschätzt. Hollandradfahrerin und Käsefachkraft, irgendwie harmoniert das auch viel besser im selben Satz.

Ich gebe zu, einen Moment lang war ich versucht, meiner Enttäuschung Luft zu machen und mit gemeinen Worten diesen Mann zu diffamieren, der etwas angeboten bekam, worum er nicht gebeten hatte, und dachte, denken musste, er bekäme es geschenkt. Und dessen Recht und sogar unternehmerische Pflicht es ist, Arbeit nicht danach zu bezahlen, was sie wert ist, sondern was sie einbringt. Meine Texte bringen nichts, sein Blatt verkauft sich ohne sie, ich sollte dankbar sein, wenn ich sie bei ihm veröffentlichen und mich auf seiner Bühne kostenlos produzieren darf. Nein, ich werde kein hässliches Bild von diesem Mann zeichnen, denn das wäre dumm und wirklich ungerecht.

P.S. Und außerdem, wer braucht schon ein Miniaturbildchen mit Wichtelmotiv? Höm, höm...