Anleitung zum Entlieben

30.04.2007 um 12:07 Uhr

Ständchen-Ende offen

von: Lapared

Am nächsten Abend. Ich in meinem Zimmer mit den undichten Fenstern beim Versuch zu schreiben. Draußen das Stimmengewirr der Menschen, die leben. Egal, denke ich (denn so schmettere ich Anflüge von Unruhe ab), egal, morgen sitzt Ihr im Büro und ich in der Sonne. Dann, plötzlich, wieder dieses Gitarrengewimmer, und ich - stets flexibel - überleg´s mir anders, denke, warum erst morgen? Ich öffne das Fenster und... ER strahlt mich an: Weichei, alias der hübsche, schwarze Gitarrenmann.

Zwei, drei Liedchen lasse ich ihn schmachten, dann nehme ich die restlichen Heringe, flitze runter mit dem Tütchen und stopfe es in seinen kleinen schwarzen Kasten. Ganz flink und mitten in einer Nummer, damit er nicht auf die Idee kommt, mich anzuquatschen... Wir wollen es ja nicht gleich übertreiben mit dem Leben.

Wieder am Schreibtisch höre ich ihn „L'Ultima Donna“ singen, ich überlege, ob ich es mal locker auf mich beziehen und vor allem ob ich es mit „Die ultimative -“ oder „Die letzte Frau“ übersetzen soll. Wie auch immer, jedenfalls hat er die Telefonnummer der Ultimativen Schrägstrich Letzten, sie war – nebst den letzten drei Heringen – Schwarz auf Weiß in der Tüte.

(Fortsetzung folgt vielleicht)

29.04.2007 um 11:51 Uhr

Fortgesetztes Ständchen

von: Lapared

Also, ich sitze auf dem Fensterbrett und schaue runter zu dem schwarzen Gitarrenmann, der vor den Gästen des besten Fischgrills der Stadt, über dem ich das besondere Vergnügen habe zu wohnen, so Herz zerreißend aufspielt, dass den gegrillten Riesengarnelen auf ihren Tellern die Augen überquellen. Früher hätte ich mir vielleicht die kleine Albernheit erlaubt, ihn mit Katzenpfötchen zu bombardieren, aber bitte, ich bin keine 13 mehr, die Katzenpfötchen habe ich hinter mir gelassen, ich stehe jetzt auf Salzheringe. Zumal es immer Querschläger geben kann – und ein Heringsfund zwischen Garnelen ist weit weniger anstößig als eine Katzenpfote zwischen Garnelen.

Da sitze ich also mit meinen Salzheringen auf der Fensterbank und der Mann streichelt seine Gitarre, wie man so sagt. Ich sehe durchaus das Dilemma, in dem er steckt, sicher ist es nicht leicht für ihn, seinen Pathos zu halten, wenn er dabei Menschen ansehen muss, die Garnelenschwänze auslutschen, aber wenn ich EINS nicht leiden kann, dann Gitarrenspieler, die gequält die Augen schließen. Ich setze an zum Wurf.

Ich dem Moment passiert´s. Der Gitarrenmann legt für einen Moment den Kopf in den Nacken, öffnet die Augen und sieht mich direkt an. Ich zaubere blitzschnell ein 34-Zähne-Lächeln auf mein Antlitz, winke, als hätte ich sie nicht alle, denn irgendwas muss ich ja machen mit der erhobenen Wurfhand. Er strahlt einen Moment lang zurück, und ich denke an Olli, wie er immer den Kopf in den Nacken legte und lachend den Mund aufmachte, sobald ich in meinen Rollboy griff und mit der Lakritz-Tüte raschelte. Ich erinnere mich an Olli, meinen alten Team-Partner, dem ich über die Weite von zwei Chefkreativen-Schreibtischbreiten einen Salz-Hering zuwerfen konnte, Olli, der den Hering dann mit dem Mund auffing und quiekend die Hände vorm Bauch zusammenklatschte wie ein alter, routinierter Zirkus-Seehund. Ach Olli. Der schwarze Gitarrenmann öffnet nicht den Mund, schade, das wär´s jetzt gewesen, er schließt vielmehr die Augen und versenkt sich wieder in seine sehnsüchtelnde Cantautori-Pose, aber… ich vergebe ihm. Natürlich vergebe ich ihm, denn seit 3 Sekunden weiß ich, er sieht GUT aus. Richtig gut. Ein bisschen wie Aidan, das alte Weichei, oh weia, und dann fängt er auch noch an zu singen...

Sorry, jetzt bin ich etwas in der Bredouille, ich muss weg, aber noch eine Fortsetzung trägt die vergleichsweise schlappe Pointe der Story eigentlich nicht, ich mach es also kurz...

Weichei macht ein bisschen auf verlebt und bringt mit Whiskystimme eine Paolo Conte-Schmacht-Nummer der Extraklasse. Die Garnelenfresser zücken unverzüglich das Kleingeld, jetzt haben sie die Schnauze wirklich voll. Der schwarze Mann geht mit einem schwarzen Kästchen rum (allmählich wird mir das mit dem Schwarz ein bisschen zwanghaft) und kassiert in aller Seelenruhe ab. Er wechselt sogar, wenn jemand sich rausreden will, er hätte kein Kleingeld. Und ganz zum Schluss, er war an jedem Tisch im Umkreis von 3000 Metern, ganz zum Schluss guckt er zu mir hoch und streckt mir grinsend das mäßig gefüllte schwarze Behältnis entgegen. Ich zucke mit den Schultern, ich habe kein Geld, mit dem ich um mich werfen könnte, aber ich halte mit freundlich fragendem Blick die Tüte Heringe hoch. Lakritz, schwarz, hm, wie wär´s? Er nickt, ich ziele... und treffe einen geparkten Audi. Er lacht, ich lache, er geht, fertig. Ich sag doch, dünne Pointe.

Aber gestern Abend war er wieder da.

(Fortsetzung folgt)

28.04.2007 um 11:40 Uhr

Ständchen

von: Lapared

An Tagen wie diesen, wenn die Sonne scheint und die Milchschaummeile unter meinem Fenster überquillt, wird meine kleine Wohnung, die ich so liebe, wird dieses stille Auge im Sturm so spätestens ab Sechs vom Sommersound der Großstadt geflutet und beschissen laut. Die Fenster, die im Winter für Regen und Frost durchlässig waren, sind nun genauso chancenlos gegenüber den verzweifelten Musizierversuchen armer Immigranten, die je schlechter, je lauter blasen. Sie wissen, die Almosen, die sie erwarten, gibt ihnen niemand für ihr Können. Die, die ihnen Geld geben, tun es, damit sie gehen. Schnell, sofort, bitte, HOPP. Damit die Lärmbelästigung endet, damit die Dilettanten-Combo endlich weiterzieht, damit man endlich wieder sein eigenes Wort versteht. Und sich weiter über die Speisekarte beraten kann. Deshalb ist auch immer mindestens ein Trompeter bei diesen Elends-Truppen. Unter der Trompeten-Folter brechen nämlich selbst harte „In diesem Land muss niemand betteln-Knochen“ zusammen und fischen ein fünf-Cent-Stück aus der flotten Cargohose - dafür, dass die Trompete weggeht, zahlen die Leute immer, auf die Trompete ist Verlass.

Gestern Abend. Ich sitze so da und versuche für mein eigenes Elend, das natürlich deutlich komfortabler war als das der Trompeten-Mafia, bessere Worte zu finden, als die, die ich vor anderthalb Jahren dafür hatte... versuche umständehalber auch mein Schmerzgedächtnis wieder zu finden, dass ich irgendwo in einem dunklen Winkel - ich dachte unwiederfindbar - vergraben hatte... als plötzlich etwas Ungewohntes durch meine Ohrstöpsel sickert und mir eigenartig auf die Sprünge hilft: leise, melancholische Gitarrenklänge. Der in Töne gegossene Herzschmerz, hach. Und: soweit ich das beurteilen kann (aber immerhin hatte ich mal Gitarrenunterricht) gekonnt. Empört öffne ich das Fenster und rufe schon runter: „Verschwinde, Angeber, hier dürfen nur arme Menschen spielen, die es nicht können!“ Aber dann erblickt mein Auge ein zumindest aus der Vogelperspektive echtes Schnittchen rrrrrrrrrrrrr und ganz in existentialistischem Schwarz. Ich halte in letzter Sekunde die Schnauze und lausche seinem virtuosen Schmalz...

(Fortsetzung folgt...)

27.04.2007 um 12:57 Uhr

Ein herrlicher Vormittag

von: Lapared

Heute Morgen. Kaum hatte ich meine Position am Pool eingenommen, kommt Emmi an. Emmi, meine Freundin aus der Seniorenliga, Sie erinnern sich.

„Wir haben in Deinem Blog gelesen, dass Du hier bist, ich dachte, da komm ich mal dazu.“ Emmi packt BILD, Thermoskanne und Leselupe aus. „Emmi“, sage ich, „Du hast vielleicht Nerven! Ich bin Ende Dreißig und Single, ich liege hier nicht zum Vergnügen.“ Emmi schiebt die Luft in ihren Körbchen zurecht und schaut sich um. „Apropos, in Deinem Alter ist Sonne Gift für die Haut, lass uns in den Schatten gehen und wir brauchen Liegen.“ Schatten? „Emmi, das ist eine ernste Sache, meine Chancen stehen schlecht genug. Ich denke nicht, dass es meine Ausgangslage verbessert, wenn Du auch hier liegst.“ Emmi reicht mir ein schwitzendes Käseschnittchen aus ihrer Tuppadose. „Ach was, wir haben doch eine völlig andere Zielgruppe, die Männer, die sich für mich interessieren, sind sowieso zu alt für Dich.“ So gesehen. „…Hier, iss was, das einzige, was Dir helfen kann, ist ein bisschen Arsch in der Hose.“ Ich beiße brav in mein Brot. Emmi schlägt die Bild auf und lächelt fein. „FREMDGEHWETTER, na... Hast Du eigentlich mal wieder was von Deinem kleinen Holländer gehört?“ - „Nein.“ Ich beschließe, eine kleine Runde durchs Wasser zu drehen. Als ich wieder komme, hat Emmi uns Liegen und schattige Plätzchen im Niemandsland nahe den Toiletten organisiert. Ach ja, ihre Blasenschwäche. Ich tue, als ob ich es nicht sehe, und lege mich zum Trocknen auf die heißen Steine. Hach... „Weißt Du, Lchen, Du gehst das ganz falsch an…“, Emmi, jetzt mit kariertem Sonnenhut, pflanzt sich dazu, wie schön. „Wenn ich das richtig sehe, brauchst Du einen Mann zwischen vierzig und fünfzig Jahren, gut situiert, freundlich, gebildet... Warum bitte sollte ein erfolgreicher vierzigjähriger Akademiker freitagvormittags im öffentlichen Freibad liegen?“ – „Keine Ahnung, Emmi, aber das kann er mir ja, wenn wir zwanglos ins Gespräch kommen, in Ruhe erzählen.“ – „Solche Männer, wenn sie überhaupt mal frei haben, packen ihre ZEIT, die sie sonst nur kaufen, aber aus Zeitmangel (hihi) nie lesen, und fahren irgendwo an einen kleinen See. Nur BILD-Leser gehen ins Freibad, die sind doch unter Deinem Niveau - soll ich Dir Dein Horoskop vorlesen?“ Ich fass es nicht. „Emmi, das ist mir scheißegal, ich, ICH bin einfach gerne hier, ich mag keine Seen, das ist mir alles zu natürlich, Algen, Schilf, Tiere, das ganze Gedöns... Sollen die käsigen ZEIT-Heinis sich doch an der Naturschönheit erbauen, ich liege lieber hier bei den Proleten.“ – „Gut“, sagt Emmi zufrieden, „mir geht´s genauso, dann wären wir ja klar: Wir sind einfach nur gerne hier. Und wenn wir Kerle suchen, gehen wir zum Tanztee oder ins Kabarett.“ Sie zuckelt zurück in den Schatten. Ich bleibe noch ein bisschen liegen, dann zuckle ich hinterher. Eine Liege, Kaffee, Schnittchen, ein bisschen Wind, sehr angenehm... „Emmi, wie geht´s eigentlich meinem vielleicht Zukünftigen, was macht Knut?“... Ein herrlicher Vormittag.

26.04.2007 um 12:00 Uhr

Lpunkt eröffnet die Bikini-Saison!

von: Lapared

Endlich ist es soweit. Gestern noch erntete nur mein Darm Bewunderung. Heute findet mein Po hoffentlich in seiner ganzen Oberflächlichkeit Liebhaber und Freunde. Vorbei die dunkle Zeit, die mich zwang, Männer durch innere Vorzüge zu beeindrucken. Curd Rock, Sie haben es vielleicht gesehen, hat das Freibad gnädigerweise endlich geöffnet. BIKINI-SAISON!!! Ich hoffe, es wird ein guter Sommer...

Viel ist allerdings nicht mehr da von meinem Bikini-Po. (Skandal: FRAU VERLOR PO BEI DARMSPIEGELUNG). Die zweitägigen Fasten- und Abführtortur hat mich in meinem postdepressiven Gewichtsaufbau um fünf Pfund zurückgeworfen, wieder mal beklage ich vor allem Arschschwund, ein Altersphänomen, glaube ich, früher magerte ich, wenn, viel gleichmäßiger ab. Na, ich nehme ein Paket Mohrenköpfe mit an den Pool...

Oh, 12.00 Uhr. Sie entschuldigen mich...

26.04.2007 um 10:56 Uhr

Curd Rock eröffnet neue Saisom!

von: Lapared

Heute mittag, liebe Milliömchem, ist es soweit. Ab 12.00 Uhr Ortszeit erlaube ich gemeimer Öffemtlichkeit wieder dem Zutritt zu meim Pool.

Vor den Gemeinem war ich natürlcih gesterm Abend schom höchpersömlich da. Ich habe das neue Wasserchem begrüßt, umd erstmal eim ermstes Wörtchem mit ihm gesprochem...

 Hallo Wasserchem 07!

 Deime Vorgämgerwasserchem
habem mir viel Kummer gebracht (hier: Curd Rock bei Begrüßumg von Vorgämgerwasserchem 06 am 29.4. vergamgenem Jahres)

 

 

 

 

 

 

 


 

 Ich hoffe Du brimgst mehr Glück

 Ich nahm meim alt Positiom eim

 umd dachte nach...

 Umd plötzlcih kam mir eim...

 G E DA M KE!

 Zwischem 4 umd 5 brimgt Umlück!

 Ich muss neues Eckchem suchen!

 EIMS! Eim sympathishce Zahl!

 Ich demke, wenn ich hier liege...

 Wird eim TOP-Saison!

25.04.2007 um 16:54 Uhr

Pro Mohrenkopf

von: Lapared

Was soll ich sagen... ein Triumph!

Ich heute morgen also hin. Zur Koloskopie. Der Magen hing mir in den Knien, aber der Darm... ein echter Vorzeige-Darm, sagte der Arzt. „Möchten Sie vielleicht ein Standbild machen für Ihre nächste medizinische Publikation?“ Ich sah es schon vor mir: Lpunkt - Autorin, Käseaushilfe, Darm-Modell… mein pummelgesunder Super-Po side by side mit einem Polypenarsch in einem Proktologen-Fachmagazin. Der Arzt ging noch weiter: „Das ist wirklich beeindruckend…“, beeindruckend, “…außergewöhnlich...“, AUSSERGEWÖHNLICH, „...bei Ihrer Vergangenheit.“ Bei meiner Vergangenheit? Wie sich das anhört, als wäre ich Ex-Nagelschluckerin oder eine Ikone des Poficks. Er grinst: „Sie sind doch die mit der Toast-Hawai-Mohrenkopf-Geschichte.“ Wie schön, er guckt in mein Gesäß, aber erinnert sich an mein Gesicht. „Keineswegs. Der Toast-Hawai ist Geschichte. Der Mohrenkopf ist Gegenwart.“ Er grinst noch mehr: „Bleiben Sie dabei. Ihr Darm ist tipp-topp wie bei einer 12-Jährigen, vielleicht liegt es an Ihren kindlichen Ernährungsvorlieben.“ – „Sie verarschen mich?“ Ich dachte, wann, wenn nicht hier, ist diese saloppe Wendung erlaubt. „Nein, essen Sie einfach, was Ihnen schmeckt.“ – „Ich hatte mich schon auf die kleine Vollkornfibel gefreut.“ - „Jeder Darm ist anders.“ – „Und die Ernährungspyramide?“ Er schweigt. Beredt. Und ich frage mich, ob es eigentlich eine negative Wertung implizieren würde, wenn ein Proktologe für´n Arsch sagt...

24.04.2007 um 19:00 Uhr

Ein Tag im Dienste des Stuhls

von: Lapared

Man sollte ja denken, das wäre ein Klacks. Für mich als alten Diät-Haudegen müsste ein Tag im Dienste des Stuhls doch eigentlich ein Spaziergang sein. Vierundzwanzig Stunden lang nur Wasser, klare Flüssigkeiten und Abführmittel, für eine Ex-Anorektikerin quasi wie nach Hause kommen, würde man meinen. Doch nein... ich tue mich schwer. Wann tue ich das eigentlich nicht.

Wie ich allein die Wanne Milchkaffee vermisse, die mich sonst wunschlos bis in den frühen Nachmittag spült. Und um Drei war die Stunde des Käseschnittchens... So wenig ich normalerweise zu mir nehme, so sehr hänge ich auch daran. Zermürbt studiere ich den Beipackzettel und stelle alle Nebenwirkungen an mir fest, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwäche.... Nur auf die Wirkung warte ich noch. Von wegen Klacks.

Ich fürchte, ich muss die Dosis erhöhen. Schließlich will ich meinem netten Proktologen morgen früh um Acht einen blitzblanken Po präsentieren - entsprechend meinem aufgeräumten, strahlenden Wesen. Der Ärztebonus eben, anders als beim bedauernswerten Call-Center-Mann, werde ich mich diesem Gott in Weiß gegenüber eisenhart disziplinieren.

Gilt Martini eigentlich als klare Flüssigkeit...?

23.04.2007 um 19:50 Uhr

Aus der Traum

von: Lapared

Es heißt, dass jeder Traum, der in Erfüllung geht, einen neuen zum Leben erweckt. Und ich kann nur sagen: Es stimmt, es stimmt sogar buchstäblich. In meinem Falle ist es ja der Traum vom weckerfreien Leben, der sich gerade erfüllt. Kein Job, keine Termine, ich kann aufstehen, wann ich will. Aber wie es so ist... Träume sind im Traum meist angenehmer als in Wirklichkeit. Was auch daran liegen mag, dass in meinem geträumten weckerfreien Leben nie ein Handy statt eines Weckers bimmelte und mich mit weit aufgerissenen Augen in die Senkrechte schnellen ließ. Anders heute Morgen, in meiner weckerfreien Realität...

Also, es bimmelt. Schrill.

„T-Dingsbums, Kundenservice. Frau Lpunkt?“

Keine Ahnung, aber wenn Sie´s sagen... „Ja?!“

„Frau, Lpunkt, wir würden gerne mit Ihnen über Ihren Telefontarif reden.“

Bin ich FBI-Agentin? Ist das der Code für Der amerikanische Präsident wurde entführt? Es ist MITTEN IN DER NACHT!!! „Ähhhhhhh...“ Geschickt schinde ich Zeit.

„Wir möchten Ihnen gerne einen Tarifwechsel vorschlagen, mit dem Sie möglicherweise bis zu 20 % sparen!“

In mir rührt sich was, die Abführmittel? Nein, Widerstand. Ich räuspere mich und zupfe mein Nachthemd für eine kleine Grundsatzrede glatt.

„Sagen Sie mal, dürfen Sie das? Ist es in dieser Welt erlaubt, jeden Menschen zu jeder Uhrzeit einfach zu stören, nur weil man etwas verkaufen will? Zählen die Bedürfnisse Einzelner denn gar nicht mehr, muss alles, ALLES, der großen Sache untergeordnet werden, dem Konsum?“

„Frau Lpunkt, es ist Viertel nach Neun. Und an Ihrem Telefonverhalten in der Vergangenheit konnten wir sehen, dass Sie um diese Uhrzeit normalerweise sehr kommunikativ sind.“

„In der Vergangenheit war ich Werber und immer kommunikativ. Jetzt bin ich Autorin und schlafe um diese Uhrzeit tief.“

„Entschuldigen Sie, Frau Lpunkt. Das ist neu, das wussten wir nicht.“

„Dann wissen Sie es jetzt. Und würde Sie nicht nur mein quantitatives sondern auch mein qualitatives Telefonverhalten interessieren, wüssten Sie außerdem, dass ich Verbindungspartner in den Morgenstunden überdurchschnittlich häufig mit ARSCHLOCH tituliere.“

„Verstehe, Frau Lpunkt. Warum stellen Sie das Handy dann nicht einfach aus?“

„Das kann ich Ihnen sagen! Weil ich es geschafft habe, mein Freund. Weil die Utopie Wirklichkeit geworden ist. Weil ich meinen Traum vom weckerfreien Leben lebe, jawohl LEBE! Weil ich am Morgen nach Unterzeichnung meines Buchvertrages den Wecker in einem Akt des Triumphs und der Freude an die Wand gefeuert hab, HA!"

"Gratuliere. Und???"

"Und weil ich seither die Weckfunktion meines Handys brauche, um wenigstens einigermaßen zeitig hoch zu kommen. Wenn ich das Handy ausschalte, das sollten Sie als Fachmann besser wissen, weckt es mich womöglich nicht!“

„Eigentlich schon. Aber wann wollten Sie denn geweckt werden, Frau Lpunkt?“

„Um Halbzehn.“

„In einer Viertelstunde, ich schlage vor, Frau Lpunkt, ich rufe Sie dann noch mal an?!“

„Nein! Ich will den Telefontarif nicht wechseln! Ich behalte den alten, welcher auch immer das ist!“

„Frau Lpunkt, aber vielleicht schaffen Sie sich wenigstens einen neuen Wecker an?!“

„Guter Tipp, vielen Dank für den Anruf, das mache ich.“

Also, AUS der Traum vom weckerfreien Leben. Und ein neuer ist prompt erwacht. Ich sinke zurück in die Kissen, stelle das Handy samt Weckfunktion aus... aber ich fege es nicht an die Wand.

Während mein geliebter Morgenschlaf zu mir zurückkehrt, sinne ich, wie lange der Traum vom handyfreien Leben in der Realität wohl traumhaft bleibt. Egal, für die nächsten zwei Stunden war er es... ssszzzzzzzzzzzzz...

22.04.2007 um 18:49 Uhr

Curd Rock, ready for his Close up

von: Lapared

Heute hatte Lpumkt wohl keim Lust hat zu schreibem. Jedenfalls sagte sie zu mir: "Komm Curd Rock, wir probierem eim paar Fotos für COVER von Buch!" Ich machte mich ready für meim Close-up. Aber was nützt eim Super-Modell vor Limse vom Amnateur...

 Entweder ich bim zu kleim.

 Oder nur zum Teil.

 Oder ich bim eim Quiz (Entdecke den Curd!).

 Immer sehem die Memschen nur eim Stückchen...

 Meim elegamtes schlankes Ärmchen...

 Mein entzückemde kleine Füßchen...

 (In Fachzirkelm auch "Curd Rock Cornichons-Füßchem" genannt.)

 Aber nie nie nie sieht jemand dem GAMZEN Curd.

 Wenn ich nicht ganz & groß auf Cover darf, mache ich wie Herold*.

(* jawohl, wie Herold aus Herold and Maud )

21.04.2007 um 18:21 Uhr

Frühlingsgefühle

von: Lapared

„Und der Mercedes unter den Spiralen kommt mir auch raus. Polypen raus, Mercedes raus, ich will nabelabwärts nichts mehr haben, was da nicht natürlicherweise hingehört!“

Mein Bauch ist prall gespannt wie vor einer Mehrlingsgeburt, seit Tagen, ich werde langsam unleidlich. Über die Darmreinigung weit hinaus treibt mich ein Bedürfnis, meinen Unterleib im großen Stil zu entmisten. Und jene Hormon-Spirale, die meine Gynäkologin einst die Limousine der Verhütung nannte, soll am liebsten gleich Montag auch dran glauben, nichts, keine Fremdkörper mehr da unten, alles raus, raus, raus!

„Wart mal noch ein paar Wochen", beschwichtigt meine Schwester, „das ist vielleicht ein ganz normaler, jahreszeitlich bedingter Reflex. Unsere Vorfahrrinnen spürten im Frühjahr das Bedürfnis, die Fenster zu putzen, wir überlassen das dem Regen oder einer Haushaltshilfe und wollen stattdessen unseren Unterbauch auf Hochglanz bringen.“

„Du meinst, die Koloskopie ist die evolutionäre Weiterentwicklung des primitiven Frühjahrsputz´?“

„In der Art. Mit dem Entsorgen der Spirale wäre ich allerdings vorsichtig, nicht, dass sich in Deinem Hochglanz-Unterleib so ein kleiner Scheißer einnistet.“

„Ich wüsste augenblicklich nicht, wodurch.“

„Das andererseits spricht für ein Entfernen der Spirale. Ich garantier´ Dir... Kaum ist sie raus, kommt irgendein Pimmel an, das ist doch immer so.“

„Ja, irgendwie stoßen sie am liebsten in die Verhütungslücke, hach...“

„Aber Du willst ja keine Fremdkörper in Dir, hast Du gesagt...“

„Nicht ständig und nicht ganz! Teilen gegenüber, sporadisch, bin ich sehr tolerant.“

„Ganz ruhig. Nichts überstürzen. Vielleicht solltest Du doch lieber erstmal Fenster putzen.“

„Hmpf. Ist gut.“

20.04.2007 um 15:56 Uhr

Die Erotik eines Proktologen

von: Lapared

Grundsätzlich begegne ich ja allen Ärzten mit Interesse, nicht nur als Patientin, auch als Frau. Ärzte sind die Feuerwehrmänner der Akademikerinnen, sagt meine Schwester immer, und es stimmt, ich finde dieses Retterhafte ausgesporchen sexy, da nehme ich Proktologen nicht aus. Im Gegenteil, ich war wirklich neugierig, einen Mann zu treffen, der irgendwann entschieden hat, für den Rest seines Lebens in Gesäße zu schauen (und sehr wahrscheinlich - das ist das Interessante - nicht mal im Suff, die kleine Sau).

Auf den ersten Blick sieht er ganz harmlos aus.

„Na, was haben wir denn für Beschwerden?“

Wir? Da haben wir sie schon, die Anzeichen einer bemerkenswerten Persönlichkeitsstörung, „wir“ sagen Ärzte sonst nur noch in Ärztewitzen. Ich gehe darüber hinweg und schildere meine Symptome. Wir befinden uns in der Vorbesprechung, die eigentliche Untersuchung steht zum Glück erst nächste Woche an.

„Was machen Sie beruflich?“

fragt er als nächstes. Ich weiß zwar nicht, was das mit meinem Stuhl zu tun hat, aber immerhin hat er diesmal nicht wir gesagt.

„Ich bin Psychologin“,

antworte ich lächelnd. Verglichen mit „Werbetexterin“, „Autorin“, „Käseverkäuferin“ erscheint mir das am seriösesten und als etwas, das vielleicht Eindruck auf einen solchen Menschen macht.

„Na, dann muss ich Ihnen ja nicht viel erzählen.“

Grundsätzlich stimme ich zwar zu, dass der Blick in die menschliche Seele und der Blick in den menschlichen Arsch sich in Einzelfällen vielleicht nicht sehr unterscheiden, trotzdem schaue ich ihn fragend an. Er führt aus:

„Dann wissen Sie ja, dass die meisten Darmprobleme seelische Ursachen haben.“

Ah, ein Jünger der Psychosomatik, wie schön. Ich nicke ernst.

„So ist es. Meine jahrzehntelange Verstopfung – und alles was sie möglicherweise hervorgerufen hat – ist Spiegel meiner Seele, die auch nichts loslassen kann.“

Ich denke, das Thema wäre geklärt.

„Wie ernähren Sie sich denn, Sie sind sehr schlank. Viel Gemüse, Salat, Fisch, tippe ich... also mediteran?

Ich schaue ihn fest an.

„Mohrenköpfe überwiegend. Zumindest momentan. Meine Ernährung hat immer so verschiedene Epochen, müssen Sie wissen. Es gab mal eine Broccoli-Epoche, eine Dinkelbrot-Epoche, ein Toast-Hawai-Epoche... „

Er fällt mir ins Wort.

„Was halten Sie von Mischkost?“

Spricht man normalerweise nicht von gesunder Mischkost.

„Nicht so viel, ich bin eher Purist.“

Er lächelt milde.

„Gut, wir schauen uns das nächste Woche mal an.“

Ich bin schon fast wieder zur Tür raus, da überrascht er mich.

„Übrigens, essen Sie bis zu Untersuchung ruhig schön weiter Mohrenköpfe. Die gehen einfach raus, dieses ganze Körnergedöns hängt ewig im Darm und behindert die Sicht.“

Super. Mein Mann.

20.04.2007 um 10:55 Uhr

Sprechstumde

von: Lapared

Liebe Milliömchen,

der Stuhlgamg ist eim zu Umrecht tabusiiertes Ritural. Ich persömlich sage immer:

 im richtiger Atmosphäre kann er...

 sehr erhebemd sein.Aber danach...

 Füßewaschem nicht vergessem!!!

Ihr

Dr. Curd Pfffffftttt..t.t Rock

19.04.2007 um 19:31 Uhr

Aberglaube an einen kichernden Gott

von: Lapared

Zwischen zwei Männern, ich weiß nicht, ob es Ihnen schon aufgefallen ist, zwischen zwei Männern gehe ich normalerweise immer gern zum Arzt. Anstatt mich mit falschem Wangenrot auf dem Singlemarkt zu tummeln, genieße ich die Gegenwart von Menschen, die mein wahrer Zustand kümmert, weil ich sie dafür bezahle. Beziehungsweise meine Kasse.

Hinzu kommt dieser alte Aberglaube. Ich gehe grundsätzlich nie zum Arzt, wenn ich glücklich bin und sehr am Leben hänge. Ich glaube nämlich, der da oben ist so einer, der denen, die das Köpfchen fröhlich recken, besonders gerne zwischen die Beine grätscht. Und dann kichernd zusieht, wie sie - RUMS! - voll auf die Fresse fliegen.

Auch insofern ist die stille Zeit zwischen zwei Lieben, wenn man zwar nicht mehr auf allen Vieren kriecht, aber immer noch gesenkten Hauptes geht, eigentlich die optimale Ärztezeit. Ich jedenfalls, war jedes Mal kerngesund, wenn ich als Schicksalsgebeutelte die Vorsorgeuntersuchung absolvierte.

Aber im Moment ist es ja etwas komplizierter. Einerseits bin ich wieder mal allein und verlassen, hach, und wahrscheinlich bei allerbester Gesundheit. Andererseits hat mich das Schicksal unlängst reich beschenkt, ich bin ziemlich glücklich, sodass ich fast damit rechne, dass es sich mit der anderen Hand was nimmt. Also, Arztbesuch oder kein Arztbesuch?

So sehr ich Mediziner sonst liebe, ich hatte kein gutes Gefühl... Blut im Stuhl hatte ich außerdem, und das schon was länger, also bin ich heute trotzdem mal hin. Prompt muss ich nächste Woche zur Darmspiegelung, von wegen Darmkrebsvorsorge, oha. Hab die Handtasche voller „Darmreinigungspräparate“ und mache mir jetzt schon die Hosen voll.

Vielleicht hätte ich mit der Untersuchung bis zur nächsten unglücklichen Schreibblockade warten sollen...

18.04.2007 um 19:37 Uhr

Vorfreude auf Edgar

von: Lapared

Gestern ist dann auch noch der Fernseher in meinem Fitnessraum kaputt gegangen. Er und der defekte DVD-Player waren wohl wie ein altes Ehepaar. Als der eine starb, folgte der andere ihm kurz darauf nach. Und für meinen anderen, den großen Fernseher, ist dort kein Platz (das „Fitnesszimmer“ war ursprünglich eine Speisekammer und der Karton meines LCD-Fernsehers größer als der Raum). Mit meinen gemütlichen DVD-Abenden auf dem Stepper ist es jedenfalls vorbei. Umso besser, mehr Zeit zum Schreiben.

Apropos. Im Nachhinein wirkt alles so… komisch. Logisch oder gerade unlogisch, jedenfalls… als könnte es kein Zufall sein.

Nehmen wir nur meine figürliche Entwicklung unter dem Einfluss verschiedener Männer und im Wandel Zeit. Am dicksten war ich bei 119, ich wog – das fällt mir erst im Rückblick auf – ziemlich genau 119 Pfund (wodurch endlich bewiesen wäre, dass es beziehungsmäßig nichts nützt, wenn das Pfundgewicht der Frau zum Blog-Pseudonym des Mannes passt). Bei Dick wurde ich dünner, ausgerechnet bei einem niederländischen Maler habe ich alles Rubenshafte verloren. Vielleicht weil Dick, als wir das Vergnügen hatten, nicht mehr Künstler sondern Lampenverkäufer war – und Rubens außerdem Flame. Und ganz zuletzt bei meinem Alk wog ich 8 kg weniger, 16 Pfund. Vielleicht wegen seiner Vorliebe für (rechne: 119 minus 16… … …) einen schönen Bobadilla 103. Sah vielleicht ein bisschen knochig aus, klingt aber rund.

Es macht Spaß solche Verbindung im Nachhinein zu konstruieren. Und sich ganz nebenbei zu fragen, wo das mit meinem Gewicht und den immer irgendwie dazu passenden Männern wohl hinführen wird. Seit HK habe ich jedenfalls sechs Pfund zugelegt. Eins noch (rechne: 103 plus 6 plus 1… … …) dann treffe ich vielleicht Edgar Selge aus Polizeiruf 110. Und auch der Doppeltod im meiner Fitness-Anlage macht plötzlich Sinn: Ohne meine stundenlangen Stepper-Orgien ist es bis Edgar sicher nicht lange hin...

17.04.2007 um 19:07 Uhr

Heute keine Billy Crudup-Stepperretrospektive

von: Lapared

Kaum habe ich beschlossen, vorsichtig mit dem Geld zu sein, das ich (denn es ist nur ein Vorschuss) schlimmstenfalls wieder zurückgeben muss… und es schnell für Sommerbekleidung auszugeben, bevor es so weit kommt... als mich die Not wirklich an existentiellster Stelle trifft: Mein DVD-Player ist kaputt. Gerade jetzt.

Sie wissen, ich bin kein Mensch, der sich dem Werk der Kalorien kampflos überlässt (erst recht nicht kurz vor der vielleicht letzten, vielleicht alles entscheidenden Bikinisaison, haha!). Wenn ich, wie gestern, sechs Penny-Mohrenköpfe fresse, setze ich mich danach nicht auf die Couch um zuzusehen, wie sie sich in eine neue Konfektionsgröße verwandeln, nein. Ich trage die Konsequenzen. Ich tue, was eine bald irgendwann vierzigjährige, alleinstehende Frau tun muss. Ich steige auf den Stepper direkt vor meinem DVD-Player, strampel eine Scorsese-Spielfilmlänge lang wie besessen, danach fresse ich die restlichen sechs (in einer Penny-Mohrenkopf-Packung sind zwölf).

Heute werde ich meine Maßlosigkeit zügeln müssen. Mein DVD-Player ist wie gesagt kaputt. Ich muss meine Billy Crudup*-Stepperretrospektive unterbrechen und sechs Mohrenköpfe unangetastet bei mir übernachten lassen, hach... Halbleere Packungen sind – direkt nach Büchern – die größte Herausforderung in meinem abenteuerlichen Leben. Oder ich muss einen der anderen beiden DVD-Player in mein Fitnesszimmer räumen. Auch eine gewagte kleine Idee...

(*Seit Stage Beauty, wo er gleichzeitig Othello und Desdemona spielte, bin ich sehr verliebt, in beide, und zweifle außerdem an meiner sexuellen Identität.)

16.04.2007 um 16:50 Uhr

Ansprache

von: Lapared

(Vor circa 10 Tagen am Strand von Sylt)

„Weißt Du“, murmel ich auf dem Bauch liegend ins Badetuch, „im Grunde bin ich wohl ziemlich männlich.“ Meine Schwester hmmt verstehend (ich dachte, ich hätte erwähnt, dass sie Ostern kommt…) und lässt den Gummibund von meinem Bikini-Oberteil zurück auf meinen Rücken flutschen. Sie ist der einzige Mensch, der mir den Rücken auch unter dem Bikini eincremt, falls er mal verrutscht. DAS nenne ich Liebe.

„Frauen...“, führe ich weiter aus, „Frauen sind bekanntlich multitasking, Männer können immer nur eins.“ Meine Schwester hmmt wieder, „Hmm, wenn man großes Glück hat...“ - „Weißt Du, ich lebe jetzt endlich meine männlichen Anteile aus, ich hab mich immer gefragt, wo sie stecken, wir alle haben uns gefragt, wo sie stecken, weiß Du noch, als Kinder durften wir nur mit Fischertechnik spielen, trotzdem kann ich bis heute nicht mal ´nen Haartrockner bedienen…“ (Anm.: Zwei Tage zuvor hatten sich beim abendlichen Discostyling meine Haare im Fön verfangen, es kam zu einem Elektrizitätsausfall auf der halben Insel und ich trage seitdem einen Mireille Mathieu Pony.)

Meine Schwester schmiert sich den Rest Sonnencreme boshaft grinsend auf die Stirn. „Erstens…“

Oh, erstens ist nie gut, machen wir uns darauf gefasst, für den Rest des Eintrags komme ich nicht mehr zu Wort...

„Also erstens: Ich finde Dich durchaus weiblich und absolut multitasking, Du kannst zum Beispiel gleichzeitig in der Sonne liegen, Quatsch erzählen und die letzten Kekse fressen.“

OH! In der Tat hatte ich einen Wahnsinns-Appetit entwickelt an der See.

„Zweitens. Ich kenne diese Theorie. Wenn ich mich recht entsinne, bemüht sie die Steinzeit als Beleg, als Männer Jäger waren, die sich auf ein Ziel konzentrieren mussten und Frauen Sammler, die links und rechts zu schauen hatten, wenn sie mit mehr als einer Brombeere heim in die Höhle kommen wollten, und weißt Du was ich von dieser Theorie halte…?“

Ich ahne es.

„…Sie ist Schwachsinn. Der wahre Grund, warum Männer lieber nur eine einzige Sache machen, ist: weil das a. angenehmer und b. erfolgversprechender ist. Und weil sie es deshalb einfach TUN. Weil es ihnen scheißegal ist, ob irgendwer deshalb enttäuscht ist oder sauer wird. Also… Wenn Du unbedingt männlich sein willst, hör endlich, endlich auf Dich zu rechtfertigen. Männer rechtfertigen sich nicht…“

Mir fällt auf... vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, worum die ganze Diskussion überhaupt ging.

„…Wenn Du keine Lust auf Werbung hast, solange Du an dem Buch schreibst, dann lass es. LASS ES einfach...“

Es ist ja so, Agenturen verhalten sich gegenüber Freien Textern genauso wie Männer gegenüber Freien Frauen: Solange sie frei sind, wollen sie sie nicht, aber kaum sind sie besetzt, zack, können sie nicht ohne sie leben.

„... Und tu mir BITTE einen Gefallen: Solange ich hier bin, hast Du drei Job-Anfragen bekommen. Und jedes Mal hast Du am Telefon so getan, als würdest Du gleich ins Wasser gehen vor Kummer, dass Du den Job nicht annehmen kannst.“ – „Na ja, ich will doch nur… nicht, dass die denken…“ - “Sag Ihnen einfach, wie es ist: Sag, Du schreibst ein Buch, bis Ende September stehst Du nicht zur Verfügung, danach wahnsinnig gern, aber vorher brauchen sie nicht wieder anrufen…“ - „Und wenn sich dann vielleicht in zwei Monaten zeigt, dass das mit dem Buch nicht so klappt?“ Meine Schwester holt genervt die Notpackung Kekse aus der Tasche. „Ich hab die ersten 20 Seiten gelesen, WAS BITTE SOLL DENN NICHT KLAPPEN???“

Tja, und seit dieser kleinen, beherzten Ansprache meiner Schwester geht es mir ganz wunderbar.

Ich weiß, dass ich bis Ende September nichts anderes tun werde als schreiben, sonnen und meinen Vorschuss verbraten (und ein bisschen Käse aufschneiden ab und zu). Ich werde kein schlechtes Gewissen haben, tagsüber, wenn andere im Büro brüten, im Freibad zu dösen. Schließlich brüte ich nachts, wenn andere vorm Fernseher oder in ihren Furzmollen dämmern. Und davon abgesehen: Eigentlich räkel ich mich ja nur im Dienste der Kunst am Pool. Denn bei der voraussichtlich leicht autobiographischen Farbe meiner kommenden Werke, wäre es sehr zweckdienlich, wenn mir diesen Sommer mal was passiert, worüber es sich zu schreiben lohnt. Oder noch besser, wodurch ich damit aufhören kann, zumindest zum Teil. Denn gewisse Themen würde ich schrecklich, schrecklich gern zum Abschluss bringen - Entlieben, verheiratete Männer, blöde Pimmel etc. - um mich anderen zuzuwenden. Keksen meinetwegen, Figurproblemen, Menschen, die einem den Rücken sogar unter dem Bikini eincremen... Es gibt ja so viel.

Jedenfalls… freue ich mich auf den Sommer.

15.04.2007 um 15:58 Uhr

Turbo für Curd Rock

von: Lapared

 Im dem Tempo.. .

 komme ich doch nie nachhause...

 Ich demke meim Auto braucht...

 ... eim Heckspoiler!

 Geht doch... 

14.04.2007 um 11:00 Uhr

Nicht umsehen

von: Lapared

Zun Abschied noch eim letztes Mal Meerchen gucken...

GUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUCK...

Danach darf ich mich auf kein Fall noch mal nach Meerchen umsehen. Sonst sieht man sich nämlich niiiie wieder ( altes Imdiamersprichwort)

 Hoffentlich guckt Meerchem...

 ...sich nicht nach Curd Rock um.

13.04.2007 um 12:01 Uhr

Die MS Sentimental fertig zum Ablegen

von: Lapared

Ich bin ja nicht so gut im Abschied nehmen. Die Sandkörnchenproblematik, Sie wissen schon...

Morgen verlasse ich Curd-Rock Island und schon fluten Nie mehrs mein Gehirn wie ein angeschlagenes Schiff. Nie mehr in den Dünen liegen und aus ersten Buchseiten vorlesen. Nie mehr blinzelnd dieses Meer betrachten und so schön zwischen Erinnerungen an Liebe und Hoffnungen auf Auflage treiben. Nie mehr den feinen Sand von „Curd Rock-Beach“ in umliegende Bauchnabel füllen und dabei grübeln, ob es im Plural -näbel heißt... Bei einem Naherholungsgebiet wie der Nordsee muss man gedanklich schon einigermaßen beweglich sein, um sich im Nie-mehr-Abschieds-Blues zu wiegen. Aber schließlich hieß „Curd Rock-Beach“ bis vor 3 Wochen „Sylter Strand“, und von Sylt ist ja bekannt, dass es versinkt... Das hilft, sentimentalitätstechnisch gesehen.

Ich hatte, soviel vorab, eine großartige Zeit. Fast 20 Tage Sonne, fast 25 Seiten Buch, sicher 30 Pfund mehr Arsch - dies nur als erste Bilanz. Das Wochenende werde ich noch bei meiner Schwester verbringen. Und ab Montag geht´s dann weiter, life, aktuell und RRRrrrrrrrrrrrrrr... mit Details.