Anleitung zum Entlieben

05.02.2007 um 18:20 Uhr

Und jeder Antwort wohnt eine Frage inne...

von: Lapared

Manche Fragen beantworten sich ja auch von ganz allein.

Die Frage zum Beispiel, ob Stöckchen mir nun hilft oder nicht. Sie hilft mir nicht. Sie kann mir gar nicht helfen. Weil die Krankenkasse mir soeben per Einschreiben mit Rückschein mitgeteilt hat, dass sie die Kosten für Stöckchens Vielleicht-Hilfe nicht übernimmt. Also keine Therapie. Wäre das auch geklärt. Ich beschließe, um den Mindestnutzen, den die Stöckchen-Dates meines Erachtens immerhin hatten - das zweimal wöchentliche herrgottsfrühe Aufstehen und die radelbedingte körperliche Betätigung - durch alternative Maßnahmen zu erhalten. Und verpflichte mich hiermit, zweimal wöchentlich morgens zum Schwimmen zu fahren. Per Rad, natürlich. Und um den Druck zu erhöhen, versichere ich außerdem, den Betrag von 92,50 Euro – Stöckchens Stundensatz und Ausfallhonorar bei Nichterscheinen – bei pflichtwidrigem Schwänzen der Schwimmstunde auf ein Sparkonto für Ruth zu überweisen. (Sie erinnern sich? Ruth, mein Patenkind und die zukünftige Paris Hilton Afrikas.) Oder wenigstens 9,25 Euro, angesichts eines durchschnittlichen Monatseinkommens von 40 Euro in Ruths Region, ist das für eine Neunjährige sicher immer noch genug, um in ihrem Dorf richtig schön auf dicke Hose zu machen, gell Ruth? Du klimperst selbstbewusst mit Deinen Euros und lässt Dich nicht mit Zwölf für zwei Ziegen und drei Hühner an einen polygamen Lendenschurz verschachern. Du wirst relative Millionärin oder noch besser Ärztin oder am allerbesten Psychotherapeutin, und dann fahre ich nach Afrika und Du nimmst Dich des Dachschadens Deiner reichen Patentante aus Europa an. So wird´s gemacht. Hach, eine befriedigende kleine Lösung.

Etwas überschattet wird meine Genugtuung über die sich selbstauflösende Problematik nur von der Tatsache, dass die Krankenkasse mich wegen „arglistiger Täuschung“ und „schwerwiegender vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung“ mit sofortiger Wirkung... rauswirft. Bums. Ich hatte bei Vertragsschluss den Therapieversuch diverser Suchterkrankungen vergessen zu erwähnen, dem ich mich mit etwa Drei vertrauensvoll hingegeben hatte. Nicht mal vorsätzlich war diese Amnesie, obwohl mir der naive, damals gänzlich unreflektierte Glaube an die Heilkraft von Psychologen im Nachhinein schon etwas peinlich war. Es war der kompetente Vermittler vom „Fairsicherungsladen“, der seinerzeit ganz felsenfest fairsicherte, was länger als 10 Jahre zurückläge, sei nicht angabepflichtig. Nun haben wir den Salat. Und in meiner schon wieder bedenklich instabilen, weil meterhohen Postablage im Flur neben den Sommerschuhen schlummern bestimmt Arztrechnungen in wiederum Millionenhöhe, für deren Erstattung nun, nach Empfinden meiner Krankenkasse, ihrerseits keinerlei Erstattungspflicht mehr besteht. Oh weh. Ich werde Bruno um einen Vorschuss bitten müssen. Und das, noch bevor ich meinen lukrativen Posten in seiner kleiner Käseglocke überhaupt angetreten habe. Was für ein Einstand. Was für ein Käse.

So und morgen in aller Frühe schwinge ich mich auf Rolli und statte statt Stöckchen dem kompetenten Arsch vom „Fairsicherungsladen“ einen Besuch ab. Der hat´s fairbockt, der soll sich jetzt drum kümmern. Und da wären wir wieder, in jedes Vakuum, dass eine gelöste Fragestellung hinterlässt, planzt sich sofort eine neue: Ob´s hilft?