Anleitung zum Entlieben

09.02.2007 um 19:31 Uhr

Das Käse-Debüt

von: Lapared

Ach, Ihr hättet es sehen sollen!

Lchen also als strahlende Debütantin in Brunos kleiner Stinkparzelle. Nur vorab: Ich habe mich wacker geschlagen in meinen ersten drei Stunden als Brunos linke Hand im Wochenend-Ansturm des szenigen Käse-Klientels.

Es sind ja ganz besondere Menschen, die Käse lose kaufen. Und nicht, wie meistens ich, von PENNY verpackt. Sie wählen links, sie verdienen rechts, sie pupsen in Computerstühle und Workerhosen, sie lesen „Fleisch ist mein Gemüse“ und leben „Lässig bin ich, aber edel mein Käse“. In der Kneipe hätten wir uns sofort weggedreht und toll verstanden. Durch das Schicksal jedoch auf gegenüberliegende Seiten des Käsetresen verschlagen, kam es vereinzelt zu Irritation...

„Mensch Lpunkt, was machst Du denn hier?“ – „Ich verkaufe Käse, siehste doch.“ – „Du, das find ich super.“ – „Du, Sie wünschen?“ – „Ich für mich find ja... Putzen hat was unheimlich Entspannendes! Hab meiner Putzfrau gekündigt und mach´s jetzt selbst, ist irgendwie total meditativ.“ – „Darf´s sonst noch was sein?“ – „Man macht einfach, macht, und am Ende ist es erledigt, das ist super befriedigend, wann hat man sonst schon mal so´n direktes Feedback, ach so, gibste mir was von dem Le Camisard*?“

*Le Camisard: leckere Ziegenkäsetaler, die mit würzigem Speck umwickelt sind. Diese Spezialität ist gebraten köstlich auf Salat - als Vorspeise oder auch für Zwischendurch. Ja, ja.

„Gern. Zeig einfach mit dem Finger drauf, hab keinen Schimmer, welcher das ist… “ Also, wie gesagt, kleine Irritationen.

Bruno nahm´s lächelnd. „Ex-Kollege?“ – „Hm“, nicke ich. „Der kann mal zu mir zum Meditieren kommen, hab seit sechs Wochen zuhause den Flur nicht gewischt…“ – „Bruno, da kannste noch ´n Geschäft draus machen!“ – „Lass ma…“ – „Brunorianische Wisch-Meditation, innere Katharsis durch kontemplatives Putzen.“ – „Meinste das läuft?“ – „Vielleicht doch nicht, die Typen stehn eigentlich mehr auf Wichs-Meditation…“ – „Nu, schimpf mal nicht so, sind doch auch alles nur arme Würstchen wie Du und ich, die versuchen, ihren Käse so teuer wie möglich zu kaufen…“ – „Haste auch Recht, Bruno.“ – „Und jetzt pass mal auf… das hier ist ein Brie de Meaux, Lieblingskäse von Karl dem Großen. Außerdem wurde der Brie 1814 beim Wiener Kongress von Talleyrand und seinen 143 Verhandlungspartnern als König der Käse bestätigt...“

Und so führte mich Bruno in die unsagbar sinnliche, unglaublich stinkende Welt des Käses ein. Ich habe nicht viel verdient, aber ich hatte Spaß und hab eine Menge gelernt. Ja, ja.