Anleitung zum Entlieben

27.04.2007 um 12:57 Uhr

Ein herrlicher Vormittag

von: Lapared

Heute Morgen. Kaum hatte ich meine Position am Pool eingenommen, kommt Emmi an. Emmi, meine Freundin aus der Seniorenliga, Sie erinnern sich.

„Wir haben in Deinem Blog gelesen, dass Du hier bist, ich dachte, da komm ich mal dazu.“ Emmi packt BILD, Thermoskanne und Leselupe aus. „Emmi“, sage ich, „Du hast vielleicht Nerven! Ich bin Ende Dreißig und Single, ich liege hier nicht zum Vergnügen.“ Emmi schiebt die Luft in ihren Körbchen zurecht und schaut sich um. „Apropos, in Deinem Alter ist Sonne Gift für die Haut, lass uns in den Schatten gehen und wir brauchen Liegen.“ Schatten? „Emmi, das ist eine ernste Sache, meine Chancen stehen schlecht genug. Ich denke nicht, dass es meine Ausgangslage verbessert, wenn Du auch hier liegst.“ Emmi reicht mir ein schwitzendes Käseschnittchen aus ihrer Tuppadose. „Ach was, wir haben doch eine völlig andere Zielgruppe, die Männer, die sich für mich interessieren, sind sowieso zu alt für Dich.“ So gesehen. „…Hier, iss was, das einzige, was Dir helfen kann, ist ein bisschen Arsch in der Hose.“ Ich beiße brav in mein Brot. Emmi schlägt die Bild auf und lächelt fein. „FREMDGEHWETTER, na... Hast Du eigentlich mal wieder was von Deinem kleinen Holländer gehört?“ - „Nein.“ Ich beschließe, eine kleine Runde durchs Wasser zu drehen. Als ich wieder komme, hat Emmi uns Liegen und schattige Plätzchen im Niemandsland nahe den Toiletten organisiert. Ach ja, ihre Blasenschwäche. Ich tue, als ob ich es nicht sehe, und lege mich zum Trocknen auf die heißen Steine. Hach... „Weißt Du, Lchen, Du gehst das ganz falsch an…“, Emmi, jetzt mit kariertem Sonnenhut, pflanzt sich dazu, wie schön. „Wenn ich das richtig sehe, brauchst Du einen Mann zwischen vierzig und fünfzig Jahren, gut situiert, freundlich, gebildet... Warum bitte sollte ein erfolgreicher vierzigjähriger Akademiker freitagvormittags im öffentlichen Freibad liegen?“ – „Keine Ahnung, Emmi, aber das kann er mir ja, wenn wir zwanglos ins Gespräch kommen, in Ruhe erzählen.“ – „Solche Männer, wenn sie überhaupt mal frei haben, packen ihre ZEIT, die sie sonst nur kaufen, aber aus Zeitmangel (hihi) nie lesen, und fahren irgendwo an einen kleinen See. Nur BILD-Leser gehen ins Freibad, die sind doch unter Deinem Niveau - soll ich Dir Dein Horoskop vorlesen?“ Ich fass es nicht. „Emmi, das ist mir scheißegal, ich, ICH bin einfach gerne hier, ich mag keine Seen, das ist mir alles zu natürlich, Algen, Schilf, Tiere, das ganze Gedöns... Sollen die käsigen ZEIT-Heinis sich doch an der Naturschönheit erbauen, ich liege lieber hier bei den Proleten.“ – „Gut“, sagt Emmi zufrieden, „mir geht´s genauso, dann wären wir ja klar: Wir sind einfach nur gerne hier. Und wenn wir Kerle suchen, gehen wir zum Tanztee oder ins Kabarett.“ Sie zuckelt zurück in den Schatten. Ich bleibe noch ein bisschen liegen, dann zuckle ich hinterher. Eine Liege, Kaffee, Schnittchen, ein bisschen Wind, sehr angenehm... „Emmi, wie geht´s eigentlich meinem vielleicht Zukünftigen, was macht Knut?“... Ein herrlicher Vormittag.