Anleitung zum Entlieben

08.02.2007 um 15:33 Uhr

Lpunkt, Queen of Pain?

von: Lapared

„Das war doch gar nicht mal übel“, sagt HK sichtlich befriedigt.

„Ein sehr gelungener kleiner Geschlechtsakt“, sage ich offen-sichtlich befriedigt, aber in Wahrheit weit davon entfernt, „möchtest Du darauf anstoßen?“

Ups. Ich Rindvieh. Zu meiner Verteidigung: Das Entzugsding war schneller zurückgenommen, als es ausgesprochen war. HK fiel ein, dass er das Datum dafür doch besser nicht von einem Windel-Pitch abhängig machen sollte, dass es viel mehr sein Tiefpunkt - der Punkt, an dem es ihm nicht mehr beschissener gehen könne - der abzuwarten sei. Da er vom harten Aufschlag auf dem Boden des Nicht-tiefer-fallen-Könnens flummigleich in den Aufschwung katapultiert würde, und diese kleine Starthilfe in ein trockenes Leben gelte es unbedingt auszunutzen, sonst würde das alles nix.

Saufen bis zum Gehtnichtmehr, quasi-therapeutisch? Dabei möchte man natürlich gern behilflich sein. Also…

„Möchtest Du darauf anstoßen? Ich hab noch eine schöne Flasche Wein.“

„Du kannst es nicht sein lassen, hm?“

„Nein, ICH kann es nicht, und DU kannst es nicht, ist es nicht schön, was wir alles gemeinsam haben?“

Ich weiß auch nicht, woher all die Gemeinheit plötzlich kam, vielleicht von meinen Flirts mit den Niemals und dem inneren Probepacken in der jüngsten Vergangenheit.

HK sieht nicht mehr ganz so befriedigt aus. Er weint. Es tut mir schrecklich leid.

„HK", sage ich, „es tut mir leid, ich war gemein. Ich weiß, es ist eine Krankheit, und ich kenne sie, ich kenne sie, ich weiß, wie es sich anfühlt, etwas nicht loslassen zu können, obwohl man weiß, wie sehr man sich damit schadet, ich weiß, wie es ist abhängig zu sein, von Stoffen, von Mitteln, von Menschen, ich kenne das... ich liebe Dich.“

Ich heule auch und eben war ich doch fast glücklich, nur ein bisschen unbefriedigt nach unserem 2-Sekunden-Sex. Ich heule wie ein Tier.

HK kriegt sich eher wie ein, er hat ja auch einen kleinen Vorsprung.

„Du willst gehen, stimmt´s? Du willst, Du kannst es nur nicht, und das hat nichts mit Liebe zu tun, mein Engel. Ich bin Dein Alkohol, nicht mehr, und ich bin austauschbar, morgen kann es ein anderer sein, Du brauchst Beziehungen, Du meinst nicht mal mich.“

„Das ist nicht wahr. Du bist nicht austauschbar.“ Er ist nicht austauschbar. „Wenn Du so austauschbar wärest, warum sollte ich es dann nicht tun?“ Warum?

„Weil sich gar nicht so schnell jemand findet, der ähnlich schlecht für Dich ist. Du hattest einen, der Dich nicht liebt, einen, der Dich nach Strich und Faden belügt und sogar verheiratet ist, und nun einen Alkoholiker. Du suchst das Drama, Du bist süchtig nach Deinem Unglück, und Du brauchst davon immer mehr. Die große Lpunkt, Queen of Pain. Du wirst mich verlassen, Du wirst, aber erst wenn Du einen anderen findest, der noch schlechter für Dich ist, einen verheirateten Alkoholiker vielleicht, soll ich mich bei der AA mal für Dich umsehen?“

„Gehst Du denn wieder zu AA?“

„Ja, das habe ich vor, ich weiß nicht wann, aber das werde ich.“

„Warum streiten wir uns dann, warum?“

HK zieht mich an sich.

„Weil ich den Zeitpunkt bestimme, nicht Du. Und vor allem, weil ich Dich nicht irgendwann an irgendeinen Kerl verlieren will, der trinkt und lügt und Dich nicht liebt. Nur weil ich trocken und nicht mehr schlecht genug für Dich bin.“

„Glaubst Du wirklich, ich will unglücklich sein? Glaubst Du das? “

„Jedenfalls bist Du nicht gerade nett zu Dir. Und so viel Scheiße, wie Dir passiert, das kann doch kein Zufall sein, Lchen, echt nicht, das ist nicht der liebe Gott, der Dich auf dem Kieker hat, da hast Du selbst Deine Fingerchen im Spiel.“

„Wusstest Du, dass ich sogar mal ´ne Textsammlung gemacht hab, die hieß Mir passiert echt nur Scheiße?“

„Ja, und sie liest sich sehr witzig, aber sie ist es nicht. Und vor allem solltest Du sie umbenennen in Ich fahr voll ab auf Scheiße.

„Das klingt aber nicht so gut.“

„Trifft es aber besser.“

„Und nu?“

„Ich bezahle Dir die Therapie, wenn die Kasse es nicht tut. Und Du suchst Dir ´ne andere, dieses Stöckchen nützt Dir nichts, Du brauchst einen Stock, der Dich knüppelt, da liegt das Problem, da liegt auch die Lösung.“

„Echt, Du bezahlst mir die Therapie?“

„Klar, ich will doch nicht, dass Du mir, wenn ich trocken bin, von der Fahne gehst.“

„Wenn Du trocken bist, hast Du keine Fahne mehr.“

„Ich will doch nicht, dass Du mir, wenn ich trocken bin, von der Stange gehst.“

„Rrrrrrrrrr. Wenn Du trocken bist, wird das unserem Geschlechtsleben sicher fantastischen Auftrieb geben.“

„Waren Dir zwei Sekunden etwa nicht genug.“

„Doch, Schatz, die waren super, und sogar befriedigend - das Nachspiel eingenommen.“

„Na siehste.“

Also, auf zum Stock, auf zum Tiefpunkt, und alles wird gut.