Anleitung zum Entlieben

19.03.2007 um 19:05 Uhr

Bahntarife

von: Lapared

Meine Erfahrungen mit dem Hochadel sind nur die besten. War es vor kurzem noch ein blaublütiger Kardiologe, der jeden Kranken gleich behandelte und auch bei mir als (damals noch) Privatpatientem keine Ursache für den obskuren Blutdruck fand, ist es diesmal ein adeliger Anwalt, durch dessen soziale Allüre mein Weltbild wankt.

Heute morgen. Ich blättere endlich mal in Ruhe durch den Vertrag, mein Herzchen triumphiert aber mein Verstand scheitert schon am zweiten Satz. Lchen, denk ich, ein vielleicht historischer Moment deiner materiellen Existenz, heuer besser einen Experten an. Schon lande ich bei Graf von und zu Sowieso, Anwalt für Verlagsrecht, Elbblick, Goldknöpfe, schneeweißes Haupt. Und ich mit Luftpumpe in der Hand.

„Was kostet das denn so, wenn Sie den Vertrag mal, na ja, überfliegen?“ – „Das kommt drauf an.“ – „Natürlich.“ – „Ich kann ihn hier im Büro überfliegen oder in der Bahn.“ – „SIE fahren Bahn?“ – „Nein, niemals.“ - „Ah. Und was kostet es in der Bahn?“ – „Nichts.“ – „Ah... oh... das ist ja... Kann ich Ihnen wenigstens die Fahrkarte zahlen?“ – „Ich fahre schwarz.“ Was für ein Graf.

Pfeifend schwinge ich mich auf mein Rad. Tja, denke ich, Lchen, altes Scheißemagnet, jetzt ziehst Du plötzlich nette Menschen an.

Kaum bin ich zuhause, ruft er an. „Herr Graf, so flott, und das mit der Bahn.“ – „Ich wollte Ihnen nur sagen, dass mir der Vertrag sehr fair erscheint.“ – „Ja, dann!“ – „Nur eine Kleinigkeit. Falls die Puppe auch ins Buch soll…“ - „PUPPE??? Sie spielme mit Ihren Lebem, alter Mamm!“ – „Schnauze, Curd.“ – „Die Rechte an der Puppe, das wissen Sie, die haben Sie nicht.“ – „Da müsste man, wenn, natürlich Curds Erschaffer fragen… ich weiß.“ – „Das sollten wir in Ruhe bereden, im Büro.“– „Im Büro?“ - „Das kostet dann 450 Euro die Stunde.“ - „Oh. Kann ich nicht zusteigen oder Sie vom Bahnsteig abholen?“ – „Leider nein.“ – „Dann, vielen Dank und... gute Fahrt.“