Anleitung zum Entlieben

22.02.2007 um 16:29 Uhr

On the Run

von: Lapared

Ich sag´ s gleich. Heute wird´s ein bisschen wirr. Vielleicht Überschriften, Überschriften für ein bisschen Struktur...

Stöckchen on the Rocks

Wo anfangen. Stöckchen, Milliömchen fragen nach Stöckchen. Ja, im Moment wünschte ich auch, dass Strang Stöcken sich weiter durch dieses kleine desperate Kapitel des Laparedschen Tragikomödchens zieht. Aber da ist doch keine Krankenkasse mehr, die diese Unterhaltungs-Knaller zahlt. Die Chancen vor Gericht stehen 40:60, 40 für mich. Ich agiere nicht gern aus dem Rückstand, ich brauche den sicheren Vorsprung um einigermaßen passabel aufzuspielen, ich ginge lieber mit 160:-60 an Start, 160 selbstverständlich für mich. Also liegt Stöcken, oder ein vielleicht noch begnadeterer Ersatz, gerade auf Eis. Ja, ich weiß, HK hatte gesagt, dass er meine Geistesbehandlung zahlt, damit ich ihm mit meinem Hang zur Scheiße nicht von der Fahne geh, sobald er – auferstanden aus seiner Alkoholiker-Ruine – keine mehr hat, aber... kommen wir zu Absatz zwei.

Lchen on the Koffer

Ja, es ist wahr, in Lchens Liebesleben stand schon wieder ein gepackter Koffer. Kein Überseekoffer für die große Reise über den schönen, wilden Ozean der Freiheit und Einsamkeit zu neuen Kack-Häfen, nur so ein kleiner Entbindungskoffer, wie Hochschwangere sie ab dem siebten Monat im Flur stehen haben. Immerhin lebe ich mit einem Alkoholiker, dessen finalen Niedergang wir erwarten, da ist ein Entbindungskoffer mit dem Nötigsten auch kein schlechter Rat. Wenn der neugeborene Mensch, der sich nach seinem Tiefpunkt sucht-theoretisch aus der Scheiße erhebt, tatsächlich existiert, kann Mutti ja wieder nachhause kommen. Kommen wir zu Absatz drei.

Das Dorf der quatschenden Seelen

Kleiner email-Wechsel heute zwischen HK und mir, so von Agentur zu Agentur, sehr romantisch:

"HK, stimmt es, dass Du Montagabend, als die Hütte brannte, mit der Agentur auf dem Kiez warst und bei der Textpraktikantin, mit der Du rumgeknutscht hast, auch über Nacht beblieben bist?"

Die Werbung ist wie gesagt ein Dorf, das Dorf der brennenden Hütten, der brennenden Kehlen und der geschwätzigen Seelen, deshalb nennt man Werbung eleganter auch „Kommunikation“, nirgendwo wie in der Werbung wird so viel gequatscht.

Wenig gesprächig die Antwort von HK:

"Ja."

About Karneval

Ich glaube nicht an Karneval. Ich gönne allen, die in den letzten Tagen rein karnevalistisch rumgeknutscht, - gegrabscht und außerhäusig übernachtet haben, die kleine Sause und ich finde es nur verständlich, dass sich gerade in Hochburgen der katholischen Kirche, deren Geschäftsprinzip auf der Konstruktion von Schuld in den Seelen ihrer Schäfchen basiert, das närrische Treiben so verbreitet hat. Die Katholen verkaufen Vergebung, darauf wollen sie nicht sitzen bleiben, jeder Karneval ist langfristig, wenn die Narren weiter Richtung großem Abgang ziehen, eine Goldgrube für sie. Aber was geht mich das an. Den Karneval muss mein Freund ja gar nicht zur Rechtfertigung bemühen.

Wer braucht Karneval, wenn er Alkoholiker ist...

Mein Freund ist Alkoholiker. Er knutscht mit einer Praktikantin, er schläft bei ihr – über ein mit will ich gar nicht spekulieren. Aber selbst wenn, er kann immer auf mangelnde Zurechnungsfähigkeit durch Krankheit plädieren. Alkoholismus ist in dieser Hinsicht wirklich eine sehr komfortable Sucht, ein Fresssüchtiger kriegt höchstens beim Klau von Popcorn mildernde Umstände, Rumvögeln verzeiht ihm keine Sau. Also, mein Liebster ist nicht zurechnungsfähig, wozu überhaupt die Anklage erheben...

Lpunkt wieder mal vorm großen Kpunkt

Dem Kackpunkt, dem Punkt der frei gewählten Konsequenzen. In meinem Kopf schießen tausend Gedanken kreuz und quer. Ich weiß, dass sie am Ende wieder nur an diesen einen Punkt führen. An dem man bleibt oder geht. Vor dem Punkt liegt das, was man schon kennt. Und dahinter ein gefühlter Abgrund, der, das weiß man, keiner ist, aber im Moment so aussieht. Es sieht aus wie ein Abgrund.

Den Campingjob habe ich „aus familiären Gründen“ quittiert, man hatte Verständnis, so verrotzt, wie ich war, und alle drücken die Daumen für die Genesung meines Vaters. Popelchen, ich hoffe auch, es geht Dir gut.

Ich weiß nicht, was ich letztlich mache. Ob ich gehe oder bleibe. Ich weiß nur, dass ich jetzt erstmal mein Entbindungsköfferchen nehme, noch ein paar Kleenex OHNE Ringelblumenbalsam einpacke und fahre. Irgendwohin, nur weg jetzt.

Ich melde mich zurück, in ein paar Tagen, denke ich.

Lchen on the Run